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Theoriepraxis1

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Hallo liebes Forum und Gemeinde! Ich hoffe euch geht es soweit so gut ... ich hatte heute einen unschönen Gespräch mit einem Arzt geführt der Gruppentherapie macht ... ich habe ihn paar fragen gestellt , und habe nicht die Antworten bekommen ... ich hatte das Gefühl , das er nur aufs Geld hinaus war und nicht richtig helfen wollte ... er konnte mir nicht mal erklären wie ich mich richtig bei einer Panikattacke verhalten sollte ... geschweige den bei einer Derealisation ... ich frage mich , was heißt den eigentlich angstfrei leben ? Geht das den überhaupt ? Ich muss zugeben , dass ich nach einer heftigen Panikattacke , wo mir meine Umgebung so intensiv vorkam und die Derealisation sehr stark ausgeprägt war , immernoch nicht so richtig überwunden habe ... und das ist schon fast 4 Monate her... ich habe das Gefühl , das jede Panikattacke seine Spuren hinterlässt und Phobien häufen lässt ... jetzt achte ich jedes Mal drauf wenn ich raus gehen auf meine Umgebung und die Derealisation ... wenn sich Lichtverhältnisse verändert draußen , bekomme ich Angst ... kann man überhaupt noch ein normales Leben führen ? Ich habe das Gefühl das ich wirklich ein schwerer Fall bin und garnichts mehr gehen wird ... und die Angst lässt auch nicht nach ... seit ihr überhaupt angstfrei ? Was macht ihr nach einer Panikattacke ? Und was heißt den eigentlich die Angst zu akzeptieren ? Oder die Derealisation? Wie oft muss man durch eine Panikattacke den gehen ? Und wieso habe ich diese Angstzustände den ganzen Tag über ? Mein Körper ist in Dauerstress ... es wird mir wirklich langsam alles zu viel ... was mache ich falsch ?

07.05.2019 15:41 • 27.05.2019 x 1 #1


7 Antworten ↓


Icefalki

Icefalki


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Zitat von Theoriepraxis1:
Mein Körper ist in Dauerstress ... es wird mir wirklich langsam alles zu viel ... was mache ich falsch ?


Falsch macht hier niemand etwas. Und unbegründete Angst ist darum so heftig, weil man sie sich nicht erklären kann und sie deshalb ständig fürchtet. Das ist das Los aller, die sich damit herumschlagen müssen.

Die erste Panikattacke brennt sich dermassen ins Hirn ein, dass man echt von einem traumatischen Erlebnis sprechen kann. Was zu allem noch hinzukommt, ist diese extreme Hilflosigkeit, dieses überhaupt nicht begreifen können, was da mit einem passiert.

Ich muss immer grinsen, wenn im Fernsehen gerade von einer Panikattacke berichtet wird, und anschliessend den restlichen Film alles wunderbar weiter funktioniert. Da könnte man schon beinahe annehmen, ok, armer Kerl, hatte gerade ne Panikattacke, naja, ging ja vorüber.

Geht aber nicht vorbei. Denn jetzt besteht das Leben aus dieser Erfahrung, die man nie mehr haben möchte und deshalb in einer extremen Erwartungshaltung lebt. Dabei bleibt das Denken, das Hirn im Anspannungsmodus, in extremer Wahrnehmung sämtlicher Vorgänge, denn überall könnte sie ja ausbrechen, und das darf einfach nicht mehr passieren.


Allerdings kann niemand lernen, wenn er Angst hat. Insofern muss man Mechanismen erarbeiten, oder mit Medis das Grauen mal deckeln, damit man den Umgang langsam hinbekommt.

Ist doch in einer Prüfungssituation das Gleiche. Solange man nicht weiss, ob das Gelernte dran kommt, solange hat man Angst. Sieht man das Thema, kann die Aufgabe lösen, ist die Angst weg.

Ergo braucht es Lösungen bei Ängsten. Welche, muss jeder selber rausfinden und die werden in der Therapie erarbeitet.

07.05.2019 18:23 • x 3 #2


Sweet21


Zitat von Icefalki:

Falsch macht hier niemand etwas. Und unbegründete Angst ist darum so heftig, weil man sie sich nicht erklären kann und sie deshalb ständig fürchtet. Das ist das Los aller, die sich damit herumschlagen müssen.

Die erste Panikattacke brennt sich dermassen ins Hirn ein, dass man echt von einem traumatischen Erlebnis sprechen kann. Was zu allem noch hinzukommt, ist diese extreme Hilflosigkeit, dieses überhaupt nicht begreifen können, was da mit einem passiert.

Ich muss immer grinsen, wenn im Fernsehen gerade von einer Panikattacke berichtet wird, und anschliessend den restlichen Film alles wunderbar weiter funktioniert. Da könnte man schon beinahe annehmen, ok, armer Kerl, hatte gerade ne Panikattacke, naja, ging ja vorüber.

Geht aber nicht vorbei. Denn jetzt besteht das Leben aus dieser Erfahrung, die man nie mehr haben möchte und deshalb in einer extremen Erwartungshaltung lebt. Dabei bleibt das Denken, das Hirn im Anspannungsmodus, in extremer Wahrnehmung sämtlicher Vorgänge, denn überall könnte sie ja ausbrechen, und das darf einfach nicht mehr passieren.


Allerdings kann niemand lernen, wenn er Angst hat. Insofern muss man Mechanismen erarbeiten, oder mit Medis das Grauen mal deckeln, damit man den Umgang langsam hinbekommt.

Ist doch in einer Prüfungssituation das Gleiche. Solange man nicht weiss, ob das Gelernte dran kommt, solange hat man Angst. Sieht man das Thema, kann die Aufgabe lösen, ist die Angst weg.

