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Hallo ihr Lieben,

ich bin neu hier und würde mich einfach mal gerne mit anderen Leidgenossen, die an Panikattacken leiden austauschen.
Kurz zu mir: Ich leide seit 7 Jahren an einer Angststörung mit Panikattacken. Ich war drei Jahre lang in einer VT und bis vor einem Jahr habe ich nochmals eine tiefenpsychologische Therapie gemacht. Beide mit eher mäßigem Erfolg. Ich habe zwar erkannt, woher diese Panikattacken kommen - ich glaube unwirklichen Angstgedanken, um mich von meinen realen Gefühlen abzulenken- aber es ist trotzdem ein Auf und ab. Ich habe natürlich viele gute Tage, aber in letzter Zeit falle ich wieder in einen Strudel. Ich habe das Gefühl in diesem "Loch" alles zu verlernen, was ich jahrelang in der Therapie gelernt habe. Dass bringt mich am Rande der Verzweiflung, weil ich das Gefühl habe, der einzige Mensch zu sein, der die Panikattacken nicht verringern kann, weil mein Ich es einfach nicht "checken" will. Man muss dazu sagen, dass ich keine speziellen Angstgedanken habe, sondern die Angst sucht sich eher meine Stärken und Erfolge und macht daraus ein Katastrophendenken (z.B. ich bin sehr eigenständig, wohne allein und bin darauf sehr stolz- die Gedanken reden mir ein, dass ich abhängig bin von meinen Eltern/Partner und dass es mir nur gut geht, wenn sie in der Nähe sind). Haben sich die derzeitigen Angstgedanken dann einigermaßen beruhigt, kommt schon der nächste Gedanke mit anderem Thema, der mir Angst macht. Ich lese immer wieder, dass die meisten Angstpatienten ein bis zwei "Gruselgedanken" haben, aber gibt es jemandem, dem es vielleicht so geht wie mir? Und vor allem, was tut ihr dagegen, um den Angstgedanken keinen Glauben mehr zu schenken?
Liebe Grüße
Momo

27.11.2017 11:49 • 27.11.2017 #1


2 Antworten ↓


Butzelmann
hi,

ich habe seit 5 jahren eine angststörung.
eine verhaltenstherapie läuft seit knapp 2 jahren, leider mit wenig bis garkein erfolg.
dazu kommen 2 klinik aufenthalte. sommer 2016 und sommer 2017. beide male ohne erfolg.
im gegenteil... irgendwie wurde es nur schlimmer in der zeit. man hat mich nie ernst genommen und meine symptome runtergespielt, während ich die panik meines lebens hatte. ich habe keine gruselgedanken und ich weiß selber nicht, woher diese angst kommt und wie ich sie verarbeiten soll. ich habe sehr oft selbst an mir gezweifelt, aber auch, weil die therapeuten mich das glauben ließen! wenn die therapeuten nicht mehr weiter wissen, bist du halt selber schuld und hast garkein interesse dich zu ändern... und das steht dann natürlich auch im arztbrief. das ist einfach nur bedrückend, dass man quasi als unbelehrbarer psycho abgestempelt wird, der sich weigert mitzuarbeiten, während man alles versucht genau das zu tun! ich habe das vertrauen in therapien verloren und versuche nun auf medikamentöse art und weise. ich bin jetzt ein dreivierteljahr arbeitsunfähig und verlasse vielleicht 1-2 mal die woche das haus, weil ich einkaufen muss. selbst das schaffe ich zur zeit kaum und schnappe mir so schnell es geht soviel wie in 2 hände passt und renne zur kasse. wenn die dann aber voll ist... hab ich ein problem.

meinen weg habe ich noch nicht gefunden, aber des öfteren das gefühl, diesen weg nie finden zu werden. ich habe so oft gekämpft und jedesmal verloren. irgendwann fehlt einem die kraft und man akzeptiert sein schicksal einfach. das mag eine zeit lang funktionieren, aber vor gut 1 jahr bekam ich relativ ausgeprägte suizidgedanken. ich bekam angst vor mir selbst und meinen gedanken. ich dachte nie im leben, dass soetwas jemals ein thema werden würde.

ich habe seit 3 wochen einen neuen neorologen und wurde medikamentös komplett umgestellt. der mann ist der einzige arzt, der zumindest den anschein macht, sich für mich zu interessieren. er nahm sich viel zeit für mich und hörte mir zu. soetwas kannte ich vorher nicht. ich hoffe, dass jetzt endlich etwas passiert in meinem leben.
wenn ich daran denke, diese situation für die kommenden 50 jahre weiterhin durchleben zu müssen, weiß ich, dass etwas schlimmes passieren wird.

falls du mal reden magst, kannst du mir gerne schreiben.

grüße butzelmann

27.11.2017 13:49 • #2


Hallo Butzelmann,

also an Therapie glaube ich schon noch. Es ist halt sehr schwierig und eine Geduldsprobe fest eingefahrenen Verhaltensmuster, die man sein Leben lang schon hat, wieder umzulernen. Die Schwierigkeit ist es, nicht sofort wieder in alte Verhaltensmuster zu fallen und dass passiert mir leider doch noch viel zu oft. Auch mit meinen beiden Therapeuten war ich bis jetzt absolut zufrieden. Ich wurde immer unterstützt und ernst genommen, man hat mich auch nie als "Psycho" abgestempelt -im Gegenteil sie haben mir immer erklärt, dass ich das eben NICHT bin. Es tut mir sehr leid, dass du mit der Therapie so schlechte Erfahrungen gemacht hast. Bei wie vielen Therapeuten warst du denn? Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass "seriöse" Therapeuten, eine Angststörung runterspielen. Sie ist ja so stark verbreitet und ähnelt sich ja doch oftmals. Außerdem ist ja auch erwiesen, dass Angstpatienten "normal" (gut, was ist die Definition von normal?) sind, dass sie jedoch nur eine verschobene Reaktion ihrer Ängste haben. Ich glaube, du brauchst einfach einen guten Therapeuten, der mit dir die Ursache dieser Angst angeht. Denn ich glaube, dass ist dir bis jetzt noch nicht so klar oder? Damit lässt sich dann auch viel besser arbeiten.
Hast du denn vertraute Menschen, mit denen du darüber reden kannst oder die dich unterstützen? Das ist so wichtig und hilft mir zum Beispiel total. Manchmal "zwingen" sie mich dann auch Dinge zu tun und dann merke ich, dass es nur wieder die Angst vor der Angst war und ich die Situationen super meistern bzw. sogar genießen kann.
Es ist alles nicht leicht und oftmals ist der Tag ein Kampf, aber gib nicht auf! Ich glaube immer noch fest daran, dass ich die Panik in den Griff bekomme, auch wenn ich zurzeit wieder in einem Tief stecke. Aber deswegen finde ich es auch so wichtig sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, denn geteiltes Leid ist doch manchmal halbes Leid
Liebe Grüße
Momo

27.11.2017 14:11 • #3