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Marvin Gainsborough
Einsamkeit ist nichts, was ich überwinden müsste.
Einsamkeit ist schlicht und einfach die menschliche Situation.
Sie zu spüren, heißt sie auszuhalten. Andere Leute mildern sie nur.
Akzpetiere die Einsamkeit, das ist alles.

Wir können einander berühren, "lieben", aber damit niemals unsere Einsamkeit überwinden.

Insofern finde ich es viel wichtiger, selbst in sich den Ruhepol zu finden, von dem aus man auf andere zugeht. Eine Art "Nahweh" ist angesagt, und nicht Fernweh oder Seelenverwandschaft.

Was ich zu einem sage, ist immer nur ein Ausdruck meiner inneren, einsamen Entwicklung. Sprache kann niemals Entwicklungsschritte beim anderen auslösen, wenn der eine andere Weltsicht hat.

Insofern kommt es darauf an, jeder für sich - einsam - die Entwicklungsschritte zu gehen, die ungefähr auch die anderen für sich -einsam- mitmachen. Nur dann hat jeder den Erfahrungsschatz, der einen zur Kommunikation befähigt.

Menschen sind semantisch voneinander abgeschlossen, keine Bedeutung dringt in sie ein und keine verlässt sie, sondern dies trifft nur für die Erregungen und Signale zu. Ausgetauscht werden also Schalldruckwellen und akkustische Signale, die Bedeutungen können nicht übertragen werden, sondern werden in jedem Gehirn alleine erzeugt.

Gerhard Roth hat dazu gesagt: "Kommunikation zwischen zwei Personen ist gar kein direkter Austausch von Informationen, sondern eine Anregung zu wechselseitiger bewusster und unbewusster Konstruktion von Bedeutungen".

Ich wünschte, das Leben wäre anders, aber es ist genau so.

17.08.2008 16:54 • 28.08.2008 #1


40 Antworten ↓


Hallo Marvin,

herzlich willkommen und danke für deinen Thread!

Wenn ich Schallwellen und akustische Signale durch Stimmungen (Gefühle) und Worte ersetze, erscheint diese Welt gleich in einem schöneren Licht - und tröstet jedenfalls etwas über den Mangel an Alternativen hinweg... smile.

Wie ist es aber mit der Vereinsamung? Wenn man davon ausgeht, dass der Austausch zwischen den Menschen ein Faktor ist, der für die psychische Stabilität notwendig ist, wenn man den Austausch als ein Grundbedürfnis anerkennt, bekommt man Schwierigkeiten. Denn da, wo er nicht erfüllt werden kann, greift er als ein negativer Faktor auch auf die Fähigkeit den Zustand der individuellen Einsamkeit zu ertragen über...



Dir liebe Grüße,

Isis

17.08.2008 18:51 • #2



Einsamkeit als Situation des Menschen akzeptieren

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Hallo Marvin !

Was du hier beschreibst sind die Grundzüge von Authismus.

Sowohl für seine Entwicklung, als auch für das spätere Leben braucht der Mensch den kognitiven und sozialen Austausch mit anderen Menschen.
Natürlich sollte ein Mensch auch temporär alleine lebensfähig sein. Die Frage nach der (empfundenen) Lebensqualität ist ebenfalls völlig ausgeklammert. Robinson hat auf seiner Insel auch lange Zeit alleine überlebt.

In letzter Konsequenz ist natürlich jeder Mensch ein Einzel-Individium, und somit auch alleine. Hier betreten wir aber den Bereich der Philosophie, der mit der realen Lebenspraxis nur noch sehr wenig zu tun hat.

Liebe Grüsse,

Helpness

17.08.2008 19:22 • #3


Hallo Marvin Gainsbourough,

soweit richtig was Du schreibst.
Wenn das Verhältniss zwischen alleinsein und in Geselligkeit sein
in Ordnung ist. Oder ich das frei bestimmen kann.
Aber solang das noch nicht soweit ist fühlt sich zuviel alleinsein
nicht gut an.

Grüße Maxxis

17.08.2008 20:34 • #4


Marvin Gainsborough
Liebe Antworter,

aus den Reaktionen höre ich immer heraus, dass ich doch bitte nicht so autistisch und extrem argumentieren möge:

Dazu kann ich nur sagen: Ich gebe aus meiner Sicht keine Meinung ab, sondern die von mir stark gefühlte Grundbedingung menschlicher Existenz wieder.

Selbstverständlich und ganz ohne Zweifel ist Kontakt ganz wichtig und die einzige Möglichkeit, sozial zu werden.

Ich vergesse das immer dazu zu sagen. Nur hebt das eben die Abgeschlossenheit der menschlichen Existenz nicht auf.

