Guten Abend zusammen. Nun, dann erzähle ich mal...
Ich bin männlic, 46 Jahre alt, verheiratet, 2 Kinder im Alter von 13 Jahren. Seit kurzem beginne ich, unter meine Einsamkeit zu leiden. Aber von vorn.

Ich wurde unehelich geboren, sofort zur Adoption frei gegeben und bin dann bei meinen Adoptiv-Eltern in Duisburg wunderbar groß geworden. Ich war schon immer eher schüchtern und zurückhaltend, hatte aber immer Freunde und Bekannte. Das gilt für meine Kindheit ebenso wie für meine Jugend und als junger Erwachsener.
1988 lernte ich meine heutige Frau kennen.
Im Jahre 1998 zogen wir von Duisburg fort in ein kleines Dorf am Niederrhein (Bedburg-Hau), aus dem meine Frau stammt. (Sie hat aber auch lange in Duisburg gewohnt, wo wir uns auch kennen gelernt haben).
Nun begann im Nachhinein meine Einsamkeit.
In der neuen Umgebung kannte ich niemanden und habe mich da schon schwer getan, mit neuen Leuten in Kontakt zu treten. Allerdings habe ich das zu dem Zeitpunkt noch nicht vermisst. Ich genoss die Zeit, die ich für mich hatte, da sie so knapp war. (die kleinen Zwillinge, Haus mit sehr großem Garten zur Miete, plötzlich Berufspendler, da ich noch in Duisburg gearbeitet habe). Im Jahre 2002 haben wir dann selber gebaut. Ich habe versucht, beruflich in dem Dorf Fuss zu fassen. Aber der neue Job gefiel mir nicht. Kurz darauf wurde ich wieder zum Pendler (Arbeit bis heute in Kamp-Lintfort).
Der ganz grosse Knackpunkt wurde dann das Jahr 2008. Wir mussten das Haus wegen großer finanzieller Probleme (weit unter Wert)verkaufen, um einer Zwangsversteigerung zu entgehen und rutschten in die Privatinsolvenz. Zudem hatte ich einen schweren Autounfall, nach dem ich 4 Monate nicht laufen konnte. (Rollstuhl, Krücken, lange Reha). Während dieser Zeit verstarb meine A-Mutter. Ich hatte sie aufgrund des Unfalls 3 Monate nicht gesehen, nur am Telefon gesprochen (Mein A-Vater starb schon 1996). Kurz vor dem Unfall hatte ich meine leibliche Mutter ausfindig gemacht und, kaum dass ich wieder fit war, in Osnabrück besucht. bei der Gelegenheit habe ich auch erfahren, dass ich "Einzelkind" noch 2 Brüder habe. Diese Erlebnisse haben mich richtig fertig gemacht und ich wollte nun überhaupt niemanden mehr sehen, auch meine Ehe kriselte. Wir haben dann einen neuen Anfang gemacht, sind nach Kalkar gezogen, wo wir uns wohl fühlen.
Damit bin ich bei meiner aktuellen Situation. Mittlerweile geht es mir nach all den fiesen Erlebnissen eigentlich wieder sehr gut. Aber nach der zum größten Teil selbst gewählten Isolation komme ich dort nicht mehr raus. Im Moment ist einer meiner Jungs auf Klassenfahrt, meine Frau als Begleitperson ebenfalls. Der andere Sohn geht mittlerweile seine eigenen Wege. ich fühle mich so einsam, aber kann auch nichts dagegen tun. Seit ca 1 Jahr versuche ich nun, dagegen anzukommen, aber schaffe es nicht. Ich gehe ab und an mit meiner Frau raus, aber auch auf Feiern usw schaffe ich es einfach nicht, mit anderen menschen in Kontakt oder ins Gespräch zu kommen. Ich fürchte mich einfach davor, dass ich nicht weiss, was sich sagen soll und blöd wirke. Gerade habe ich mal versucht, alleine raus zu gehen. Wollte in 2 Kneipen, wo was los war. Habe mich nicht einmal getraut, da rein zu gehen. Die Vorstellung, da rein zu gehen, empfinde ich als unangenehm, ja macht mir fast Angst. Ich brauche einfach unglaublich lange, um mit anderen in Kontakt zu treten. Auf der Arbeit ist es zB ok. Da kenne ich alle seit Jahren und bin anerkannt und komme mit allen recht gut aus. Aber in meiner Freizeit bekomme ich es nicht hin. Gibt es so was wie eine soziale Phobie? Ja, das gabe ich wohl. Und es nervt mich kolossal, aber ich komme da nicht raus. Nach dem Tod meiner Eltern ist auch der Kontakt zur Familie weg. ich möchte den ein oder anderen doch mal wiedersehen. Aber auch das bekomme ich nicht hin. Habe kürzlich mit meine Cousine mal gemailt und die hat mir durchaus Mut gemacht, aber auch da kann ich bislang nicht über meinen Schatten springen.
Vielleicht brauche ich ja Hilfe / Therapie?
Ich möchte wieder ins Leben aber weiß nicht wie...

