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"Ein Stück des Weges
liegt hinter dir,
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noch vor dir.
Wenn du verweilst,
dann nur,
um dich zu stärken,
aber nicht, um aufzugeben."
Augustinus Aurelius

LG

04.10.2007 #1


47 Antworten ↓
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Cathy
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Beethoven schrieb am Do, 13 September 2007 07:54
Liebe Cathy,

nachträglich noch HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZUM GEBURTSTAG!

es ist im Moment leider zu wenig Zeit, in gebührendem Umfang auf Deine beiden Beiträge einzugehen. Beeindruckt haben mich zwei Dinge besonders: Zum Einen die Erkenntnis, dass mein depressives Verhalten zumindest in den zwei Tagen, an denen ich in der letzten Woche "krank" zuhause war, wirklich bedeutete: "Macht doch Euren Sch*** alleine". Tatsächlich habe ich das mit vorsichtigeren Worten schon in von mir gesuchten Gesprächen mit Vorgesetzten ausgesprochen. Auch habe ich den letzten Arbeitgeber verlassen, weil ich genau dieses gedacht und die Konsequenzen gezogen habe. Die Sache ist nicht so einfach, wie es aussieht, denn ich bin schon mehrfach davongelaufen, weil es mir nicht passte. Es gehört auch zum Lernprozess, zu bleiben *und* zu erkennen, wann man bleiben und wann man gehen sollte. Im Fall meines jetzigen Arbeitgebers gibt es einige Menschen mit sehr viel menschlichem Fingerspitzengefühl, denen ich sehr dankbar bin. Das macht es zu einer "schwierigen" Situation bzgl. bewusstem Bleiben und dem Gehen eigener Wege, welches ein Geschenk ist, daran zu wachsen. Es ist schön zu lesen, wie Du diese Strategie depressiven Fühlens und Verhaltens durchschaust. Ich glaube, dass ich dabei bin, dies zu durchbrechen. Diese zwei Tage zuhause waren sowohl ein falsches Verhaltensmuster, als auch ein Selbstschutz sowie das Bedürfnis mit Euch über diese Sache zu diskutieren. Danke für Deine Meinung!

Was außerdem besonders haften geblieben ist, ist dass Du noch nie Geburtstag gefeiert hast! Du kannst darüber lachen, und diese Souveränität ist erstaunlich. Du hast auch geschrieben, dass Deine Mutter Dich diesbzgl. gezielt straft, indem sie nicht gratuliert. Mir liegt auf der Zunge, zu sagen: "Sei Dir etwas wert" und feiere trotzdem, aber es kommt mir wie ein Binsenweisheit vor, die ich Dir auch nicht um die Ohren hauen will Dass auch Du älter wirst, wie die anderen Leute, kannst Du nicht verhindern. Ob Du es feierst und welchen Stellenwert es für Dich - nicht für Deine Mutter! - hat, liegt in Deinem Ermessen.

Cathy, wir brauchen den Wald, weil er Teil der Natur ist, und wir sollten ihn nicht ohne Gegenwehr abholzen lassen, findest Du nicht auch

Ganz lieben Gruß,
U.

Hallo und guten Tag Herr Beethoven,

ganz kurz zur Geburtstagsgeschichte: Mein eigener Geburtstag ist mir wirklich und tatsächlich völlig schnuppe (es sei denn ich erstelle mir Horoskope lol) - ich hab auch absolut kein Problem damit älter zu werden bzw. hadere ich nicht damit...ist eben so, jeder wird älter...ich find´s eigentlich ganz ulkig und amüsant die Nachbarsteenager mit "Ich könnte Deine Mutter sein, Du Penner" zum Stutzen und dann zum Lachen zu bringen - solange ich physisch und mental noch einigermaßen fit bin...hab schon mit 38 1/2 nach der Frage nach meinem Alter immer mit "bald 40" geantwortet.

So aber jetzt zurück zu Dir - Ich verstehe natürlich dass auch Du Dir nicht selbstverständlich und ohne irgendwelche Grübeleien "erlaubst" einfach Deinen Arbeitsplatz zu verlassen, wenn Dir was nicht paßt oder Dich nervt...sowas hab ich schon als rotziger Teenager nicht auf die Reihe bekommen - schlechtes Gewissen, Schiss vor den Konsequenzen etc...ist natürlich auch nicht das Gelbe vom Ei, wenn man nur aus reinem "Pflichtgefühl" ohne eigene "Motivation" eine Arbeit bewältigen soll/muss.

Dass auch Du das als wirklich stressig und belastend empfindest ist aber ganz "natürlich" und nichts was auf eine psychischiche/seelische Krankheit zurückzuführen ist...der Umgang damit hängt nicht nur mit Deiner Persönlichkeit oder momentanen Befindlichkeit ab, sondern ganz besonders mit den Konsequenzen, die man zu befürchten hat oder nicht.

Im Beruf ist das natürlich besonders offensichtlich aber auch im Privatleben läuft das nicht viel anders ab...Wir denken uns gerade im Umgang mit anderen ständig - aber auch uns selbst gegenüber -irgendwelche "Ausreden" aus nur um nicht einfach und klar zu sagen - wie Dein Kollege - z.B. ich mag jetzt nichts reden oder erzählen, mir ist jetzt gerade nach dröge rumsitzen und einfach nur zuhören. Ist doch klasse,so Leute hab ich super gerne um mich - aber natürlich hätte er sich dieses "Gelbe vom Ei" nicht rauspicken können, hättet ihr jetzt z.B. in einem offiziellen Meeting gesessen oder der Chef hätte mit ihm reden wollen...

Du hast aber in dem Unternehmen in dem Du arbeitest - nun mal irgendeine Art von "Bonuskarte" in der Tasche - wodurch und weshalb auch immer - die ist Dir nicht "überreicht" worden, weil Deine Vorgesetzten so liebe sensible Leute sind, oder Du son armes Krankes...sondern ganz simpel, weil da Firmeninteressen den absoluten Vorrang haben...hätten die damals versucht meine Kollegin zu feuern, wär es teurer und aufreibender für die geworden als die einfach mit "durchzuschleppen"...Meiner Borderlineschwester werden an ihrem Arbeitsplazt auch "Sonderkonditionen" eingeräumt - z.B. kann sie, wenn sie sich danach fühlt, in ein kleines Büro zurückziehen und irgendwelche PC Arbeit machen, und muss eben nicht auf biegen und brechen mit Kunden und Kollegen kommunizieren...das hat ihr der Arbeitgeber nicht aus reiner Nettigkeit eingeräumt,sondern weil sie vorher oft krankgeschrieben war -kündige mal ne alleinerziehende Mutter wegen Krankheit! Aber vor allem hat der AG ihr das ermöglicht weil sie - wenn sie stabil und motiviert ist und diese "Rückzugsmöglichkeit" hat - die beste Mitarbeiterin ist, die sich ein Unternehmen nur wünschen kann. Würde sie jetzt wieder auf die Basis zurückkehren - mir gehts nicht gut, ich hasse diesen Job, mich nervt hier alles, ich geh jetzt und lass mich krankschreiben oder sonst...würde sie gefeuert werden...die Kinder sind erwachsen, sie ist in Therapie und hat bereits gezeigt dass es auch anders geht...noch mehr kann ihr der AG nicht entgegen kommen.Das wurde klar und deutlich besprochen und von daher ist ihre erste Überlegung eben nicht mehr "geh ich oder bleib ich" ...Rühreier für Alle!

Mach Dir mal bewußt dass Dich auch Dein AG nicht nur aus reiner Nettigkeit nicht feuert bzw. Dich nicht abmahnt...die Frage ist wie "selbstverständlich" verläßt Du Dich auf diesen "Sonderbonus"? Vergiss mal für einen Moment die verständnisvollen Gespräche und fokussier mal , was der AG davon hat, wenn er Dich beschäftigt und bezahlt...und jetzt darauf was Du davon hast in diesem Unternehmen zu arbeiten: Für Dich war das letzte Woche eine "moralische" Überlegung...aber keine professionelle, Mach ich meinen Job oder Nicht - ohne professionelle Konsequenzen befürchten oder bedenken zu müssen ist purer LUXUS - ich gönn Dir den 100% - ich weiß nur nicht wie stabil und verläßlich so eine "moralische" Übereinkunft mit einem AG ist - oder wie gut Dir diese Art von "Sonderbonus" tut - denn Du denkst ja auch nicht für Dich und den AG über Alternativen nach...

