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Hallo zusammen,

ich frage mich, wie ich meine apathischen Episoden in den Griff kriege, und ob sie nicht mit einer Depression im Zusammenhang stehen.

Ich studiere und habe manchmal Tage, an denen ich zu einer Veranstaltung gehen müsste, die eigentlich wichtig ist. Aber ich trödele dann so lange herum, dass es zu spät ist.
Ich denke dann immer, ach, ich kann das ja nachholen, bzw. es wird dort eh nichts Lebenswichtiges gesagt. Aber immer, wenn ich wie zufällig die Veranstaltung verpasse, habe ich so ein leeres, ziehendes Gefühl im Magen. So, als ob ich mich selbst furchtbar enttäuscht hätte.

Leider häufen sich solche Vorfälle, und ich habe Angst irgendwann einmal einfach nicht zur Klausur aufzutauchen.

Mir ist bewusst, dass eine tiefempfundene Sinnlosigkeit dazu beitragen könnte. Allerdings habe ich keine Mittel, um bewusst gegen die Apathie und gegen das Gefühl der Sinnlosigkeit vorzugehen.

Wer von euch hat schon mal damit zu kämpfen gehabt und wie seid ihr dabei vorgegangen?

LG,

cl3rona

27.07.2015 13:38 • 29.07.2015 #1


10 Antworten ↓


prodomo81
das ziehende gefühl im magen, nennt sich wohl schlechtes gewissen. ich hab mein studium ähnlich "gestaltet", bin heute fertig und weiß, dass das definitiv der falsche studiengang für mich war. muss aber nicht in deinem fall so sein.

umgegangen bin ich mit dem gefühl gar nicht. pflichtveranstaltungen und prüfungen habe ich besucht, beim rest nach gut dünken abgewägt, mir die unterlagen besorgt und bin eben nicht gegangen. depressionen und studium....überhaupt irgendwelche aktivitäten, lassen sich manchmal nur schlecht vereinbaren.

was studierst du denn?wie weit bist du?

27.07.2015 16:36 • #2



Apathie in den Griff kriegen

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Hi prodomo,

es beruhigt mich ein wenig zu wissen, dass andere auch so handeln wie ich.

Ich studiere Bio im Bachelor im 2. Fachsemester. Nach langem Überlegen stand für mich fest, dass ich entweder Bio studieren möchte oder gar nichts. Ich habe auch schon mal Soziologie und Gender Studies angefangen, aber nach 2 Semestern aus verschiedenen Gründen abgebrochen.

Das, was mir gerade am Meisten Sorgen bereitet ist, dass ich im November meinen letzten Versuch in Zellbio habe. Wenn ich da die Klausur versemmele, weil ich wieder die Fragen scheinbar falsch verstanden habe, muss ich mich umorientieren.
Ich sage mir zwar, du schaffst das, setz dich einfach wieder hin und lerne. Aber ich muss immer wieder darum kämpfen es tatsächlich zu tun. Nach einigen Tagen des Lernens fühle ich mich wie ein gespannter Haargummi und dann schwenke ich schnell um ins Nichtstun, das sich hinzieht.

Was hast du denn studiert? Übst du auch einen Beruf in diesem Fachgebiet aus?

27.07.2015 17:45 • #3


prodomo81
Zitat von cl3rona:
Aber ich muss immer wieder darum kämpfen es tatsächlich zu tun. Nach einigen Tagen des Lernens fühle ich mich wie ein gespannter Haargummi und dann schwenke ich schnell um ins Nichtstun, das sich hinzieht.


ähnlich gings mir auch. ich glaube 2 prüfungen hab ich in der ganzen zeit wiederholt. anfangs hab ich noch alles auswendig gelernt...später mut zur lücke bewiesen, bzw. zusammenhänge versucht zu verstehen. quasi, wie eine geschichte den stoff in verbindung bringen und dann nach erzählen. ich weiß nicht, wie ich es genauer beschreiben soll.

zellbio besteht viel aus fakten, versuch es zu verstehen. stur auswendig lernen frustriert nur. und wenn nix mehr geht...rausgehen. lerngruppe schon probiert? laufen beim lernen?

ich arbeite nicht in meinem beruf. hab pflegemanagement studiert. ich will aus dem ganzen sozialen bereich weg, überlege gerade ob nicht büromanagement was für mich ist. quasi nochmal eine ausbildung. is grad schwer. bin noch krank geschrieben, muss aber auch langsam in die pötte kommen.

