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Hallo!

Wie überraschende Querschläge erwischen mich immer wieder Situationen, in denen ich gezwungen bin, etwas zu tun.
Klar, das ist das Leben. Aber in mir drin ist es sofort wie ein Wiedererkennen, so ein muffiges Gefühl. Abgestanden und zäh legt es sich wie eine dicke Haut über jegliche Lebensfreude.
Wer Kinder hat, der kennt das auf jeden Fall bei Schulproblemen. Als würde man ständig gegen neue Klippen fahren. Kaum ein bisschen Motivation geweckt, wieder ein Tiefschlag.
Nun hat sich allerdings bei uns das Problem soweit gesteigert, dass ein Lehrer meinem Sohn das Heft mehrmals auf den Kopf schlug und ihn mit einer Kreide bewarf. Jetzt hilft alles aussitzen nicht mehr.
Mein Kind hat ja vermutlich aufgrund beider Eltern eh schon eine Veranlagung zur Depression und Traurigkeit. Nun kommt noch der Lehrer dazu, der seine Art des Frusts - oder sollte es Motivation sein?!?- an ihm auslebt.
Und an dieser Stelle umschließt mich das muffige Gefühl. Das Erkennen einer unausweichlichen Situation. Hier hilft es nicht mehr, auf das zu achten was ich brauche, hier muss ich was tun. Mit Depressionsschüben und Angstattacken ist da nichts mehr. An der Stelle kann ich mir das nicht mehr leisten und ich bekomme so eine ungeheuere Wut auf den Lehrer, weil er unser Leben durcheinander wirbelt und mit seiner Stellung so unbedacht eine Kinderseele angreift.
Klar, ist auch nur ein Mensch. Und mein Sohn checkt den Stoff nicht. Mal abgesehen davon, dass der jetzt auch beim besten Willen nicht mehr aus seiner Angstspirale rauszubekommen ist.

Ich muss mit dem sprechen. Und kann nur verlieren. Mein Sohn wird so und so auf seiner Abschussliste stehen. Ob ich ihn da noch auf sein unprofessionelles Verhalten ansprech oder nicht. Aber als Mutter ist man gezwungen, tätig zu werden. Und seit zwei Tagen nur noch Gedankenkreisel. Ich komme gar nicht mehr weg davon. Wieder keine Übung für Gelassenheit.

Liebe Grüße

01.02.2018 18:11 • 04.02.2018 #1


10 Antworten ↓


Perle
Hallo Kiliane,

warum meinst Du, nur verlieren zu können? Ich würde diese Lehrer-Situation eher als Weckruf betrachten. Bitte verstehe mich nicht falsch. Das Verhalten des Lehrers geht gar nicht und muss geklärt werden, damit Dein Kind nicht das Gefühl hat, alleine da zu stehen und sich schuldig zu fühlen.

Du berichtest aber zugleich von Traurigkeit und Depression bei Euch als Eltern sowie Angst bei dem Kind. Und hier würde ich an Deiner Stelle ansetzen und für Euch professionelle Hilfe organisieren, z. B. eine Familientherapie. Das meine ich mit Weckruf. Denn auf mich wirkt ihr nach Deiner Schilderung alle drei nicht glücklich, aus unterschiedlichen Gründen.

LG, Perle

01.02.2018 18:40 • x 1 #2



Ausgeliefert und zum Handeln gezwungen - ein Kreislauf

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la2la2
Zitat von Kiliane40:
Wer Kinder hat, der kennt das auf jeden Fall bei Schulproblemen. Als würde man ständig gegen neue Klippen fahren. Kaum ein bisschen Motivation geweckt, wieder ein Tiefschlag.

Da stellt sich die Frage, wie sieht die Situation denn aus? Hat er viele 4en und 5en auf dem Zeugnis oder habt ihr vielleicht viel zu hohe Ansprüche an die Schulleistungen eures Sohnes?
Dass ein Kind ständig gute Noten bekommen müsse, um später beruflich was zu erreichen ist ein uraltes Märchen. Es zählt letztendlich nur das Abschlusszeugnis bei Bewerbungen (alles davor ist vollkommen egal) - und falls es auf ein Studium hinausläuft, ist selbst mit nem Abi mit 4,0 nach 6-7 Jahren Wartezeit ein Medizinstudium problemlos möglich. Alle anderen Studiengänge sogar nach deutlich weniger Wartezeit - falls es überhaupt einen NC gibt.
Viel wichtiger als gute Noten ist das Wohlbefinden des Kindes. Eine glückliche Kindheit mit vielen Hobbies, Freunden und Spaß ist viel wertvoller fürs Leben als im Abschlusszeugnis nen Schnitt um 0,5 besser zu haben - dafür aber von den Eltern ständig mit Hausarest zum lernen gezwungen zu werden. Um es mal ganz deutlich auf den Punkt zu bringen.

