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sandracookie
@User_0815_4711
Zitat von User_0815_4711:
Das kommt mir bekannt vor, meine kleine Existenzdepression: "Wozu?"

Nutzen bei dir in welcher Form?

Nutzen bei mir in der Form des Weitergebens. Kann ich das, was ich mache, weitergeben, andere daran teilhaben lassen?

Tja gute Frage. Etwas weitergeben war schon ein vorhandener Wunsch von mir, als wir uns bewusst für ein Kind entschieden haben. Ob ich wirklich Gutes weitergeben kann, da nagen gerade 1.000 Selbstzweifel an mir 😪
Ansonsten wäre es eher ein Nutzen für andere, um anerkannt zu werden oder nicht (mehr) kritisiert werden zu können. Warum ich davon so abhängig bin und nicht einfach für mich selbst okay sein kann, wie ich bin, keine Ahnung... Ich fühle mich oft falsch, zu viel, zu drüber... Bis zu einem gewissen Grad verstehe ich die Ursachen während der therapeutischen Aufarbeitung (gerade was die Erfahrungen aus der Kindheit angeht), aber sie loslassen/auflösen gelingt dadurch nicht automatisch.
Zitat von freely:
Naja aber die Krankschreibung hat doch einen Grund?

Hat sie. Anfang Juni ist an der Arbeit eine Vollzeitstelle weggefallen. Ich konnte die Mehrarbeit kurz kompensieren, aber mein Nervensystem hat dann angefangen wegen dem Druck völlig hohl zu drehen - ich hatte den Anspruch, dass alles auffangen zu können mit ner Teilzeitstelle, was natürlich fern jeglicher Realität war - also ging es los mit den Angst- und Panikattacken und ich konnte zwischenzeitlich gar nicht mehr runter fahren/zur Ruhe kommen.
Mittlerweile geht das im Vergleich vom Gefühl her zwar wieder, aber es hat einiges aufgerissen an alten Wunden und die Depressionen haben wieder die Überhand gewonnen, vor allem die negativen Gedanken und Zweifel. Da hab ich dann wieder das Problem mit Logik/Analyse nicht weiter zu kommen und es ist, als ob ich auf alle Fortschritte/Erkenntnisse der letzten Jahre keinen Zugriff mehr habe.
Zitat von freely:
Letztendlich können nur wir selbst diese Denkweise durch eine bessere ersetzen

Zitat von freely:
Und was macht man am besten damit als es einfach zu erleben?

Daran arbeite ich schon lange diese Denkweise zu ersetzen. Eigentlich ist mir da auch schon was gelungen zwischenzeitlich, aber jetzt, wo es mir wieder schlecht geht, ist es gefühlt so, als ob man beim Spielen kurz vorm Ziel zurück an den Start muss und von vorne anfangen muss 🫤
Die zweite Aussage zum Erleben finde ich super, denn es spricht das an, was ohnehin sehr oft empfohlen wird und einem tatsächlich Leichtigkeit geben kann: "Im hier und jetzt bewusst (er)leben"
Das ist für mich ein Stück weit mit dem Erwachsenwerden verloren gegangen, weil man einfach eine andere Verantwortung trägt, als früher als Kind/Teenager und auch mit den Strukturen in der Gesellschaft, manchmal würde ich gerne freier sein, aber andererseits habe ich mich auch bewusst für Familie, Eigenheim und so entschieden 🤷🏼‍♀

Selbst gemachtes, egal ob für mich, oder als Geschenk finde ich auch super - dabei zählt für mich dann hauptsächlich die Mühe und die Zeit, die sich der andere genommen hat und nicht, ob das Ergebnis "perfekt" ist 😊

PS: @freely Gute Besserung bei der Erkältung 🍀

• x 2 #61


freely
Zitat von sandracookie:
und nicht einfach für mich selbst okay sein kann, wie ich bin

Hast du dir schon mal vor Augen geführt was du alles an dir gut findest?
Ich mein ist klar, dass man nicht in allem super gut und perfekt sein kann, irgendwelche Schrullen hat jeder.
Aber man kann sich halt sagen, in dem oder das bin ich nicht so gut, dafür kann ich dies oder das ganz gut.

• x 1 #62


A


Einen Anfang finden/sich selbst Struktur geben

x 3


sandracookie
@freely
Eigentlich weiß ich schon worin ich gut bin, aber ich habe nicht das Gefühl, dass mir diese Eigenschaften wirklich geholfen haben im Leben und dadurch neige ich dazu auch die guten Sachen klein zureden und als unbedeutend (im Vergleich) zu betrachten.

• #63


User_0815_4711
Zitat von freely:
Hast du dir schon mal vor Augen geführt was du alles an dir gut findest?