28.07.2015 08:23 • #4


Zitat von prodomo81:
ähnlich gings mir auch. ich glaube 2 prüfungen hab ich in der ganzen zeit wiederholt. anfangs hab ich noch alles auswendig gelernt...später mut zur lücke bewiesen, bzw. zusammenhänge versucht zu verstehen. quasi, wie eine geschichte den stoff in verbindung bringen und dann nach erzählen. ich weiß nicht, wie ich es genauer beschreiben soll.


Das war schon ganz gut ausgedrückt. Ich versuche das gerade mit Chemie.

Zitat von prodomo81:
zellbio besteht viel aus fakten, versuch es zu verstehen. stur auswendig lernen frustriert nur. und wenn nix mehr geht...rausgehen. lerngruppe schon probiert? laufen beim lernen?


Mit Lerngruppen komme ich nicht so gut klar, weil die anderen zu schnell für mich sind. Ich lerne anscheinend besser, wenn ich vor mich hintüfteln darf. Vom Lernen beim Laufen habe ich auch schon mal gehört. Vielleicht probiere ich es mal aus.

Bis wann musst du dich für eine Ausbildung entschieden haben? Hättest du evtl. Interesse in einen fachfremden Masterstudiengang quer einzusteigen?

28.07.2015 08:59 • #5


prodomo81
quereinstiege in fachfremde studiengänge funktionieren nicht, da fehlt doch die grundlage. ich könnte nicht mal sozialpädagogik als master wählen. nee, schon allein, wenn ich mir stellenangebote und verdienste anschaue, scheint mir ein weiteres studium absurd. bürokauffrauen gehen mit dem selben gehalt heim wie pflegemanager. nix, akademiker verdienen mehr. und die stellenanzahl brauch ich garnicht erst zu vergleichen. studium macht n bissl zum "fachidioten" und soooo viele stellen gibts da leider nicht...zumindest für mich. ich will nicht als stationsleitung irgendwo versauern, für mieses geld. und ein heim leiten schon dreimal nicht.

am 10.8. hab ich nen termin beim vdk, mal gucken, welche möglichkeiten ich habe. vielleicht kann ich ja verkürzen....umschulen...was weiß ich. noch fühl ich mich zu beschissen zum arbeiten. hab ständig angst bzw. irgendwelche blöden symptome, an die ich mich einfach nicht gewöhnen kann. wechseln halt auch munter hin und her.

mit laufen meine ich übrigens nicht joggen, sondern: skript in die hand, im zimmer hin und her laufen und der pflanze ihre zellbausteine samt funktion erklären, bis die pflanze es auch versteht.

28.07.2015 09:15 • x 1 #6


RicoBee
Zitat von cl3rona:
Ich sage mir zwar, du schaffst das, setz dich einfach wieder hin und lerne. Aber ich muss immer wieder darum kämpfen es tatsächlich zu tun.

Einfache Frage: Willst du es denn schaffen?

Ich frage nur, weil sich für mich deine Geschichte nicht nach irgendwelchen Depressionen anhört, sondern danach, dass du was tust, worauf du eigentlich gar keinen Bock hast. Und wenn das so ist, kann kein Ratschlag und kein Therapeut der Welt dir weiterhelfen, dann bleibt dir nix anderes als entweder mit dem Kopf durch die Wand zum Abschluss, weil du es halt irgendwann mal so beschlossen hast, oder dann was neues zu suchen.

28.07.2015 09:32 • x 1 #7


Hey RicoBee,

ich glaube ich denke, dass ich es schaffen muss.

Warum ich nicht nach etwas anderem suche, liegt einerseits in meinem Interesse am Bio-Studium - und andererseits in meinem bunten, chaotischen Lebenslauf begründet. Meine einzigderzeitige Option ist tatsächlich mit dem Kopf durch die Wand.

