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82

E

Evelyn1
Gast

Immer öfters trauere ich der Vergangenheit nach, weil mir bewusst wird, dass sie besser war, als mein jetziges Leben.
Und der Gedanke daran, dass nie wieder etwas so sein wird wie früher macht mich unglaublich traurig.
All diese Menschen, die ich früher jeden Tag begegnet bin, werde ich viell. nie wieder sehen und so oft wünsche ich mir, dass ich die Zeit
einfach zurück drehen könnte. Damit ich den damaligen Moment mehr wertschätzen kann. Ich hätte nie Gedacht,
dass gewisse Dinge aus der Vergangenheit einmal so bedeutend für mich sein könnten.Ich wünschte, ich hätte das damals "kommen sehen".

Das ganze hier ist keine Frage, eigentlich weiß ich nicht, warum ich das hier schreibe, aber es musste geschrieben werden.
Vielleicht geht es anderen genauso, vielleicht bin ich nicht die einzige, die sich manchmal zwanghaft an der Vergangenheit festhält und
ihr still hinterher trauert...

03.07.2021 #1


34 Antworten ↓
silverleaf

silverleaf
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Lieber Hotin,

Zitat von Hotin:
... Mir gefällt jedoch der Begriff "schädigen" nicht so gut. Du beschreibst was im schlimmsten Fall passieren kann. ...


Ich verstehe, was Du meinst. Ich glaube, im Grunde genommen sind wir uns total einig, was das Thema angeht, sind nur von unterschiedlichen Seiten an die Argumentation herangegangen.
Dein Ausgangspunkt waren Menschen, die sich selber sagen (also von innen heraus), dass ihnen nicht zu helfen sei. Mein Ausgangspunkt waren Menschen, denen von anderen, also von außen, gesagt wurde, dass bei ihnen keine Verbesserung möglich sei.
Du bist von der Seite mangelnden Glaubens an Symptom-Verbesserung von Erkrankten gekommen, die Schwierigkeiten haben, sich auf die Therapie einzulassen, weil das "in ihrem Fall ja eh nichts bringt", die also therapeutische Commitment-Probleme haben und schnell bereit sind, aufzugeben, selbst bei Erkrankungen, die sogar sehr gut therapierbar sind.
Ich bin von der Seite maximaler Schädigung gekommen (da ebenjene Beschreibung des "worst case" voll auf mich zutrifft), und da wirken Aussagen wie "Die Psyche nimmt in der Regel keinen dauerhaften Schaden" schnell mal schwierig und tendenziell invalidierend, wenn man persönlich von einer solchen dauerhaften Schädigung betroffen ist, denn zum einen gibt es diese Fälle halt doch und zum anderen ist das oftmals die Argumentationsschiene von Menschen (und damit meine ich ganz ausdrücklich weder Dich noch sonst ein Forumsmitglied!), die leugnen, dass psychische Probleme überhaupt ernstzunehmende tiefgreifende Erkrankungen mit irreversiblen Folgen sein können und die gerne denken, dass die Leute "sich nur anstellen und rumjammern, sich einfach keine Mühe geben und schlicht und ergreifend nicht wollen".

Zitat von Hotin:
Damit will ich sagen. Niemand sollte frühzeitig aufgeben, seine seelische Situation zu verbessern und
sich dadurch zu stabilisieren. Schwierig ist es nur häufig, weil die eigene Gedankenwelt mit Gedanken und Sätzen wie -
Ich kann das nicht. oder: Das geht bei mir nicht. oder: Andere vielleicht, aber ich möchte das nicht.
verhindert, dass man neben seine negativen Lebenserfahrungen zukünftig überwiegend angenehme,
entspannende und hilfreiche Lebenserfahrungen stellt.


