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Hallo,

ich weiß nicht genau, mit wem ich reden soll, deswegen habe ich mich hier angemeldet und hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann.
Es heißt ja immer, dass man seine Eltern nicht für sein zukünftiges Leben verantwortlich machen soll. Aber egal, wie ich es drehe und wende, komme ich immer zu dem Schluss, dass sie mir mein Leben verdorben haben.

Meine Eltern sind getrennt und ich wuchs bei meiner Mutter auf. Sie war noch nie beim Arzt deswegen, aber meiner Meinung nach hat sie psychische Probleme. Sie hat mich seit klein auf immer kontrolliert, anschrieben, Vorwürfe (zu dick, obwohl sie nie Gesundes gekocht hat; zu dumm, weil ich wegen dem ganzen Stress sitzengeblieben bin und ganz schlechte Noten hatte und wollte mir aber keine Nachhilfe zahlen, weil sie sich sorgen machte, was die anderen Leute denn da denken.. Es folgten dann weitere Vorwürfe, warum ich so "dumm" bin) und geschlagen bzw. verprügelt und meine Sachen kaputtgemacht, wenn ich nicht gemacht habe, was sie wollte und war irgendwie eine anderer Mensch, richtig böse.. Dabei waren immer ganz komische Forderungen, wie nicht mit ungewaschenen Händen im Gesicht kratzen usw. Ich musste den ganzen Haushalt machen und einkaufen, weil sie nicht raus gehen wollte, weil die anderen Menschen über sie lachen würden, weil sie kein Auto hat usw. Wenn ich gesagt habe, dass die Familien meiner Freunde generell nicht so sind wie sie, hat sie immer gesagt, dass die mich doch adoptieren sollen..

Ich habe das alles im Laufe der Jahre immer meinen Verwandten erzählt, aber die wollten mir nicht helfen und haben so getan, dass ich die Schuldige wäre und nicht mit der Mutter streiten soll. Die haben mich gar nicht ernst genommen, weil ich ja ein Kind war… Daher habe ich versucht, meiner Mutter immer zu sagen, dass sie das lassen soll und zu einem Arzt gehen soll und wurde daraufhin weiter verprügelt und meine Sachen wurden kaputt gemacht usw. Auch hat sie wochenlang nicht mit mir geredet, wenn ihr was nicht gepasst hat und Sachen gegen meine Türe geworfen, mich beschimpft und sich generell immer wie ein Kleinkind verhalten. Wenn ich geweint habe, weil meine Nase oder so weh getan hat danach, hat sie mich immer nachgeäfft und ausgelacht…

In der Schule wurde ich daher immer schlechter und wurde auch gemobbt (wollte die Schule wechseln, aber meine Mutter schlug mich und meine, was die anderen Leute denken, wenn ich jetzt auf eine andere Schule gehe), sodass ich ein paar Mal sitzen geblieben bin und einen schlechten Abschluss habe. Nicht mal die Lehrer haben mich gefragt, woran meine schlechten Noten legen oder warum meine Mutter nie zum Gespräch kommt. Ich kann nicht verstehen, wieso mir niemand geholfen hat. Immer einen Tag vor wichtigen Abschlussprüfungen hat sie dann immer plötzlich irgendwelche Schmerzen bekommen und mich angeschrien und geschlagen, damit ich für sie zum Arzt gehe und Medikamente abhole. Dann saß ich halt stundenlang im Wartezimmer und habe durch den ganzen Druck von zu Hause schlechte Prüfungen geschrieben und bin sogar im Studium durchgefallen.

Wegen diesem Leben wusste ich nichts von der Arbeitswelt und allem und habe angefangen, irgendwas zu studieren, weil ich weg wollte. Ich hatte zunächst Pläne, wurde aber wegen den Noten nicht genommen. Habe dann sogar ein Jahr gewartet und versucht, in der Zwischenzeit einen Job zu finden, habe aber keinen Jahresjob bekommen. Ich durfte kein Geld für Bewerbungsmappen und Briefmarken usw ausgeben, weil wir eh kein Geld hatten. Habe das natürlich versucht, aber wurde dann auch wieder geschlagen und musste Sachen zurückbringen.. Ich wollte eigentlich weit weg ziehen, aber konnte mir keine Kaution oder einen Umzug leisten, weil ich das Geld wieder an das Arbeitsamt zurückzahlen musste. Die haben dann gemeint, dass die mir da auch nicht helfen können und ich was in der Nähe studieren soll. Habe mich dann in was Zulassungsfreies eingeschrieben und musste irgendwann das Nebenfach wechseln, weil ich durchgeflogen bin wegen dem ganzen Druck von zu Hause.

