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Christoph23
Hallo,
ich habe seit 26 Jahren als Patient Erfahrung mit Angststörung, Derealisation und Psychose. Mit vielen Medikamenten und rTMS (transkranielle Magnetstimulation). Möchte mich gern zu dem Thema austauschen. Psychosen und Ängste sind mit Medikamenten (Neuroleptika, SSRI) meist gut behandelbar.
Gegen Derealisation soll es nur wenige Medikamente geben, die helfen könnten. Bei mir waren es Lamotrigin und Escitalopram in Kombination, die meine Derealisation um 50 % gebessert haben. Gegen psychotische Symptome, wie Stimmenhören und Negativsymptome, bekam ich bereits rTMS, was bei mir ganz gut half. Mit der rTMS lassen sich Beschwerden gezielt lindern. Laut Studien gibt es auch rTMS bei Derealisation (über dem rechten VLPFC). Die Behandlung kann man über IGeL Leistungen bekommen.

Hat jemand schon Erfahrungen mit rTMS gemacht oder mit Medikamenten bei Derealisation? Gibt es Betroffene, bei denen die Derealisation durch Behandlung ganz weggegangen ist?

17.09.2023 23:41 • 18.09.2023 #1


8 Antworten ↓


K
Ich habe auch stark mit Derealisation/ Depersonalisation zu kämpfen, außerdem mit Depressionen unter denen diese dann schlimmer werden. Ich kann dir leider auf deine Frage bezogen nicht weiterhelfen, aber was macht bei dir den Unterschied zwischen Dpdr und Psychose? Da ich manchmal nicht sicher bin ob mein Erleben nicht auch psychotisch ist schon. In einem Buch über Dpdr habe ich jedoch gelesen, dass laut Studien neuroleptika und Antidepressiva bei Patienten die derealisation teilweise sogar verschlimmern…

17.09.2023 23:49 • #2


A


Medikamente, rTMS bei Derealisation und Angststörung

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Christoph23
@Krokodil90
Danke für dein Interesse und deine schnelle Antwort. Derealisation unterscheidet sich von einer Psychose durch die vorhandene Krankheitseinsicht. Bei einer Psychose merkt man das wenn sie akut ist selbst nicht - sonst wäre es keine. Bei Derealisation grübelt man immer wieder was man hätte, woher das kommt und wie es wieder weg geht. Erst wenn die Psychose nicht mehr akut ist, durch Neuroleptika, kann man meist erkennen was man hatte.
Ein Antidepressivum allein wirkt gegen Angst und Depression ganz gut. Wenn es ein SSRI ist (Serotonin Wiederaufnahmehemmer), gibt es in der Einstellphase eine Zeit wo man sich nicht so gut fühlt. Hält man die Phase durch, wird zumindest die Angst besser. Ging bei mir nach 16 Wochen vollständig weg. Bekommt man dann noch Lamotrigin, kann die Derealisation sich nach Tagen deutlich bessern. Ich nehme Reagila und Risperidon. Zwei Neuroleptika. Risperidon mit Unterbrechungen schon seit 1999. Am Anfang hatte ich Nebenwirkungen, aber davon merkte ich später nichts mehr. An der Derealisation änderte sich durch Risperidon und Reagila bei mir nichts.
Das einzige Neuroleptikum, welches gegen Derealisation eher helfen soll, womit ich aber noch keine Erfahrung habe, ist eins aus der 3. Generation. Abilify (Aripiprazol).
Bei manchen Patienten sollen auch Antiopiate etwas gebracht haben (Naloxon, Naltrexon).
Zur Zeit erkundige ich mich wegen der rTMS. Gegen Derealisation gibt die nur für Selbstzahler.

18.09.2023 00:25 • #3


K
@Christoph23 vielen Dank für deine Antwort. Dann bin ich ja beruhigt, denn die veränderte Wahrnehmung fällt mir durchaus auf und ängstigt mich, eben weil es so anders ist als vorher.
Über Antiopiate müsste ich mich nochmal belesen. Abilify habe ich tatsächlich schon mal gehört in dem Zusammenhang mit Dpdr. Was ich mich frage ist, wenn die Derealisation als Grund Depressionen/ Ängste hat, so müsste sie doch durch Gabe von Antidepressiva auch besser werden, oder? Würdest du die Derealisation denn bei dir in Zusammenhang mit
der Angststörung sehen oder tritt sie isoliert auf?