29.01.2011 23:51 • 30.01.2011 #1


4 Antworten ↓


Na ja, ergänzend...zB war ich mal auf einer Fortbildung. Abends waren essen und andere gemeinsame Aktivitäten angesagt. Habe entweder kurz teilgenommen und mich dann verdrückt, weil mich so absolut unwohl gefühlt habe oder bin gar nicht erst hin und habe mich in meinem Hotelzimmer verschanzt mit einem gefühl der absoluten Unsicherheit und Angst vor dieser Situation...

30.01.2011 00:01 • #2


Ja es gibt soziale Phobien und das was Du so beschreibst scheint eine ganz typische zu sein!

Und nochmal ja - da gibt es auch Therapien gegen....
Verhaltenstherapien, in denen man Stück für Stück an eben deinen Ängsten arbeitet... Mit Konfrontationen, etc....
Aber auch mit Medikamenten, um eben die Angstzustände abzumildern....

Vielleicht solltest Du mal einen Psychotherapeuten aufsuchen und Dein Problem dort schildern....

Und dann wirst Du auch hier im Forum feststellen, das Du mit all Deinen Ängsten nicht allein bist - also auch keineswegs unnormal bist.... Es geht hier vielen so!

Wünsche Dir, das Du bald den Weg aus der Einsamkeit herrausfindest!

30.01.2011 09:49 • #3


Tja, schwer, es sich selber ein zu gestehen, aber wenn man ehrlich ist, bin ich wohl "krenk".
Vor einiger zeit war ich mal auf einer Party. Selbst nach ein paar B. (ich trinke aber ansonsten so gut wie nie Alkohlol) war ich nicht in der Lage, mit anderen zu reden. ich war dann da inmitten der Leute, gute Stimmung, Musik, aber habe mich trotzdem irgendwie alleine gefühlt. Hatte den Eindruck, als würde ich das ganze von aussen sehen. Fragte mich, worüber reden die alle die ganze Zeit? Worüber lachen die?

30.01.2011 10:04 • #4


Auch das ist nicht untypisch für soziale Phobien.....

Sicher, es ist nie leicht, sich einzugestehen, das man psychisch krank ist...
Zumal in den meisten Köpfen psychisch krank irgendwie auch gleichgesetzt ist mit irgendwie irre... Anders als anders.....

Ich kenn das von mir selber.... Habe zwar weder ne soziale Phobie noch Angstzustände - aber ich bin eine instabile Persönlichkeit (Borderliner).... Und es ist am schwersten, sich selber erst einmal einzugestehen das man krank ist....

Aber, um mal wieder zu Dir zurückzukommen, Deine Phobie beeinträchtigt Dein Leben.... Du bist einsam und unglücklich mit der Situation, wie sie eben ist....
Und Du kannst etwas dagegen tun....
Warum also länger unglücklich und einsam sein, wenn man es doch selber in der Hand hat und möglicherweise wiede rmehr Freude am Leben erlangen könnte....

Nicht von heut auf morgen - das wird harte Arbeit - aber es ist machbar!

30.01.2011 10:26 • #5




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