Ich mag Dir keinen Druck machen - darum geht es ja gerade - Du machst Dir ja selbst Druck...indem Du professionelle Entscheidungen auf eine persönlich/moralisch vertretbare Ebene transportierst. Keine Ahnung wie und warum - dabei geht´s Dir offenbar gar nicht gut - und dann wollen wir mal nicht vergessen, dass Du auch im Privatleben nur das machst und nur mit den Leuten kommunizierst auf die DU - je nach Stimmung - Lust hast...auch das ist eine Art von Luxus...der aber auch die Gefahr birgt, dass Du außer auf Dich selbst und Deine Stimmungen - keinerlei Rücksicht nehmen mußt, auch hier keine Konsequenzen bedenken und befürchten mußt - nicht weil Dir auch privat irgendwer willentlich Sonderbonus einräumt, sondern weil Du es hier im privaten so eingerichtet hast, dass Niemand etwas derartiges überhaupt von Dir einfordern kann...was sollen Deine ehemaligen Kumpels machen, wenn Du keinen Bock auf sie hast, sie Dir zu uninteressant sind? Dich feuern können sie ja nicht - ganausowenig kann Deine Mutter Dich als Sohn feuern...

ABER: hier haben eben auch die Anderen (bis auf Deine Mutter) die "moralische" Wahl wenn es darum geht "Ruf ich jetzt an oder nicht, geh ich mit U.ein B. trinken oder nicht, will ich wissen wie´s ihm geht oder nicht"...keine Verpflichtungen, keine Verträge, keine einzufordernden Leistungen für Niemanden - theoretisch...praktisch gibt es aber für die meisten von Uns private Verpflichtungen, Sachen und Arbeiten die wir erledigen müssen, Leute, denen wir eben nicht so mir nichts dir nichts einfach vor die Rübe hauen "hör mal Du langweilst mich Heute" etc...weil es auch und gerade im im privaten Umfeld x Konsequenzen gibt, mit denen wir noch weniger umgehen wollen.

Das ist ne einfache Rechnung: Je weniger private "Verpflichtungen" wir eingehen, je weniger aktive "Beziehungsarbeit" von uns notwendig ist oder gefordert wird, je weniger Menschen mit uns rechnen, auf uns zählen, sich auf uns verlassen, je weniger müssen wir mit negativen "Konsequenzen" rechnen...

Wenn ich mich alleine zu Hause betrinke, muss ich später nicht zusehen wie ich heil nach Hause komme, in was für einem Zustand ich mich mental befinde etc - wenn ich mir Freunde zum Trinken einlade muss ich damit rechnen, dass wenigstens einer von denen auf meinem Sofa übernachtet, am nächsten Morgen Frühstück haben will, dass der mir im Suff seine ganze Lebensgeschichte 5x erzählt etc, etc, etc...und wenn mich diese Leute, dieser eine "Kumpel" im Grunde kein Stück interessiert, als Mensch (wie Dich dieser langweiler Job nicht interessiert hat) - dann wird aus nem unverbindlichen Umtrunk für mich ganz schnell ein Albtraum - gleichgültig wie toll, sensibel und aufmerksam dieser "Kumpel" mit mir umgeht - also versuch ich in meinem Privatleben soweit wie möglich nur mit Leuten zusammen zu sein, die ich gerne habe, die mich interessieren, denen halt ich dann auch gerne den Kopf wenn sie den Porzellangott anbeten, wenn sie krank oder betrunken sind...

Alles Entscheidungen die ICH treffe...genauso wie Du entscheidest, dass Du Dir eben lieber alleine zwei/drei/vier einschänkst...wenn das Teenager machen, dann haben die wirklich tiefliegende "Probleme" die meisten Erwachsenen tun das aber, weil sie entweder Alk. sind und Trinken zum Alltag gehört oder weil sie sich bewußt entscheiden, dass sie die Gegenwart von anderen nicht wollen.


Nicht falsch verstehen, ich hab nicht immerzu Leute bei mir, mit denen ich mich besaufe...das war nur ein krasses Beispiel.

Ich liege vielleicht völlig falsch...aber anscheinend fühlst Du Dich als hättest Du weder im Privatleben noch im Berufsleben irgendeine Chance das zu bekommen was Du willst...das stimmt auch...es gibt im Berufsleben für alle NUR Rühreier - Du pickst Dir eben hin und wieder einfach nur das Gelbe raus und Dir haut keiner auf die Finger - LUXUS!

Im Privatleben darauf zu warten "mit dem gelben vom Ei" gefüttert und versorgt zu werden, ist ganz bestimmt auch eine Alternative (ich überzieh das mal, ok? ;oD)...darauf zu "hoffen" oder gar darauf zu "warten", dass da Jemand auftaucht,der das Ei für Dich pellt, der weiß wann und wie Du es verspeisen möchtest und selbst glücklich und zufrieden am weißen rumknabbert, wirft bestimmt auch keine moralischen Entscheidungsfragen auf...weil es so nicht funktioniert. Ich sage nicht dass Du ein egoistischer, neurotischer Mann bist...für mich bist Du erstmal so "normal-verrückt" wie jeder...ich glaube nur, dass Du bisher noch nicht auf die Idee gekommen bist, dass Du Dich auch mal - ohne selbst furchtbar hungrig zu sein - in die Küche stellen kannst um Rühreier für Alle zu kochen - deshalb hab ich ganz am Anfang auch vorgeschlagen Deine IT Kenntnisse doch auch mal mit Leuten (z.B. als VHS Dozent) zu teilen, die Dich weder bezahlen noch Dich persönlich überfordern können...einfach so, weil zusammen denieren Spaß macht.


Bezüglich der Baumsache: Ein schottischer Freund pflegt mich
You bloody tree-huggin muppet zu nennen, wenn ich
ihm wiedermal sage, dass sein Hals bestimmt irgendwann
mal platzen wird lol...

14.09.2007 15:04 • #32


Zum Beitrag im Thema ↓

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Plötzlich ist alles anders - was tun?

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Cathy
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Hey Beethoven, ich nun auch noch

Zum Thema Intelligenz: Jedes 2 jährige Kind könnte locker Jeden von uns hier in die Tasche stecken, und nu?!

Zu dem Thema Mutter: Kann es vielleicht sein, dass Du ganz simpel und einfach - wie viele andere - gut mit Deiner Mutter und Deinem Stiefvater zurecht kommst, und deswegen genauso simpel und einfach nur gar keine Lust hast auf die Annehmlichkeiten zu verzichten, die Dir die räumliche Nähe bietet?

Ob Du das bist, oder ob Olympia das ist, ihr seid Beide erwachsene Leute die mehr oder minder nahe bei ihren Eltern wohnen...nicht MIT ihren Eltern! Soll heißen: Guckt mal genau hin und findet mal raus, wer die "Regeln" in dieser Kostellation festlegt! Das seid Ihr! Eure Mütter mischen sich nicht ungefragt in Eure Angelegenheiten, stellen keine Forderungen an Euch, wollen nicht von Euch versorgt und betuttelt werden, sind nicht beleidigt wenn ihr Euch mal einen Tag nicht meldet etc, etc, etc...aber wenn´s notwendig ist dann sind die beiden Ladies auch je nach ihren Möglichen weiterhin vollzeit Mutties...keine Ahnung wie ihr das hinbekommen habt, ich glaub auch nicht, dass sich Eure Mütter mal so ihr Alter, ihren Ruhestand gedacht/gewünscht haben, noch behaupte ich, dass ihnen das nicht gefällt...ich lese aber aus Euren Kommentaren heraus, dass ihr Beide schon sehr genaue Vorstellungen gerade bezüglich Eurer Mütter habt(die hat das und das gesagt, getan, nicht getan und deshalb ... - jetzt sagt und macht sie das und das und ich bin immer noch so...)ich sag nicht das "man" das nicht darf, dass das "falsch" ist, oder sonstwas - oder gar dass der Einfluss der Eltern auf die eigene Persönlichkeitgering ist...ich kann nur nirgends lesen, was ihr für genauso konkrete Vorstellungen bezüglich Euch als erwachsene Kinder habt bzw. irgendwann mal hattet!