Ich habe dann in irgendein anderes Fach gewechselt und bin dabei, dass zu Ende zu studieren. Irgendwann habe ich es geschafft, auszuziehen. Aber jetzt, wo ich fast keinen Kontakt mehr habe, wird mir alles klarer. Ich habe gemerkt, dass es nicht gut war, einfach irgendwas zu studieren, weil die Jobchancen schlecht sind. Aber wenn ich jetzt was Neues anfange, bekomme ich kein Bafög mehr. Und ich finde es jetzt schon schwer, nebenher zu arbeiten, weil ich so viel tun muss für die Uni und bin mir nicht sicher, ob ich das ganz ohne Hilfe schaffen würde.

- Ich habe jetzt echt Angst, dass ich keinen Job finde, selbst Praktika zu finden ist schwer, bzw. kann ich keine machen, weil die unbezahlt sind, ich aber auf den Nebenjob angewiesen bin und aufs Bafög. Ich kann nicht mehr schlafen und weiß nicht, was ich tun soll… Ich will etwas anderes machen, weiß aber nicht was und wie ich das anstellen soll.. Wenn ich einen besseren Abschluss hätte, hätte ich etwas Zukunftsfähiges machen können… Die Berufsberatung hat mir damals auch nicht gesagt, dass meine Jobchancen schlecht sind.. Ich habe immer gedacht, ich werde schon was finden… Was soll ich denn jetzt tun? Ich würde gerne etwas mit Zukunft machen, traue es mir aber nicht zu wegen dem Geld und weil ich irgendwie müde von, von er ganzen Lernerei.. Außerdem bin ich schon knapp 30 und komme mir so dumm vor, nichts "gescheites" gemacht zu haben… Aber ich wusste einfach nicht, dass man gute Noten braucht, um eine gute Ausbildung zu bekommen und ich wusste auch nicht, wie man mit anderen Leuten spricht, weil wir nie Besuch oder viel Kontakt zu anderen.. Ich möchte einfach ganz normal Leben ohne Zukunftsängste…

- Auch weiß ich nicht, wie ich mich heute gegenüber der Familie verhalten soll. Ich weiß nicht, ob die narzisstisch sind.. Vor allem meine Mutter und meine Tante verlangen dauernd, dass mein Freund sie irgendwo hinfahren soll oder für die etwas machen soll. Aber von ihnen kommt im Gegenzug dafür nichts… Schwer das zu beschreiben. In der Familie hilft man sich ja gegenseitig, dass ist ja kein Problem. Aber hier ist das so, dass wir immer bereitstehen sollen und machen sollen, was sie sagen. Meine Mutter hat uns noch nicht mal in die Wohnung eingeladen oder so… Sie denken, er, weil er ein Auto hat, kann eben mal was bei der Post abholen, oder sie irgendwo hinfahren. Sie sagen, dass man das machen muss als Familienmitglied. Ich habe denen gesagt, dass das so nicht geht und er das nicht macht. Da bekomme ich von allen Seiten anrufe, was das soll und dass das unverschämt ist und dass man der Familie helfen muss.. Und dass ich nicht für meinen Freund sprechen soll. Die wollen ihn ausnutzen und denken ernsthaft, dass dieses Verhalten in Ordnung ist. Das ging los, seit wir zusammen sind. Meine Tante hat ihn gleich richtig mies behandelt, hat sich aber bis heute nicht dafür entschuldigt und kommt dauernd mit neuen Forderungen. Die verstehen einfach nicht, wie man mit Menschen umgeht, und wie man sich gegenseitig Respekt zeigt. Das hat die Familie meines Freundes mitbekommen und war richtig geschockt und empört über das Verhalten. Das muss ich mir nun ständig anhören. Das ist mir so peinlich und tut mir so leid, dass alle ihn so schlecht behandeln…