Zitat von sandracookie:
Eigentlich weiß ich schon worin ich gut bin

Die Frage war zwar nicht an mich gerichtet gewesen, dennoch möchte ich was dazu sagen:
Ich habe keine Ahnung, worin ich gut bin oder was an mir gut ist.
Aber ich kenne ein paar Dinge, worin ich schlecht bin und was an mir schlecht ist.

• #64


freely
Zitat von sandracookie:
dadurch neige ich dazu auch die guten Sachen klein zureden und als unbedeutend (im Vergleich) zu betrachten.



Zitat von User_0815_4711:
Aber ich kenne ein paar Dinge, worin ich schlecht bin und was

Ihr macht mich fertig 🙃

"Führe Deine Unzulänglichkeiten ins Feld und ehe du dich's versiehst, verbleiben sie dir." (Richard Bach)

War einer der ersten schlauen Sprüche die ich las.

Man hat ja immer die Wahl zwischen gesunder Selbstkritik und Selbstabwertung.
Sowie gesunder Selbstliebe und Selbstverliebtheit (Narzissmus).

Ständige Selbstabwertung führt mich definitiv in eine Depri.
Komme ich der Selbstverliebtheit zu nah, werde ich leicht hypomanisch.

Es ist so bisschen wie Pingpong spielen. Wird es auf der einen Seite zu viel, schlage ich den Ball auf die andere Seite.
Das Ergebnis sollte eine gute Selbsteinschätzung und ein realistisches Selbstbild sein.

Man könnte sein Umfeld fragen, welche Eigenschaften sie an einem gut finden, wenn man das sowieso nicht schon öfter gehört hat und nur nicht glauben will. Dann muss der Ball dort aber definitiv hin gehen.

Es gibt nichts, das nur schlecht oder falsch ist. Alles hat für irgendetwas seine Daseinsberechtigung. Und sei es nur als abschreckendes Beispiel 😬

Ansich verlangt das Leben doch gar nicht so viel von uns.

Ich denke auch oft ich muss doch freundlich sein, darf nicht meckern, muss Grüßen, hilfsbereit sein usw. Aber eigentlich muss ich das gar nicht.


Zitat von sandracookie:
aber ich habe nicht das Gefühl, dass mir diese Eigenschaften wirklich geholfen haben im Leben

Hm. Wer weiß.
Mir sagte mal eine Therapeuten ich könnte Stolz darauf sein, dort zu stehen wo ich jetzt stehe. Das sei nicht selbstverständlich, andere kämen mit ähnlicher Vorgeschichte nicht so gut klar und landeten bei Dro. oder sonstigen üblen Abhängigkeiten.

Du stehst doch dazu im Vergleich auch relativ gut da. Das war dein Werk.
Vielleicht schaust du mal, was du alles hast, das ist ja alles nicht vom Himmel gefallen. 🙂
Dankbarkeit ist sehr heilsam.

Ich habe mich auch in viele blöde Situationen manövriert. Die Wahl des Vater meines Kind war zb nicht optimal. Ergebnis, bin alleinerziehend und Kind hat kaum Kontakt zum Vater. Aber ich halte mir das nicht vor, noch Werte ich mich dafür ab. So komisches Zeug zu machen kommt ja nicht von irgendwoher. Ich denke ich habe das Beste draus gemacht. Klar besser geht immer, bringt aber rückblickend auch nichts.
Jeden Tag kann man versuchen es besser zu machen. Und dabei ist mir das zwischenmenschliche Auskommen doch wichtiger als feste Mahlzeiten oder eine saubere Küche.

Was meinst du damit, dass dir gewisse Eigenschaften im Leben nicht geholfen haben?

• x 2 #65


S
Zitat von freely:
Ständige Selbstabwertung führt mich definitiv in eine Depri.
Komme ich der Selbstverliebtheit zu nah, werde ich leicht hypomanisch.

Mich auch und zu nahe an Selbstverliebtheit komme ich eher selten.
Das ständige Selbstabwerten stammt eindeutig aus meiner Ursprungsfamilie. Kritisieren und Abwerten stand da auf der Tagesordnung. Vermutlich habe meine Eltern es auch nicht anders erlebt/gelernt. Meine ältere Schwester macht es heute immer noch mit sich selbst und mit mir, anstelle meiner Eltern. Wenn ich was erzählte was ich vor habe antwortet sie z.B. wie ein Automat: "Das machst du ja doch nicht". Gespräche mit ihr sind für mich meist ärgerlich bis deprimierend, deshalb muss ich den Kontakt mit ihr sehr begrenzen, aus Eigenschutz.

