Hallo zusammen,

ich habe ein großes Problem mit meiner Mutter und da es heute wieder eskaliert ist, habe ich das Gefühl, dass ich eine Richtung brauche, einen Rat oder Zustimmung ich weiß es auch nicht so genau.

Ich bin mittlerweile 30 und reiße ganz kurz unsere Lebensgeschichte an:
Als ich ca. 13 war, trennten sich meine Eltern nach jahrelangen intensiven Problemen. Von da an war ich natürlich der absolute Mittelpunkt meiner Mutter, was als junges Mädchen si-cherlich auch nicht optimal, aber nicht so dramatisch war. Ausgezogen bin ich dann mit 21 Riesendrama. Damals erwartete Sie noch, dass ich trotz Auszug jedes Wochenende bei ihr verbringe und wenn ich das mal nicht tat, gab es Streit und Tränen, weil ich sie angeblich im Stich lasse. Über die Jahre auch durch Studium und weitere Entfernungen zueinander wurde es zwar besser, aber immer noch merkte ich, wie sehr sie klammerte. Wehe, ich rief mal eine ganze Woche nicht an. Dann hörte ich beim nächsten Telefonat nur Vorwürfe alà ach, Dich gibt es auch noch? Ich dachte schon, Du interessierst Dich gar nicht mehr für mich!. Wenn ich mal zu meiner Mutter fuhr, dann erwartete Sie immer das tut sie bis heute dass ich gleich das ganze Wochenende bleibe und auch während des Wochenendes 24/7 für sie da bin und bloß keine alten Freunde besuche. Ich traue mich schon gar nicht mehr auch nur anzuschneiden, dass ich gleich mal für 3 Stunden zu Freundin xy fahre, weil ich weiß, dass es in einem Drama endet. Ich höre dann immer so Sachen wie ja, lass mich ruhig schon wieder alleine! oder dann hast Du mal Zeit und hast doch keine Zeit für mich!. Teilweise gibt es auch Tränen.

Da ich mittlerweile nun schon länger mit meiner Lebenspartnerin zusammen lebe, beruflich mit zwei Jobs stark eingespannt bin, sowie auch einen Freundeskreis und Verpflichtungen habe, habe ich naturgemäß deutlich weniger Zeit als früher und verbringe die Zeit, die ich habe, auch gerne mit meiner Partnerin. Logisch, dass ich ohnehin ungerne das Zepter in die Hand nehme, was Aktivitäten mit meiner Mutter betrifft, weil ich wieder befürchten muss, dass der Vorschlag ihr nicht passt, weil er nur auf ein paar Stunden und nicht gleich auf ein ganzes Wochenende ausgelegt ist.

Nun wollte meine Mutter uns über ihren Urlaub ein Wochenende besuchen. Es stehen zwei Wochenenden zur Auswahl, wovon wir aber an einem schon völlig ausgeplant sind. Nun bot ich ihr an, das andere Wochenende zu kommen und noch ein paar Tage der Woche mit dran zu hängen (sie hat ja ohnehin frei). Darüber redeten wir gestern am Telefon und sie war un-glaublich schlecht drauf und erklärte nur, das würde sich ja alles überhaupt nicht lohnen, da ich in der Woche ja sowieso arbeiten bin etc.. Naja, wir beendeten das Telefonat dann auf-grund ihrer schlechten Grundstimmung. Heute Morgen bekomme ich dann eine SMS von ihr völlig unerwartet die lautete: Nachdem ich fast die ganze Nacht wachgelegen habe, muss ich das jetzt wissen: Gibt es in deinem Leben eigentlich noch einen kleinen Platz für mich?. Ich war schockiert! Schon wieder drehte sie alles so, als würde ich sie hassen, ab-lehnen und weiß der Geier, was noch. Dabei hatte ich doch die möglichen Optionen für ihr Kommen genannt und war auch schon in der Planung, was wir dann unternehmen. Ich bin mal wieder, wie vor den Kopf gestoßen. Solche ähnlichen Dinge kommen immer wieder vor. Ich fühle mich dann total schlecht und habe ein wahnsinnig schlechtes Gewissen, obwohl ich im Innern der Meinung bin, überhaupt nichts falsch gemacht zu haben.

Meine Mutter hat auch die Angewohnheit, mir immer Vorwürfe zu machen, wenn ich mich mal nicht gemeldet habe, allerdings meldete sie sich von sich aus so gut wie nie. Wenn ich Ihr dann sage, Du kannst Dich doch auch jederzeit melden, dann sagt sie nur: Dann habe ich das Gefühl, dass ich unerwünscht bin. What? Ich verstehe es nichtIch habe ihr auch klar gemacht, dass wir gerne mal auf einen Kaffee runter kommen oder sie herzlich bei uns zum Kaffee eingeladen ist, aber es eben nicht immer gleich ein Wochenende sein muss. Aber die Möglichkeiten schließt sie vollkommen aus. Lohnt sich ja alles nicht.

