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Fauchur
Hi ich bin w 29 Jahre alt und ich habe gefühlt seit 8 Jahren, also seit Beginn meiner Erkrankung (Depression, panikattacken, ptbs uvm) nichts erreicht.
Vor allem beruflich sieht es sehr finster bei mir aus. Ich habe eine nach anderthalb Jahren abgebrochene Ausbildung und dann seit 2014: nichts.

Ich habe mich schon auf diverse Ausbildungsplätze beworben, besonders bei Stellen im öffentlichen Dienst, weil diese ja immer damit werben, dass sie auch benachteiligten Personen gerne eine Chance geben. Bin zwar fast immer zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden, aber glaube nur damit die sich damit profilieren können Leuten wie mir eine "faire" Chance zu geben. Draus geworden ist nie was und ehrliches Feedback scheint es in der Berufswelt auch nicht zu geben.

Ich habe furchtbare Angst, dass ich in meinem Leben beruflich nichts mehr erreichen werde. Ich habe das Gefühl meine Lebenszeit rieselt mir nur so durch die Finger und dass mir niemals jemand eine Chance geben wird. Ich fühle mich total nutzlos und weiß nicht was ich tun soll. Wer nimmt schon jemand fast 30 jährigen, der auf dem Papier gesehen sieben Jahre nichts gebacken bekommen hat?

Mein jetziger Plan ist nach demnächst anstehenden klinikaufenthalt einen neuen gesundheitsfragebogen zu machen, dann eine Maßnahme zu machen, damit ich dann nächstes Jahr eine Ausbildung über das berufsbildungswerk machen darf. Wobei ich da auch Zweifel, denn wer stellt dann jemand 35 jährigen ohne ein Jahr berufserfahrung ein? Uff!

LG Fauchur

15.02.2021 03:45 • 16.02.2021 #1


16 Antworten ↓


monochrom
Liebe Fauchur,

ich kann mir vorstellen, was da in dir brodelt! In meinem Kopf kreist es auch immer um meine berufliche Zukunft. Und das, obwohl ich seit Jahren voll in Beschäftigung bin!

Ich glaube, du musst einfach noch mal "ganz unten" anfangen. Also am besten Aushilfsjobs oder Praktika, solang Du eine Ausbildung suchst. Dann kannst Du schon mal zeigen, dass Du nicht nur rumgesessen hast, sondern die "arbeitslose Zeit" genutzt hast um wieder Berufserfahrung zu sammeln. Bestenfalls wirst Du im Praktikum direkt übernommen!

Aber während du dein Praktikum / deinen Aushilfsjob machst musst du weiter kontinuierlich Bewerbungen schreiben! Und hier würde ich auch für den Anfang auf Quantität setzen, schreib ruhig 4-5 Bewerbungen pro Woche. Und wenn es Absagen gibt: die sind nicht persönlich gegen dich, sondern Du passt dann einfach nichts ins Profil. Versuch es dir nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen!

A und O ist, dass Du dran bleibst. Und ob Du mit 30 noch mal eine Ausbildung anfängst ist halb so schlimm, wie Du vielleicht denkst. Es gibt viele, die sich später noch mal umentscheiden. Beim Studium ist es sogar vollkommen normal. Meine Kollegin ist Mitte 40 und hat gerade angefangen Informatik zu studieren

Zum Thema öffentliche Stellen: ich kann dir aus Erfahrung sagen, dass man nur schwer in solche Stellen rein kommt. Ich hab es oft probiert, ich hab eigentlich perfekt ins Profil gepasst, aber die Absagegründe waren manchmal einfach nicht nachvollziehbar. Manchmal werden solche Stellen auch einfach nur ausgeschrieben, weil sie das machen müssen. Eigentlich haben sie dann schon jemanden für die Stelle, aber offiziell müssen sie die Stelle öffentlich ausschreiben. Unfair, aber so ist es leider.
Ich würde dir empfehlen, es dort wirklich nur weiter zu probieren, wenn Du unbedingt in die Verwaltung o.ä. willst.

Mach dir einen Plan! Weißt Du überhaupt, in welchem Job Du arbeiten willst? Welcher Job würde dich denn glücklich machen? Vielleicht kannst Du gezielt dort Praktika machen und immer von Anfang an kommunizieren, dass Du auch Interesse an einer Ausbildung hättest. Nur Mut, Fragen kostet nichts!

Viel Erfolg für deine Suche und Kopf hoch! Dir geht es wie vielen anderen - d.h. nicht, dass DU versagt hast.
Alles wird gut

LG, mono

15.02.2021 07:39 • x 1 #2



29 Jahre alt und nichts erreicht - Zukunftsängste

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Angor
Hallo Fauchur

Du suchst doch sicher über das Jobcenter einen Arbeit, da gibt es doch ein extra Fallmanagement für Menschen mit psychischen Beschwerden, unterstützt man Dich da nicht?