Happy Birthday🌻



Zitat von sandracookie:
Ich fühle mich oft falsch, zu viel, zu drüber... Bis zu einem gewissen Grad verstehe ich die Ursachen während der therapeutischen Aufarbeitung (gerade was die Erfahrungen aus der Kindheit angeht), aber sie loslassen/auflösen gelingt dadurch nicht automatisch.

Erkenntnis und loslassen/auflösen gehen leider nicht Hand in Hand. Die Erfahrung habe ich auch lange gemacht, bzw. mache diese zeitweise immer noch. Obwohl mir die Ursachen klar sind verfalle ich hier und da immer mal wieder in alte Muster zurück. Allerdings finde ich heute da relativ schnell wieder heraus, konnte wohl ein paar Datenautobahnen in meinen Kopf nach und nach überschreiben. Der Glaube an die Neuroplastizität des Gehirns hat mich immer ermutigt nicht aufzugeben.

• x 2 #66


sandracookie
@freely
Zitat von freely:
Ihr macht mich fertig

Das tut mir leid🙈😅
Ich bin da momentan tatsächlich sehr hart und extrem gegen mich selbst eingestellt - zumindest ist mir das bewusst.
Zitat von freely:
Ständige Selbstabwertung führt mich definitiv in eine Depri.

Einerseits führt sie dahin, andererseits ist sie für mich Teil davon - ein Teufelskreis. Diese ganzen selbst abwertenden Gedanken sind nämlich sehr viel stärker geworden, seit es mir wieder schlechter geht.
Zitat von freely:
Du stehst doch dazu im Vergleich auch relativ gut da. Das war dein Werk.
Vielleicht schaust du mal, was du alles hast, das ist ja alles nicht vom Himmel gefallen.
Dankbarkeit ist sehr heilsam.

Danke dir🙂 trotz meines Schwarzsehens dringt da ein bisschen was durch und es kommt dann doch der Gedanke "ach stimmt, einiges ist immer noch gut und einiges ist dir trotz allem gut gelungen"
Zitat von freely:
Was meinst du damit, dass dir gewisse Eigenschaften im Leben nicht geholfen haben?

Wenn es bspw. zu Konflikten kommt, kann ich sehr analytisch, sachlich und diplomatisch sein - an sich ist das ja auch was positives, aber dadurch sieht mein Gegenüber oft nicht, wie sehr mich eigentlich etwas verletzt hat und letztendlich werde ich dann nicht ernst genommen und übergangen oder muss erst sehr heftig reagieren - dann sind andere, die mich nicht so gut kennen, immer sehr schockiert, weil sie es nicht erwartet haben und dann heißt es direkt ich sei zu empfindlich oder zickig.

PS: Happy Birthday auch von mir 🎂

• x 2 #67


sandracookie
@silberauge
Zitat von silberauge:
Das ständige Selbstabwerten stammt eindeutig aus meiner Ursprungsfamilie. Kritisieren und Abwerten stand da auf der Tagesordnung. Vermutlich habe meine Eltern es auch nicht anders erlebt/gelernt.

Ist ähnlich bei mir. Wir sind in der Familie fast alle introvertiert mit wenig Selbstvertrauen. Meine Eltern und Großeltern hatten es auch nicht immer leicht und da haben sich auch ungünstige Muster gebildet. Hinzu kommt, dass man mittlerweile bei Meinungsverschiedenheiten nur noch schwer konstruktiv bleiben kann. Oft wird das, was angesprochen wird, als Angriff/Vorwurf aufgefasst und wenn man dann nicht auf einen Nenner kommt, wird ignoriert/ausgeschwiegen/ausgesessen. Das ist für mich sehr verletzend und triggert bspw. dieses "ich bin nur liebenswert, wenn"
Zitat von silberauge:
Erkenntnis und loslassen/auflösen gehen leider nicht Hand in Hand. Die Erfahrung habe ich auch lange gemacht, bzw. mache diese zeitweise immer noch. Obwohl mir die Ursachen klar sind verfalle ich hier und da immer mal wieder in alte Muster zurück. Allerdings finde ich heute da relativ schnell wieder heraus, konnte wohl ein paar Datenautobahnen in meinen Kopf nach und nach überschreiben. Der Glaube an die Neuroplastizität des Gehirns hat mich immer ermutigt nicht aufzugeben

Das stimmt, das ist jahrelange Arbeit. Rückblickend hat sich da bei mir auch schon was getan, aus jeder depressiven Phase nimmt man auch wieder etwas mit, das dann beim nächsten Mal anders ist und zumindest phasenweise bin ich dann auch offener für andere Blickwinkel und kann dann nachsichtiger mit mir sein. Momentan bin ich nur leider wieder im Tal und die letzten Fortschritte fühlen sich dadurch plötzlich sehr weit weg an...

