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Hey Leute, ich bin gerade erst auf dieses Forum gestoßen und es gefiel mir vom ersten Blick her wirklich gut, weshalb ich es nun selbst versuche und auf eventuelle Lösungen oder Trost hoffe Ich entschuldige mich jetzt schon für den langen Text.

Ich fange dann mal an: Ich selbst bin w/14 und wegen meiner langwierigen Ängste seit einigen Monaten bei einem Therapeuten. Davor hatte ich das Thema Nachtangst, Paranoia und alles war mich dazu eben bedrückt hat schon meiner Mutter erzählt (Ich habe auch noch mit 12/13 bei meiner Mutter im Bett geschlafen wegen diesen Ängsten). Sie hatte dazu immer, naja, elterlich reagiert. Also, immer genickt und ja, klar gesagt, so als würde sie das verstehen, aber im Endeffekt hat sie dann am nächsten Tag Späße darüber gemacht. Das hört sich jetzt schlimm an, aber meine Mutter ist wirklich eine gute Mutter. Sie versteht nur nicht dass mich diese Sachen wirklich bedrücken und das nicht irgendein pubertärer Schwenker ist.

Die Behandlung kam dann nur durch meinen Bruder zustande. Er wollte selbst zum Therapeuten und hatte sie lange beknetet, bis es endlich für ihn geklappt hat. Und als ich ihm gesagt habe, dass Mutti mich nicht ernst nimmt, hat er sie wieder beknetet bis sie es dann ernst genommen hat.

Mit diesen Ängsten generell habe ich weniger Probleme, wobei ich nicht wirklich weiß ob das vom Therapeuten kommt.

Nun komme ich zum Thema, welches mir momentan große Sorgen bereitet. Dazu muss ich aber auch etwas über meine Persönlichkeit erzählen:

Ich selbst habe mich den anderen schon immer unterlegen gefühlt. Nicht unbedingt in solchen Sachen wie Urteilsvermögen oder Intelligenz oder sowas, sondern sozial. Ich finde mich minderwertig und kämpfe ständig um Anerkennung. Wobei ich mich so fühle, als hätte ich gar keine Persönlichkeit. Denn eigentlich setzt sich soetwas ja aus Taten zusammen, wie uns die anderen sehen, wie wir uns verhalten. Und all solche Sachen machen viele Intuitiv. Also es gibt eine Frage, ein Problem, irgendetwas, und sie reagieren einfach so. Was ihnen dazu einfällt, eben wie sie sind (Falls man hier irgendwie versteht was ich meine).

Ich selbst hatte jedoch nie wirklich das Gefühl so eine Intuition zu haben. Jemand will mit mir ein Gespräch anfangen. Ich passe alles auf die Person ab: Ich sage Dinge, bei denen ich weiß dass sie gut ankommen in einer Weise die bei dieser Person gut ankommt. Ich stelle mich genau in diese Pose, damit der das und die das und die da das denken und alle mich mögen. Ich mache den Witz weil ich weiß dass er gut ankommt. Ja, ich weiß dass mich jemand anguckt, aber ich gucke ihn gezielt nicht an und lächle mit dem Blick in genau diese Richtung auf diesen Gegenstand vertieft weil er dann das von mir denkt. Ich kann keine Entscheidungen treffen, weil ich allen gerecht werden will und niemanden enttäuschen will. Ich will für soetwas nicht die Verantwortung tragen. Versteht man das?

Also worauf ich hinaus will ist, dass andere Dinge machen weil sie so sind. Ich fühle mich aber so als würde ich Dinge machen damit andere gezielt das und das von mir denken. Ich mache die Sachen so, weil ich an dieses Ziel kommen will.

Das war bei mir schon immer so. Ich habe anfangs gedacht, dass jeder so ist, aber irgendwann kam dann der Moment an dem ich anderes gemerkt habe. Und dann habe ich mich immer anders gefühlt, aber es war okey weil ich dachte, dass das ich bin. Dass das quasi mein Schicksal ist und ich für mich so normal bin wie ich bin.