Absolute Zustimmung, zu 100%. Das ist ja auch genau das, was ich meinte und schrieb.
Ich weiß genau, was Du meinst, solche Patienten habe ich auch sehr, sehr häufig kennengelernt und fand es auch immer schwierig, das mit anzusehen, bei allem Verständnis für jeden Mitpatienten, ich verurteile ganz grundsätzlich niemanden, jeder hat seine Gründe.
Ich glaube auch fest daran, dass jeder seine Situation verbessern kann. Dafür kämpfe ich Tag für Tag, sonst wäre ich schon längst untergegangen. Auch gegen massive Widerstände von außen, so musste ich z.B. im letzten Jahr unfassbar heftige Kämpfe mit meiner Krankenkasse austragen, die mir im Endeffekt so etwas schrieben wie: "Wir erkennen die extreme Schwere Ihrer Erkrankung an, die steht außer Frage. Bei einem so kranken Menschen macht es für uns aber wirtschaftlich keinen Sinn, weitere Therapie zu finanzieren, da sie keinen für uns ausreichenden Heilungserfolg erreichen werden, der für uns der Rede wert wäre."
Dass auch schwer erkrankte Menschen ein Recht auf Symptomlinderung haben und sehr wohl erhebliche Verbesserungen erreichen können, die zwar in den Augen und nach den Maßstäben "gesunder" Menschen vielleicht "nicht der Rede wert sind", in meinem Leben aber einen ganz erheblichen Unterschied machen (was ein Gutachter auch bestätigt hat), wurde nicht gesehen.

Ich kämpfe täglich damit und mit meinen diesbezüglichen Ängsten. Ich weiß, dass ich nicht so tolle Heilungserfolge erreichen kann wie die meisten meiner Mitpatienten, aber im Rahmen meiner persönlichen Maßstäbe kann ich sehr wohl Fortschritte machen.
Darum raffe ich mich Woche für Woche auf, gehe zur Therapie und kämpfe für Verbesserung, immer in der Angst, dass meine Fortschritte vielleicht irgendwann auch meinem Therapeuten nicht mehr ausreichen. Es war bis hierhin ein steiniger Weg und der Weg ist auch immer noch lang, aber ich gehe ihn, Schritt für Schritt. Und es hat sich bereits eine Menge verändert.

Rückbezug zum Thema Loslassen: Loslassen sollte man negative Glaubenssätze, sowohl die von innen als auch die von außen.


LG Silver

02.07.2021 18:16 • x 8 #32


Zum Beitrag im Thema ↓

A


Die Vergangenheit nicht loslassen können

x 3


silverleaf

silverleaf
Mitglied

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Loslassen von dysfunktionalen Verhaltens- und Gedankenmustern:
Verhaltens- und Gedankenmuster sind wie neuronale Datenautobahnen, sind sehr gut ausgebaut, wir haben schnell und ohne Schwierigkeiten Zugang, man "fährt mühelos". Neue Gedanken- und Verhaltensmuster sind dagegen wir verwachsene Urwaldpfade, die man erst mühsam begehbar machen muss. Das ist anstrengend und ungewohnt, darum "mag" unser Gehirn/unsere Psyche das nicht und verfällt sehr leicht wieder in alte und vertraute Muster, darum ist es auch sehr schwer, verfestigte dysfunktionale Muster durch neue zu ersetzen.

Vertrautes vermittelt und ein Gefühl von Sicherheit, selbst wenn es schmerzhaft, toxisch und/oder dysfunktional ist. Unbekanntes macht erstmal Angst, und Angst ist ein Gefühl, dass wir versuchen zu vermeiden, wo immer das möglich ist.
Ein Therapeut beschrieb es mir mal so, als ich ihn danach fragte: In diesem Sumpf (als Sinnbild für Dysfunktionales/Schmerzhaftes) ist es dreckig, es stinkt und es lebt sich hier ganz furchtbar, aber hier kenne ich jeden Stock und jeden Stein, darum bleibe ich. Die Angst davor, den Sumpf zu verlassen ist zu groß, denn außerhalb des Sumpfs kenne ich mich nicht aus.
Es ist der Grund, warum viele Menschen oftmals viel zu lange in schlechten Beziehungen oder auch Jobs ausharren, sie fürchten die Veränderung so sehr, dass sie bereit sind, diverse "Qualen" auf sich zu nehmen, nur um sich nicht mit dem Unbekannten auseinandersetzen zu müssen, weil das so viel Angst macht.
Oder warum Menschen, die in gewalttätigen / vernachlässigenden Verhältnissen aufgewachsen sind, auch im Erwachsenenalter häufig bei Partnern landen, die sich ähnlich verhalten wie die frühkindlichen Bezugspersonen.
Man "lernt", dass Beziehungen so sind und kann dieses Gedankenmuster nicht loslassen, das Vertraute gibt einem ein Gefühl von Sicherheit und Orientierung, so paradox das auch manchmal sein mag.
Wir streben zu den Dingen hin, die uns vertraut sind, und halten diese fest, selbst wenn es uns schadet.

