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prodomo81
Hallo,

ich bin eine depressiv-ängstliche Süddeutsche, 33 Jahre, seit 2007 bewusst krank und nach einer Weile Ruhe und Normalität brauche ich doch wieder Hilfe.

Ich hatte 2008/09 bis dato meine schwerste Zeit. Ich war damals 2mal in verschiedenen psychosomatischen Kliniken. Ich hatte Panikattacken, Angst raus zugehen, einzukaufen, Freunde zutreffen, weg zufahren usw. Ich denke, viele werden das kennen. Mir ging es im Grunde jeden Tag den ganzen Tag beschissen. Mein Körper hatte eine Menge Symptome geboten: flaues Gefühl in Brust und Bauch, totale Schwäche und Lustlosigkeit, Rücken-Nacken-Verspannungen, schwache Beine, unwirkliches Sehen,bäh-Gefühl wie vor einer Grippe usw. die Liste könnte weiter so gehen. Dank Angst hatte ich natürlich auch entsprechend "viel" Bewegung, was die Sache nicht besser gemacht hat.

Nichtsdestotrotz hab ich wieder Land in Sicht gehabt, mein Studium beendet, einen Job angefangen, mir einen Hund zugelegt. Lebe in einer gesunden Partnerschaft, war allein unterwegs, Freunde besucht, in den Urlaub geflogen usw. Sicher gab es auch in den letzten Jahren, Tage welche ich am Abend gern beendet habe. Aber im Großen und Ganzen war alles schick.

Jetzt sitz ich hier, hab mich gestern krank gemeldet, mein Freund und die "Nanny" müssen sich um den Hund kümmern, ich hab Angst, bin schwach und selbst das Getippe hier ist unglaublich anstrengend!

Im letzten viertel Jahr ist soviel passiert: mein Vater ist plötzlich verstorben, einfach umgekippt, ich musste alles das erste Mal allein organisieren...Beerdigung, Abmeldung, Wohnungsauflösung. Trotz des Stress, gings mir eigentlich relativ gut. Und jetzt gehts abwärts trotz Medis und dem täglichen Kampf.

Er fehlt mir.

Ich bin müde, ich denke, die Vorstellung reicht auch?! Danke fürs lesen!
domo

15.03.2014 13:57 • 21.03.2014 #1


6 Antworten ↓


Piglet 66
Hallo domo,

ich denke, eine Angsterkrankung hat man ein Leben lang, mal mehr mal weniger präsent. Der Unterschied ist, dass man allmählich lernt, Strategien zu entwickeln, damit zu leben.
Es gibt bestimmt Zeiten, in denen die Angst gar nicht mehr zum Vorschein kommt und dann, ausgelöst durch ein besonderes Ereignis (der plötzliche Tod Deines Vaters) oder anhaltenden Stress o.ä. wird man wieder damit konfrontiert und muss sich damit auseinandersetzen.
Ich finde, Du solltest Dir und Deinem Körper jetzt die Ruhe geben, die nötig ist.
Du hast bestimmt damals in der Klinik Techniken erlernt, wie Du mit akuten Angstzuständen umgehen sollst, vielleicht kannst Du das wieder anwenden?
Und vielleicht hilft Dir der Gedanke daran, ein solches Tief schon einmal er- und überlebt zu haben?
Das sind so meine Erfahrungen, ich wünsche Dir viel Zuversicht und Geduld!

Ganz liebe Grüße

15.03.2014 15:47 • #2



Flaues Gefühl in Brust / Bauch - Schwäche & Lustlosigkeit

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prodomo81
Danke für die Worte, Piglet!
Ich bin ganz deiner Meinung. Es ist nach langer Angstabstinenz nur sehr schwer für mich es auszuhalten und eben auch zu akzeptieren. Es ist ermüdend und deprimierend wieder nicht zu können, wie ich will. Mich verwundert immer wieder, dass im akuten Fall (eben der Tot meines Vaters) alles automatisch und problemarm über die Bühne geht und dann, wenn eigentlich alles überstanden ist...PENG

Dumme Sache die Angst. Ich überlege, ob ich mir jetzt besagte Ruhe gönne oder Montag wieder arbeiten geh. Hm? Hat beides Vor-/Nachteile.