Ich mag das überhaupt nicht verurteilen, ich wundere mich nur mit was für einer Selbstverständlichkeit ihr von Euren Eltern erwartet, dass die diese Rolle immer weiter ausfüllen...und da selbst nicht irgendwann raus wollen bzw. einfach nur mal hin und wieder einfach "Leute" sein wollen ...meine Mom ist ein extremes Gegenbeispiel, der fällt nur ein dass sie Mutter ist, wenn SIE irgendwas will/braucht...vielleicht frag ich deshalb so naiv in die Runde...ich finde es unterträglich wenn ich - je nach ihrer Laune,ihren Bedürfnissen, ihren Sorgen, ihren Wünschen - meine Tochterrolle ausfüllen soll...es geht gar nicht um die eigentlichen Aufgaben und Tätigkeiten, auch nicht darum dass ich mir ne Mammi wünsche, die mich betuttelt - sondern um dieses offenbar selbstverständliche Ausblenden all der anderen Aspekte die mich und mein Leben ausmachen...während sie ihre Position/Rolle je nach Situation neu definiert und anpaßt hab ich - genau wie meine Schwestern - immer die gleiche Tochterrolle auszufüllen...und sie führt Regie.

Ich sag nicht, dass ihr wie meine Mutter drauf seid - ich hab nicht mal eigene Kinder um das beurteilen zu können - aber ich frag mich ernsthaft ob sich Eure Mütter/Eltern wie vor 20 Jahren immer noch dauernd fragen, was aus Euch wird, wenn sie mal nicht mehr da sind...oder wenn sie wegen Krankheit, Alter, Unfall etc nicht mehr können...eben so Gedanken und Sorgen, die sich fast alle Eltern machen, wenn ihre Kinder noch sehr jung und abhängig sind...und könnt ihr Euch , da ihr bis jetzt ja offensichtlich gut mit Euren Mütter "klar kommt" vorstellen, eines Tages mal für sie zu sorgen? Sagt jetzt bitte nicht leichtfertig Ja natürlich, oder Nein auf keinen Fall...mir geht es nicht darum rauszufinden ob ihr moralisch gute Kinder seid...sondern ob ihr Euch jetzt, heute überhaupt vorstellen könnt, Eure ganz persönliche - langjährige - festgelegte - Position in dieser Beziehung aufzulösen und den Umständen anzupassen?

Die Bereitschaft dazu find ich auch in allen anderen Arten von Beziehungen wichtig und notwendig - nicht nur Umstände ändern sich sondern Menschen entwickeln sich auch und verändern ihre Position...

Dich frustriert es wenn Dein Kollege von dem Du "abhängig" bist nicht da ist damit Du an dem Projekt weiter arbeiten kannst, dass DICH ineressiert...kann ich verstehen, sowas nervt wohl jeden - ich hab mal bei ner Behörde ne Kollegin gehabt die war mindestens 5 Monate im Jahr krank/im Urlaub/auf Kur/auf Hochzeiten/Beerdigungen etc...die Arbeit wurde aber trotzdem für 2 eingeteilt...also konnte ich nie an spaßigen, interessanten Sonderprojekten oder Fortbildungsreisen o.ä. teilnehmen...das hat mich echt genervt...aber dann war da noch was ganz anderes menschliches, das mich bis Heute immer wieder auf den Teppich holt...ich hab sie irgendwann mal gefragt, warum sie sich nicht vielleicht für ne halbe Stelle bewirbt...ihre Antwort: Warum denn? Dann fragte ich ob sie nicht fürchtet irgendwann rausgeschmissen oder versetzt zu werden...ach Quatsch, die haben mir ja noch nicht mal ne Abmahnung oder irgendson Blödsinn erteilt" die Frau war krankgeschrieben und kam trotzdem zu Weihnachts und Betriebsfeiern lol...und das stimmt ehrlich.

Sie fand die Arbeit langweilig hat sie dementsprechend auch nicht gerade motiviert und ordentlich gemacht, war für das Team eigentlich die ganzen Jahre über nicht "einplanbar", hatte auch kein Problem mitten drin einfach zu gehen weil´s ihr nicht gut war um dann am nächsten Morgen verkatert wieder aufzutauchen etc...aber das ist nicht der Punkt...

Der Punkt ist: ihr persönlich hat das überhaupt nichts ausgemacht, was irgendwer über sie dachte, sagte oder wen sie hängen läßt, ihrer Meinung nach hätten das ja alle anderen auch so machen können, tun sie nicht, selbst Schuld. Sie hat ja keine Konsequenzen befürchten müssen, die ihr wirklich nahe gegangen wären...und das hat sie wenigstens mir gegenüber auch ganz offen so gesagt und gelebt...nicht toll aber absolut erwachsen und konsequent

Sie hat nur und einzig darauf geachtet, was für sie am vorteilhaftesten ist - ihr war völlig klar sie hat für sich das allermeiste aus dem bestehenden System rausgeholt - wegen Krankheit konnten sie sie nicht feuern und ihren Urlaub haben sie ihr ja genehmigt etc...man konnte sie ja nicht mal was fragen oder zu Überstunden verdonnern, selbst wenn sie da war...sie war ja nie auf dem Laufenden...sie hat ganz bewußt immer dafür gesorgt, dass sie weder einteilbar noch verantwortlich für irgendwas gemacht werden konnte...

Warum ich dir das erzähle? Weil ich finde und glaube Du hast Dich in dieser Arbeitsituation in der DU die Wahl hattest, bleib ich und mach den langweiligen Kram oder geh ich, wie ein Teenager gefühlt und benommen hast, und nicht wie ein erwachsener Mann, nicht wie diese Kollegin...nicht weil Du gegangen bist und es somit ganz locker Jemand anderem überlassen hast den langweiligen Kram zu erledigen, sondern wegen der Begründung, die Du Dir selbst für Dein Gehen zurecht gelegt hast - für Dich selbst. Denn hier geht es ja nur um Dich, was Du Deinem Arbeitgeber aufgetischst ist eine Sache...aber dass Du Dir selbst nicht simpel und einfach eingestehst: Ich hatte keinen Bock auf diesen Mist, ist mir doch egal wer das jetzt fertig macht, wegen Krankheit können sie mich nicht feuern, ergo mach ich mich vom Acker - das find ich bedenklich...

Ich glaub Dir ohne Weiteres dass es Dir nicht gut ging und dass es Dir super schwer fiel Dich auf diesen langweiler Job zu konzentrieren...aber: Wenn der Kollege dagewesen wäre, dann wärst Du sehr wohl geblieben und hättest weiter an Eurem, für DICH interessanten Projekt gearbeitet, richtig?