Das Problem mit dem Trauma-Gedächtnis und dem Loslassen
Das Gehirn ist in der Lage, normale (nicht-traumatische) Erinnerungen zu verarbeiten, abzulegen und irgendwann auch auszusortieren. Traumatische Erinnerungen werden nicht auf diese Art verarbeitet und können nicht losgelassen/abgelegt werden. Traumatische Erinnerungen kommen nicht als Ganzes, sondern zersplittert ins Gehirn, Inhalte und einzelne Sinneseindrücke werden getrennt, und das Gehirn kann diese Fragmente nicht verarbeiten und nicht ablegen. Traumatherapie setzt da an, diese Erinnerung-Fragmente wieder zu einer zusammengehörigen Erinnerung zusammenzusetzen, damit diese traumatische Erinnerung so in eine "normale" Erinnerung verwandelt werden kann, die dann vom Gehirn verarbeitet und abgelegt werden kann. (Am deutlichsten wird dieses Vorgehen in der EMDR-Behandlung.) Wenn das erfolgt ist, lassen bei vielen Patienten dann die typischen Symptome posttraumatischer Belastung nach, das Gehirn kann "loslassen", Intrusionen und Flashbacks hören auf/ gehen deutlich zurück.

Kann die Seele dauerhaft Schaden nehmen?
Ich denke schon. Ich beziehe mich auf schwerst-traumatische Erlebnisse durch engste Bezugspersonen, über einen langen Zeitraum hinweg, ohne dass dem Kind irgendjemand hilft. Das führt dazu, dass bestimmte seelische Entwicklungsprozesse nicht erfolgen können, und diese können nicht nachgeholt werden. Für bestimmte Entwicklungsschritte gibt es sogenannte "Fenster", in denen dies geschehen sein muss, ist dieses Fenster einmal geschlossen, kann das nicht nachgeholt werden.
Das bedeutet nicht, dass man nicht lernen kann, mit den daraus entstandenen Symptomen leben zu lernen und ein halbwegs "normales" Leben zu führen, aber es gibt psychische Diagnosen, die tatsächlich nicht "heilbar" im eigentlichen Sinn sind. Ich würde das als dauerhaften Schaden an der Seele bezeichnen.

02.07.2021 01:35 • x 7 #27


Zum Beitrag im Thema ↓


H
Hi Evelyn
Kann ich gut nachvollziehen, da auch ich öfters in "Melancholie schwelge" wie man so schön sagt. Ich glaube nicht wirklich an das "immer nach vorne schauen". Denn die Vergangenheit hat einen geprägt, nicht die Zukunft.
Bei mir sind es nicht unbedingt Menschen, eher Situationen / Gedanken / Emotionen, die halt nie wieder kommen.

Was ich aber komischerweise nie gemacht habe und deshalb auch halbwegs damit klarkomme. Meine Entscheidungen der Vergangenheit in Frage gestellt. Alles, was ich damals getan habe, habe ich zu einem gegenwärtigen Zeitpunkt getan ("nach besten Wissen und Gewissen") und demzufolge bereue ich so gut wie nix in der Hinsicht. Man kann eben nicht hellsehen bzw. in die Zukunft sehen. Vielleicht ist ja auch das damit gemeint...

Auch weiss ich nicht, wie man die Vergangenheit loslassen kann bzw. soll. Sie ist eins mit einer Person und somit dauerhaft verbunden. Gäbe es sie nicht, gäbe es Dich nicht heute, so wie Du bist.

x 2 #2


Hotin
Hallo Evelyn1,

Zitat:
Immer öfters trauere ich der Vergangenheit nach, weil mir bewusst wird, dass sie besser war,
als mein jetziges Leben.


Das glaube ich kaum. Dies sagen die Menschen aber fast alle.