Vorweg: Nein, eine Therapie oder ein Gespräch mit einer dritten Person kommen für sie ab-solut nicht in Frage. Sie gehört zu den Menschen, die von Psychologen und Therapien absolut gar nichts hält. Ist für sie alles Humbug, jeder kann doch seine Probleme selbst in den Griff kriegen. Das Ding ist nurich glaube, sie sieht bei sich kein Problem, auch nicht, wenn ich sie mit der Nase drauf stoße.

Ich würde eigentlich gerne mal richtig meine Grenzen zeigen und ihr einfach sagen, dass es so nicht mehr weitergeht und sie mal über ihr Verhalten mir gegenüber nachdenken solle und wenn sie sich reflektiert hat und zu dem Entschluss kommt, dass wir noch mal vernünftig über unsere Beziehung sprechen können, sie sich wieder melden soll. Das Problem ist aber, diese Eskalationen passieren immer zu Momenten, wo ich das Gefühl habe, dass ich ein Riesena. bin, wenn ich jetzt mein Ding durchziehe. Im Moment planen wir bspw. den ge-meinsamen Urlaub zu ihrem 60. Geburtstag. Das heißt, wenn ich jetzt einen Break mache, fällt auch das ins Wasser und ich fühle mich mein Leben lang schuldig, ihr den Geburtstag, den es halt nur einmal im Leben gibt, durchtrieben zu haben.

Brauche wirklich mal Meinungen, wäre Euch sehr dankbar.

10.10.2017 13:51 • 13.10.2017 #1


4 Antworten ↓


Zitat von MissButterfly:
Hallo zusammen,

Ich würde eigentlich gerne mal richtig meine Grenzen zeigen und ihr einfach sagen, dass es so nicht mehr weitergeht und sie mal über ihr Verhalten mir gegenüber nachdenken solle und wenn sie sich reflektiert hat und zu dem Entschluss kommt, dass wir noch mal vernünftig über unsere Beziehung sprechen können, sie sich wieder melden soll. Das Problem ist aber, diese Eskalationen passieren immer zu Momenten, wo ich das Gefühl habe, dass ich ein Riesena. bin, wenn ich jetzt mein Ding durchziehe. Im Moment planen wir bspw. den ge-meinsamen Urlaub zu ihrem 60. Geburtstag. Das heißt, wenn ich jetzt einen Break mache, fällt auch das ins Wasser und ich fühle mich mein Leben lang schuldig, ihr den Geburtstag, den es halt nur einmal im Leben gibt, durchtrieben zu haben.


Warum sollte es denn gleich zu einem Break kommen, wenn du dich mal mit ihr zusammensetzt und das Thema nochmals besprichst. Ich denke viele Probleme werden durch mangelnde Kommunikation noch größer. Reflektiere dich selbst und formuliere für dich klare Grenzen und die vermittelst du auch deiner Mutter - und klar, dass ist ein Drahtseilakt - aber wenn du dir deiner Wünsche ganz sicher bist dann schaffst du es auch dich nicht wie ein A**** zu fühlen.
Es gibt eben immer extreme - ich wünschte mir meine Mutter würde sich mehr für mich interessieren. Versuche auch das positive zu sehen - und beim Gespräch nicht nur das negative aus knallen, auch was du gut findest - das entspannt das Gespräch

10.10.2017 14:52 • #2


Hallo MissButterfly,
Hatte fast genau das gleiche Problem mit meiner Mutter wie Du, und nach der Geburt meines ersten Kindes ist es ähnlich eskaliert wie bei Dir. Weil mich das so fertig gemacht hat, dass ich kaum noch einen klaren Gedanken fassen konnte und Sie mich aber auch alle 2-3 Tage anrief, habe ich mir damals (ich war 31 Jahre alt) eine Therapeutin gesucht, um mir erstmal meiner eigenen Bedürfnisse bewusst zu werden. Bis dahin ging es nämlich fast ausschließlich um die (unmöglich zu befriedigenden) Bedürfnisse meiner Mutter. Ich habe dann tatsächlich für fast zwei Jahre (!) den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen mit der Bitte an Sie, mich in Ruhe zu lassen weil ich diese Zeit brauche (für mich, nicht gegen Sie!), und siehe da: Sie kam auch ohne mich klar. Und was noch viel wichtiger war: Die "Knöpfe", die Sie bei mir immer gedrückt hat, um mir ein schlechtes Gewissen zu machen, funktionieren seit dieser Zeit nicht mehr. Wir haben mittlerweile wieder ein gutes Verhältnis, wenn auch ganz anders als vorher. Das hat nach den zwei Jahren Pause noch mal ca. zwei Jahre gedauert, bis es so wurde wie es jetzt ist (bin jetzt 38 Jahre alt).
Meinen Schuldgefühlen bin ich mithilfe einer Psychoanalyse auf den Grund gegangen. Vielleicht klingt das für Dich jetzt seltsam, denn Du hast ja geschrieben dass Deine Mutter eine Therapie ablehnt. Aber eine Therapie bei Deiner Mutter würde ja auch an Deinen Schuldgefühlen Ihr gegenüber nichts ändern. Es ist wichtig für Dich, dass Du keine Schuldgefühle mehr bekommst, egal was sie sagt. Bei mir hat es auch eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass ich meine Mutter (oder auch andere Menschen) niemals ändern kann, sondern dass die Veränderung von mir ausgehen muss.
Ich hoffe, das hilft Dir irgendwie weiter.
Alles Gute und pass auf Dich auf!

