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Dunkelbunte

Dunkelbunte
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Vllt mögt ihr Schreiben, was euch geholfen hat.

Ich bin sowohl körperlich als auch psychisch sehr krank. Alles gesicherte Diagnosen.

Wie trauert man gesund um das Leben, was man sich für sich gewünscht hat aber nicht realisieren konnte?

Wie stärkt man die eigene Resillienz und akzeptiert die Situation? Nicht, weil einem nichts anderes übrig bleibt, sondern das Leben wieder Freunde macht, auch wenn es die kleinen Dinge sind.

Was hat euch geholfen?

21.04.2026 x 10 #1


95 Antworten ↓
L

Lebenswert
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Zitat:
Wie trauert man gesund um das Leben, was man sich für sich gewünscht hat aber nicht realisieren konnte?

Hallo Dunkelbunte,

danke für diesen Thread. Ich finde das eine sehr spannende Frage. Es gibt ja viele Gründe, aus denen das Leben nicht so verläuft, wie man es vielleicht mal geplant hatte, Gesundheit ist einer davon. Ich denke, bei den meisten Menschen verläuft nicht alles nach Plan, das fällt nur nicht so auf, weil man bei den meisten Menschen den ursprünglichen Plan gar nicht kennt. Wenn jetzt andere zum Beispiel das Leben leben, das du dir gewünscht hast, heißt das noch lange nicht, dass sie glücklich sind. Vielleicht sah ihr eigener Plan ja ganz anders aus.

Ich mag dieses Zitat, weiß nicht mehr, wo es herkommt: Wir müssen lernen, das Leben loszulassen, das wir geplant haben, um das Leben zu leben, das vor uns liegt.

Ich persönlich hatte tatsächlich nie einen wirklichen Plan. Irgendwie hat mich das Leben immer einfach überfallen und es war mal richtig gut, mal ziemlich sch… aber unterm Strich bin ich ein zufriedener und glücklicher Mensch geworden. Ich bin chronisch körperlich und auch psychisch krank, ich lege aber nie den Fokus auf das, was nicht geht, sondern erfreue mich an dem, was möglich ist. Ich habe zum Beispiel auch für die weitere Zukunft keine formalen Pläne, ich lasse es einfach auf mich zukommen.

Vielleicht kann es dir helfen, dich von deinen früheren Plänen ganz konkret zu verabschieden? Vielleicht mit einem Brief an dich selbst? Da darfst du auch wütend und/oder traurig sein. Vielleicht hilft es aber, bestimmte Pläne für immer zu streichen, weil sie eben praktisch nicht durchführbar sind. Bei mir sind es zum Beispiel Haustiere. Ich bin einfach auf alle „gängigen“ allergisch. Wenn ich alt bin, werde ich nie dasitzen und eine Katze auf meinem Schoß haben, geschweige denn meine Katze. Oder Hund oder Hamster oder Wellensittich. Ich könnte jetzt viel Energie reinstecken, schauen, ob es doch geht, wenn ich viel putze, das Haustier draußen halte, mir immer sofort die Hände wasche, eine Hyposensibilisierung versuchen, die bei diesen Allergenen sehr geringe Erfolgsaussichten hat. Oder ich befriede mich mit dem Gedanken, dass das nichts wird. Dass es für meine Gesundheit besser ist, ich versuche das alles nicht. Dass ich die kleine schwarze Hexen-Katze, die ich mir als Kind immer gewünscht habe, niemals haben werde. Das schafft Raum für Neues. Für Dinge, die möglich sind. Vielleicht nimmt man die schönen Dinge im Leben garnicht richtig wahr und „erlebt“ sie gar nicht bewusst, weil man im Kopf ständig denkt, eigentlich würde ich jetzt ja lieber… dadurch geht so viel Energie verloren.

