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Zu meiner Vorgeschichte: Ich bin 19 Jahre alt und habe eine Vergangenheit voller Probleme (schwere körperliche Krankheit, Mobbingopfer, psychische Probleme: stark schwankende Emotionalität, schwaches Selbstwertgefühl, hohe Sensibilität und Verletzlichkeit, Depressionen, überstarke Bindung an einzelne Personen, selbstverletzendes Verhalten, allgemein hohe Ängstlichkeit, Panikattacken mit großer Angst zu sterben.) Sozialkontakt fällt mir sehr schwer seit ich denken kann. Als Kind war ich auf der einen Seite ernster als andere, war unglaublich ängstlich, habe nie Widerworte gegeben, habe viel geweint, bin nie auf andere Kinder zugegangen, war sehr still und habe mich schnell wie das 5.Rad im Wagen gefühlt und habe konstant die Außenseiterrolle in allen Gruppen beibehalten. Auf der anderen Seite war ich sehr intelligent. Habe richtig gerne geschrieben, sehr viel gelesen, Schule viel mir vom Stoff her super leicht, habe mit sehr wenig bis keinem Aufwand super Noten gehabt. Aufgrund der durchgemachten Erkrankungen und den sozialen Problemen, hatte ich mehrere Schulwechsel und bin (abgesehen von einer Spezialschule für Kranke) nirgendwo mehr warm geworden. Ich war sprachlich sehr früh entwickelt und habe mich sehr für Tiere, Natur, Nahtoderfahrungen und ab dem 12.Lebensjahr auch für Gesundheit, Ernährung etc. interessiert und war auch aufgrund meiner Interessen für andere Kinder sehr uninteressant. Ich habe mich unglaublich stark für Pferde und Hunde interessiert und habe schon als Kind Sachbücher für Erwachsene zu dem Thema gelesen. Habe ich irgendein Tier gesehen, war ich in einer anderen Welt und konnte mich stundenlang mit dem Tier beschäftigen, ohne dass mir je langweilig geworden wäre, egal ob Hund, Meerschweinchen, Echse, Pferd,. Leider zog ich den Tierkontakt auch dem Kontakt zu Kindern vor und Erwachsene mochte ich meist auch lieber als Gleichaltrige.

Seit 3 Jahren bin ich aus der Schule draußen. Alle Jobversuche (selbst Minijobs) scheiterten, ich fühle mich oft sehr depressiv, bin auch körperlich aktuell noch eingeschränkt, kann mich nicht so gut konzentrieren und meine Partnerschaft (seit 7 Monaten) bringt mich oft an meine Grenzen, da ich dazu tendiere meine Gedanken nicht aussprechen zu können, still zu sein und mich einfach an ihn und seine Wünsche anzupassen, habe oft keine eigene Meinung in meinem Kopf, bin dadurch langweilig und auch habe ich starke Verlustängste, nimm mir viele Sachen zu viel zu Herzen und habe Angst mich so auszuleben wie ich bin. Denn ich habe ja schon in so vielem versagt, da kann ich es mir nicht noch leisten, die Liebe meines Lebens zu verlieren.
In Gruppen spreche ich nur auf Aufforderung kurz und knapp, da herrscht nur Angst und Gedankenleere zum Thema in meinem Kopf. Um mich zu überwinden habe ich mich zur Schauspielausbildung angemeldet. Sie fängt in 6 Wochen an und eigentlich bin ich mir ziemlich sicher dass ich versagen werde. Aber ich habe auch keine Alternative. Alle Jobs, die mir liegen würden, sind so schlecht bezahlt, dass ich wohl kaum damit über die Runden kommen würde und alle Jobs von denen man anständig leben könnte, wären für mich die Hölle, und ich hätte generell auch Angst zu wenig Zeit für meinen Lebensgefährte (er selbst hat sehr viel Zeit; geht nicht arbeiten, nur nebenberuflich) zu haben.

Ich bin verzweifelt weil ich aus all meinen Problemen nicht raus komme, mir fast nichts mehr Spaß macht, ich keine Zukunftsperspektive habe, mir Sorgen um meine Beziehung mache und mein Dasein bloß fristen tu und weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass keine Therapie mir weitergeholfen hat; ich habe schon viele Therapien mitgemacht. Vielleicht habt ihr ja Ideen, oder kennt das auch,. Freue mich auf einen Austausch!

14.01.2020 18:10 • 15.01.2020 #1


3 Antworten ↓


Hey du, ich erkenne mich in einigen Punkten wirklich wieder. Ich kann dir leider keine Tipps geben, wie es besser wird. Bei mir hat die KVT in Kombi mit Medikamenten gut geholfen. Du sagst ja, das deine Therapie bzw. Therapien nicht erfolgreich waren. Waren das denn Verhaltenstherapien? Die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie hilft mir bei Ängsten am besten. Nimmst du Medikamente?

Ich kann dir leider keine großen Tipps geben, weil ich es eben mit der Therapie geschafft habe. Aber du hast mein volles Verständnis für deine Situation, weil ich einige Punkte auch von mir kenne.

Vielleicht melden sich ja noch ein paar Tippgeber

LG
Dominik

14.01.2020 18:30 • x 1 #2



Ich bin ein Versager

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Hey, danke für deine Antwort!

Es ist schön zu hören, dass du mich verstehst und schön, dass dir gut geholfen werden konnte!
Ich habe mehrere Verhaltenstherapien, auch DBT, eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie, eine Schematherapie, eine Traumatherapie nach Peter Levine versucht. Ich hatte zwei stationäre Therapien, ansonsten waren alle ambulant. Medikamente nehme ich keine, denen stehe ich auch mit großer Skepsis gegenüber.
Aktuell warte ich auf einen Klinikplatz, die ihren Schwerpunkt in der Arbeit mit dem Unterbewussten gesetzt haben, u.a. Hypnotherapie... Bis dahin wird ab dieser Woche eine ambulante Hypnotherapie starten. Ich habe Hoffnung, dass das vielleicht noch eine Chance für mich sein könnte...

Danke; LG

14.01.2020 18:41 • x 1 #3


Luna70
Herzlich willkommen bei uns. Ich hoffe, der Austausch im Forum wird dir weiterhelfen.

Als ich das mit der Schauspiel-Ausbildung gelesen habe, war ich im ersten Moment eher skeptisch, aber vielleicht kann das doch wirklich hilfreich sein. Freies Sprechen vor anderen Menschen fällt dir schwer, aber in der Ausbildung hast du ja vermutlich eher vorgegebene Texte, das könnte womöglich wirklich eine Hilfe sein um das Sprechen vor anderen zu üben. Musst du die Ausbildung bezahlen?

Was das Thema Beruf und Geld verdienen betrifft, würde ich aus meiner Lebenserfahrung sagen, dass ein Beruf auch Freude machen muss. Ein Beruf, in dem du zwar viel Geld verdienst nutzt dir gar nichts, wenn du dich jeden Tag zur Arbeit quälst.

Welche Berufe würden dir denn liegen, mal abgesehen von der Gehaltshöhe? Tierpfleger oder sowas in der Richtung?

15.01.2020 10:01 • #4