Kann es sein, das die Vergangenheit angenehm ist, weil sie abgeschlossen ist. Dies bedeutet.
In der Vergangenheit gibt es keine Angst und keine Zweifel. Du schaust Dir einfach das an, was war.
In der Gegenwart und in der Zukunft stellt sich aber ständig auch die Frage. Mache ich alles richtig?
Fragst Du zu oft oder hast Du Ängste, die es Dir schwer machen zu entscheiden, wirst Du das meiner
Meinung nach nie so schön finden, wie die Vergangenheit.


Viele Grüße

Hotin

#3


E
Zitat von Evelyn1:
Immer öfters trauere ich der Vergangenheit nach, weil mir bewusst wird, dass sie besser war, als mein jetziges Leben.
Und der Gedanke daran, dass nie wieder etwas so sein wird wie früher macht mich unglaublich traurig.
All diese Menschen, die ich früher jeden Tag begegnet bin, werde ich viell. nie wieder sehen und so oft wünsche ich mir, dass ich die Zeit
einfach zurück drehen könnte. Damit ich den damaligen Moment mehr wertschätzen kann. Ich hätte nie Gedacht,
dass gewisse Dinge aus der Vergangenheit einmal so bedeutend für mich sein könnten.Ich wünschte, ich hätte das damals "kommen sehen".

Das ganze hier ist keine Frage, eigentlich weiß ich nicht, warum ich das hier schreibe, aber es musste geschrieben werden.
Vielleicht geht es anderen genauso, vielleicht bin ich nicht die einzige, die sich manchmal zwanghaft an der Vergangenheit festhält und
ihr still hinterher trauert...


Schon seit ca. 10 Jahren geht es mir genauso. Früher war wirklich vieles besser. Keine nervigen Sachen a la Arbeit (Schule war größtenteils einfach), kaum Verpflichtungen, einfach machen und nicht groß nachdenken (und oft Mist im Kopf Wink und v.a. zig Leute um sich, die man oft gesehen hat. Die 90er waren größtenteils top, die 00er nur bis 2004, dann ging's - mit wenigen Ausnahmen - bergab, v.a. was Psyche/Menschen angeht... Insgesamt war früher vieles aufregender, da ja völlig neu, wenn man jung ist. Später verliert manches seinen Reiz. Das ist normal völlig normal.

Ob man das Hinterhertrauern abstellen kann, weiß Ich nicht. Kann Ich mir schwer vorstellen...

#4


Mondkatze
Hallo

Ich würde diesen Thread gerne aufleben lassen.
Vorausgesetzt die TE Evelyn1 ( Gast ) hat nichts dagegen.

Das Thema "loslassen" finde ich sehr interessant.
Ich habe selbst viele Dinge, die ich einfach nicht loslassen kann oder nicht will ?

Wieso halten wir an alten Erinnerungen und Erlebnissen fest, auch wenn sie negativ oder sogar schrecklich für uns waren und lassen sie immer wieder in unseren Gedanken aufleben?
Warum sammeln wir längst Vergangenes in unserer Seele?
Warum fällt es uns so schwer, Vergangenes einfach ruhen zu lassen.
Der Begriff "Verarbeiten" fällt oft im Zusammenhang mit Loslassen.
Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Wie funktioniert überhaupt das "Loslassen"?


Ich würde mich hier über eine rege Diskussion / Unterhaltung freuen.



Der Schüler ging zum Meister und fragte ihn: "Wie kann ich mich von dem, was mich an die Vergangenheit heftet, lösen?"
Da stand der Meister auf, ging zu einem Baumstumpf und umklammerte ihn und jammerte: "Was kann ich tun, damit dieser Baum mich losläßt?"


( Aus dem Zen-Buddhismus )

x 5 #5


Abendschein
Loslasssen, war in meinem Leben nie ein Thema.

Ich möchte nicht loslassen, wenn ich nicht loslasse, halte ich aber auch nicht automatisch fest.
Möchte meine Mama nicht loslassen, nie und nimmer. Dann geht sie weg, für immer und das
will ich nicht. Loslassen, ist für mich kein gutes Wort. Alles bleibt solange bei mir, wie es bleibt.
Oft dient es mir auch. Wenn es gehen will, dann geht es von alleine, so denke ich darüber nach.

x 2 #6


Mondkatze
Ah ok, @Abendschein
deine Vorstellung von Loslassen ist also gleichzusetzen mit vergessen, zurückstellen, vernachlässigen ?

Meinst du sowas?