• x 2 #68


Azure
Zitat von User_0815_4711:
Reicht, wenn

Zitat von User_0815_4711:
Reicht, so lange

Zitat von User_0815_4711:
Gelassenheitsgebet

Zitat von User_0815_4711:
Richtig und perfekt sind meistens nicht das gleiche.

Effiziente, meiner Moral entsprechende Entscheidungsfindung und konsequente zeitnahe Umsetzung dieser Entscheidung - zusammen mit einem kleinen Team - das ist genau das Thema, was ich derzeit versuche zu lernen.

[Ich bin ja mein irgendwo mein eigener Therapeut, bzw. bilde mir ein, dass ich Coaching, Therapie, Planung und Strategieentwicklung autodidaktisch umsetzen kann. Und vielleicht neige ich auch zum Überanalysieren, weshalb ich die folgenden Zeilen aus meiner Antwort gestrichen habe (und weshalb untenstehende Punkte auch nur ein Gedankenfragment sind)

Was bedeutet das für mich:

* Regelmäßiges Vergegegenwärtigen und Justieren von Zielen.
* Anpassumg der Beschreibung der Ziele - so dass diese mit einfachen Mitteln visualisiert werden können.
* Trennung von persönlichen Zielen und Zielen anderer - dennoch kamn es meine Aufgabe sein, andere Leute auf dem Weg zu ihren Zielen zu unterstützen.
* Verständnis von Zielen anderer ist eine spannende Tätigkeit und hilft, meinen Horizont zu erweitern

Bei der Planung:

* Planung sehe ich als Aufzeichnen von Wegen in Richtung der Ziele. Hierbei können Zwischenziele entstehen.

* Alternative/gegenläufige Wege durchdenken, Ideen anderer verstehen, Bereitschaft meinen Kurs anzupassen...

* Abhängigkeiten verstehen und visualieren
* Zeitliche Bedingungen abbilden
* Priorisieren

Umsetzung:

* Disziplin: Jeden Tag aufs neue
* Konsistenz: Viele Kollegen sind (teilweise zurecht) frustriert wenn ich ihnen heute "Links" morgen "Rechts" sage.
* Flexibilität: Ideen wachsen... Anforderungen ändern sich, Vorgesetzte sind launisch.... Es benötigt einen Puffer, der diese Schwankungen registriert, dämpft und mit der Zielrichtung harmonisiert... Es erklärt vielleicht meine Erschöpfung, die ich teilweise verspüre. Aber dies ist im Gegensatz auch die extrinsische Energie, die ich zum "Funktionieren" benötige. Als Maschinist und Maschine in einer Person bin ich dafür verantwortlich, zu erkennen, an welcher Stelle ich zu harte Schläge auf mich reduziere. Ich bin darüber hinaus dafür verantwortlich, Wartungen, Pflegen, Pausen etc. durchzuführen.

Herausforderungen:
* Ich - und meine Mitmenschen - haben begrenzte Fähigkeiten und Ressourcen (Energie, Aufmerksamkeitsfähigkeit, Interessen, vertragliche Verfügbarkelt, ...). Dementsprechend ist es schwierig zeitliche Abschätzungen zu geben. Oft sind zeitliche Fenster notwendig. Risiken müssen abgeschätzt werden.

---
Teile hiervon hören sich vermutlich an wie aus dem Buch einer Einführungsveranstaltung Projektmanagement für Dummies... Aber dies alles im Alltag unter Druck auch umzusetzen und andere dabei mitnehmen ist durchaus eine schöne, spannende, erfüllende Aufgabe. Und es ist auch so, dass es kaum einen Menschen gibt, der nicht eine oder zwei der obengenannten Punkte gerne macht. Diese Fähigkeiten bei meinen Mitmenschen zu entdecken und mit ihnen dann spezifische Teile meiner Planung zu teilen - und von ihnen zu lernen - macht mir tatsächlich am meisten Spass.
]

• x 3 #69


Azure
Zitat von freely:
Bei mir fing es schon mit ca 16 an, dass ich mich dagegen wehrte. Ich erbringe ungern Leistung um anderen zu gefallen oder besonders hervorzustechen. Ich bringe Leistung überwiegend nur, wenn es für eine für mich sinnvolle Sache ist. Dabei dann hervorzustechen, weil die Energie und Spaß ja fast grenzenlos ist, beschert einem auch oft keine Freunde

Ich bin mir persönlich nicht sicher, was mein persönlicher Antrieb ist. Ich hätte spontan auch gesagt - dass ich Leistung nur dann erbringe, wenn es eine für mich sinnvolle Sache ist. Was ich aber feststelle ist, dass ich leider in vielen Dingen einen Sinn sehe und dann häufig Impulse in entgegengesetzte Richtungen erlebe.