Wie ein Teenager, der Schule schwänzt, weil er keinen Bock hat, den ganzen Tag am PC rumspielt, sich aber dann tatsächlich fürchterlich krank und ungerecht behandelt fühlt, wenn Vatern ihm Abends vorwirft ein fauler Sack und Simulant zu sein - aber auch immer im Hinterkopf hat "der muss mir ja trotzdem ne Entschuldigung schreiben, wenn er nicht will, dass ich deswegen einen Verweis bekomme"...kennen wir Alle - würden wir Heute auch immer noch alle gerne hin und wieder durchziehen...können sich die meisten von uns aber nicht leisten ...Du bist kein Teenager mehr, und kannst es Dir offenbar auch leisten, ohne Kündigung befürchten zu müssen, von Deinem Arbeitsplatz zu verschwinden, wenn Du keinen Bock hast - das ist nur ein´Fakt keine Beurteilung - also brauchst Du für Dich persönlich keine Ausrede oder Krankheit oder Depression zu entwickeln...das brauchst Du für Deinen Arbeitgeber und den Arzt...Du mußt auch Deiner Mutter oder Deinem Vater keine glaubwürdige Begründung mehr abliefern...es sei denn Du möchtest von denen umsorgt oder wenigstens mit TLC bedacht werden...aber ich glaube, die würdest Du auch bekommen ohne "krank" zu sein...

vielleicht macht Dich das so kirre im Kopf...ich weiß es nicht...rein theoretisch bist Du ein 30+ Mann und hast ziemlich klare Vorstellungen von dem wie Deine Familie, Deine Freunde, Deine Bekannten, Kollegen und Vorgesetzten sein sollten/sind oder nicht sind, was Du Dir von ihnen wünschst etc - und das ist ok aber auch frustrierend und deprimierend sein kann, wenn die aber ganz anders ticken oder sich verändert haben, sich entwickelt haben...ich weiß nur nicht ob Du Deine Rolle in den verschiedenen Bereichen und Beziehungen genauso deutlich vor Augen hast...ob Du für Dich in Dir eine Weiterentwicklung seit Deiner Teenagerzeit spürst...ob und inwiefern Du auch bereit bist Dich selbst und die, die Dich umgeben aus ihren "Rollen" zu entlassen oder deren Veränderung als Anpassung an das Jetzt und Hier zu akzeptieren...Deine Mutter ist nicht mehr die Frau, die nach dem frühen Tod ihres Mannes alles versucht damit ihr Sohn ohne den gestrengen Vater eben nicht einfach alles hinschmeißt - sie ist jetzt mindestens eine 60 jährige Frau, die für sich und ihren Partner ihr eigenes Leben zu gestalten versucht...ich will nicht sagen, dass Du da drin keine Rolle mehr spielst...aber eben eine ganz andere als früher und ganz bestimmt eine andere als wie die, die sie sich für Dich und sich selbst irgendwann mal vorgestellt hat - vielleicht ist es auch für Dich mal ganz interessant Dich zu erinnern wie Du Dir Dich und Deine Beziehungen etc mit 20 vorgestellt hast...

10.09.2007 19:13 • #26


Zum Beitrag im Thema ↓


G
Hallo Beethoven,

tut mir Leid, dass du dich nicht gut fühlst.

Natürlich kann ich nicht unterscheiden, ob du "krank" depressiv bist oder ob dieses depressive Gefühl nicht ein gutes, gesundes Zeichen ist, dass du derzeit etwas Grundlegendes falsch machst.

Ich hatte mal eine neue Arbeitsstelle, bei der ich nie das Gefühl los wurde, dass ich damit eigentlich die Menschen betrüge würde (obwohl viele andere Kollegen das nicht fanden und gut dabei verdienten) und nach 1 Monat bekam ich jeden Morgen Magenschmerzen. Das habe ich dann als endgültiges Zeichen genommen, dass ich mit dieser Arbeit aufhören musste. Hab dann gekündigt, obwohl ich keine neue Arbeit in Aussicht hatte und erstmal arbeitslos wurde und mir eine neue Arbeit suchen musste.
(Es stellte sich später als sehr weise heraus, dass ich dort gekündigt habe.) Meine Krankheitssymptome haben sich also als wertvolle Hinweise meines Unter- oder Überbewusstseins herausgestellt, dass ich da am falschen Platz bin, die ich vorher aus rationalen Gründen nicht wahrhaben wollte.

Das könnte bei dir auch der Fall sein, falls du z.B. tatsächlich eine künstlerische Laufbahn oder zumindest eine, die mit Musik zu tun hast, einschlagen musst, um nicht deine Persönlichkeit zu missachten. Das kannst aber nur du selbst entscheiden, Beethoven.

Warum nennst du dich eigentlich "Beethoven"?

Was sich zwischen dir und deinen Eltern abspielt, hast du nur angedeutet. Wohnst du denn noch bei deinen Eltern? Soweit ich das bisher verstanden habe, bist du schon jenseits der 30? Welchen Einfluss haben deine Eltern auf dein Leben?

Gruß,
GastB

#2


L
Huhu... ach maaan, das liest sich ja gar nicht schön.

Mmmmhhh,gut hier meine Antworten und Gedanken zu deinen Fragen...

Hat es was mit deinen Eltern zu tun:eventuell, du hast geschrieben das dir der Kontakt eigentlich zu intensiv ist und nu wo sie wieder zurück sind aus dem Urlaub musst du dich tatsächlich damit auseinander setzen..wie den Kontakt etwas reduzieren ohne ihnen weh zu tun, wie das verständlich machen ohne schlechtes Gewissen zu haben denn deine Mama war immer für dich da....weisst du wie ichs meine?

Das mit den Kollegen solltest du dir nicht so zu Herzen nehmen denn du sagst selber du schaust auch nicht freundlich ...vielleicht muss nur einer von euch mal den ersten Schritt machen...

Alte Muster oder rechtzeitige Notbremse? Besser nicht überbewerten? Oder Warnsignal? : ich würde sagen erstmal nicht überbewerten. Es zunächst mal als Durchschnaufen bezeichnen...du hast in den letzten Wochen soviel angepackt ..nach einer langen Zeit in der du nicht fähig dazu gewesen bist...jetzt kommt vielleicht einfach mal das durchschnaufen wegem dem was du da so angepackt hast in den letzten Wochen...meine Therapeutin meinte gestern zu mir das so Menschen wie wir sehr schnell wenn so ein "Rückschlag" kommt sofort all unsere Gedanken darauf fokussieren, es in uns schlimmer machen wie es tatsächlich ist .."aus einer Mücke einen Elefanten machen", es ist nicht wirklich das alte Muster sondern nur deine Sorge aufgrund ein paar schlechter tage wo alles "schief gelaufen" ist in sämtlichen Bereichen das du wieder in dem alten Muster drin bist...so seh ich das jetzt gerade zumindest ..

warum soll sich da ausgerechnet jetzt jemand bemühen?: genau, warum? Zeig ihnen erstmal das es dir Ernst war mit deinen Entschuldigungen...bleib dran an deinen Freunden denn nur mit der Entschuldigung ist es nicht getan, beweis ihnen wie Ernst es dir ist!

Warum lasst ihr mich alleine?: Weisst du was mein bester freund immer zu mir sagt: Selina, nur sprechenden Menschen kann geholfen werden! Ich hasse diesen Satz, aber es ist so...also such dir einen deiner Freunde heraus und sag ihm wie du dich fühlst, rede mit ihm und lass ihn Teil haben wie es dir geht!

Habe ich ein Recht darauf? : .....tzzzzz, allein schon diese Frage! JA du hast ein Recht darauf das du getröstet werden möchtest und auch ein Recht darauf das man dich tröstet!
Aber du musst den Menschen auch die Chance geben das sie dich trösten können!

Wieder passiv sein und damit genau den falschen Weg einschlagen?: Nein, nicht passiv sein, aber dir einfach mal einen oder zwei schlechte Tage mit dieser Laune zugestehen...einfach mal registrieren was du alles geschafft hast in der letzen Zeit, das reflektieren....auch die Gespräche hier wühlen manchmal auf ohne das man es im ersten Moment begreift, verstehst du wie ich das meine.....hast du vielleicht die Möglichkeit dir ein zwei Tage frei zu nehmen und dich bisserl zu erholen und Kraft zu tanken....nicht mit dem Gedanken das die Depression wieder da ist sondern einfach mit dem Gedanken das du in der letzen Zeit sehr hart gearbeitet hast und das an allen Fronten in deinem Leben und zu jeder Tages und Nachtzeit!
Mach dir das mal klar, Herr Nachbar

#3


G
Beethoven schrieb am Di, 04 September 2007 13:54

Respekt, dass Du ohne Alternative aus dem Bauch heraus gekündigt hast. Ist es also gutgegangen? Hast Du schnell etwas neues gefunden oder konntest die Zeit finanziell problemlos überbrücken?

Ich hatte noch Anspruch auf Arbeitslosengeld. Allerdings frage ich mich, ob ich damals eine Sperre wg. Eigenkündigung bekam, oder wie das eigentlich ging. Das weiß ich nicht mehr genau.
Zitat:

"Über-" statt "Unterbewusstsein" finde ich sehr gut! Das muss einem erst mal auffallen dieses "unter" in "Unterbewusstsein" als "ab"wertend zu verstehen - gefällt mir!