In diese Richtung geht meine Vorstellung von Loslassen nicht.

x 1 #7


Calima
Zitat von Mondkatze:
Wieso halten wir an alten Erinnerungen und Erlebnissen fest, auch wenn sie negativ oder sogar schrecklich für uns waren und lassen sie immer wieder in unseren Gedanken aufleben?


Vielleicht, weil auch Trauma Teil unseres Lebens ist. Auch wenn es schrecklich ist, ist es vertraut und bietet uns eine Möglichkeit, uns über den Schmerz Bedeutsamkeit zu verschaffen. Wir definieren uns über die erlittene Verletzung, weil sie möglicherweise das Einzige ist, was uns von anderen unterscheidet und uns auf diese Weise einzigartig macht.

Loslassen bedeutet immer auch Verlust, und wir mögen es nicht, etwas zu verlieren - auch wenn es nicht gut war. Mit jeder schlimmen Erinnerung sind immer auch positive verbunden, und wir fürchten, diese ebenfalls zu verlieren, wenn wir loslassen.

Außerdem bedeutet Loslassen, dass wir den Blick nicht mehr zurück sondern nach vorne richten müssen. Im Gegensatz zur Vergangenheit ist das, was vor uns liegt, aber unbekannt. Das macht Angst, die u.U. größer ist, als die Angst davor, den altvertrauten Schmerz wieder und wieder zu erleben.

x 5 #8


zukunft-2021
Zitat von Calima:
Vielleicht, weil auch Trauma Teil unseres Lebens ist. Auch wenn es schrecklich ist, ist es vertraut und bietet uns eine Möglichkeit, uns über den Schmerz Bedeutsamkeit zu verschaffen. Wir definieren uns über die erlittene Verletzung, weil sie möglicherweise das Einzige ist, was uns von anderen unterscheidet und ...

Hallo

Ich glaube es gibt verschiedene Arten von loslassen..
Ein Beispiel

Ich habe nur eine Tochter, und wir haben viel zusammen gemacht. Nun ist sie aber erwachsen, und ich habe sie auch als Kind immer wieder ein wenig losgelassen. Das heißt aber nicht, dass ich sie vergessen habe, denn sie kam immer wieder zurück zu mir. So auch als erwachsene Frau, sie kommt immer wieder, sie wohnt zwar nicht mehr hier, aber sie hat ein Zuhause, und ist in meinem Herzen.
Du musst Deine Mama nicht ganz loslassen, sie ist in Deinem Herzen, und so immer bei Dir. Wende Dich aber auch manchmal schönen DEingen zu, sie hätte sicher gewollt, dass Du glücklich bist

x 4 #9


Schlaflose
Zitat von Abendschein:
Loslasssen, war in meinem Leben nie ein Thema. Ich möchte nicht loslassen, wenn ich nicht loslasse, halte ich aber auch nicht automatisch fest. Möchte meine Mama nicht loslassen, nie und nimmer. Dann geht sie weg, für immer und das will ich nicht. Loslassen, ist für mich kein gutes Wort. Alles bleibt solange bei ...


Ich habe meine Mutter in dem Moment losgelassen, als ich sie unmittelbar nach ihrem Tod in der Intensivstation zum letzten Mal sah und mich von ihr verabschiedet habe. Aber vergessen - nie im Leben. Sie ist immer bei mir und gibt mir ein gutes Gefühl bei allem, was ich mache. Nach ihrem Tod habe ich richtig durchgestartet und mir ohne sie ein ganz neues Leben angefangen.

x 1 #10


D
Es gibt Situationen wie nach einem eher unangenehmen Traum, da kreisen bei mir zum Beispiel die Gedanken um Dinge , die längst abgeschlossen sind. Versuche loszulassen mit allen Methiden aber keine Chance. Erst im Lauf des Tages also nach ein paar Stunden klappt es dann besser.
Da ich das schon sehr lange Zeit habe, glaube ich das es vielleicht auch Zwänge sind. Woher die kommen oder kamen weiss ich nicht ganz genau. Habe das aber schon zig Jahre und kann manchmal auch oft schwer loslassen , obwohl Dinge abgeschlossen sind.

x 1 #11


Hotin
Zitat von Mondkatze:
Ich habe selbst viele Dinge, die ich einfach nicht loslassen kann oder nicht will ?