Zitat von Kiliane40:
Nun hat sich allerdings bei uns das Problem soweit gesteigert, dass ein Lehrer meinem Sohn das Heft mehrmals auf den Kopf schlug und ihn mit einer Kreide bewarf. Jetzt hilft alles aussitzen nicht mehr.

Wie alt ist dein Sohn denn?
Hat der Lehrer nur dein Kind so "behandelt" oder passiert das öfter in der Klasse, dass er solche oder ähnliche Sachen macht?
Das Verhalten des Lehrers ist natürlich vollkommen inakzeptabel.....

Zitat von Kiliane40:
Hier hilft es nicht mehr, auf das zu achten was ich brauche, hier muss ich was tun.

Und wo ist das Problem mit dem Lehrer zu sprechen oder sich direkt an den Klassenlehrer zu wenden? Du bist erwachsen und keine 15 mehr..... also sollte das doch kein Problem sein aktiv zu werden.

01.02.2018 18:54 • #3


Es muss an allen stellen im Leben besser laufen damit so etwas nicht passiert. Wie wirkt sich eure Depression denn auf den Alltag aus?

01.02.2018 19:01 • #4


Danke für Eure Antworten! Wir sind sehr gelassene Eltern in Bezug auf die Noten. Freunde und Fussballtraining haben einen festen Platz. Dieses Jahr hat mein 13jähriger Sohn vier Fächer, in denen er auf der Kippe steht. Er hat sich in letzter Zeit selbständig gekümmert, vorbereitet zu sein umd sich auch ausfragen lassen. Er hätte so dringend mal eine positive Rückmeldung nötig. Und nun diese entglittene Behandlung durch den Lehrer. Nun hat er Angst und traut sich nicht mehr in den Unterricht bei diesem Lehrer, der auch noch der Beratungslehrer der Schule ist. Es herrscht wohl in der Regel eher ein spöttischer herablassender Tonfall, aber mit Heft auf den Kopf schlagen und mit Kreide bewerfen traf nur meinen Sohn und auch nur vorgestern. Der natürlich im Klassenverbund zumindest in dieser Stunde sein Gesicht verliert. Natürlich muss das geklärt werden. Es ist als Mutter ja mein Job. Ich hadert nur damit, dass wir in dieser Welt, an der es an allen Ecken und enden brodelt, in unserem Land mit solchen Aktionen zu tun haben. Ich suche wirklich auch nach entschuldigend Gründen. Ich will nicht mit Wut und Hass in das Gespräch gehen. Andererseits wäre ein donnerwetter auch angemessen, finde ich. Aber das geht nur am Kind aus. Ist mir klar. Das ist mir zu heikel.

01.02.2018 21:06 • #5


la2la2
Zitat von Kiliane40:
Nun hat er Angst und traut sich nicht mehr in den Unterricht bei diesem Lehrer, der auch noch der Beratungslehrer der Schule ist.

Oh, also der im Bereich Pädagogik kompetenteste Lehrer macht an der Schule die Beratung.

Zitat von Kiliane40:
Natürlich muss das geklärt werden. Es ist als Mutter ja mein Job. Ich hadert nur damit, dass wir in dieser Welt, an der es an allen Ecken und enden brodelt, in unserem Land mit solchen Aktionen zu tun haben. Ich suche wirklich auch nach entschuldigend Gründen. Ich will nicht mit Wut und Hass in das Gespräch gehen.

Nicht so viel herumdenken. Einfach zum Telefon greifen und den Klassenlehrer anrufen. Dem dann einfach kurz schildern was passiert ist und was das für eine Auswirkung auf deinen Sohn hat.
Falls der sich nicht zuständig fühlt oder nichts unternehmen will, mal beim Schulleiter nen Gesprächstermin holen.
Bringt nichts zu pöbeln. Wer pöbelt erreicht nichts. Wer es sachlich auf den Punkt bringt erreicht hingegen viel mehr....

01.02.2018 21:15 • x 1 #6


Zitat von Kiliane40:
Nun hat sich allerdings bei uns das Problem soweit gesteigert, dass ein Lehrer meinem Sohn das Heft mehrmals auf den Kopf schlug und ihn mit einer Kreide bewarf.


Ähm, was bitte ist das denn für ein Lehrer? Der scheint mir irgendwie falsch in seinem Beruf zu sein.