Vielleicht kannst du alte Pläne als veraltet ablegen und neue schmieden? Du hast ja gesagt, es geht dir mehr um den Umgang mit den „geplatzten“ Plänen, weniger darum, dein Leben aktiv zu gestalten. Du machst ja auch so viel, wie du schreibst. Vielleicht gibt dir dein Körper folgende Möglichkeit: Du wolltest super-weit wandern, eine einzigartige Aussicht genießen, aber dein Rheuma macht dir einen fetten Strich durch die Rechnung. Alles tut weh, du raffst dich trotzdem auf, aber du kommst nur wenig weit. Du musst dich sogar hinsetzen. Doch anstatt, dass du jetzt wütend auf deinen schlecht funktionierenden Körper bist, schaust du das an, was da ist. Vielleicht eine Mini-Blume, an der du sonst vorbei gelaufen wärst. Oder ein Spatz, der versucht aus dem Kopfsteinpflaster Brotkrumen zu picken. Ohne den Stress, etwas erreichen zu müssen, hast du den Luxus, das einfach auf dich wirken zu lassen. Vielleicht willst du den Spatz malen oder fotografieren, ein Lied über ihn schreiben oder mit deinen Handarbeiten etwas passend zu der kleinen Blume gestalten. Vielleicht willst du aber auch einfach nur da sitzen. Und du kannst das tun. Vielleicht wird der Nachmittag sogar viel schöner, als die geplante Wanderung, wer weiß?

War jetzt nur so eine Idee von mir, wenn du es blöd findest, klick es einfach weg. Mein letzter Versuch zu reiten endete übrigens aufgrund meiner Allergie mit einem Notarzteinsatz. Da war ich neun. Reiten ist seitdem auch von meiner Liste.

Liebe Grüße und ich finde dein Profilbild super 😀

Gestern 22:57 • x 8 #90


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A


Akzeptanz von Grenzen durch Krankheit

x 3


fourofour

fourofour
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Zitat von Dunkelbunte:
Wie trauert man gesund um das Leben, was man sich für sich gewünscht hat aber nicht realisieren konnte?

Die Frage meines Lebens.

Als Kind war ich hochintelligent. Konnte mein Potenzial nicht ausschöpfen. Erst in der Umschulung und später im Beruf konnte ich das zeitweise.

Auch bekam ich, mit bedingt durch meine Diagnose, NIE Chance eine Familie zu gründen.
Erst mit 56 Jahren, nachdem ich mich fast komplett aus der Gesellschaft zurückgezogen und fast komplett eingebunkert habe, ist mir Sonja über den Weg gelaufen.

Wie ging ich damit um?
Als Kind hatte ich "das Glück" das ich sehr früh gelernt habe alleine zu sein, mich selber zu beschäftigen und mir emotional Halt zu geben.
Bis heute war das einer meiner absoluten Lebenskills.

Ein Grundsatz von mir lautet: "was will ich und was nicht"

Klar wenn man sich ein ganz anderes Leben gewünscht hätte, klingt dieser Satz wirklich nicht hilfreich. Trotzdem ist er für mich DER Satz.
Nur wenn man ihm im Kontext zu seinen, mit radikaler Akzeptanz ermittelten "Grenzen" setzt, kann er einen weiterbringen.

Hier in der Umgebung gibt es eine Brücke, wo ein riesen Graphiti ist. Es klingt hart, ist aber auch genau das was zählt. Denn das Essen auf dem Tellern des Gegenüber sieht immer leckerer aus als das auf dem eigenen:



Alles in allem ist deine Frage ein Weg, Ein lebenslanger Weg, der zu Beginn sich sehr hart anfühlen kann.

19.04.2026 10:48 • x 6 #9


Zum Beitrag im Thema ↓


Sonnenzauber
@Dunkelbunte sehr gutes Thema. Manchmal denke ich mir, wenn ich mit Freunden unterwegs bin, wie gut dass ich noch mobil bin und laufen kann. Das fällt mir vor allem auf wenn ich Menschen im Rollstuhl, oder Schwerstbehinderte sehe die von den Eltern versorgt werden. Ich verfolge auch Menschen bei Instagram mit ME/CFS, die seit 2-3 Jahren im Dunklen liegen. Es kommt manchmal auf den Blickwinkel an. Und auf der anderen Seite die vollste Akzeptanz, in Kombination mit Selbstfürsorge. Manchmal rede ich aber klug daher, weil ich auch oft sehr dunkle Gedanken habe.

x 7 #2


Dunkelbunte
Zitat von Sonnenzauber:
Es kommt manchmal auf den Blickwinkel an. Und auf der anderen Seite die vollste Akzeptanz, in Kombination mit Selbstfürsorge.

Tja, und da frage ich mich...
Wie kommt man dahin?
Was kriegen andere gebacken, was für mich so schwer ist. Bzw ist weiß gar nicht den inneren Fahrplan...

x 4 #3


Greta__
Moin.
Ein sehr gutes Thema.