Wenn wir gemeinsam über loslassen reden wollen, dann halte ich es für wichtig zunächst einmal
darüber einig zu werden, was loslassen überhaupt bedeutet oder bedeuten soll.

Unser Kopf arbeitet wie ein Super-Computer. So unspektakulär und unkompliziert kann man sich das vorstellen.
Alle unsere Erlebnisse, unsere Erfahrungen und auch alle Gefühle, die wir in bestimmten Situationen
in der Vergangenheit gefühlt haben, sind in einem riesigen Speicher in unserem Kopf erhalten.
Was bedeutet nun in diesem Zusammenhang "loslassen"? "Vergessen" ? ? ?
Vergessen geht nicht. Nie! Ob man das will oder nicht. Kein Mensch wird etwas vergessen.
Erst wenn man durch eine Krankheit das Gedächtnis verliert, gehen auch die Gefühle und die
Erinnerungen unwiederbringlich verloren.
Unser Kopf hat aber eine Fähigkeit, sich meistens nur an das erinnern zu können, was für unser Leben
besonders wichtig erscheint. Das steuern wir unbewusst.

Was genau will dann überhaupt jemand, der etwas loslassen will?

Zitat von Mondkatze:
Wieso halten wir an alten Erinnerungen und Erlebnissen fest, auch wenn sie negativ oder sogar schrecklich für uns waren und lassen sie immer wieder in unseren Gedanken aufleben?


Ich erkläre mir das so. Um Ruhe in unseren Kopf zu bekommen, ist es notwendig, alle unsere Gefühle und
Erlebnisse irgendwo in Regale einzusortieren. Wer immer wieder alte Erlebnisse aufleben lässt, der weiß noch
nicht, wo er die Erlebnisse und Erinnerungen einsortieren will.
Auf diese Weise baut sich jeder Mensch sein eigenes Weltbild.
Es ist ein Bild, wie vermutlich diese Welt funktioniert. Und daraus folgt dann auch das Eigenbild.
Es ist das Bild, was man von sich selbst gezeichnet hat.

Was bedeutet nun hier "loslassen"? Sein eigenes, von sich selbst entworfenes Bild zu verändern?

x 4 #12


Mondkatze
Zitat von Hotin:
Wenn wir gemeinsam über loslassen reden wollen, dann halte ich es für wichtig zunächst einmal
darüber einig zu werden, was loslassen überhaupt bedeutet oder bedeuten soll.

Ja genau.
Hier sind ja schon ein paar eigene Definitionen von Loslassen niedergeschrieben worden.


Mir geht es auch nicht um`s Vergessen, so einfach ist das nicht.
Das geht auch nicht. Man müßte die Erinnerungen gänzlich aus dem Hirn löschen. Ob das mal in der Zukunft so gehandhabt wird bei schlimmsten Ereignissen die jemand erlebt hat, würde ich gerne erfahren.

Für mich bedeutet loslassen soviel wie akzeptieren der Tatsachen.
Loslassen ist mM nach eine Art des anderen Umgangs.
Es kann auch eine Art Befreiung sein.

Bei mir ist es so, wenn ich an etwas festhalte obwohl es mir absolut nicht gut tut, dass ich immer und immer wieder neue Ideen über eine Angelegenheit finde um darüber zu reden, sie immer wieder zu erleben. Es hört nicht auf. Das kann eine richtige Belastung, ja sogar eine Qual sein.
Es wurde tausendfach über eine Sache diskutiert, aber irgendwie nie die "für mich richtigen" Worte gefunden, die in mir etwas ausgelöst haben.
Erst danach, als ich einen anderen Blickwinkel annehmen konnte, kam in mir Ruhe auf. Und ich denke, dass kann man auch Seelenfrieden nennen. Die Fragen nach dem "warum" und "wieso ich" verschwanden.
Das ist für mich loslassen. Das Bewältigen von Dingen, die uns schaden.

x 3 #13


Hotin
Zitat von Mondkatze:
Für mich bedeutet loslassen soviel wie akzeptieren der Tatsachen.


Zitat von Mondkatze:
Es kann auch eine Art Befreiung sein.