Ich habe deswegen ein echt schlechtes Gewissen, obwohl ich ja nichts für das Verhalten kann... Ich komme mir so dumm vor, weil ich keine richtige Familie habe.. Wenn wir mal heiraten, wird niemand von ihnen dabei sein, weil ich sie nicht einladen will.. Das ist so traurig.. und ich fühle mich so alleine ohne Familie..

Ich weiß einfach nicht mehr weiter, mir ist das alles echt peinlich und ich habe noch nie jemandem von meinem Leben erzählt.. Daher würde ich mich freuen, wenn jemand von euch einen Rat hätte, wie ich mich wegen dem Studium und der Familie verhalten soll.. Das ist jetzt lang geworden, danke fürs Lesen!

30.05.2015 15:00 • 31.05.2015 #1


5 Antworten ↓


Zu deiner familiären Situation habe ich leider auch keine Patentlösung. Ich finde es schlimm, dass niemandem aufgefallen ist, wie schlecht du behandelt wurdest. Vielleicht würde es helfen erstmal komplett den Kontakt zu deiner Familie abzubrechen? Du schreibst du fühlst dich allein ohne deine Familie - vielleicht kannst du ja mehr Zeit mit deinen Schwiegereltern bzw. der Familie deines Freundes verbringen? Auch für deinen Freund ist es bestimmt nicht einfach. Aber wenn deine Familie ihn nur als Angestellten missbraucht, tut eine Auszeit von deiner Familien vielleicht auch ihm ganz gut.

Was das Studium angeht möchte ich dir aus eigener Erfahrung empfehlen: Mach es zu Ende! Steck deine ganze Energie dort hinein, denn im Arbeitsleben geht es erstmal nur darum, dass du einen Abschluss hast. So absurd es klingt: Wenn du dich auf einen komplett anderen Job bewirbst wirst du es immer leichter haben, wenn du irgendetwas vorweisen kannst. Das schlägt sich auch im Lohn wieder, denn ohne Abschluss bist du immer eine ungelernte Kraft und hast nur dein Abitur. Ich spreche da aus eigener Erfahrung, denn ich musste mein Studium krankheitsbedingt im letzten Semester aufgeben. Warum du dein Studium nicht fertig gemacht hast interessiert niemanden in der Arbeitswelt. Ich musste wesentlich härter für Jobanstellungen kämpfen, als meine Mitbewerber.
Wenn du erstmal einen Abschluss in der Tasche hast, wird es auch beim Arbeitsamt leichter (falls du damit einmal in Kontakt kommst). Und von einem bestehenden Abschluss aus, kannst du meist einfacher Umschulen bzw. dich Weiterbilden, denn die Firmen sind dir wohler gesonnen.

Das sind zumindest meine Erfahrungen.

30.05.2015 17:34 • #2



Eltern haben mir mein Leben verdorben / selbst schuld?

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Hallo, danke für deine Worte!

Kontaktabbruch ist wohl die Beste Lösung, aber auch ein schwerer Schritt. Habe den Kontakt schon reduziert. Auf irgendwelche Forderungen gehe ich auch gar nicht mehr drauf ein. Mich erschüttert es aber irgendwie, dass sie nicht versehen, dass ihr Verhalten mir nicht gefällt und immer wieder von Neuem anfangen und mir dann Vorwürfe machen..
Ich verbringe viel Zeit mit seiner Familie, aber dann denke ich immer, warum meine nicht so nett sein kann...

Danke auch für deinen Rat für das Studium. Ich denke, dass ich es durchziehen werde, sonst wären die letzten Jahre umsonst gewesen. Eigentlich finde ich das Studium sehr interessant und würde auch gerne darin arbeiten. Aber ich bekomme immer wieder mit, dass es nicht leicht ist, etwas in die Richtung zu finden und man sich breit aufstellen muss. Ich habe eine große Panik davor, arbeitslos zu werden..
Finde ich toll, dass du trotzdem um eine Stelle gekämpft hast!