Mir steht da immer ein Bild von gläsernen Würfeln vor Augen, in denen je ein Mensch sitzt. Die können sich zwar die Hände an die Scheiben legen und so Kontakt aufnehmen, aber nie die Scheibe überwinden.

Je mehr ich in Kontakt stehe, "in die Beziehung" hinein gehe, desto mehr bin ich im Einklang mit der Welt.

Ich meine aber, dass das graduelle Unterschiede sind.
Auch der Autist ist genau wie der Geborgene in der gleichen Situation (Glaswürfel), nur hat der Geborgene ein ungleich größeres Repertoire,
damit umzugehen und sozial wirksam zu sein.

17.08.2008 23:07 • #5


Hallo Marvin !

Ich selbst bin wegen grosser und unerträglicher Einsamkeit hier im Forum.

Aber in einem Glaswürwel, ohne jemals einen anderen Menschen berühren zu können, möchte ich mich nicht sehen.
Alleine bei der Vorstellung dieses Bildes, würde ich eine Autoeuthanasie für mich bevorzugen.

Liebe Grüsse,

Helpness

18.08.2008 09:54 • #6


Hallo Marvin!

Mit der Ergänzung macht der Beitrag einen Sinn für Menschen, die in sozial gefestigten Situationen leben und trotzdem keinen Draht zu sich selbst finden.

Wenn man sich selbst z. B. in einer Meditation begegnet, wird man aber nicht nur eins mit der Welt, sondern auch mit all den Lebewesen - auch Menschen - die mit ein Teil dieser Welt sind. Die Vision von Menschen, die in gläsernen Würfeln eingeschlossen nicht zueinander finden können, ist für mich ebenfalls ein Bild des Abgetrenntseins, des Autismus.

Die Soziale Einsamkeit ist eine Situation, in der man sich in einem Kreis dreht und es nicht mehr schafft zwischen der Ursache und Wirkung zu unterscheiden. Als Resultat fühlt man sich unverstanden, unbeliebt, ungeliebt und ausgeschlossen. Das kann jeden treffen, aufgrund der äußeren Umständen oder oft bedingt durch Depressionen oder andere psychische Störungen. Diesen Teufelskreis, wenn fest gefahren, kann man nur von außen aufbrechen. Entweder durch andere Lebensumstände (z. B. man findet einen Partner, in dessen Freundeskreis man sich zurecht findet oder begegnet selbst Menschen, die seinen Bedarf an Nähe abdecken können), ... oder durch eine Beratung oder Medikation.

Es ist deshalb nicht schlecht auf Leute zu achten, die als Außenseiter unserer Gesellschft ein leidvolles Dasein fristen müssen. Schon mal ein freundliches Lächeln bedeutet für sie einen schiefen Blick und eine weitere seelische Verletzung weniger... oder kann sogar noch mehr bewirken. Bekanntlich bieten sich auch sonst viele Möglichkeiten aktiv die soziale Einsamkeit zu bekämpfen - und einen persönlichen Vorteil hat es obendrauf: Man verliert dabei komplett die eigenen Einsamkeitsgefühle...

Liebe Grüße, Isis

18.08.2008 15:45 • #7


Marvin Gainsborough
Zitat von Helpness:
Hallo Marvin !

Aber in einem Glaswürwel, ohne jemals einen anderen Menschen berühren zu können, möchte ich mich nicht sehen.
Alleine bei der Vorstellung dieses Bildes, würde ich eine Autoeuthanasie für mich bevorzugen.

Helpness


Tja, hier zählt doch nicht, was ich möchte, sondern, was ist.
Ich meine hier wirklich nicht die Einsamkeit durch fehlende soziale Kontakte oder eigene Probleme, sondern die für meine Begriffe nie zu überwindende Grundsituation des Menschen.
Ich ging früher mal verzweifelt durch die Straßen und dachte mir: "Mein Gott, was auch immer ich tue, niemals werde ich über mich hinauskommen".

Mittlerweile sehe ich diese Gegebenheit ohne Groll und kann im Alltag überall fasziniert die Spuren davon sehen.
Sei es, wie beim Ankommen der Bahn die Traube sich unbewusst dem Zugeingang zuschiebt oder wie ich jemanden durch die Ansprache A oder B bereits in seiner Entwicklung beeinflusse - normal meint man ja: "Ich sag halt was, wie belanglos", doch in Wirklichkeit reiße ich den anderen ja aus seiner Mitte heraus und zwinge ihn, sich auf mich zu beziehen, und zwar mit den (für diesen Augenblick unwiederholbaren) Mitteln , die ich ihm gerade angeboten habe. Sagen wir so: Ich zwinge ihn nicht, aber er wird es tun, so er die deutsche Sprache spricht und nicht autistisch ist.