Es verunsichert mich nur, wenn ich einige Zeit lang einfach nichts mache und noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen darüber empfinde.
Ich kann mir aber nicht Neues suchen, weil es dort genauso verlaufen dürfte. Das weiß ich, weil ich schon mindestens sieben Mal etwas anderes gesucht und wieder fallengelassen habe. (Und Bio ist nun mal interessanter und handfester als alles zuvor Ausprobierte.)

Ich habe einfach Schwierigkeiten damit, meine Zeit länger in etwas zu investieren. Das spielt dann auch in meine Beziehungen hinein, die früher oder später einfach zu einem Halt kommen und ich die Menschen nie wiedersehe(n möchte).

29.07.2015 10:56 • #8


KORREKTUR:

@RicoBee: ich glaube ich denke, dass ich es schaffen muss.

Warum ich nicht nach etwas anderem suche, liegt einerseits in meinem Interesse am Bio-Studium - und andererseits in meinem bunten, chaotischen Lebenslauf begründet. Meine einzigderzeitige Option ist tatsächlich mit dem Kopf durch die Wand.

Es verunsichert mich nur, wenn ich einige Zeit lang einfach nichts mache und noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen darüber empfinde.
Ich kann mir aber nicht Neues suchen, weil es dort genauso verlaufen dürfte. Das weiß ich, weil ich schon mindestens sieben Mal etwas anderes gesucht und wieder fallengelassen habe. (Und Bio ist nun mal interessanter und handfester als alles zuvor Ausprobierte.)

Ich habe grundsätzlich Schwierigkeiten damit, meine Zeit länger in etwas zu investieren. Davon sind auch viele meiner Beziehungen betroffen, die früher oder später einfach zu einem Halt kommen und ich die Menschen nie wiedersehe(n möchte).


@prodomo: was ist denn vdk?

Das hört sich nach totaler körperlicher und geistiger Erschöpfung an. Kam das denn alles durch das Studium?

(Ich habe selber eine breite Palette an Ängsten angesammelt, als ich nach meiner Arbeit im Einzelhandel fast einen Burnout hatte. Das lästigste war die Angst vor Terroranschlägen und sexuellen Übergriffen im Dunkeln auf der Straße. Todesängste hatte ich auch öfters anstelle von Gutenachtgeschichten. :/)

Aber dann hast du ja wenigstens noch knapp zwei Wochen, um den Stress ein Stück abklingen zu lassen

29.07.2015 11:11 • #9


prodomo81
vdk ist ein sozialverband, der berät und interessen gegenüber dritter vertritt....die stehen einem quasi zur seite und unterstützen einen in sozialen fragen...krankengeld, frührente, behinderungsgrad usw. ziehen mit dir vor gericht, zeigen auf, was man noch tun kann. ganz nützlich!

Vom studium kam das nicht. wie bei allen hier, ist die basis schon bröckelig,dann lebt man, dinge passieren wie jedem anderen auch und dann ist das fass voll. der letzte tropfen war der plötzliche tot meines vaters. jetzt hab ich angst, dass meine mutter auch "einfach" geht....oder ich. tot ist gerade allgegenwärtig in meiner gedanken- und gefühlswelt.

29.07.2015 11:41 • #10


(offtopic:

Zitat von prodomo81:
tot ist gerade allgegenwärtig in meiner gedanken- und gefühlswelt.


Ich empfinde es auch als eine der höchsten Herausforderungen in unserem Leben, sich mit der Vergänglichkeit auseinandersetzen.
Was mir persönlich in meiner PA-Zeit geholfen hat, war das Buch eines berühmten Psychologen. Wenn du Interesse daran hast, kann ich dir den Link per PN schicken )

Das, was meine Apathie oder früher die PAs im Zaum gehalten hat, war übringens die Einsicht, dass ich dieses Leben nur einmal lebe und nur mir selber Rechenschaft über mein Tun schulde. Wenn ich mir überlege, wie mir mein Leben auf dem Totenbett erscheinen würde, habe ich auch oft eine Idee, was ich tun bzw. verändern könnte.

Ich weiß aber nicht so recht, wie ich diese Einsichten verlängern könnte. Dann würde ich vielleicht nicht so schnell in das alte Apathie-Muster verfallen...

29.07.2015 12:14 • #11



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