Mit 16 lebte ich auch in meiner eigenen Welt - aber im Gegensatz zu dem was du schreibst war es mir oft wichtig, dass ich eben nicht aneckte und Angst hatte Leuten meine eigentlichen Leidenschaften zu zeigen - womit ich dann teilweise begann, Dinge in Gegenwart anderer zu vermeiden.

Das Ergebnis war: ganz wenige "Nerd"freunde, von denen ich wusste dass sie mich akzeptieren und ich Verbaute mir Kontakt zu anderen Menschen, weil ich lieber eine neutrale (faktisch: Nicht-)Beziehung zu ihnen hatte, als eine explizite Ablehnung erleben mochte. Dies zog sich bis in die Mitte meiner 30er Jahre und ich erlebe auch jetzt Mitte meiner 40er Jahre, dass meine Persönlichkeit noch Wachstunspotential hat.
Was geblieben ist: wenn ich irgendwo ausgleichen kann (neu: unter Wahrung meiner eigenen Grenzen und unter offenerer Kommunikation meiner eigenen Bedürfnisse) dann tu ich das gerne.

• x 2 #70


Azure
Zitat von sandracookie:
aufgerissen an alten Wunden und die Depressionen haben wieder die Überhand gewonnen, vor allem die negativen Gedanken und Zweifel.

Dies ist etwas, was ich auch schon erlebt hatte: Wiederaufflammen alter Depressionen. Ein-zweimal war ich mir sicher, dass ich die Depressionen im Griff hatte und die Selbstzweifel, Selbsvorwürfe, Panik, Angst vor speziellen Leuten trat plötzlich wieder für mehrere Monate auf.

Lange Zeit hatte ich dann große Angst vor der Wiederkehr der Angst.

Aktuell bin ich mir sicher, dass ich inzwischen soviel Lebenserfahrung habe, dass ich hier keine Angst mehr haben muss. Ich erkenne depressive Verstimmungen schnell und kann mich sehr schnell aus meinem Loch herausarbeiten. (einsamkeit-forum-f37/haenge-gerade-fest-t115391.html)

Langsam werde ich planen müssen, dass ich den Höhepunkt meiner körperlichen und geistigen Fähigkeiten erreiche und Strategien für danach entwickeln... Eines meiner Ziele ist, dass ich lange bewusst und zufrieden leben kann.

• x 2 #71


sandracookie
@Azure
Zitat von Azure:
Lange Zeit hatte ich dann große Angst vor der Wiederkehr der Angst.

Die begleitet mich auch schon viele Jahre und bremst mich immer wieder aus, weil ich mich dadurch selbst unterschätze und mir weniger zutraue.
Eigentlich habe ich diesmal auch die Signale früher erkannt und ernst genommen.
Ich war seit Mai 2025 dauerhaft krank geschrieben und vor der dauerhaften Krankmeldung ging es mir bereits länger nicht gut und ich habe viele Anzeichen ignoriert, um weiter zu funktionieren, bis gar nichts mehr ging.
Im Februar/März 2026 war ich dann wieder soweit, dass ich eine Wiedereingliederung gemacht habe und ab April wieder regulär gearbeitet (23 Stunden, 4 Tage) und das auch alles erfolgreich.
Anfang Juni ging's dann jedoch erneut bergab, als sich die Personalsituation geändert hat (vermehrt Angst und Panik, Dauererregung).
Dann hatte ich im Juli Urlaub ohne nennenswerte Besserung und Mitte August habe ich dann die Reißleine gezogen und meine Psychiaterin hat mich wieder krank geschrieben. Darauf folgten vier Wochen, wo es mir gut gelungen ist (auch mit medikamentöser Unterstützung) mein Nervensystem wieder runter zu fahren, dann dachte ich Mitte September, ich könnte wieder arbeiten - Pustekuchen - ein Tag Arbeitsversuch, den ich wegen einer heftigen Panikattacke abbrechen musste. Eigentlich standen die Zeichen echt gut, selbst im Vorfeld war ich erstaunlich wenig nervös und zuversichtlich, dass es wieder geht.
Die Panikattacke hat mich dann umso mehr weggehauen/überrollt und seit dem klar ist, dass es aktuell nicht geht, bin ich wieder richtig tief drin, obwohl ich mit Unterstützung durch Psychiaterin, Therapie und Krankenkasse gut aufgestellt bin und mit dem Reha-Antrag eine konkrete Maßnahme in Aussicht habe.
Die Situation erneut langfristig auszufallen, war auch eines der worst case Szenarien vor denen ich seit Beginn der Eingliederung Angst hatte.