Wir entwickeln uns aneinander, nicht miteinander.

So nebenbei ist für mich damit auch die Ohnmacht des Menschen erklärt !
Wenn ich akzeptiere, dass sich Leben so abspielt, dass jeder nur von Moment zu Moment beeinflusst wird und die Reaktion darauf bereits wieder Keimzelle für den übernächsten Moment mit anderen wird, kann ich auf große Strategien, Pläne und Konzepte zur Rettung von irgendwas verzichten. Damit gebe ich Planbarkeit und die Illusion der Machbarkeit des Lebens auf. Gerne und überzeugt übrigens. Es erleichtert.

19.08.2008 23:36 • #8


Hallo Marvin !

Ich verstehe sehr gut was du sagen willst.
Im rein biologischen und darwinistischen Sinne hast du wahrscheinlich auch vollkommen recht.

Ich denke aber auch, der Mensch braucht die Interaktion, den Austausch und die Nähe zu anderen Menschen. Die gegenseitige Ansprache und das gegenseitige Beeinflussen ist von daher nichts Negatives, sondern ein natürliches und gesundes Bedürfnis.
Ich selbst leide seit vielen Jahren an Depressionen und Einsamkeit, aber so "Glaskasten"-Real-Negativ möchte ich dennoch nicht denken. Ein Aufgeben meiner Bedürfnisse würde mir vielleicht das Leben erleichtern, aber was wäre das denn noch für ein Leben?

Die Akzeptanz der Aussage: Hier zählt doch nicht was ich möchte, sondern was ist, lässt sich auf Vieles anwenden.
Alle Missstände und alles Elend wären dann bedingungslos zu akzeptiern.
Das ist nicht meine Lebensphilosophie, und darf sie auch niemals werden.

Mir helfen diese Beiträge hier aber auch, zu begreifen, dass ich bei allen Depressionen und aller Einsamkeit immer noch ein hoffnungsvoller und positiv denkender Optimist bin, und dafür möchte ich danken.

Viele liebe Grüsse,

Helpness

20.08.2008 10:34 • #9


... "Antworterin":

Zitat
"Dazu kann ich nur sagen: Ich gebe aus meiner Sicht keine Meinung ab, sondern die von mir stark gefühlte Grundbedingung menschlicher Existenz wieder."

Das ist ein individuelles Gefühl, eine subjektive Art des Fühlens. Die Lebensumstände scheinen hier an der Erträglichkeit der menschlichen Existenz zu nagen und eine festgefahrene Denkweise blockiert jeden beliebigen, anderen Blickwinkel, was u. A. die Möglichkeit einer Konfliktlösung bereits im Ansatz vereitelt. Der einzige positive Pol des beschriebenen Scenariums liegt nicht außerhalb, sondern im Individuum selbst, in seiner Kraft das Negative zu bewältigen, also manifestiert eine Art Abwertung der Welt und gleichzeitig die eigene Selbstverherrlichung.

Ich bitte um Gnade mich aus dieser Sci-Fi-Vision auszuschließen, in der es um Menschentrauben und Ohnmacht geht, darum, sich an jemandem entwickeln zu müssen und in der verzweifelte Hände, die auf der Suche nach Nähe an den gläsernen Wänden der eigenen Eingeschlosseheit hin und her gleiten.

Vielen herzlichen Dank.

20.08.2008 10:37 • #10


Literaturempfehlung:

Alois Huxley : Schöne neue Welt

20.08.2008 12:37 • #11


Ganau das hatte ich auch schon auf den Lippen, Helpness!

20.08.2008 12:56 • #12


Danke, isis-z, das war in meiner Jugendzeit, neben Orwell und Hesse, die Pflichtliteratur.

(ach so, und zum Lesen hatte ich damals ja auch mehr Zeit, als die Anderen in meinem Alter, seufz...)

20.08.2008 13:27 • #13


Marvin Gainsborough


Ich habe übrigens den Begriff "Radikaler Konstruktivismus" noch gar nicht gebraucht!
Als ich vor ein, zwei Jahren darauf stieß, - war es für mich eigentlich klar: Ja, genau, das erklärt alles. Damit lassen sich alle bislang gemachten Erfahrungen unter einen Hut bringen.

Aber von helpness würde ich gern wissen, woran es denn liegt, dass du manchmal depressiv und einsam bist.