Ich habe mir mein Leben komplett anders vorgestellt, insbesondere wo die Kinder jetzt aus dem Haus sind.
Partner, Reisen, Hobbys etc. pp.

Bin seit bald 6 Jahren Single, arbeite zu 100% Remote weil ich das vor Ort nicht mehr kann, Reisen allein fehlt mir der Mut, Hobbys..... und die Einsamkeit usw. usf.

An manchen Tagen falle ich komplett in den Selbsthass, ganz ganz schlimm... An manchen Tagen hilft der Leitsatz (aus der Therapie): "Ich mache was ich kann".

Trauer ist aber vorhanden und so weh es auch tut, diese gehört dazu. 🫤

Aber einen Fahrplan hab ich auch nicht 🤷‍♀

x 6 #4


Sprotte
Danke für das wirklich gute Thema. Ich hab es mir auch anders vorgestellt; seit etwa sechs Jahren ist, seit ich einen Tinnitus bekommen habe, alles schlimmer geworden. Körperliche Baustellen und psychische gehen seit dem Hand in Hand. Akzeptanz scheint das Zauberwort - wie ist die Frage dazu. Freue mich über den Austausch. 🙋‍♀ Grüße aus Kiel

x 4 #5


Sprotte
@Greta__ Ja, und diesen Selbsthass kenne ich auch. Selbstschuld, Frust.

x 1 #6


RK1986
Da bin ich auch dabei. Geht mir auch so. Grenzen die einen wütend machen. Die man sich akzeptieren will oder versteht.
Traurigkeit was eine entgeht.

x 2 #7


RK1986
@Dunkelbunte meine Mama sagt immer nicht auf das schauen was fehlt. Nur auf das was geht.
Nicht auf das schauen was einem nicht gefällt weil man zu viel Energie in dass schlechte rein fließen lässt.

Soviel zur Theorie

x 7 #8


fourofour
Zitat von Dunkelbunte:
Wie trauert man gesund um das Leben, was man sich für sich gewünscht hat aber nicht realisieren konnte?

Die Frage meines Lebens.

Als Kind war ich hochintelligent. Konnte mein Potenzial nicht ausschöpfen. Erst in der Umschulung und später im Beruf konnte ich das zeitweise.

Auch bekam ich, mit bedingt durch meine Diagnose, NIE Chance eine Familie zu gründen.
Erst mit 56 Jahren, nachdem ich mich fast komplett aus der Gesellschaft zurückgezogen und fast komplett eingebunkert habe, ist mir Sonja über den Weg gelaufen.

Wie ging ich damit um?
Als Kind hatte ich "das Glück" das ich sehr früh gelernt habe alleine zu sein, mich selber zu beschäftigen und mir emotional Halt zu geben.
Bis heute war das einer meiner absoluten Lebenskills.

Ein Grundsatz von mir lautet: "was will ich und was nicht"

Klar wenn man sich ein ganz anderes Leben gewünscht hätte, klingt dieser Satz wirklich nicht hilfreich. Trotzdem ist er für mich DER Satz.
Nur wenn man ihm im Kontext zu seinen, mit radikaler Akzeptanz ermittelten "Grenzen" setzt, kann er einen weiterbringen.

Hier in der Umgebung gibt es eine Brücke, wo ein riesen Graphiti ist. Es klingt hart, ist aber auch genau das was zählt. Denn das Essen auf dem Tellern des Gegenüber sieht immer leckerer aus als das auf dem eigenen:



Alles in allem ist deine Frage ein Weg, Ein lebenslanger Weg, der zu Beginn sich sehr hart anfühlen kann.

x 6 #9


fourofour
Zitat von Dunkelbunte:
Was kriegen andere gebacken, was für mich so schwer ist. Bzw ist weiß gar nicht den inneren Fahrplan...

In dem Du deinen persönlichen Rahmen, so weit wie irgend möglich ausschöpfst. Und dabei darfst Du creativ sein.

x 3 #10


fourofour
Zitat von RK1986:
meine Mama sagt immer nicht auf das schauen was fehlt. Nur auf das was geht.

Absolut Daumen hoch

Ist ein Teil des Moduls "positives Denken".

x 2 #11


hereingeschneit
Zitat von Dunkelbunte:
Wie stärkt man die eigene Resillienz und akzeptiert die Situation?