Müssen wir nicht alles akzeptieren, was gewesen ist? Schließlich lässt sich nichts, was gewesen ist
nachträglich verändern.
Aber: Etwas akzeptieren kann nicht automatisch auch bedeuten, das gut finden. Ich persönlich
habe in meinem Leben viele Sachen akzeptiert. Habe aber gleichzeitig gestern im Gespräch
mit meiner Nachbarin noch heftig über das Verhalten meiner Mutter mir gegenüber geschimpft.
Schließlich hat sie mir oft geschadet. Ob sie das auch bewusst wollte, tritt bei mir dabei in den
Hintergrund.

Wie Du sehe ich es auch so. Etwas akzeptieren ist häufig eine große Befreiung.

Zitat von Mondkatze:
Es wurde tausendfach über eine Sache diskutiert, aber irgendwie nie die "für mich richtigen" Worte gefunden, die in mir etwas ausgelöst haben.


Das Reden darüber allein, hilft auch nicht. Du selbst musst für Dich die richtigen Antworten finden.
Warte nicht darauf, was jemand anderes Dir dazu sagt. Kein Mensch wird Deine innersten Gedanken
verstehen können. Aber nicht deswegen, weil sie/er dazu nicht in der Lage ist, sondern, weil Du nie
in der Lage warst, Deine inneren Gedanken angstfrei auszusprechen.

Zitat von Mondkatze:
Erst danach, als ich einen anderen Blickwinkel annehmen konnte, kam in mir Ruhe auf. Und ich denke, dass kann man auch Seelenfrieden nennen.


Im Grunde genommen ist das für jeden Menschen die Lösung seiner Sorgen und Probleme.

Geht es also gar nicht darum, loszulassen? Geht es eigentlich immer nur darum, einen anderen
Blickwinkel einzunehmen. Und wenn es nur das ist, was ist so schwer daran, wichtiges Dinge
häufiger mal unter anderen Blickwinkeln zu betrachten?

x 3 #14


Abendschein
Wenn ich etwas nicht loslassen möchte, halte ich es nicht unbedingt fest. Es ist einfach da und es darf bleiben.
Es schadet mir nicht. Manche Dinge mag ich nicht loslassen, z.B. meine Mama. Sie bleibt bei mir, in meinem Herzen.
Ich finde das Worti loslassen nicht schön. Vielleicht kann man es ersetzen, das Wort?

x 1 #15


Mondkatze
Zitat von Abendschein:
Wenn ich etwas nicht loslassen möchte, halte ich es nicht unbedingt fest. Es ist einfach da und es darf bleiben. Es schadet mir nicht. Manche Dinge mag ich nicht loslassen, z.B. meine Mama. Sie bleibt bei mir, in meinem Herzen. Ich finde das Worti loslassen nicht schön. Vielleicht kann man es ersetzen, das Wort? ...


Es geht aber hier genau um das Loslassen.

Wäre jetzt unpassend das zu ersetzen.

Liebe Abendschein,
es geht doch auch nicht darum, dass Du deine Mama vergessen sollst.
Das ist nicht der Sinn von loslassen.
Behalte Deine Mama weiterhin in Erinnerung, so wie du sie in Deinem Leben kennengelernt und lieben gelernt hast.

x 2 #16


Abendschein
Zitat von zukunft-2021:
Du musst Deine Mama nicht ganz loslassen, sie ist in Deinem Herzen, und so immer bei Dir. Wende Dich aber auch manchmal schönen DEingen zu, sie hätte sicher gewollt, dass Du glücklich bist

Ich nehme einmal an, das das heißt, sie hätte nicht gewollt, das ich unglücklich bin, @zukunft-2021 ?

Nein, das mache ich auch nicht, ich lache auch wieder, natürlich.

Ja okay @Mondkatze

#17

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zukunft-2021
@Abendschein

Genau das meinte ich, sie ist bestimmt glücklich wenn sie sieht du lachst wieder

x 1 #18


Mondkatze
Zitat von Hotin:
Geht es also gar nicht darum, loszulassen? Geht es eigentlich immer nur darum, einen anderen
Blickwinkel einzunehmen.

Ich denke, das ist loslassen.
Die alten Gedankenmuster ersetzen durch neue.

Ich glaube aber dass viele, ich vielleicht auch, die Bedeutung des Loslassens falsch verstehen.
Ich spüre bei manchen Beiträgen hier und auch bei Leuten, mit denen ich schon einmal darüber diskutiert habe, eine Sperre, oder besser gesagt einen Widerstand, der sich gegen das Loslassen richtet.