15.03.2014 16:13 • #3


Piglet 66
Das kann ich nur zu gut verstehen, bin auch ein absoluter Spätzünder, was das anbelangt Wenn mir was widerfährt, was triggert und an blöde Sachen von früher erinnert, oder wenn ich in einer Sitaution bin, die zwar bedrohlich oder beängstigend für mich ist - ich kann dann wunderbar funktionieren und tun was getan werden muss. Erst viel später kommt dann der Absturz Hat aber auch etwas Gutes: wir können dann, wenn es wichtig ist, handeln und agieren und sind einsatzfähig. Wie siehst Du das?
Die Erfahrung nach langer Angstabstinenz wieder einen Rückfall zu erleiden durfte ich auch unlängst machen. ich war fassungslos, enttäuscht, wütend und resigniert - ungefähr in dieser Reihenfolge! Nun bin ich wieder in ambulanter Therapie und habe verstanden, woran ich arbeiten muss.
Tja, so wird das Leben nicht langweilig

Zum Thema Arbeiten gehen würde ich ganz spontan sagen: Bleib zu Hause, kümmere Dich im Dich, tue Dir was Gutes.

15.03.2014 16:49 • #4


prodomo81
Ja, praktisch ist die "verzögerte" Angst schon. Wobei das nicht immer zwangsläufig so sein muss. Es gab auch schon Situationen, welche mich sofort rein geschupst haben.

Ich möchte mit einer Therapie noch etwas warten, vielleicht reicht meine eigene Arbeit an mir erstmal aus. Aber ich warte nicht mehr so lange wie in der Vergangenheit.

Wie lange warst du denn angstarm? Gab es DIE Situation oder ist es schleichend wegen verschiedenster Dinge wieder gekommen?.

Montag früh werd ich entscheiden ob Arzt oder Job. Ich arbeite mit lernbehinderten Erwachsenen, da ist Angst und Depression richtig fehl am Platz. Ich brauch hierfür Geduld und die habe ich, wenn ich sterbe , nicht wirklich.

15.03.2014 17:04 • #5


Piglet 66
Angstarm ist eine gute Definition! Meine Angst hat sich schleichend wieder aufgebaut. Viele Situationen und Ereignisse, wo es in mir leise "geklingelt" hat. Aber man ignoriert, überspielt, möchte weiterhin pflichtbewusst seine Rolle spielen und sich natürlich nach außen nichts anmerken lassen. Ich stell' mir das bei mir so vor, dass sich immer mehr ansammelt und irgendwann ist dann das Limit erreicht und dann genügt nur noch ein kleiner Funke...
Eigentlich sollte man nach über 25 Jahren Angst-Erfahrung wissen, wie man tickt...
Eine sehr verantwortungsvolle und sicherlich auch erfüllende Arbeit, die Du da tust. Klar, dass Du da 100% sein musst und Angst absolut fehl am Platze ist. ich kann Dir aus eigener Erfahrung nur sagen, höre auf Dein Innenleben und versuche nicht um jeden Preis einfach weiter zu machen.
Ist zumindest bei mir kräftig in die Hose gegangen!

15.03.2014 17:16 • x 1 #6


prodomo81
Ich hab auf meinen Bauch gehört. Noch bin ich nicht sich, ob und wie gut das ist. Bin 2 Wochen erstmal krank geschrieben. Das rumhängen da heim, hilft aber irgendwie nicht weiter. Gestern war ein super Tag, heute schon wieder nicht.

Ätzend!

Ich hoffe jetzt am WE krieg ich mehr zu Stande. Mal raus, Vielleicht jemanden besuchen...irgend sowas.

21.03.2014 17:03 • #7




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