Ja, ich finde auch, dass das Wort "Unterbewusstsein" zu leicht zu einer Abwertung führt. Dabei handelt es sich oftmals um die eigentliche Weisheit, über die man verfügt.

Zitat:
Kannst Du genauer erklären, warum die Entscheidung weise war? Weil es Dir dadurch wieder besser ging oder ging die Firma vielleicht pleite?

Beides, und sogar noch schlimmer. Ich möchte das aber hier nicht schreiben. Jedenfalls war ich sehr bald meinem Magen für seine Signale sehr dankbar. Und habe nie wieder Magenschmerzen gehabt.

Zitat:
Die höchsten Leistungen, die gleichzeitig am wenigstens anstrengend sind, kann man bringen, wenn man in der Lage ist, es aus dem Bauch heraus laufen zu lassen, glaube ich. Glücklich, wer das ab und zu erreichen kann - ist es das, was man heute "Flow" nennt?

Ich glaub schon, wenn du den "Bauch" nicht unbedingt wörtlich nehmen willst. Wobei, neuerdings hat man angeblich entdeckt, dass das höhere Bewusstsein tatsächlich etwas mit dem Solarplexus zu tun habe. Etwas wird schon dran sein, sonst würden nicht manche "Schulen" den Solarplexus bzw. das mittlere Chakra für so wichtig halten.
Zitat:
Ok, natürlich drückt es bewusst aus, wie extrem wichtig mir Musik ist.

Ach so. Also keine besondere Identifikation mit Beethoven.

Zitat:
Mir ist der Kontakt eigentlich zu intensiv.

Da stimme ich Linchen zu, dass deine Dankbarkeit deiner Mutter gegenüber dich wohl in eine Zwangslage bringt. Du bekommst vermutlich ein Schuldgefühl, wenn du dich mehr abgrenzt, ja?

Aber ich denke, das ist sehr wichtig für dich, dass du dich ohne Schuldgefühl abgrenzen kannst. Andernfalls ist das eine Falle, und wird auch jede Beziehung zu einer Partnerin belasten. Kaum etwas fürchten Frauen - m,E. mit Recht - mehr als eine zu enge Mutter-Sohn-Bindung.

Erfolg ist unwichtiger als Glück. Erfolg als solcher macht nicht glücklich - das sieht man ja u.a. an den vielen unglücklichen sogar sehr erfolgreichen Künstlern oder sonstigen Prominenten. Er macht nur dann glücklich, wenn er mit den innersten Anliegen der Person zusammenhängt. Und auch das auf Dauer nur dann, wenn auch zwischenmenschlich einigermaßen alles okay ist, idealerweise, wenn man eine glückliche Liebesbeziehung hat. (Hast du dich eigentlich auch schon mal für Jungs interessiert?)

Zitat:
Naja, und die Erziehung war relativ streng, in der Form, dass ich eher überbehütet war: durfte oft Dinge nicht, die andere durften und das war oft ziemlich peinlich. War auch jünger als die Mitschüler, weil ich mit fünf schon eingeschult wurde. In der Erziehung hat es keine Rolle gespielt, das Selbstvertrauen zu stärken, sondern nur, dass Dinge geregelt werden und funktionieren mussten: ...

*seufz* Und wieder eine Parallele. So eine Erziehung macht depressiv. Wenn jeder eigene Impuls erstmal gebremst und zensiert wird, und wenn direkte, einfache Herzlichkeit zum Kind nicht vorhanden ist oder untergeht, und das Kind daher auch keine direkte, einfache Herzlichkeit ausdrücken und ausleben kann, wie soll einen das nicht runterdrücken? Davon muss man sich erstmal erholen und umlernen.

Lg
GastB

#4


G
Kaum etwas fürchten Frauen - m,E. mit Recht - mehr als eine zu enge Mutter-Sohn-Bindung. Das gibt immer Loylitätsprobleme des Mannes und viele Konflikte in der Ehe und viel Unglücklichsein der Frau.

GastB

#5


G
Und vielleicht hilft dir der Film von Woody Allen weiter:



"Regisseur kämpft um Selbstverwirklichung."

:-)

GastB

#6


G
Hallo! WOW!

Kann "ein normaler Mensch" diese Perfektion noch übertreffen?
Leider habe ich "nie" Zeit, lange Texte zu schreiben! Lesen aber gern!

Alles was Dein Herz mag, dafür wirst DU kämpfen mit Kopf und allem was DU hast.
Aber ist Dein Herz voll von Misstrauen und Egoismus, dann findet Dein Herz keinen Frieden.

Glück, Freude - das ist keine Sache des Verstandes - sondern des Herzens.

Liebe Grüße!

#7


G
Hallo Beethoven,

ich bin bis nach unten gekommen und kann wieder nur sagen, dass ich dich voll und ganz verstehe und ich kaum glauben kann, wie ähnlich wir uns in unserer Entwicklung sind. Ich hatte im Zeugnis auch immer die besten Noten und den Vermerk: "G. ist zu still." Auch ich bin einfach verstummt, weil es mir unangenehm war, mich auf alle Lehrerfragen als erste und oft einzige zu melden. Sowas macht unbeliebt und einsam, das habe ich gleich selber gesehen, also habe ich mich zurückgenommen und vom Unterricht abgeschaltet. Oft war es dann sogar so, wenn der Lehrer plötzlich einen neuen Stoff brachte, bekam ich das zuerst gar nicht mit und hatte für eine kurze Zeit einen Rückstand (wie? was? wovon reden die jetzt?) gegenüber der Klasse. Wenn ich wieder auf den Zug aufgesprungen war, habe ich es schnell begriffen - und wieder nahm ich mich zurück, damit die anderen nicht ständig das Nachsehen hatten.

Die Reaktion des obigen "Gastes" ist normal: Abschreckung vor so viel Perfektion. Das ist eben leider der Preis der überdurchschnittlichen Intelligenz. Die anderen fühlen sich davon überfordert, was man ihnen ja gar nicht verdenken kann. Ich fühle mich von deinen Ausführungen magisch angezogen, weil sie 1:1 meine eigenen Erfahrungen wiedergeben. Auch ich habe u.a. ein sehr abstrakt-mathematisches Fach mit einer schriftlichen Eins abgeschlossen, einfach weil mir das Lösen der Aufgaben einen Kick gab, als Spiel. Nie hatte ich vor, das dann beruflich zu machen, die Zukunft habe ich da vollkommen ausgeblendet. Eigentlich ein Irrsinn. Aber das kommt davon, wenn einem als Kind die Wahrnehmung der eigenen Antriebe, Bedürfnisse abhanden gekommen ist und man sich nur noch partielle Bedürfnisse erfüllt und sie nicht in ein echtes, eigenes Ziel integrieren kann.

Deine Erfahrungen sind m.E. typisch für unentdeckte und ungeförderte Hochbegabung, wenn sie mit strenger, freudloser, selbstabwertender Erziehung einhergeht. Ich denke, das solltest du erstmal anerkennen und akzeptieren.

Und ich denke auch, dass "andere" (Freunde, Bekannte, Verwandte) dir nicht helfen können, weil es zum einen sowieso nur selten möglich ist, dass einem andere helfen können, erst recht nicht in einer Depression, und zum anderen, weil sie oftmals deine Gedankengänge gar nicht nachvollziehen können. Wer z.B. keine Freude an akribischer Lösungssuche abstrakter Probleme hat, der/die findet das nur einfach bescheuert. Das kann und darf aber für dich kein Maßstab sein.

Hast du dich denn schon mal mit anderen Hochbegabten in Verbindung gesetzt? Z.B. hier ?
Ich denke, es wäre ganz heilsam, auch mit hochbegabten Jugendlichen zu tun zu haben. Und im Privatleben auch mit hochbegabten Erwachsenen.

