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Hallo,

ich versuche mal kurz, meine derzeitige (für mich sehr belastende) Situation zu schildern.
Ich habe vor Jahren in meiner Arbeitsstelle als Sachbearbeiter angefangen. Das ging dann kometenhaft nach oben, ich habe dann in Abwesenheit meines Chefs die Abteilungsleitung übernommen. Das hat so lange gut geklappt, bis er wieder kam. Seitdem (ca. Seit 3 Jahren) bin ich Stellvertreter und bekam immer mehr Arbeit aufgebrummt. Ich war überfordert, konnte das mir aber wohl nicht eingestehen und dem Chef gegenüber auch nicht, weil ich subtil und teilweise offen immer mehr Druck bekam. Es passierten Fehler, und ich achtete nur noch darauf, keine Fehler zu machen, was zu noch mehr Fehlern führte. Nach teilweise krassen Symptomen (GA diagnostiziert und Grübelzwang) und dem Gefühl, dass nichts mehr geht (immer wieder bekam ich bei Terminen gesagt, wie viele Fehler es sind, obwohl derjenige selbst schon viel verbockt hat, dies aber nicht zugibt), bin ich nun krank geschrieben. Ich habe aber Aussicht auf einen neuen Job. Und jetzt kommt die Angst, im neuen Job "genauso zu versagen".
Andere Kollegen und meine Frau finden, ich wäre ein sehr guter Mitarbeiter, weil ich auch immer höflich bin und Lösungen fand.
Nun grüble ich jeden Morgen darüber nach, ob ich wirklich ein Versager bin und nichts mehr auf die Reihe bekommen werde.
Das macht mich fertig.
Und ich hab Angst, da nicht mehr raus zu kommen und das lähmt mich so, dass ich wenig Freude empfinde und auf nichts mehr Lust habe...
Ich hätte so gerne Hoffnung, dass alles gut wird und wenn ich beim jetzigen Arbeitgeber kündige, und ich was Neues habe, dieser Druck weg ist.
Habe aber solche Angst, beim neuen Job auch Fehler zu machen. Wie kann ich mit dem Alten abschließen?

Sorry. Lang, hat aber gut getan, das zu schreiben..
LG

06.05.2018 12:11 • 07.05.2018 #1


4 Antworten ↓


Icefalki
Akira, nehm die neue Stelle. Die alte hat dich kaputt gemacht. Und lerne auch mal Nein zu sagen. Dein jetziger Chef spielt mit dir. Also, lass den sich ein neues Spielzeug suchen und du beginnst was Neues.

In der Regel sind es die guten Leute, die vor die Hunde gehen, weil sie alles Recht machen wollen. Manche Chefs sind einfach blöd. Ich denke oft, die die es wirklich drauf haben, müssen andere nicht klein halten. Und extreme Fehlersuche ist kontraindiziert, macht nur unsicher und führt zu noch mehr Fehlern. Passiert aber jeden, der abhängig ist, es recht machen will, da haben so Fehlersucher leichtes Spiel.

Ab mit dir, lass dieses Klima hinter dir. Und zweifle nicht.

06.05.2018 20:13 • x 2 #2



Angestauter Stress durch Arbeit und Angst vor Neuem

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Vielen Dank für die Antwort. Schön, dass du dir die Zeit genommen hast.
Ich bin halt Zuhause und fühl mich wie ein Versager. Ich kann mir jetzt auch noch nicht vorstellen, wieder dahin zu gehen. Sind aber noch 2 Monate bis zum neuen Job.
Ich hab Angst, dass ich dann noch mehr Versagens-Gefühle bekomme und den x. gar nicht hoch bekomme. Hab auch Lust zu gar nix momentan. Ich steigere mich in alles rein und grüble mir morgens schon den Tag kaputt.
Wie soll ich da optimistisch sein?
Da hat sich wohl über die Jahre was in mir aufgebaut und ich hab Angst, dass das irreparabel ist und nicht mehr besser wird.
Würde aber so gerne wieder richtig leben und Spaß haben...

