Zitat von Snow-White:Anschana.
Es war wirklich interessant, deinen Text zu lesen.
Doch meine Frage, wenn auch etwas persönlich, an dich... du musst natürlich nicht antworten.
Aber warum schaut man da als Mutter weg?
Denkt man, der Zwist ist vielleicht auch nur vorübergehende Rivalität?
Hat man Sorge, alles schlimmer zu machen, wenn man eingreift?
Ist man selbst "abhängig" von der Liebe des Mannes geworden und ihm gegenüber einfach nur Harmonie-bedürftig?
Sieht man es vielleicht auch einfach nicht, wie groß dieses Problem wirklich ist?
Ist nicht negativ gemeint, mich interessiert tatsächlich nur die Sicht der Mutter in solch einem Fall.
Grüße
Ich beantworte die Frage gern. Um eben den Kindern aus diesen Familien die Gelegenheit zu geben, sich nicht verlassen zu fühlen. Vor einigen Jahren hätte ich dir keine Antwort geben können, weil ich es selbst nicht anders gesehen hätte.
Und um Müttern, die das erleben, den Mut zu geben, aufzustehrn und dieser Situation die Stirn zu bieten. Für sich und ihre Kinder.
Zunächst hat es ganz viel mit Eigenliebe zu tun. Ich war nicht wirklich in meiner Mitte. Und dann kam dieser Mann, der diese Situation für sich unbewusst nutzte. Denn er fühlte sich offensichtlich noch kleiner als ich.
Im Grunde ist so eine Gewaltbeziehung wie Zuckerbrot und Peitsche. Man weiß nie, was passiert. Ist es heute gut, ist es heute wieder der Horror?
Natürlich sollte eine Mutter in allererster Linie ihr Kind schützen. Komme, was wolle. Aber ich war eigentlich nur noch damit beschäftigt, mich zu schützen. Das erfordert Kraft. Wenn man keine Möglichkeit zum Auftanken hat, dann lässt diese Kraft eines Tages nach. Man sieht alles, nimmt es wahr, weiß, dass es falsch ist. Aber man kommt einfach nicht aus diesem Muster heraus. Und weil man sich selbst als Versagerin sieht, weil man sein Kind nicht schützen kann, wird alles entweder ignoriert oder man gibt dem Mann sogar stellenweise Recht, um Ruhe zu haben.
Man sieht das Leid des Kindes. Verbindet es mit dem eigenen Unvermögen, die Situation zu bessern und weil man sich selbst ja nicht noch schlimmer fühlen möchte, schweigt man.
Und natürlich aus Angst. Denn so ein Minus-Mann nimmt keine Rücksicht. Meiner brüllte mich mal vor den Kindern an. Sie waren da um die 13,14 und die Kleine war gerade anderthalb. "Du verdammtes Stück Schei.....! Noch nicht mal ordentlich f*cken kann man dich!"
Jeder ängstliche Mensch, der seine eigene Wertschätzung verloren hat, empfindet diese Aussage in Zusammenhang mit der aggressiven Mimik und der Lautstärke als richtig.
Wenn man sich selbst nicht mehr liebt und schätzt, seinen eigenen Wert nicht mehr einordnen kann - wie soll man dann jemand anders lieben und schützen? Auch, wenn es das eigene Kind ist?
Ich hoffe, ich konnte es einigermaßen erklären. Ansonsten nochmal nachfragen. Ich finde das gerade für die Betroffenen wichtig, durch die Schleier auf die Wahrheit zu blicken und sich dieser zu stellen. Der Andere ändert sich nicht. Aber wenn man selbst etwas ändert, ändert sich das Leben. Und die einzige Möglichkeit zur Änderung ist eine Trennung, um wieder auftanken zu können.
LG, Anschana