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Trotzdem, ein Punkt, den Gast oben angesprochen hat, kann auch zum Problem beitragen: Vielleicht hast du, vielleicht haben wir uns deswegen so sehr auf abstrakte Probleme verlegt, weil diese objektiv und nachprüfbar sind und uns da niemand (v.a. die Eltern nicht) ins Unrecht setzen konnte? An allem anderen konnten die Erwachsenen dich "verlieren" lassen, etwas anders interpretieren, eine andere Auffassung haben - aber bei mathematischen Dingen geht das nicht.

Bei Fremdsprachen ist es ähnlich. Da müssen die Vokabeln und die Grammatik stimmen, und die kann man nachschauen und beweisen.

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Zur Mutterbeziehung:

Das ist sicherlich nicht einfach, wenn deine Mutter sich eigentlich gar nichts zuschulden kommen lässt. Dass sie dir möglichst viel Gutes tun möchte, ist ihr ja nicht zu verdenken, das ist ja eigentlich ein positiver Zug. Es wäre doch schlimm, wenn du ihr völlig schnuppe wärst. Du bist ja wohl ihr einziger Sohn? (Habe vergessen: hast du Geschwister?)

Ich meine, du musst da nichts "tun", außer, wenn du z.B. irgendetwas nicht willst, dass du lernst, ihr das in möglichst netten, aber bestimmten Worten mitzuteilen, konsequent zu sein und ihre möglicherweise dann doch entstehende Enttäuschung auszuhalten.

Dass andere von einem Nein häufig enttäuscht sind, ist normal, das muss man aushalten können. Und wenn deine Mutter darin ehrlich ist, dass sie dir nicht auf den Keks gehen will, dann wird sie ihre Enttäuschungsäußerungen in Grenzen halten.

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Zur Berufswahl:

Jetzt habe ich doch schwer den Eindruck, dass du von dieser Art von Arbeitsstelle sehr bald weg musst. (Auch ich habe nach wenigen Jahren Berufstätigkeit das erlernte Feld verlassen.) Aber du hast so viele Fähigkeiten (z.B. Schreiben, Erklären, Denken, Programmieren, Klavierspielen), dass es für dich nicht allzu schwer sein sollte, eine für dich passende Tätigkeit zu erfinden. Und diese vermutlich besser auf selbstständiger Basis zu machen. Wie wäre es mit Journalist für den "PC"-Bereich? Lehrer für bestimmte Zielgruppen? Musikalischer Kabarettist? Usw. usw. Deswegen habe ich dich auf Tom Lehrer hingewiesen.

Ach so, Woody Allen - ich habe den Film gestern nebenbei gesehen, weiß nicht, ob er dir sehr viel weiterhelfen würde, aber darin geht es jedenfalls um die berufliche Sinnkrise des Regisseurs. Schaden würde der Film dir sicher nicht.

Wie würde denn deine Mutter auf die Aufgabe deines Jobs/Berufs und eine Neuorientierung, die vielleicht nicht so lukrativ wäre, reagieren?

Gruß,
GastB

#8


N
mal ein denkanstoss : die evolution sagt, intelligenz sei die fähigkeit, richtig zu entscheiden. ( schwimmt man nicht rechtzeitig weg, wird man gefressen etc. )
vielleicht hilft ja wikipedia weiter ?

demnach gibt es knapp 2 millionen bundesbürger mit einem iq oberhalb von 130. diesen iq von 130 bis 150 teilt ihr hier mit dutzenden,das ist nix besonderes, bemüht einfach mal die suchfunktion. zumindest schätzen sich eine vielzahl von mitschreibern so ein; bisher habe ich noch von niemandem hier gelesen, dass er/sie sich was den intellekt anbelangt, für unterdurchnittlich hält

#9


N
Beethoven schrieb am Mi, 05 September 2007 17:54

Ich hätte nicht antworten sollen,
U.


wie war das oben ? intelligenz als fähigkeit, richtig zu entscheiden ?

was mich wundert, ist die tatsache, dass so viele der hier postenden ihre besonderheit an einer bestimmten zahl aufhängen, gastb hat dem einen oder der anderen auch schon geantwortet.
wenn denn tatsächlich 30% der bevölkerung psychische probleme im laufe ihres lebens entwickeln, dann betrifft das ungefähr 600000 hochbegabte - nichts in deiner geschichte hat ein alleinstellungsmerkmal.

die letzten beiden absätze erschliessen sich mir nicht ganz : soll ich in erwägung ziehen....problematik.....dass du dich für intelligent hältst? oder dass du intelligent bist ?
wenn du - was ich denke - das letztere meinst, wirst du ausreichend ebenbürtige in diesem forum finden, die ähnlich leiden wie du.

#10


G
Beethoven schrieb am Mi, 05 September 2007 17:54
Ich hätte nicht antworten sollen,
U.

Was ist das denn für eine Koketterie, Beethoven?

Du hättest es ja noch löschen können, wenn du wirklich gewollt hättest.

Willst du nicht zu dem stehen, was du schreibst?

Gruß,
GastB

#11


G
Ansonsten - fear, deine Attacke zeigt genau das Dilemma der Menschen, die intelligenter sind als ihre Umgebung und dies nicht unter den Scheffel stellen: Sie ernten automatisch Aggressionen.

Ich bin z.B. davon überzeugt, dass die immer wiederkehrenden Judenverfolgungen im Grunde auf dieses Problem zurückzuführen sind: Sie wurden ihrer Umgebung immer wieder zu überlegen und zogen so den Hass und die Abwehr der "Normalos" auf sich. Die Juden sind nun mal ein sehr intelligentes Volk und stiegen in jedem Gastland immer sehr schnell zu hohen Ehren (z.B. Leibarzt oder Berater des Fürsten) und/oder Reichtum auf.

Genau so geht es jedem, der/die es wagt zu sagen, er/sie fühle sich intelligenter als seine Umgebung - selbst wenn er/sie es nur deswegen sagt, weil er/sie darunter leidet.

Dass viele sich hier für besonders intelligent halten, kann mehrere Ursachen haben:

- eben dadurch, dass sie es tatsächlich sind, ihre Intelligenz nicht zu ihrer Umgebung gepasst hat und sie ihre Persönlichkeit unterdrücken mussten und dadurch eine depressive Grundstimmung entwickelten und hier landen - das ist ja kein seltener Fall

- es gibt ja viele Grade von Intelligenz oberhalb des Durchschnitts von 100. Dann ist aber trotzdem noch jemand mit z.B. 140 deutlich intelligenter als jemand mit 120, der an sich schon sehr intelligent ist. Der mit 140 ist eine arme Sau, wenn er/sie nicht gleichzeitig eine sehr selbstsichere Persönlichkeit und Vertrauen in seine Umgebung ausbilden konnte.

Gruß
GastB
-

#12


G
Hallo Beethoven, danke für deine Zwischeninfo.

Beethoven schrieb am Mi, 05 September 2007 20:25
Um jetzt mal doch bei den Zahlen zu bleiben :d ... Ich glaube es ist so: Der 120er reagiert auf den 140er wesentlich aggressiver als der 100er, denn der 100er hat ein ganz gutes Gefühl für seine 100, der 140er kennt seine 140 oder kann sie ziemlich gut einschätzen, aber der 120 hat keine Ahnung und hält sich für besonders. Kommt dann jemand dahergeschrieben, der die Klappe aufmacht, denkt er: Hey, ich weiß genau, dass ich auch nicht blöd bin, aber häng ichs an die große Glocke? Weiter denkt er leider nicht.

Ich befürchte, du hast damit Recht. :-/
(Du wirst hier demnächst noch erschlagen werden - und ich vermutlich mit. *fürcht* Der Thread nimmt meine Texte schon gar nicht mehr an, ich muss mehrere Anläufe nehmen. )

Trotzdem möchte ich sagen: Ich finde deine Schreibe sehr attraktiv. Du kannst sowohl gefühlvoll als auch scharfzüngig denken und schreiben und verblüffend Zusammenhänge und Details wahrnehmen und ausdrücken. Schriftsteller wäre wirklich etwas für dich, denke ich. Willst du nicht mal eine Liste möglicher Themenkreise erstellen? Einfach "aus dem Bauch heraus", ohne zu zensieren, ob du das rational momentan für realisierbar oder interessant hältst oder nicht. Da könnten auch Kinder- oder Jugendbücher dabei sein, politische, gesellschaftskritische, satirische Bücher, fiktive Lebensläufe und und und ... mein Rat ist: Setz dich mal vor einen Ringhefter oder, falls es funktioniert, vor deinen PC oder geh mit deinem sicherlich vorhandenen Laptop an einen schönen Platz - bei warmem Wetter z.B. in einem Park, jetzt vielleicht in ein schönes Café o.ä. - und schreib drauflos. Erstmal eben eine mögliche Themenliste, egal wie lang und "unausführbar" die wird. Mach nicht dasselbe mit dir, was deine Eltern, deine Mutter mit dir gemacht haben: Dich ständig zensieren und niemals "gewinnen" lassen, also niemals einfach das in Ordnung sein lassen, was einfach unkritisch aus deinem Inneren aufsteigt und dir herz-lich gefällt.