• x 1 #72


freely
Zitat von sandracookie:
Die Situation erneut langfristig auszufallen, war auch eines der worst case Szenarien vor denen ich seit Beginn der Eingliederung Angst hatte.

Hm das hört sich auch nicht gut an.
Weißt du was der Auslöser am ersten Tag für die Panikattacke war?

Mir ging es die ersten Tage im letzten Job auch erst mal nicht so gut. Hätte fast geheult, weil ich alles so schrecklich fand. Eine Kollegin merkte das und fragte was los ist, ich sagte nur, lenk mich schnell ab. Und das hatte geholfen.

• x 1 #73


freely
Zitat von silberauge:
Meine ältere Schwester macht es heute immer noch mit sich selbst und mit mir, anstelle meiner Eltern. Wenn ich was erzählte was ich vor habe antwortet sie z.B. wie ein Automat: "Das machst du ja doch nicht". Gespräche mit ihr sind für mich meist ärgerlich bis deprimierend, deshalb muss ich den Kontakt mit ihr sehr begrenzen, aus Eigenschutz.

Das kenne ich, hatte meine ältere Schwester auch so gemacht. Überhaupt hat sie mich immer in eine ihrer Schubladen gestopft. Und ich dachte lange, ich bin so wie sie es sagt.

Meine Oma war so ähnlich drauf.
Wenn ich ihr etwas Erfreuliches erzählt hatte, kam sie mit ihrem Realismus, dass doch sicher irgendwo ein Haken sei, mich nur jemand betrügen oder ausnutzen wolle, schlussendlich ich mich besser nicht freuen soll. Und bei ihr habe ich ein paar Jahre meiner Kindheit verbracht. Ihre Message war, gehe besser vom Schlechten aus, dann wirst du nicht enttäuscht.

Danke euch für die Geburtstagsgrüße, gar nicht gewusst dass es angezeigt wird. Hatte ihn gestern auch fast selbst vergessen vor lauter Erkältung und schlapp fühlen. Einen Kuchen habe ich dennoch gebacken bekommen.

• x 1 #74


User_0815_4711
Zitat von freely:
Ihre Message war, gehe besser vom Schlechten aus, dann wirst du nicht enttäuscht.

Meine persönliche Message wäre:
Aufs Beste hoffen - mit dem Schlimmsten rechnen.
Ist sehr ähnlich, oder?

• x 1 #75


sandracookie
@freely
Ja grob kann ich einschätzen, warum ich wieder eine Panikattacke bekommen habe, es war im Grunde dieselbe (unlogische) Ursache, wie im Juni, als ich auch schon nach und nach wieder mehr Ängste und Panikattacken bekommen habe.
Die weggefallene Vollzeitstelle war seit der Wiedereingliederung sozusagen mein Backup/mein Sicherheitsnetz. Die Verantwortung verteilte sich auf mehrere Schultern und ich konnte in Ruhe zuarbeiten und meine Aufgaben abarbeiten. Wenn ich bis mittags nicht fertig wurde, war es kein Problem, dass die Vollzeitstelle nachmittags weiter gemacht hat.
Auch konnten insgesamt mehr Proben (arbeite im Labor) abgearbeitet werden.
Das ist mit einem Schlag weg gefallen und war in Kombination mit Ferien/Urlaubszeit einfach überfordernd für mich.
Ich hatte das Gefühl, dass alle Verantwortung nun bei mir liegt und viel mehr Zeitdruck bis zum Feierabend auch fertig zu werden. Parallel hat sich die Arbeit angestaut, weil ich und der Rest des Teams das nicht auffangen konnten - objektiv betrachtet völlig verständlich, dass 40 Stunden fehlende Arbeitskraft einen Unterschied machen.
Ich hatte jedoch ein extremes Druckgefühl das schaffen zu müssen und extreme Angst zu Versagen und vermehrt Fehler zu machen.
Die Situation hat mein Nervensystem als extreme Gefahr eingestuft und ist in den Daueralarm gegangen.
Ich hab versucht das mitzuteilen/anzusprechen, dass es mir zu viel wird, aber nach dem die Vorgesetzten meinten, dass sie uns keinen Druck machen würden und es tatsächlich für sie okay war, dass die Abarbeitung länger dauert, war das Thema für sie erledigt.
Sie haben nicht wirklich eine Vorstellung von einer Angststörung und verstehen nicht, warum die Situation für mich weiterhin belastend war, obwohl sie vermittelt haben, dass aus ihrer Sicht alles in Ordnung wäre.
Beim ersten Arbeitsversuch ist auch schnell viel auf mich eingeprasselt und es kamen direkt Anfragen zu Urlaubsvertretung und bei der üblichen Besprechung waren dann auch noch weitere Personal Kürzungen Thema und schon war ich wieder drin im Gefühl, dass alles nicht schaffen zu können, egal wie viel Mühe ich mir geben würde, egal wie sehr ich mich anstrengen würde - dem Ganzen ausgeliefert zu sein, weil ich einfach nichts daran ändern kann, ob ich will oder nicht.