Eine gute Chance auf die Intergration in den Arbeitsmarkt ist auch hier:
https://arbeiten-mit-psychischer-erkran...rkrankung/

LG Angor

15.02.2021 08:15 • x 1 #3


Schlaflose
Zitat von Fauchur:
Ich habe mich schon auf diverse Ausbildungsplätze beworben, besonders bei Stellen im öffentlichen Dienst, weil diese ja immer damit werben, dass sie auch benachteiligten Personen gerne eine Chance geben. Bin zwar fast immer zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden, aber glaube nur damit die sich damit profilieren können Leuten wie mir eine "faire" Chance zu geben. Draus geworden ist nie was und ehrliches Feedback scheint es in der Berufswelt auch nicht zu geben.

Das ist nur dann so, wenn man einen Nachweis über eine Schwerbehinderung von 50 GdB oder mit mindestens 30 GdB einen Gleichstellungsabtrag gestellt hat. Und berücksichtigt wird das auch nur, wenn andere Bewerber die gleiche Qualifikation haben. Sind diese besser qualifiziert, darf der Behinderte nicht bevorzugt werden.

15.02.2021 09:38 • x 1 #4


Fauchur
Danke für eure Antworten

@mono
Danke, das baut mich wieder etwas auf.
Ich glaube am besten würde es mir gefallen im sozialen Bereich zu arbeiten. Allerdings nicht in der Pflege, da würde ich mich nicht wohlfühlen zumal das ein sehr harter Bereich für psychisch kranke ist.

Praktika sind schwierig, nicht nur wegen der Corona Lage. Ich wollte schon ein paar mal Praktikum machen, wurde jedes Mal vom Jobcenter und der Arbeitsagentur abgelehnt, weil ich dann in der Zeit "dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen würde". Kann man sich nicht ausdenken

@Angor
Ne leider nicht, bin in der Rehaabteilung meiner Arbeitsagentur und habe eine Sachbearbeiterin die sich über meine Erkrankung und meine Sorgen lustig macht und mich uninformiert in total depperte Maßnahmen steckt, wo ich hoffnungslos unterfordert bin. Das Jobcenter hat von Anfang an nichts getan um mir zu helfen, mich nichtmal aufgeklärt was ich für Möglichkeiten hätte.

@Schlaflose
Ja leider, an einen gdb von 50 komme ich derzeit nicht ran, weil ich laut jobcenter nicht in der Lage sei mehr als 12 Stunden die Woche zu arbeiten, wo ich auch nicht weiß wie die darauf gekommen sind, ich habe letztes Jahr eine dreimonatigen Maßnahme gemacht wo ich 5 Tage die Woche von 8-16uhr war mit zweistündiger Hin- und Rückreise. Obwohl ich die zugegebenerweise in den letzten zwei Wochen abbrechen musste, weil mich das tägliche Hin und Her, in den öffentlichen, im Hochsommer, mit Maske an die Grenzen meiner Belastbarkeit geführt hat. Ich finds schon gut dass die nicht jedem einfach so 50gdb geben, aber ich finde bei mir würde es allein schon Sinn machen, egal wieviele Stunden ich angeblich gerade arbeitsfähig bin, da ich durch meine Erkrankung erhebliche Nachteile gegenüber nichtbehinderten habe. Aber ist halt so gerade. Kann ich auch irgendwo verstehen dass die sich eher auf das Jobcenter verlassen als auf die Person.


LG fauchur

15.02.2021 12:52 • #5


Schlaflose
Zitat von Fauchur:
Ja leider, an einen gdb von 50 komme ich derzeit nicht ran, weil ich laut jobcenter nicht in der Lage sei mehr als 12 Stunden die Woche zu arbeiten,


Die Feststellung der Schwerbehinderung hat mit dem Arbeitsamt nichts zu tun. Das beantragt man von sich aus auf dem Versorgungsamt. Wenn die dir dort den GdB 50 erteilen, muss das Arbeitsamt das akzeptieren. Der Grad der Behinderung sagt aber auch nichts darüber aus, wieviele Stunden man arbeiten kann. Ich habe Kollegen, die mit mehr als 50GdB Vollzeit arbeiten.

15.02.2021 13:19 • #6


portugal
Hi

ich verstehe nicht, was Du in denn8 Jahren gemacht hast. Oder hattest Du da nur Aushilfsjobs?