Übrigens würde ich mich an deiner Stelle nicht darauf fixieren, einen einzigen alternativen Beruf haben zu müssen. Es gibt vielseitig begabte Menschen, die eine ganze Palette an Tätigkeiten erfolgreich und professionell ausüben. Bei manchen liegen sie alle im künstlerischen Bereich (z.B. malen, singen, schauspieleren usw.), andere machen einen bürgerlichen Beruf und parallel einen künstlerischen. Du könntest übrigens doch sicher deine Programmierkünste freiberuflich verkaufen, ohne dafür deine ganze Arbeitszeit zu opfern, und dich daneben deinen künstlerischen Interessen widmen. Vielleicht zusätzlich noch irgendwelchen sozialen Interessen, wie z.B. Vorträge oder Kurse in einer Schule. Lehraufträge an Unis und Fachhochschulen werden zwar extrem schlecht bezahlt (praktisch gar nicht), aber sie geben den Lehrenden oft eine enorme emotionale Befriedigung, weil die erfolgreiche Vermittlung eigenen Wissens an wissensdurstige Andere sehr befriedigend sein kann. Abgesehen von dem Zuwachs an Renommée, wenn man das noch in seine Vita reinschreiben kann.

Also, Kopf hoch, Beethoven, du hast viel in dir und daher noch viel vor dir!

Ich denke zudem, wenn du erstmal aus deinem Korsett rauskommst, dann wird das mit den Frauen sowieso sehr viel leichter für dich. Momentan bist du anscheinend nur zu einem Bruchteil du selber und hast eine Wut auf die Menschheit, die dich - vermeintlich - nicht du selber sein lässt. Das ist natürlich keine gute Voraussetzung für die Liebe. Dafür sollte man einigermaßen im Einklang mit sich selber sein.

Lg
GastB

#13


G
Beethoven schrieb am Mi, 05 September 2007 20:03
Wirf mir eine Nuss auf die hohle Birne!

U.


Schon wieder! (

Hör auf, dich kleiner zu machen,Beethoven. Entweder du bist groß oder klein, aber es bringt nur Verwirrung und Ärger, Unterwürfigkeits-Botschaften und Größen-Botschaften im Wechsel zu bringen. Es kann ja wohl nicht sein, dass du eine hohle Birne hast, wenn du fast zeitgleich von deiner hohen Intelligenz schreibst.

Ist das vielleicht auch deine Taktik gegenüber deiner Mutter?

Gruß,
GastB

#14


G
Hallo Beethoven,

bin gerade darüber gestolpert und dachte an dich:

Inspiriert dich das irgendwie?

Gruß,
GastB

#15


G
Hallo Beethoven,

ich antworte im Stakkato:
Beethoven schrieb am Do, 06 September 2007 21:48
Demut ist tatsächlich ein guter Rat (ich zitiere von nicht öffentlich lesbarer Stelle).

Demut? Weil man intelligent ist?
Das hätten die anderen gern, Beethoven, aber das halte ich für einen Manipulationsversuch, sorry.

Zitat:
Im normalen zwischenmenschlichen Kontakt wäre es die allergrößte Vermessenheit, dieses auszusprechen und sogar verwerflich, überhaupt zu denken, dass es wichtig wäre.

Meine Güte! Vermessen und verwerflich? Nein, Beethoven, über sich das zu denken, was real und wahr ist, kann niemals vermessen und verwerflich sein. :-/ Wenn jemand von sich denken und sagen würde, er könne gut singen, wie z.B. Pavarotti es von sich sagte, und wenn das wahr ist, dann ist das weder vermessen noch verwerflich.

Allerdings: Es ist in den meisten Situationen UNKLUG, darüber zu sprechen. Das ist es. die anderen sich davon in der Regel verletzt fühlen und dir ihre Reaktionen unangenehm werden und sogar schaden können. Wie du ja schon hier sehen konntest. Unklug. Nicht unmoralisch, Beethoven. Es ist wichtig, das zu unterscheiden.

Und normalerweise gibt es ja auch keine Notwendigkeit und kein Bedürfnis, darüber zu sprechen. Hier ist es momentan etwas anderes, da es mit zu deiner gesamten Befindlichkeit gehört, die ja momentan nicht die beste ist. Da gehört die Intelligenz-"Problematik" natürlich genau so dazu wie alles andere. Das siehst du ja selbst auch so.

Zitat:
Also, GastB, sehr interessant ist das natürlich mit den Parallelen in der Schule. Was war dieses "abstrakt mathematische Fach"?

Es gibt nicht nur in der Schule "Fächer". Ich habe mich absichtlich so bedeckt gehalten, schließlich ist das hier ein völlig öffentlicher Raum, Beethoven.
Zitat:
Zitat:
Der Thread nimmt meine Texte schon gar nicht mehr an, ich muss mehrere Anläufe nehmen. )

Nimmst Du damit jemand anderes aufs Korn mit diesem Problem? Überinterpretiert? Wahrscheinlich.

*lach*
Als ich das schrieb, dachte ich mir, das kann ein Leser als ironische Anspielung interpretieren. Aber eigentlich habe ich es überhaupt nicht als Anspielung gemeint, sondern es war tatsächlich real so. Plötzlich ging das Absenden nicht mehr.

Zitat:
Ich denke, dass Du vollkommen recht hast. Geht dieses Korsett direkt aus Geschriebenem hervor, oder steht es so offentlichtlich zwischen den Zeilen?

Äh - also für mich geht es so offen daraus hervor, dass ich bis zu diesem Moment dachte, dass du selber die ganze Zeit bewusst davon schreibst!
?
Wie es die anderen empfinden, weiß ich natürlich nicht. Aber ich war, wie gesagt, der Meinung, dass du selber darüber schreibst. Ist dir das also gar nicht bewusst, dass du von deiner Zwangsjacke schreibst?

Zitat:
Trägst Du eigentlich ein Korsett? Noch?

Was für eine uncharmante Frage einer Dame gegenüber, Beethoven!
Aber das, was du meinst - hmm, ich glaube, es ist schon ziemlich ausgeleiert, aber es ist noch da.

Zitat:
Abschließend noch dazu, dass Du auf die "hohle Birne" geschrieben hast, ich mache mich da wieder zu klein. ... Dieses war doch aber hoffentlich erst mal lustig, oder?

Ich hab's nicht als lustig, sondern als unpassend empfunden, eben weil es so übergangslos von der heiß umkämpften Intelligenzfrage zu hohl ging. Einfach "auf meine Birne" hätte ja auch gereicht.

Zitat:
Hmm, ich hoffe nicht, dass es eine Taktik gegenüber meiner Mutter ist - muss aber mal noch drüber nachdenken... was meinst du mit "Taktik" genau? Hat es auch etwas unfaires?

Ja, es hat etwas Manipulatives. Du willst damit den anderen günstig und milde stimmen. "Schau mal, ich bin eigentlich überhaupt nicht gefährlich, sondern ich bin dir unterlegen." Das ist ein falsches Spiel, Beethoven. Und verunsichert den anderen im Grunde nur, weil du ja auch ganz andere Signale sendest, verbale und nonverbale.