• x 1 #76


freely
@sandracookie
Ok, soweit würde ich gedanklich niemals gehen.
Das Wichtigste zuerst, also entweder was wirklich nicht warten kann oder die Aufträge der wichtigsten Kunden zuerst.

Dann würde ich denke, wie kann ich die Abläufe optimieren, damit es vielleicht schneller geht, was kann ich auslagern und jemand anderem geben.
Und dann würde ich denken, zum Glück bin ich jetzt da und kann den anderen helfen.

Zuerst müssen die Chefs ihren Kopf hinhalten wenn das nötige Arbeitspensum nicht erbracht werden kann. Das nimmt den Druck, du bist Angestellte und nicht direkt verantwortlich. Es ist nur ein Job, vielleicht nicht dein letzter, du musst dir kein Bein rausreissen.
Ansonsten tut halt jeder was er kann.
Auch wenn du verständlicherweise nicht alles erledigen hättest können, ich denke jede Hilfe wäre willkommen. Und wenn es auch nur ein bisschen ist.

Kannst du einsteigen bei dem Helfen wollen?

• x 1 #77

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sandracookie
@freely
Ja das ist Teil des Problems, dass ich da viel zu weit denke und mich für mehr verantwortlich fühle, als ich tatsächlich bin.
Ich weiß nicht genau woher das kommt.
Die Abläufe sind an Geräte Laufzeiten gebunden zB 2 Stunden, da kann man zeitlich nur bedingt noch optimieren.
Die Chefs haben die Probenanzahl etwas reduziert, die monatlich festgelegt wird seit weniger Personal da ist (trotzdem war es immer noch viel), also haben sie nicht gar nichts gemacht, aber sie sind trotzdem eher passiv und weisen selten Aufgaben direkt zu. Im 6 köpfigen Laborantenteam können/müssen wir dann viel unter uns selbst organisieren und aufteilen.
Das hat Vor- und Nachteile.
Für mich vor allem den Nachteil, dass die Struktur verloren geht, jeder hat eine andere Vorstellung zu gewissen Abläufen, jeder eine eigene Meinung und nicht selten kommt es dadurch zu Konflikten, weil eigentlich keiner das Recht hat auf dieser Ebene dem anderen Arbeit zuzuweisen. Oft bleiben auch Dinge liegen, weil keiner sich verantwortlich fühlt.
Auch auf Wunsch kommt da dann selten eine klare Entscheidung oder Einteilung.
Vielleicht entsteht dadurch auch das Gefühl bei mir das kompensieren zu müssen (da spielt auch Sicherheit und Kontrollgefühl mit rein).
Du hast Recht mit dem was du schreibst, und in der Theorie verstehe ich das auch.
Eigentlich wäre jeder froh, wenn ich wieder da wäre und mit anpacken könnte, aber sie haben damit unbeabsichtigt beim Arbeitsversuch direkt hohe Erwartungen an mich gestellt, dass ich die anderen direkt entlasten kann und da kommt bei mir dann die Angst vor Enttäuschung, weil ich eben nicht gleich wieder super leistungsfähig bin, obwohl ich arbeitsfähig bin. Das sieht auch keiner, dass mich meine psychischen Erkrankungen mittlerweile immer begleiten und meine Ressourcen begrenzen, obwohl sie ja schon mal erlebt haben, wie schlecht es mir ging und wie lange ich schon mal deswegen krank war und ich auch mittlerweile an der Arbeit recht offen damit umgehe. Ist leider keine einfache Situation und etwas, was mir auch bei einer anderen Arbeitsstelle Probleme bereiten würde. Ich beantrage jetzt eine Reha und hoffe, dass ich das Thema da direkt aufarbeiten kann und sich vielleicht Lösungen finden, die ich jetzt noch gar nicht sehen kann.

• x 1 #78


freely
Zitat von sandracookie:
und da kommt bei mir dann die Angst vor Enttäuschung

Schade. Da zeigt sich der dysfunktionale Perfektionismus. Was denken die anderen, was erwarten die anderen, wer bin ich überhaupt, wenn ich nicht die Erwartungen anderer erfülle, andere enttäusche usw.
Hatte mir dazu einige öffentliche Vorträge eines Psychiater angeschaut.
Es gilt sogar als Zwangsstörung. Aber ist behandelbar.