Deswegen sind aber soziale Sachen eine große Schwierigkeit für mich. Ich bin die ganze Zeit zu Hause am PC, in der Schule habe ich keine Probleme und ich habe viele Freunde. Aber ich gehe nicht gerne weg, ich bin am liebsten allein. Gespräche oder Übernachtungen sind für andere quasi Urlaub, sie können sich entspannen und alles raus lassen und sie sein. Aber ich finde das stressig, denn ich kann mit anderen nie entspannen. Selbst meinen besten Freunden gegenüber bin ich nie ehrlich. Ich sage was sie hören wollen, ich gucke da hin weil sie dann das denken. Ich bin für sie so. Und das ist natürlich belastend, wenn man das 24/7 macht und sich irgendwie nie geborgen oder vollkommen akzeptiert fühlt. Eben minderwertig. Die anderen sind, aber ich muss eben dafür arbeiten um ich zu sein.

Und wie schon gesagt, ich fand das eigentlich ziemlich normal. Bis mir mein Bruder vor ein paar Tagen bei einem unserer vielen Gespräche Sachen gesagt hatte und ich sagen konnte JA! Genau! So ist das bei mir auch! Und bei mir ist das dann noch so, dass.... und er eben wieder sagen konnte Ja! Und dann... und ewig so weiter. Er hatte mir dann am Ende erzählt, dass diese Symptome zur ängstlich vermeidenden Persönlichkeitsstörung passen. Und dass ich eben nicht mit dem klarkommen muss, sondern das eine KRANKHEIT ist die BEHANDELT werden kann. Da war ich natürlich sehr glücklich, weil das ein riesiger Lichtblick war.

Das habe ich dann gerade versucht meiner Mutter beizubringen. Dass es mir so geht, und ich mich so fühle, und dass vielleicht das sein könnte. Aber sie meinte dazu, dass jeder Mensch ja irgendeine Störung hat und man einen Menschen ohne eine Störung wohl nur auf irgendeiner einsamen Insel finden würde (findet die Logik :'D). Dass sie sich früher ja AUCH an ihren Eltern orientiert hätte (ich orientiere mich nicht auf diese Weise an meinen Eltern, auf der sie das getan hat). Das alles sei komplett normal und somit ja quasi egal (das Gefühl hat sie mich gegeben).

Ich habe auch das Gefühl, dass mein Therapeut das eventuell nicht ernst nehmen wird (ich mag ihn wirklich sehr, aber wenn es nicht einmal die Mutter ernst nimmt..). Ich weiß jetzt auch nicht, was ich tun soll. Denn sobald man etwas davon erzählt, ist es nur Quatsch. Selbstdiagnose und ich bilde mir alles nur ein. Ja, ich weiß dass man sich vieles einbildet und ich habe mir sicher auch bei anderen Sachen vieles dazugezaubert, aber ich bin das erste mal in meinem Leben von soetwas voll und ganz überzeugt. Immerhin betrifft es ja auch mein gesamtes Leben. Ich sage ja nicht, dass ich diese Störung habe. Aber das was in mir vorgeht bedrückt mich und ich will es ändern. Aber wie soll ich damit umgehen, wenn es niemand ernst nimmt? Ich will akzeptiert und verstanden werden, aber das ist einfach nicht der Fall.

Was würdet ihr jetzt tun?

Danke schonmal im Voraus für jeden, der es bis hierhin geschafft hat

30.12.2016 16:40 • 30.12.2016 #1


2 Antworten ↓


Icefalki
Liebe Raba, warum sollte ein Therapeut dich nicht ernst nehmen? Dass deine Mutter hofft, dass sich das verlieren wird, nunja, hat ja nicht funktioniert.

Du schreibst für dein Alter sehr reflektiert und klug. Weisst du, was mir am meisten gefallen hat? Dass du jetzt ein ICH entwickelst. Jetzt geht es um dich. Und das ist doch ein wunderbarer Beginn in ein selbstständiges Leben.

Bleib dran, deinen Therapeuten magst du, und deine Mutter, wenn sie sieht, wie du dich langsam entwickelst, wird sie auch froh sein.

30.12.2016 18:36 • x 1 #2


Hallo Raba,

ich bin sicher,Dein Therapeut wird Dich ernstnehmen.
Du kannst Dich wirklich gut ausdrücken und man versteht sehr gut,was gemeint ist.

Dass Deine Mutter das nicht so nachvollziehen kann finde ich relativ normal.
Sie meint es sicher nicht böse und es ist bestimmt auch kein Desinteresse ihrerseits.
Menschen,die niemals diese Angst hatten können eben nur sehr schwer nachvollziehen,wie wir uns fühlen und wie extrem belastend das sein kann.

30.12.2016 20:23 • x 1 #3