Schon das Wort "Loslassen" löst offensichtlich unangenehme Gefühle aus.
Da wird wahrscheinlich über Verlust und Vergessen oder entsorgen nachgedacht.

Etwas nicht loslassen wollen bedeutet dann doch festhalten wollen, oder?
Und wenn ich etwas festhalte, mache ich es damit nicht eigentlich immer wichtiger und bekommt es dann nicht immer mehr Macht über mich?
Festhalten bedeutet Stillstand ? Haben wir Angst vor Veränderung?

Loslassen kann man ja nicht nur auf Personen oder Erlebnisse beziehen.
Es kann bei allem was unser Leben betrifft, eine Rolle spielen.
Wenn wir an Gewohnheiten oder Meinungen festhalten, haben wir dann noch die Möglichkeit, uns zu entfalten?

x 1 #19


Hotin
Zitat von Mondkatze:
Ich denke, das ist loslassen.
Die alten Gedankenmuster ersetzen durch neue.

Das sehe ich genau wie Du. Wenn wir in der Lage sind, unsere alten Gedankenmuster durch neue zu ersetzen,
erst dann können wir uns frei fühlen.
Manchmal merkt man auch, dass die neuen Gedankenmuster schlechter funktionieren als die bisherigen, die
alten Gedankenmuster. Dann muss man ganz oder zumindest teilweise wieder zurückspringen.

Zitat von Mondkatze:
Ich glaube aber dass viele, ich vielleicht auch, die Bedeutung des Loslassens falsch verstehen.


Das glaube ich leider auch. Jedoch finde ich, Du hast es heute sehr verständlich beschrieben.
Und so, wie Du es sagst, kann es gut funktionieren.

Zitat von Mondkatze:
Schon das Wort "Loslassen" löst offensichtlich unangenehme Gefühle aus.


Warum? Unangenehme Gefühle lösen fast nur Ängste aus. Was macht dabei Angst?

Zitat von Mondkatze:
Und wenn ich etwas festhalte, mache ich es damit nicht eigentlich immer wichtiger und bekommt es dann nicht immer mehr Macht über mich?


Leider ist es genau so, wie Du es sagst. Wer sich weigert, immer mal zumindest vorübergehend einen
anderen Blickwinkel einzunehmen, der verfestigt seine Probleme extrem.
Daraus folgert. Haufig hat derjenige, der in einer Angststörung feststeckt einen nennenswerten Eigenanteil.
Das darf man aber nicht sagen, weil. . .
Die- / derjenige macht dann aus Angst immer mehr zu und zieht sich allein nur auf seine eigene
Betrachtungsweise zurück. Es entsteht ein Gedankenkreis, aus dem es sehr schwierig ist zu
entkommen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt begint man von "Krankheit" zu sprechen.

Zitat von Mondkatze:
Festhalten bedeutet Stillstand ? Haben wir Angst vor Veränderung?


Ich glaube es ist eine Angst. Aber eine Angst vor Veränderung denke ich, ist es nicht.
Es wird eine viel tiefer sitzende Angst sein. Eine Angst, die sich existentiell bedeutend anfühlt.
Kann es die Angst davor sein, etwas im Leben grundsätzlich falsch gesehen und falsch
beurteilt zu haben?

Zitat von Mondkatze:
Wenn wir an Gewohnheiten oder Meinungen festhalten, haben wir dann noch die Möglichkeit, uns zu entfalten?


Teilweise ja. Manchmal aber auch nein.
Ich finde, man sollte es immer wieder situationsbedingt entscheiden, ob man an etwas festhält
oder lieber nicht daran festhält. Wer gedanklich an nichts festhält, der steht schnell in der
Gefahr sich selbst zu verlieren.
Entscheidend dafür finde ich. Was hilft mir und was hilft meinen Mitmenschen gleichzeitig am besten.
Wie können wir alle gemeinsam so zusammen leben und kommunizieren, dass wir im
wesentlichen jeweils alle möglichst weniger persönliche Ängste fühlen.

Weil dadurch entehen Sympathie, Freundschaft, Frieden und innere persönliche Zufriedenheit.

x 4 #20


A


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