Ich habe es so verstanden, daß die Heilung zum Teil in der Selbstvergessenheit liegt. Fokus auf die Sache, auf etwas das höher ist als man selbst, oder eben dem Wir-Gefühl.

Zitat von sandracookie:
aber sie haben damit unbeabsichtigt beim Arbeitsversuch direkt hohe Erwartungen an mich gestellt

Hm aber wie viel sie erwartet haben, haben sie nicht gesagt oder?
Meinst du, sie hätten Verständnis gehabt, wenn du noch nicht voll einsatzfähig gewesen wärst? Hattest du gesagt, dass du dich noch nicht so fitt fühlst?

Ich kenne das ja so in der Art auch. Bei mir kam dann nur irgendwann der Gedanke, ich mache es so gut ich es eben jetzt kann. Fertig.
Das nahm schon enorm viel Druck raus und Fehler dürfen eben auch passieren.

Ich wünsche dir da gute Begleitung und Hilfe in der Reha. Wird wahrscheinlich ein Weilchen dauern bis sie startet.

• x 1 #79


sandracookie
@freely
Zitat von freely:
Ich habe es so verstanden, daß die Heilung zum Teil in der Selbstvergessenheit liegt. Fokus auf die Sache, auf etwas das höher ist als man selbst, oder eben dem Wir-Gefühl.

Fokus auf die Sache und überhaupt ins Handeln kommen, wäre schon mal ein Anfang. Bei den anderen beiden tue ich mich schwer. Gerade für ein wir-Gefühl fehlt das Vertrauen, da wurde ich zu oft ausgenutzt und hintenrum verraten.
Zitat von freely:
Hm aber wie viel sie erwartet haben, haben sie nicht gesagt oder?
Meinst du, sie hätten Verständnis gehabt, wenn du noch nicht voll einsatzfähig gewesen wärst? Hattest du gesagt, dass du dich noch nicht so fitt fühlst?

Nein nicht direkt, aber meine Anwesenheit wurde ja gleich bei allem eingeplant und berücksichtigt, sei es die weitere Probenplanung oder Urlaubsvertretungen.
Bei der Eingliederung war es etwas anders und halbwegs nachvollziehbar, weil man da ja reduziert arbeitet und noch offiziell krank geschrieben ist.
Ob Verständnis da gewesen wäre, weiß ich nicht, das ist leider auch sehr schwer zu kommunizieren, denn eigentlich geht keinen meine Krankheit was an, aber gleichzeitig lässt es sich nicht ganz vermeiden bei dem Ausmaß, die sie hat, dass es Thema am Arbeitsplatz ist und die Versuche es anzusprechen in kleinem Rahmen (BEM Beraterin, direkte Vorgesetzte) waren leider nicht gut, weil sie das nicht nachempfinden können und dann oftmals genau die allgemeinen nichtssagenden Ratschläge kommen, die kein psychisch kranker Mensch hören will und das zieht mich dann zusätzlich wieder runter.
Zitat von freely:
Ich kenne das ja so in der Art auch. Bei mir kam dann nur irgendwann der Gedanke, ich mache es so gut ich es eben jetzt kann. Fertig.
Das nahm schon enorm viel Druck raus und Fehler dürfen eben auch passieren.

Das wäre das Ziel und hatte ich mir beim Arbeitsversuch auch fest vorgenommen, aber mein Nervensystem hat trotzdem auf die anstehenden Anforderungen/Aufgaben extrem sensibel reagiert und das passiert auf einer Ebene, wo ich nur noch wenig bewusst beeinflussen kann.
Der Tiefenpsychologe in der Tagesklinik meinte in Bezug auf eine ähnliche Situation, dass mich in solchen Momenten vom Gefühl vergleichbare Geschehnisse aus der Vergangenheit einholen und ich dadurch getriggert werde. Macht zumindest auch Sinn in Bezug auf die Heftigkeit meiner Reaktionen, obwohl von außen vermittelt wurde, dass es okay ist, wenn alles länger dauert.
Zitat von freely:
Ich wünsche dir da gute Begleitung und Hilfe in der Reha. Wird wahrscheinlich ein Weilchen dauern bis sie startet.

Dankeschön, ich habe das Glück, dass die Krankenkasse mich bei der Beantragung unterstützt und dadurch die Möglichkeit ggf. schneller an einen Platz zu kommen. Das ist wenigstens etwas und bis dahin hab ich zumindest noch regelmäßig Therapie und den engen Kontakt zur Psychiaterin.

• x 1 #80


A


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