01.02.2018 21:21 • #7


Ich denke, dass viele Lehrer im Laufe des Berufslebens an ihre persönliche Grenze stoßen. Ob das jetzt am Gymnasium noch eine heilere Welt ist, weiss ich nicht. Ich dachte es halt. Bei meinem Klinikaufenthalt hatte ich viele Lehrer als Mitpatienten. Viele wirklich ausgebrannt, wenige zu Unrecht beschuldigt und von Schülern vorgeführt. Es gab aber auch solche, die zum burnout eine Eskalation gebraucht haben. Damit sie endlich raus konnten aus der Spirale. Wenn dann das eigene Kind zur Steilvorlage für den Ausstieg wird, hat das Kind verloren. Ich kann mir aber noch kein Urteil über den Lehrer und seine Motive erlauben, weil unser Kennenlernen erst in ner Stunde ist. Mein Sohn ist nicht in der Schule. Er konnte vor Angst nicht hin. Das verschärft für mich die Ausgangssituation. Aber ich bin fest entschlossen, neutral aufzutreten. Es braucht jetzt eine Lösung.

02.02.2018 09:34 • x 1 #8


la2la2
Und wie ist das Gespräch mit dem Lehrer gelaufen?

02.02.2018 14:03 • #9


Hallo!
Ich war also bei besagtem Lehrer. Es war gar nicht nötig, bei ihm ins Detail zu gehen. Wir wussten beide unausgesprochen, warum ich da war. Zunächst wollte er zwar auf die Noten raus und sagte auch, dass er sich bei den anderen Lehrern umghört habe, mein Sohn sei das Sorgenkind aller, aber ich sagte ihm, dass die Hauptbaustelle in seinem Fall eher das Zwischenmenschliche betreffe und ich da akuten Handlungsbedarf sehe. Er erwähnte von selbst seine "forsche" Art und meinte, mein Sohn sei im Unterricht wie nicht vorhanden, apathisch und träume. Er wollte ihn in Aktion bringen. Ich habe ihm dann erklärt, dass seine Wahrnehmung meines Sohnes sicherlich zutreffe, aber der Grund ein anderer sei als er denke. Als ich das Thema "massive Angst vor ihm" ansprach, fiel er aus allen Wolken. Ich weiß ja nicht, ob uns die Lehrer früher näher waren, aber wurde damals auch schon Apathie mit Unlust gleichgesetzt oder hat da mal einer dran gedacht, dass ein Kind auch in Schockstarre verfallen könnte, wenn er ab der ersten Minute des Unterrichts Angriffe und Demütigungen vermutet?!? Ich denke, das geht heute einfach unter im Hetzen von Klasse zu Klasse, dem Zeit- und Stoffproblem und all dem Organisatorischen außen herum. Es war ein gutes Gespräch. Er wird ihn zukünftig nicht mehr auf seine typische Art und Weise auffordern und wünscht sich als Gegenleistung nur, dass mein Sohn sich im Unterricht einmal meldet. Egal ob richtige oder falsche Antwort oder ob er eine Frage stellt. Von sich aus hat er auch bemerkt, wie sehr mein Sohn unter seinem Banknachbarn leidert und will sich darum kümmern, dass sich die Klasse auch mal umsetzen kann, wenn das gewünscht wird. Also alles in allem gut gelaufen. Ich habe ihm bewusst Vorwürfe erspart. Auf diese Weise holte ich ihn als Verantwortlichen der Problemlösung ins Boot und er kam nicht in die Rechtfertigung. Wenn es jetzt nicht deutlich besser wird, geh ich zur Schulleitung. Aber ich habe ein gutes Gefühl. Mein Sohn hat natürlich immer noch Befürchtungen, aber er muss halt in den sauren Apfel beißen und in den Unterricht gehen. Es hilft nix!

Liebe Grüße

04.02.2018 20:15 • #10


Kleine Elfe
Werde "aktiv an der richtigen Stelle. Wende dich deinem Sohn zu und höre ihm einfühlsam zu was ihn bewegt, vielleicht ist da ein innerer Konflikt, Mobbing oder sonst was im Spiel als "Problem hinterm Problem"... etwas worauf man im ersten Moment nicht kommt und diese äußeren offensichtlichen Konflikte maskieren dies nur. Und ich würe vorschlagen euch einfach mal in der Familie an den Tisch zu setzen und offen zu diskutieren über euer Erleben der Situation (Das hat mit meinen Eltern bedauerlicherweise nie geklappt) aber es ist sehr sehr wichtig für die angstfreie Entwicklung eines Kindes.
Ich wünsche dir viel Erfolg dabei

04.02.2018 23:53 • x 1 #11



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