10.10.2017 15:22 • #3


Zitat von LiLaLaunebär:
Hallo MissButterfly,
Hatte fast genau das gleiche Problem mit meiner Mutter wie Du, und nach der Geburt meines ersten Kindes ist es ähnlich eskaliert wie bei Dir. Weil mich das so fertig gemacht hat, dass ich kaum noch einen klaren Gedanken fassen konnte und Sie mich aber auch alle 2-3 Tage anrief, habe ich mir damals (ich war 31 Jahre alt) eine Therapeutin gesucht, um mir erstmal meiner eigenen Bedürfnisse bewusst zu werden. Bis dahin ging es nämlich fast ausschließlich um die (unmöglich zu befriedigenden) Bedürfnisse meiner Mutter. Ich habe dann tatsächlich für fast zwei Jahre (!) den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen mit der Bitte an Sie, mich in Ruhe zu lassen weil ich diese Zeit brauche (für mich, nicht gegen Sie!), und siehe da: Sie kam auch ohne mich klar. Und was noch viel wichtiger war: Die "Knöpfe", die Sie bei mir immer gedrückt hat, um mir ein schlechtes Gewissen zu machen, funktionieren seit dieser Zeit nicht mehr. Wir haben mittlerweile wieder ein gutes Verhältnis, wenn auch ganz anders als vorher. Das hat nach den zwei Jahren Pause noch mal ca. zwei Jahre gedauert, bis es so wurde wie es jetzt ist (bin jetzt 38 Jahre alt).
Meinen Schuldgefühlen bin ich mithilfe einer Psychoanalyse auf den Grund gegangen. Vielleicht klingt das für Dich jetzt seltsam, denn Du hast ja geschrieben dass Deine Mutter eine Therapie ablehnt. Aber eine Therapie bei Deiner Mutter würde ja auch an Deinen Schuldgefühlen Ihr gegenüber nichts ändern. Es ist wichtig für Dich, dass Du keine Schuldgefühle mehr bekommst, egal was sie sagt. Bei mir hat es auch eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass ich meine Mutter (oder auch andere Menschen) niemals ändern kann, sondern dass die Veränderung von mir ausgehen muss.
Ich hoffe, das hilft Dir irgendwie weiter.
Alles Gute und pass auf Dich auf!


Hast Du für Dich klären können, worin diese Schuldgefühle ihre Ursache haben?
Wenn Du die Frage überhaupt hier so offen beantworten magst, es würde mich sehr interessieren.

13.10.2017 18:26 • #4


Hi!
Ich kenn das Problem auch zwar habe ich das nicht aber mein Freund mit seiner Oma mit der wir in einem Haus leben. Sie ist ähnlich drauf von den Sprüchen her und hätte auch am liebsten das mein Freund 24/7 bei ihr zB in der Küche sitzt und Kaffee trinkt oä
Ich hab ihr auch schon gesagt das sie endlich los lassen sollte den Abnabelungsprozess hat sie verpasst, und das obwohl sie die Oma ist.
Deine Mutter hat den auch verpasst und ganz ehrlich es ist ihr Problem und nicht deins. Sie hatte längst die Möglichkeit gehabt sich um sich zu kümmern, baut ihr Leben aber weiterhin um dich herum auf dann ist es eben so, jedoch bist du Erwachsen und das muss sie verstehen!
Ich weiß es ist Hart aber du musst da Klartext reden haben wir auch so gemacht anders verstehen die das nicht und selbst dann oft noch nicht. Aber bleib bei deiner Meinung. Und setz ein Stop sowas geht nicht.


Alles gute und LG

13.10.2017 19:06 • #5




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