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Hallo zusammen,

ich bin 47 Jahre alt und arbeite als Beamter im höheren Dienst in einer Führungsposition. Leider bin ich schon seit jeher eher ein sensibler Charakter, der sich viele Dinge sehr zu Herzen nimmt. Extrem wichtig ist für mich immer schon ein gleichbleibendes Umfeld ohne starke Veränderungen.
Seit 1995 habe ich eine chronische Darmentzündung (Colitis Ulcerosa).
Die Erkrankung erwischte mich wie aus heiterem Himmel mitten im Studium. Trotz extremer Beschwerden (blutige Durchfälle) und einem Gewichtsverlust bis auf 62 kg bei 1,91 m kämpfte ich mich durch die Examensklausuren und die Prüfung und schaffte meinen Abschluss. Nach fünf Jahren mit weiteren Schüben, hatte ich ab dem Jahr 2000 weitestgehend Ruhe und die Entzündung blieb bis auf wenige Ausnahmen durchgehend in sog. Remission. Selbst Medikamente waren nicht erforderlich.

Nun erlebe ich den zweiten Schub innerhalb von sieben Monaten und es scheint mir ein Zusammenhang zu bestehen mit meiner aktuellen beruflichen Situation. Ein breiter personeller Umbruch steht aktuell an, der zusammentrifft mit erheblichen technischen Problemen (Abschaltung bewährter Datenbanken ohne gleichwertigen Ersatz) und das Ganze in einem Jahr, wo Unmengen an Problemen und umfangreichen Aufgaben auf uns einprasseln.
Ich habe das Gefühl, dass mich alles irgendwie überrollt und seit meinem Schub am Sonntag habe ich fast nur geschlafen. Ich bin schon länger in psychiatrischer Behandlung wegen Durchschlafstörungen und nehme aktuell 150 mg Trimipramin zur Nacht.
Ich würde mir so gerne ein dickeres Fell zulegen, aber das ist immer leicht gesagt. Ich weiß, dass mir als Beamter eigentlich nichts passieren kann. Dennoch fällt es mir nicht leicht, die Dinge entspannter zu sehen. Ich sitze jeden Morgen um 6:30 Uhr am Schreibtisch und nicht selten sitze ich dort bis 18 Uhr, obwohl ich das eigentlich nicht mehr machen will. Aber die Arbeitsmenge und Komplexität ist niederschmetternd. Leider gibt es auch keine Möglichkeit eines Wechsels.
Wollte das einfach mal loswerden und vielleicht geht es einigen von euch auch so. Tut schon gut, das mal auszusprechen.

20.01.2021 21:15 • 24.01.2021 #1


8 Antworten ↓


Julia_ne
Hallo,
Das wichtigste ist, dass du dich erstmal von deinem Schub erholst. Stress kann diese ja oft auslösen. Dein Körper braucht Ruhe. Ich könnte mir vorstellen, dass es dir helfen würde, wenn du etwas kürzer trittst. Niemand ist unendlich belastbar und irgendwann ist es einfach zu viel. Gesundheit ist das wichtigste.
Ich wünsche dir noch alles Gute

21.01.2021 13:26 • x 1 #2



Colitis Schub und Stress/Angst im Job

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Danke, ich versuche an meiner Einstellung zu arbeiten. Leider sind die Erwartungen und Anforderungen, die von vorgesetzter Stelle an einen gestellt werden, extrem hoch. Wenn man von halb sieben Uhr morgens bis spät nachmittags am Schreibtisch sitzt und dann nachhause geht, kann es durchaus passieren, dass Vorgesetzte noch vor der Tür stehen und es dann einem vorgeworfen wird, dass man nicht mehr da ist. Die wollen, dass man mehr oder weniger rund um die Uhr im Einsatz ist.
Auch die Anforderungen an die Arbeit steigen und steigen und steigen.
Manchmal kotzt mich das einfach nur noch an. Ich arbeite grundsätzlich sehr gerne und setze mich auch gerne ein. Aber es gibt Grenzen und die werden immer mehr überschritten. Das tut nicht gut. Manchmal wünschte ich, ich hätte keine Karriere gemacht und wäre kleiner Sachbearbeiter geblieben. Aber manchmal kann man das ja selber gar nicht entscheiden.
Am Montag werde ich wieder zur Arbeit gehen. Bis dahin versuche ich abzuschalten und mich auszuruhen, was auch meinem Darm gut tut.