LG

07.05.2018 09:03 • #3


Icefalki
Sich als Versager zu bezeichnen ist manchmal nur "einfacher", hält aber nicht stand. Wer sich hocharbeitet hat genug Mumm und ist kein Versager. Du bist nur psychologisch durch die Mangel gedreht worden, weil du einen Ar. hattest. Ich sag es nochmals, es ist als Vorgesetzter so einfach, sich auf Kosten anderer leben zu können. Heisst glaube ich Bossing.

Nur mal als kleine Geschichte am Rande. Mir wurde des öfteren von Vorgesetzten empfohlen, durch Mobbing unliebsame Kollegen rauszudrängen. Ist jetzt ungelogen. Ich sass jedesmal bei den Chefs und bekam diese Aufträge. Ich habs abgelehnt, und damit war ich dran. Jedesmal. Das erste Mal war war unfassbar. Hab nix kapiert, denn plötzlich wurde mir ein Fehler nach dem anderen vorgehalten. Ich verstand nur noch Bahnhof. Beim nächsten Mal wurden mir Unregelmässigkeiten unterstellt, die vorher angeordnet wurden. Ich war fassungslos.,

Ende vom Lied, ich scheine eine Persönlichkeit zu haben, die andere meinen für sich nutzen zu können. Um dann festzustellen, sie verweigert sich. Und damit hab ich dann ausgedient. Immerhin eine Erkenntnis, mit der ich jetzt umgehen kann. Ich halte mich zurück. Das hab ich gelernt. Und bleib mir insofern treu, dass, wenn's menschlich nicht passt, ich problemlos gehe. Dann pass ich nicht dahin.

Allerdings hab ich auch sehr lange gebraucht, um auch meine Anteile daran zu erkennen. Hab zu lange das Spiel durch Loyalität mitgespielt um dann für den anderen plötzlich NEIN zu sagen. Würde jetzt den Rahmen sprengen um das alles aufzudröseln, warum ich bin, wie ich bin, oder damals so war.

Tatsache bleibt, dass ohne vernünftiges Selbstbewusstsein viel schief gehen kann. Allerdings kann man daran arbeiten. Der grösste Fehler wäre, dich als Versager wahrzunehmen. Bist du nicht, sind viele nicht. Du bist nur ausgebrannt und im Moment im Loch gefangen.

Nutz jetzt mal die Zeit, dir über dich klarzuwerden. Deiner wirklich selbst bewusst werden. Wer bist du, was willst du, und wie gelingt dir das.

Im Nachhinein war der ganze Mist deine Chance, um insgesamt besser leben zu können. Atme tief durch, steh auf und werde du selbst mit der Akzeptanz, dass wir alle nur unfertige Menschlein sind, die ihre Zeit brauchen, um mit sich ins Reine zu kommen. Dazu gehört auch, mit unseren weniger tollen Eigenheiten umgehen zu können, allerdings die tollen anderen Seiten auch anerkennen zu dürfen.

07.05.2018 14:10 • x 1 #4


Ups, das hört sich an, als hättest du auch eine harte Zeit hinter dir. So wie es scheint, hast du einen Weg gefunden, damit umzugehen.
Ich bin jemand, der schlecht nein sagen kann...
Mir selbst treu wäre ich gern. Ich glaube, ich habe die letzten Jahre im Autopilot Modus gelebt, ohne bewusst zu leben.
Und jetzt hab ich Angst, dass es zu spät ist. Ich kann mir nicht vorstellen, wie manche die Anspannung und Gedanken jahrelang aushalten können.
Ich hab auch erst sehr spät offen mit der Therapeutin über meine wirklich quälenden Gedanken gesprochen, weil ich mich geschämt habe.
Erst in der letzten Sitzung habe ich mich geöffnet.
Dieses x. Loch. Ich hoffe, ich komm da raus iwie.
Danke in jedem Fall für deine lehrreichen Texte. Ich hoffe, da komm ich irgendwie hin.

07.05.2018 15:09 • x 1 #5