Behörden: die müssen alle möglichen Bewerber aus allen Sparten einladen. Ich weiß nicht, wie das fachspezifische Wort heißt. Da wird aber oft nur so getan, mein Bruder hat mal beim Stern ein einjähriges Praktikum gemacht und die Stellen wurden letztendlich nur unter den vorhandenen Kollegen vergeben aber wurden auch in die Zeitung gesetzt, um dieses "Gesetz umgehen.

Mach Dir keine Sorgen: ich hab mit 35 komplett einen Karrierewechsel gemacht, allerdings in U.K. und hier ist es Gang und Gebe, dass studiert wird und danach macht man dann doch was anderes oder steigt quer ein.

Du könntest Ergotherapeut werden etc. Vielleicht einfach mal anrufen und fragen, ob du ein längeres Praktikum machen kannst und Du erhältst dann so einen Ausbildungsplatz.

15.02.2021 13:25 • #7


leider, an einen gdb von 50 komme ich derzeit nicht ran, weil ich laut jobcenter nicht in der Lage sei mehr als 12 Stunden die Woche zu arbeiten, wo ich auch nicht weiß wie die darauf gekommen sind, ich

Dagegen kannst du Widerspruch einlegen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.
Am besten machst du das über den VDK. Die machen das wirklich super. Der Beitrag dazu ist vierteljährlich 15 Euro. Nur beim ersten Mal musst du, glaube ich 30 Euro bezahlen. Es wird immer erst abgelehnt

15.02.2021 13:29 • x 1 #8


Lilith8990
Ich bin 30 und habe noch keine abgeschlossene Ausbildung. Immer abgebrochen.


Jetzt habe ich eine Umschulungen die ab März beginnen. (Betreuung und die zur Pflegehelferin)

Ich möchte danach noch die 3 jährige machen und in einer psychiatrischen Klinik arbeiten.

Ich fühle mich als totale Versagerin

15.02.2021 13:30 • x 2 #9


Fauchur
@portugal
Die letzten 8 Jahre war ich 5 Jahre zu krank um überhaupt an Arbeit zu denken, vor drei Jahren hab ich eine Reha für psychisch kranke gemacht und seitdem Bewerbungen geschrieben, zwei ein Euro jobs gehabt und letztes Jahr eine Maßnahme gemacht. Ergotherapeutin hatte ich auch schon gedacht, aber hab im Internet von einer Ergotherapeutin gelesen die davon abgeraten hat als psychischer kranker eine Ausbildung in ergotherapie zu machen :/

@Violetta
Ich hatte schon Widerspruch eingelegt. Ich habe einen gdb von 30 wollte Gleichstellung beantragen, diese wurde erst mit der Begründung abgelehnt, dass nur aus der Tatsache heraus dass ich arbeitslos bin, kein Anlass auf eine Gleichstellung bestehe. Obwohl ich seit Jahren als psychisch krank gelte, dagegen hatte ich Widerspruch eingereicht mit der Begründung dass ich weil ich durch meine Erkrankung jahrelang nichts machen konnte sehr wohl benachteiligt sei und der bitte sich mit meiner neurologin die mich und meine Lage sehr gut kennt auseinanderzusetzen, die wurde nämlich trotz Schweigepflichtsentbindung nicht mal gefragt. Dann wurde der Widerspruch mit der Begründung abgelehnt dass ich eben nicht mehr als 12 Stunden arbeitsfähig sei.

@Lilith8990
Das klingt doch gut ich drücke dir die Daumen dass du das hinbekommst. Ich habe natürlich selbst auch Angst eine Ausbildung nicht durchzuhalten, weil es mir seit Jahren an Routine fehlt. Ich glaube aber auch dass die innere Motivation eine große Rolle spielt ob man etwas durchhält oder nicht und ich denke gerade in dem Bereich den du machen willst ist die innere Motivation sehr stark für dich. Du schaffst das!

15.02.2021 13:50 • x 1 #10


monochrom
Zitat von Fauchur:
Danke für eure Antworten @mono Danke, das baut mich wieder etwas auf. Ich glaube am besten würde es mir gefallen im sozialen Bereich zu arbeiten. Allerdings nicht in der Pflege, da würde ich mich nicht wohlfühlen zumal das ein sehr harter Bereich für ...


Wegen der Praktika noch mal:

Auch wenn Du aus der Statistik bist: Anspruch auf dein ALG hast Du ja trotzdem. Du kannst ja auch ein unbezahltes Praktikum machen, dann sollte das ja auch nicht auf deinen Bedarf angerechnet werden. Stellen musst du dir eh irgendwie selber suchen, da würde ich nicht warten, bis die Agentur dir was schickt

Klar, ist das momentan etwas schwierig, aber ich kann dir nur von meiner Firma erzählen: wir suchen derzeit auch Praktikanten und lernen sie remote über Video an, bzw. sitzen wir dann halt in unterschiedlichen Büros. Wenn Fragen sind kann man ja mit der Maske auf fragen kommen Alles geht irgendwie.