Vielleicht hilft es, wenn man sich selbst von außen betrachtet. Also nicht in ich denkt, sondern, was wäre wenn es einer Person (Freund/in) so und so geht, was würde ihr vielleicht helfen? Was könnte man tun, damit sie sich gesehen, geborgen, verstanden und gehalten fühlt? Wie könnte man ihr vielleicht eine Freude machen?

Und wenn man dann von außen betrachtet darauf Antworten findet, dann könnte man versuchen, etwas davon, für sich selbst umzusetzen. Man versucht quasi, sich selbst der beste Freund zu sein, den man je haben kann.

Ich habe dabei festgestellt, dass dies nicht einfach ist, weil es in einen rund um die Uhr Job ausarten kann. Da braucht man dann selbst Pause davon um sich selbst zu kümmern. 🙈
Aber langfristig gesehen, meine ich schon, dass sich was verändert.

x 3 #12


Sprotte
Das klingt sehr schön, es umzusetzen ist schwierig, finde ich. Manchmal komme ich mir vor wie auf einem Tennisplatz mit einem starken Gegner - ich kann fast nur reagieren, komme nicht ins Agieren. Seit einigen Wochen beschäftige ich mich intensiv mit meiner Schilddrüsenerkrankung und führe viele Symptome, auch psychische darauf zurück. Plötzlich, seit zwei Tagen, grätscht mir meine Colitis dazwischen. Das sind leider nicht meine einzigen Baustellen. Also, wieder kein Sport, den ich so wichtig finde, wieder Sachen absagen. Schwer zu akzeptieren.

x 3 #13


Schlaflose
Mir hilft es immer, auf andere zu schauen, denen es noch schlechter geht und die noch weniger machen können als ich. Und ich konzentriere mich auf das, was geht und trauere nicht dem nach, was ich durch meine Erkrankung verpasst habe. Ich kann nicht verreisen, weil ich anderswo nicht schlafen kann, also mache ich nur Tagesausflüge. Wenigstens das geht wieder, ging lange Zeit auch nicht, weil mich solche Pläne früher auch um den Schlaf gebracht haben.

Du hast doch so viel abgenommen, dadurch kannst du jetzt wahrscheinlich viel mehr machen als vorher möglich war. Darüber solltest du dich freuen und stolz auf dich sein, dass du das geschafft hast.

x 2 #14


hereingeschneit
Zitat von Sprotte:
Also, wieder kein Sport, den ich so wichtig finde, wieder Sachen absagen.

Was würdest du einer Freundin sagen, die diese Aussage machen würde?

x 2 #15


Tigerlilie
Ich habe mit der Akzeptanz auch starke Probleme. Ich würde oft gern so viele Dinge machen, habe aber keine Energie dafür. Das ist total frustrierend. Es schränkt mich so ein. Und nicht nur mich, sondern auch meinen Partner.

x 3 #16


Sprotte
@hereingeschneit Hehe, erwischt! Was mir so schwer fällt zu unterscheiden ist, ist es eine Erschöpfung ( eines meiner dollsten Symptome), die von der Depression ausgeht oder ein Hinweis des Körpers, sich auszuruhen?

x 4 #17

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hereingeschneit
Zitat von Sprotte:
Was mir so schwer fällt zu unterscheiden ist, ist es eine Erschöpfung ( eines meiner dollsten Symptome), die von der Depression ausgeht oder ein Hinweis des Körpers, sich auszuruhen?

Macht das einen Unterschied? Würde dein Umgang damit dann anders sein? Ich glaube, dass bei beiden Sachen, der Körper einfach Ruhe braucht.

Ich habe für mich gerade herausgefunden, dass bei mir scheinbar sehr viel mit dem Nervensystem zusammen hängt. Meine Vorgehensweise hat sich dadurch nicht verändert, ich habe lediglich mehr Erklärungen, warum es so ist, wie es ist.

x 4 #18


RK1986
@hereingeschneit ja viel wissen tue ich auch. Praxis funktioniert irgendwie nicht. Man weiß nie was ist richtig oder falsch. Die Angst und alles hat die Oberhand

x 1 #19


Sprotte
@hereingeschneit Ich finde, dass es da einen Unterschied gibt. Wenn es Depression ist, lohnt es sich, dagegen anzugehen, sich zu bewegen, Ausdauersport zu machen, sonst wird es schlimmer. Wenn es körperliche Erschöpfung ist, dann sollte man dem nachgeben - ich finde es schwierig, das zu unterscheiden.

x 5 #20


A


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