18.09.2023 00:54 • #4


Christoph23
@Krokodil90 Insgesamt ist meine Diagnose nach nunmehr 26 Jahren Schizophrenie schizophrenes Residuum. Die Derealisation entstand durch kurzzeitigen Canna. 1997. Die erste Psychose erst ein Jahr später. Und dann hatte ich alle 3 bis 5 Jahre eine Angststörung. Das sind viele Dinge auf einem Mal. Die DPDR Diagnose hatte ich ganz am Anfang mal, zusammen mit Depression. Heute geht man davon aus, dass alles unter das Residuum gehört. Residuum, weil noch ein Rest geblieben ist.
Zur Zeit ist es mit der DR so, dass sie immer nur in bestimmten Situationen schlimm ist. Beim Wandern in der Natur. Bei Sonnenschein und zu Hause merke ich sie nur noch wenig. Vor der Tablettenkombi, die ich jetzt habe, war sie immer da und sehr stark. Über 20 Jahre lang. Wenn sie auftritt, reagieren meine Gefühle manchmal taub und flach, manchmal traurig. Und dann wirkt alles schwarz und sinnentleert. Nur lasse ich mich nicht klein kriegen. In den letzen Jahren ging meine Krankheit langsam immer mehr zurück. Es gibt immer wieder etwas was man tun kann und man Hilfe bekommt. Wichtig ist nur wo.

18.09.2023 01:15 • x 1 #5


K
@Christoph23 danke sehr für deine Offenheit. Über 20 Jahre derealisation, das stelle ich mir schwer vor. Bei mir geht es erst seit drei Monaten, allerdings bin ich schon jetzt „genervt“ davon. Neben dem Gefühl dee Unwirklichkeit ist es vor allem, dass mir das Visuelle zu schaffen macht in Form von Nachbildern, erhöhter Wahrnehmung, also einfach schlechtes Fokussieren und Ausblenden von Details im Sehfeld. Dazu kommt, dass es oft scheint als ob sich Gegenstände bewegen. Auslöser habe ich leider nicht ausfindig machen können. Dro. habe ich nie genommen, nur passiv eventuell abbekommen. Ob die Depression Ursache oder Folge der Dpdr ist, ist schwer zu sagen. Aber es freut mich, dass durch die Tabletten deine Symptome deutlich besser sind und du nur noch in bestimmten Situation unter der Derealisation leidest!

18.09.2023 01:32 • x 1 #6


Christoph23
@Krokodil90 Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass die DR nicht unbedingt in Stein gemeißelt ist. Das Beste ist nach Spezialisten zu schauen. Wie Uni Mainz oder unter rTMS bei Derealisation. Vielleicht findet sich ein Arzt, der etwas verschreibt, das wirklich Linderung bringt.

18.09.2023 01:42 • #7


K
@Christoph23 vielen Dank für die Tipps! Ich meine schon mal eine kurze Dpdr Phase gehabt zu haben damals. Durch monatelangen Schlafmangel und überfordernde Lebensereignisse ist es derzeit schlimmer.

18.09.2023 01:45 • x 1 #8


Christoph23
@Krokodil90 Vielleicht würde dir auch Psychotherapie helfen. Wenn es nicht von Dro. kommt und die DPDR nur manchmal auftritt, verstärkt wenn es dir nicht gut geht. Ich habe schon mal in Mainz angerufen. Die haben da eine Abteilung. Bezahlt auch die Krankenkasse. rTMS ist meist nur bei Selbstzahler. Sonst aber vor allem in den forschenden Universtitätskliniken zu finden, vielleicht Berlin. Ich machte eine rTMS in München und fand das auf der Seite Deutsche Gesellschaft für Hirnstimulation. Die Behandlung bei mir brachte Linderung. War aber bei Negativsymptomen Schizophrenie. In Lüneburg gibt es rTMS auch bei DPDR, aber IGeL Leistung.

18.09.2023 01:56 • #9





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