Ergo braucht es Lösungen bei Ängsten. Welche, muss jeder selber rausfinden und die werden in der Therapie erarbeitet.

Gut geschrieben

07.05.2019 18:27 • x 3 #3


Theoriepraxis1


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Hallo Icefalki ! Sehr sehr guter Text ! Ich höre überall , lern die Angst zu akzeptieren , du musst durch die Angst durch , die Angst will dich nur beschützen , in der Evolution war damals so , dann fragt man sich , wie haben den die Menschen damals mit einer angststörung gelebt ?! Wir kriegen es ja nicht mal richtig hin raus zu gehen ?! Ich finde , dass man die Angst nicht loswerden kann... tut mir leid das hier schreiben zu müssen , aber wir haben leider Pech ... es gibt Einzelfälle , wo Betroffene das noch nicht so lange haben und bei den das nicht so ausgeprägt ist wie bei uns ... wir müssen eher lernen mit der Angst umzugehen ...

07.05.2019 18:51 • x 1 #4


Icefalki

Icefalki


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Das Problem einer Angsterkrankung hat mit der Persönlichkeit auch was zu tun. Es gibt einen Grund, warum man sie überhaupt bekommen hat, meistens liegt es an der Überforderung.

Wir leben in einer Welt, die extremst viel fordert. Wir sind ständig am wuseln. Ob in der Arbeit, im privaten Bereich, immer gilt es, man hat zu funktionieren, muss was abliefern, muss was am Laufen haben. Gesund, fit, erfolgreich, nur das zählt.

Ob man es nun wahrhaben möchte, oder auch nicht, ,Stress wird nicht mehr wirklich wahrgenommen, man geht über seine Grenzen.

Tja, das kann schon Angst machen. Und deshalb bekommen wir die Quittung. Panik heisst, jetzt geht es ums *beep* Überleben. Kämpfe, oder laufe um dein Leben.

Panik heisst, nicht mehr rational denken können, sich ausgeliefert fühlen, ohnmächtig. Ohne Macht.

Also, was steckt also wirklich dahinter? Welches Leben leben wir, das uns so extremst überfordert, dass wir Panik davor haben müssen?

So kann man aber nur denken, wenn man ruhig ist. Meistens klappt das nicht, weil die Symtome so heftig sind, was alles unheimlich kompliziert macht.

Mir hilft eines. Der Gedanke, dass ich immer eine Lösung habe. Entscheiden darf, was ich will, was nicht. Und die Akzeptanz, dass ich eben mit dieser Störung zu leben habe. Mal ist es besser, mal schlechter.

07.05.2019 19:12 • x 3 #5


Theoriepraxis1


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Ganz ehrlich Falki , du bist ein toller Mensch ! Danke für diesen Text wirklich ! Tausend dank !

07.05.2019 19:52 • x 2 #6


Jessi-1202

Jessi-1202


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Zitat von Theoriepraxis1:
Hallo Icefalki ! Sehr sehr guter Text ! Ich höre überall , lern die Angst zu akzeptieren , du musst durch die Angst durch , die Angst will dich nur beschützen , in der Evolution war damals so , dann fragt man sich , wie haben den die Menschen damals mit einer angststörung gelebt ?! Wir kriegen es ja nicht mal richtig hin raus zu gehen ?! Ich finde , dass man die Angst nicht loswerden kann... tut mir leid das hier schreiben zu müssen , aber wir haben leider Pech ... es gibt Einzelfälle , wo Betroffene das noch nicht so lange haben und bei den das nicht so ausgeprägt ist wie bei uns ... wir müssen eher lernen mit der Angst umzugehen ...



Ja der Gedanke kommt mir auch oft. Das wir halt die A.....Karte gezogen haben. Ich bin mir sicher das sie nicht weg geht. Es ist eine Störung. Aber ich denke trotzdem das man lernt damit umzugehen. Und das auch so das man damit gut leben kann. Leider ist der Weg dahin sehr schwer.

Jede neue Attacke macht es schwieriger. Weil sie alles wieder einreißt.

Warum das früher nicht so war ist mir auch durch den Kopf gegangen. Ich denke das früher die Probleme anders waren. Feuer hat zu brennen und der Mann hat zu jagen. Es gab keine Probleme die dafür sorgten das die Menschen krank wurden. Es wäre fatal gewesen. Da ging es nur ums überleben und darum die Familie zu beschützen.


Heute ist alles viel hektischer. Viel mehr Druck. Wenn man dann noch eine Kindheit hatte die alles andere als schön war, dann ist das meiner Meinung nach geerdet. Früher wurden die Kinder auf das Leben vorbereitet. Jagen, Feuer machen..... Ich frage mich ab wann man damit aufgehört hat.....

27.05.2019 18:56 • #7


Jessi-1202

Jessi-1202


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Zitat von Icefalki:
Das Problem einer Angsterkrankung hat mit der Persönlichkeit auch was zu tun. Es gibt einen Grund, warum man sie überhaupt bekommen hat, meistens liegt es an der Überforderung. Wir leben in einer Welt, die extremst viel fordert. Wir sind ständig am wuseln. Ob in der Arbeit, im privaten Bereich, immer gilt es, man hat zu funktionieren, muss was abliefern, muss was am Laufen haben. Gesund, fit, erfolgreich, nur das zählt. Ob man es nun wahrhaben möchte, oder auch nicht, ,Stress wird nicht mehr wirklich wahrgenommen, man geht über seine Grenzen. Tja, das kann schon Angst ...



Genau so. Besser kann man es nicht schreiben

27.05.2019 18:59 • x 1 #8




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