20.08.2008 20:23 • #14


"Der Radikale Konstruktivismus (RK) ist eine Erkenntnistheorie, eine Theorie des Wissens, die sich deutlich von anderen Konstruktivismen unterscheidet. Die Kernaussage des RK besagt, dass eine Wahrnehmung niemals ein Abbild der Realität liefert, sondern immer eine Konstruktion aus Sinnesreizen und Gedächtnisleistung eines Individuums sind. Deshalb ist Objektivität im Sinne einer Übereinstimmung von wahrgenommenen (konstruiertem) Bild und Realität unmöglich. Ausnahmslos jede Wahrnehmung ist subjektiv. Darin besteht die Radikalität des radikalen Konstruktivismus."

Das ist eine echte Steigerung der Problematik des Lebens!



Genau diesen Begriff habe ich mir zur morgendlichen Stunde verkniffen. Selig die Taub-Stummen und die Blinden, denn sie müssen nicht zweifeln, weder an sich, noch an der Welt, die nicht so ist wie sie zu sein scheint.

to be or not to be...

Da wird man schnell traurig und depressiv.... lach!

Marvin, du nimmst es sportlich - und DAS ist SYMPATHISCH!

20.08.2008 22:50 • #15


Hallo Marvin !

Die Ursachen meine Einsamkeit und meine Depressionen liegen zumindest nicht in meiner Lebensphilosophie.

Lese meinen Vorstellungsbeitrag und andere Beiträge, dann kannst du dir ein Bild von mir machen, hier alles zu wiederholen wäre zu viel verlangt und auch unnötig.

Deine Betrachtungen zur Einsamkeit haben natürlich sehr grosse Vorteile, aber sie lassen sich leider nicht auf jeden übertragen.
Ob du es glaubst oder nicht, manchmal empfinde auch ich meine Einsamkeit als etwas sehr Positives, und als Freiheit. Wenn man einen grossen Bogen um Menschen macht, und von solchen auch nicht abhängig ist, dann kann man sich sehr viel Leid ersparen.

Was du aber völlig ausklammerst, ist das Fehlen jedweder menschlichen Wärme und Nähe. Das tötet auf dauer, und damit ist deine Theorie reine Philosophie und für die Praxis völlig gegenstandslos.

Liebe Grüsse,

Helpness

20.08.2008 23:08 • #16


Hallo Marvin ! (Nachtrag)

Ich habe da auch einmal eine Frage an dich:

Was willst du mit deinen Beiträgen bezwecken?

Willst du den einsamen Menschen hier eine neue Denkweise aufzeigen, und ihnen damit helfen?

oder

Willst du den einsamen Menschen hier mit deiner Denkweise sagen, dass sie an ihrer Einsamkeit selber schuld sind, weil sie falsch Denken.

Für eine ehrliche Antwort wäre ich dir sehr dankbar!

Liebe Grüsse,

Helpness

21.08.2008 16:05 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Marvin Gainsborough
Helpness,

was soll ich denn bezwecken? Ich möchte wissen, ob es Leute gibt, die ähnlich fühlen.

Bei mir ist es so, dass ich mich jetzt einordnen kann in die Welt, ich weiß, wo ich stehe. Die Ängste sind damit aber nicht weg. Die sind eingebrannt.
Ich schütze mich also.

Trotz Erkenntnis ist natürlich die Angst da bzw. der Selbstschutz dagegen.

Will also sagen: Durch Denken kann man Leiden nicht bezwingen.
Aber ich fühle mich trotzdem sehr frei, seit ich so denken kann wie ganz oben ausgeführt.

Im übrigen bedeutet das auch, dass Leid in der Vergangenheit ja ebenfalls damals durch meine eigene Bewertung entstanden ist,
insofern fördert ein Rückbesinnen darauf nicht die Wahrheit zutage,
sondern nur meine damalige Verarbeitung.

Also ja, in der Vergangenheit habe ich so und so erlebt, aber damals wie heute konstruiere ich meine Welt selbst, insofern finde ich nichts in der Vergangenheit, was ich nicht auch jetzt finden kann.

22.08.2008 00:26 • #18


Hallo Marvin !

Ein Stückweit kann ich mich nun sogar mit deiner "Theorie" anfreunden, obwohl ich mich anfangs sehr dagegen gewehrt habe.

Auch ich überlege mir seit kurzem, bei realistischer Betrachtung, ob ich nicht einen Weg suchen soll, meine Einsamkeit (mit allen Konsequenzen) einfach zu akzeptieren, anstelle mich dagegen zu wehren.
Zufriedenheit finden in mir selbst, in irgendeiner Arbeit und in der gähnenden Leere.

PS: Hast du alles gefunden, was du über mich wissen wolltest, oder hast du noch irgendwelche Fragen?

Liebe Grüsse,

Helpness

22.08.2008 14:24 • #19


... ich wußte es doch! Hier ist ja sooo viel PLATZ

... für Gespräche über den Chef von MissErfolg!

... *freu*...

Isis

23.08.2008 21:32 • #20



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