Daumen sind gedrückt!

15.02.2021 20:33 • x 1 #11


Lilith8990
Mit Motivation und ich denke auch guten Rückhalt kann man die Ausbildung natürlich schaffen.

Mein Partner macht sich zB etwas sorgen, weil das was auf Arbeit passiert ich meistens mit nach Hause nehme.

15.02.2021 22:17 • #12


Fauchur
@ mono
Danke ich habe bis jetzt immer selber die Augen offen gehalten und bezahltes Praktikum wäre für mich glaub ich nicht mal möglich, hab zwar Fachabi, aber sonst nichts :/ wenn man länger als zwei Wochen Praktikum machen will kriegt man kein ALG mehr und unter zwei Wochen ist auch schwierig was zu finden. Da lohnt sich der Aufwand für den Arbeitgeber gar nicht richtig glaub ich. Vielen Dank fürs Daumendrücken

@Lilith
Oh ja, das ist natürlich die Schattenseite wenn man sehr empathisch ist. Das kenne ich auch sehr gut. Ich glaube aber das kann man mit ein bisschen Übung auch ganz gut managen. Indem man sich täglich eine feste "Sorgenzeit" zulegt und die Sorgen dann auf diese Zeit vertröstet oder die Sorgen schriftlich aufs Papier bannt. Das funktioniert für mich oft ganz gut, auch bei Problemen anderer Leute die ich mir quasi selbst zum Problem mache

16.02.2021 01:12 • #13


monochrom
Zitat:
wenn man länger als zwei Wochen Praktikum machen will kriegt man kein ALG mehr und unter zwei Wochen ist auch schwierig was zu finden.


Aber ich würde mich mal schlau machen, wie das ist wenn man ein bezahltes Praktikum macht. Vielleicht wird dein Gehalt dann nur an dein ALG angerechnet und Du hast im Endeffekt genau so viel, als wenn Du nicht arbeiten würdest. Bei uns verdienen die Praktis zw. 600 und 800Euro und sind ungefähr ein halbes Jahr da. Vielleicht ist das ja eine Option für dich, frag doch einfach mal bei den Firmen an

16.02.2021 08:32 • #14


Ich denke man muss sich da auf das konzentrieren was direkt vor einem liegt. Wer kann schon in die ferne Zukunft blicken? Da malt man sich nur Katastrophenszenarien aus und verliert den Blick für das, was man jetzt tatsächlich tun kann.

16.02.2021 09:29 • #15


portugal
Zitat von Fauchur:
Ergotherapeutin hatte ich auch schon gedacht, aber hab im Internet von einer Ergotherapeutin gelesen die davon abgeraten hat als psychischer kranker eine Ausbildung in ergotherapie zu machen :/


Was die anderen sagen, ist doch wohl egal.

Ich hatte während meiner Depression eine Ergotherapeutin, die mit mir Einkaufen gegangen ist. Außerdem hat sie im KH die Morgenstunde gemacht etc.

Sie erzählte mir dann auch, dass sie eine schwere Depression nach dem Tod ihrer Mutter hatte und die gerade dieses Erlebnis sie dazu brachte, anderen helfen zu wollen.

Verfolge das, was DU Dir zutraust nicht was andere nicht wollen können sollen.

Gerade mit Deinen Erfahrungen kannst Du Dich doch in viele kranke hineinversetzen.

16.02.2021 14:26 • x 1 #16


FeuerWasser
Zitat von Fauchur:
Ich habe mich schon auf diverse Ausbildungsplätze beworben, besonders bei Stellen im öffentlichen Dienst, weil diese ja immer damit werben, dass sie auch benachteiligten Personen gerne eine Chance geben.

Das stimmt aber dafür hat man bestenfalls einen Schwerbehindertenausweis. Damit kannst du Nachteilausgleiche geltend machen. Ohne Ausbildung in Verwaltung oder Büro wird das schwierig werden im öffentlichen Dienst unter zu kommen. Du solltest dich selbst hinterfragen ob du dafür die Belastbarkeit hast. Du kannst andernfalls jederzeit wieder gekündigt da du nicht von Tag 1 weg einen erhöhten Kündigungsschutz hast.

Du hast zwar schwierigere Voraussetzungen für den 1. Arbeitsmarkt aber es gibt Alternativen und dein Plan mit dem Berufsbildungswerk ist sicher nicht verkehrt.

16.02.2021 15:43 • x 1 #17



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