30.05.2015 18:00 • #3


Ich habe komplett im Ausland studiert. Auch einige Mitstudenten kamen aus Deutschland und standen nach ihrem Abschluss vor dem Problem, dass 99% der deutschen Unternehmen mit dem Studienabschluss nichts anfangen können. Ausländische Unternehmen sind sehr interessiert an uns. Wer aber trotzdem nicht weiter im Ausland leben wollte, musste sich in Deutschland weiterbilden. Und auch diese Leute haben nach der Weiterbildung eine Stelle gefunden Wenn du weisst, in welche Richtung du möchtest, musst du manchmal einen kleinen Umweg in kauf nehmen.

31.05.2015 13:10 • #4


Liebe Eli0102!
Da hattest Du ja eine schreckliche Kindheit.
Deine Mutter ist psychisch nicht gesund, dass sie Dich so behandelt hat, und als Kind konntest Du Dich noch nicht abgrenzen.

Gut, dass du es inzwischen geschafft hast auszuziehen und einen lieben Freund mit eben solcher Familie gefunden hast.
Du kannst stolz auf Dich sein und das was Du hast besonders schätzen!

Es ist traurig keine eigene nette Familie zu haben, die einem den Rücken stärkt, aber eine zu haben, die einem in den Rücken fällt und einen schwächt, ist wahrscheinlich noch schlimmer!

Das Studium fertig zu machen um eine abgeschlossene Ausbildung zu machen, ist sehr wichtig.
Immer einen Schritt nach dem anderen, die Jobsuche kommt dann, und wer weiß, wie dann die Berufsaussichten sind.

31.05.2015 13:31 • #5


Hotin
Hallo Eli0102,

deine Kindheit und Jugend sind ja echt schwierig für Dich gewesen.
Um so beachtlicher finde ich, wie Du Deinen Weg gegangen bist und auch jetzt
gehst.

Zitat:
Die haben mich gar nicht ernst genommen, weil ich ja ein Kind war…


Die haben Dich bestimmt ernst genommen. Vermutlich werden sie aber aus
Angst, da Verantwortung zu übernehmen, die Augen davor geschlossen haben.
Außerdem hätte da vielleicht wirklich die Gefahr bestanden, das Deine Mutter das noch doller getrieben
hätte, oder etwa nicht?
Leider sind Kinder in solchen Situationen oft ungeschützt und hilflos.

So, wie Du das beschreibst, könnte es Dir helfen, einiges mit Psychologen aufzuarbeiten. Oder hattest
Du schon solche Therapiegespräche. Das wird nicht ganz einfach für Dich sein, selbstbewusst durchs
Leben zu gehen. Dafür wünsche ich Dir viel Kraft.

Was , von dem, was Du hier erzählst sollte Dir peinlich sein? Das Du stark genug bist, Klartext zu reden
und Dir nichts vormachst?
Den Kontakt zur Familie kannst du ja aufrecht erhalten, da Dir das wichtig erscheint.
Nur ausnützen lassen solltest Du Dich nicht. Wenn Deine Mutter wieder fordert kannst Du auch gern Nein
sagen. Und falls sie schimpft oder jammert, sagst Du einfach ehrlich. Du hast mir damals auch nicht geholfen.
Das hätte ich aber so dringend gebraucht. Sei froh, das ich noch Kontakt zu Dir halte.
Achte darauf, das die Familie Deines Freundes nicht zu negativ über Deine Familie redet. Dazu haben sie eigentlich
kein Recht und es kann nicht sein, das jeder alles auf Deinem Rücken austrägt.
Zitat:
Ich habe dann in irgendein anderes Fach gewechselt und bin dabei, dass zu Ende zu studieren.


Bitte achte darauf, das Du Dein Studium sauber abschließt. Ganz gleich was danach kommt. Du wirst Dein
Leben lang gemessen an so einem blöden Bildungsabschluss.
Also sieh zu, das Du so ein Papier bekommst.

Viel Erfolg dafür

Hotin

31.05.2015 15:29 • #6




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