21.01.2021 14:58 • #3


Eigentlich habe ich vor, am Montag wieder arbeiten zu gehen. Die Colitis Symptome sind durch die Medikamente erstmal abgeflaut, wenn auch nicht zu 100 %. Was mir aber noch mehr Sorgen bereitet, ist meine psychische Verfassung. Seit einer Woche hänge ich jetzt durch und will eigentlich nur noch schlafen. Die Gedanken kreisen um die Arbeit. Im einen Moment bin ich kurz zuversichtlich und denke: Das geht schon. Kurze Zeit später könnte ich wieder verzweifeln. Ich weiß, welche Probleme und Berge an Arbeit auf mich warten und das schlechte Gewissen plagt mich sehr. Ich denke ständig darüber nach, was wohl Vorgesetzte und Kollegen denken. Ich bin verzweifelt und weiß nicht was ich machen soll. Das ganze Leben erscheint mir zumindest phasenweise total belanglos. Ich kann es schwer in Worte fassen. Einerseits will ich die Kollegen nicht hängen lassen, andererseits fühle ich mich psychisch schlecht und würde am Liebsten Montag zu meiner Neurologin fahren.
Hat jemand vergleichbare Erfahrungen und kann mir einen Rat geben?

23.01.2021 16:53 • #4


24.01.2021 14:08 • #5


portugal
Dein Körper sagt Dir etwas und ja, es hört sich nach einer Depression an oder eventuell ein Burn-out.

Du bist krank und brauchst Dich ganz sicher nicht zu schämen. Du kannst ja nichts dafür, dass so ein Stress auf der Arbeit herrscht.

Nutze die Zeit, um herauszufinden, was Du ändern kannst. Mit einer Krise sollten Veränderungen anstehen.

Was möchtest Du?

Wie soll Dein Leben weitergehen?

Bin ich zufrieden?

Meistens kommen mehrere Gründe zusammen, wenn man tiefer bohrt.

Du solltest einen Therapeuten aufsuchen, der Dir zuhört und Dir Wege aufzeigt. Es tut gut, wenn man sich mal richtig auskotzen kann, denn Deine Partnerin/Familie kann das auch nicht ewig hören und macht sich dazu noch Sorgen.
Kannst ja mal überlegen und das morgen mit der Ärztin besprechen?

24.01.2021 14:31 • x 1 #6


Icefalki
Der Arbeitgeber trägt die negativen Auswirkungen seines Arbeitnehmers für genau 6 Wochen wegen der Lohnfortzahlung.

Du trägst die Auswirkungen evtl. deutlich länger, hast finanzielle, körperliche, psychische Probleme am Hals und die nimmt dir keiner ab. Schlechtes Gewissen hin oder her, der Leidtragende bist du.

Mir scheint, es ist relativ einfach zu entscheiden, was dir nun wichtiger ist.

24.01.2021 14:37 • x 2 #7


Danke für eure Antworten. Mit der Lohnfortzahlung gibt es keine Probleme. Ich bin Beamter.

24.01.2021 16:20 • x 1 #8


portugal
Das ist doch Klasse.

Nutze die Zeit, mache gezielt, was Dir gut tut.

In meiner ersten starken Depression konnte ich eines morgens nicht mehr aufstehen, ich war wie gelähmt. Mein damaliger Chef hat mich dann zum Psychiater geschleppt- er kannte mich sehr gut und wusste, was nun wichtig war.

Du könntest auch eine Tagesklinik in Betracht ziehen, dann hast Du einen geregelten Tagesablauf, kannst Therapie machen etc.

24.01.2021 16:42 • x 1 #9




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