Gute Nacht,
GastB

#16


G
Hallo Beethoven,

wenn ich dich richtig verstanden habe, hast du große Schwierigkeiten,innerlich zu dir selbst zu stehen. "Sei" du selbst kann irreführend sein, denn falls du damit das offen-sichtliche "ausleben" meinst, anstatt erstmal deine innere Wahrnehmung von und Einstellung zu dir selbst, dann ist das wohl eine nicht ungefährliche Haltung. Man "kann" als soziales Wesen nicht immer alles genau so sagen und machen, wie einem innerlich zumute ist. Man sollte - dafür ist die emotionale Intelligenz ja da - die jeweilige Situation berücksichtigen, Rücksicht und Takt nicht außer Acht lassen, allerdings das gegen die eigenen Interessen abwägen, nicht auf Teufel komm raus. Leute, die nur "sie selbst sind", sind für ihre Umwelt wohl nur ausnahmsweise länger erträglich.

Aber das ist eine Sache der Klugheit und des Taktgefühls. Es hat nichts damit zu tun, wie man sich selber und die anderen einschätzt!


Beispiel: Wenn du dich mit einem 5-jährigen Kind unterhältst, dann benutzt du keine Wörter wie "Brennstab" und "abstrakt-konstruktiv", und redest nicht einmal über solche Themen, sondern du nimmst einfache Themen bzw. Themen, die das Kind sich aussucht, und benutzt bewusst möglichst nur Wörter, die das Kind kennt. Im Bedarfsfall erklärst du dem Kind einen neuen Begriff.

Das hat aber doch nichts damit zu tun, dass du dich zu diesem Zweck innerlich klein und dumm machst, nicht wahr?

Im Gegenteil, je intelligenter (IQ/EQ) ein Mensch ist, desto kindgerechter kann er/sie mit einem Kind umgehen.

Und Erwachsene, die sich vor einem Kind klein machen (ich meine jetzt nicht, sich vor ihm hinhocken ), tun dem Kind und sich selbst überhaupt keinen Gefallen, sondern richten damit nur Schaden an.

Genauso ist es mit Erwachsenen. "Jemanden dort abholen, wo er/sie ist" ist eine gute, kluge Sache, ist aber das genaue Gegenteil von Selbstabwertung und Demutsdemonstration.

und Du, GastB, hast einen entwaffnenden Röntgenblick

Das wurde mir schon mehrmals gesagt, aber mich verwundert das immer wieder total, denn für mich sind diese Dinge einfach offen-sichtlich. Dass andere und v.a. die andere Person selbst das gar nicht sehen, ist für mich ein Rätsel.

Interessant die Frage nach dem bewussten Schreiben von der Zwangsjacke! Nein, es ist nicht bewusst... maximal zu 10% in Form des Textes über den Brennstab, aber sonst nicht bewusst... das ist sehr irritierend, ehrlich gesagt...

Das ist so etwas, das mich total irritiert, wie oben gesagt. Du nimmst nur zu maximal 10 % deine Zwangsjacke wahr,
und das sogar trotz deines eigenen zusätzlichen "Brennstab"-Textes, den du ja gar nicht geschrieben hättest, wenn du keinen Überdruck hättest,

und aus dem für mich ein geradezu beänstigend gefährlicher Überdruck spricht, sowie immenser Zorn gegen diejenigen, die diesen Überdruck - vermeintlich oder wirklich - auf dich ausgeübt haben?!? Das kann doch einfach gar nicht wahr sein, dass du dir das trotzdem nicht eingestehst ...?

Du hast nicht zum ersten mal von den widersprüchlichen Signalen geschrieben - warst Du es, die das vorher schon geschrieben hat? Wer sonst. ... Oder ist diese Frage wieder mal dieses Kleinmachen?

Ja, ich habe schon mehrmals von deinen widersprüchlichen Botschaften gesprochen. (Ob andere auch, weiß ich nicht.) Du sagst etwas besonders Selbstbewusstes und dann, peng, nimmst du das total zurück und behauptest das Gegenteil, nämlich dass du doch in Wirklichkeit ein kleines Würstchen mit einer hohlen Birne bist, das das nicht hätte sagen sollen, was es gesagt hat.

Oder du schreibst, sogar an alle/ihr/die Menschheit? dass sie dich bis jenseits der Erträglichkeit, über die Explosionsgrenze hinaus unterdrücken. Wie einen Brennstab sperrt ihr mich ein und verzehrt meine Energie. Saugt mich wohl dosiert aus, so wie ihr es braucht. Ihr fixiert mich und kontrolliert mich, und wenn ich mein wahres Potenzial erstrahlen lasse, kann ich nur ein Störfall sein. (hab selten etwas Eindrucksvolleres gelesen) und dann, wenn ich dich darauf anspreche, sagst du, dir sei kaum etwas von einem Eingesperrtsein (Korsett) bewusst, allenfalls "zu maximal 10 %" ... ?!?! Halloooooo ??

Willst du, anstatt dir dein Korsett, deine tödliche! Zwangsjacke einzugestehen . Bin ich ausgebrannt, dann wechselt ihr mich aus. Als Zwischenlager habt ihr Kliniken, und als Endlager benutzt ihr eure eigenen Friedhöfe und sie abzulegen, weiter an deiner natürlich daraus folgenden Depressivität und deinem unterdrückten tödlichen Zorn hängen?

Anschließend hast du von "Das trotzige Kind hat ein wenig Luft gebraucht - jetzt muss es wieder ab in den Keller!" gesprochen. Das war scheinbar scherzhaft. Ich empfinde es aber als einen sehr, sehr schlechten Scherz, wenn du dieses Kind in den Keller sperrst, Beethoven. Denn es ist schon lange kein Kind mehr, und der große U. ist dabei, zu zerplatzen. Über Kliniken zum Friedhof.

Gruß,
GastB

#17

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G
Hallo Beethoven,

ich hatte schon befürchtet, dass du gar nicht mehr erscheinst, weil es dich nicht mehr in die Socken gehauen hat.

Beethoven schrieb am Sa, 08 September 2007 00:29
ich habe nach psychologischer Verantwortung gefragt, und Du schreibst einfach diese Antwort.

Ich habe nichts dazu geantwortet, weil ich nicht verstehe, was du mit der psychologischen Verantwortung meinst.
Zitat:
Ich bin nicht so frustriert und gefährlich, wie man wegen diesem Text glauben könnte. Es ist ein Facette - es ist wahr, aber es ist nur eine Facette, in einem Moment und auch in diesem Moment wird es mich niemals zerreißen, zu keiner Sekunde.

Du bist gefährlich für dich selbst, Beethoven, das hatte ich gemeint - nicht für andere. Der Überdruck und gerade deine ständige Bemühung, brav, gesittet und beruflich wie vorprogrammiert zu funktionieren führt dazu, dass du immer wieder stark de-pressiv (= hinunter-drückend) wirst, also quasi nach innen ex- bzw. implodierst. Dieser bekämpfte und negierte Überdruck ist m.E. also hochgradig gefährlich für dich, er kann dich, wie ja schon einmal, geradewegs in eine "Klinik" führen.

Auf die Dauer bleibt es aber keineswegs bei dem seelischen Symptom; es kommen Nebenwirkungen von Tabletten hinzu, wenn man welche gegen seinen Seelenzustand nimmt, und auf Dauer kommen durch den seelischen Überdruck, der ja körperlich umgesetzt werden muss, somatische Probleme hinzu, je nach Konstitution z.B. Bluthochdruck, Herzprobleme, Magen-, Galleprobleme, Schlaganfälle, und andere möglicherweise noch schlimmere. Daher ist dein Text nicht nur "10 % Ausnahme", sondern m.E. ausnahmsweise Hellsichtigkeit bezüglich der Wahrheit, Beethoven. In den restlichen 90 % der Zeit bist du, fürchte ich, als Putzmann in eigener Sache tätig: am unter den Teppich kehren.

Zitat:
Die 10% sind insofern tatsächlich beängstigend, da ich zum großen Teil den bewussten Zugang zu meinen Gefühlen vermisse.

Welche Gefühle meinst du damit?
Nimm doch erstmal den Zorn ernst, den du offenbar sehr gut wahrnimmst. Die zarteren Gefühle können bei so einem Zorn nicht mithalten.

Zitat:
Im Keller sitzt das Kind in Form dieser Gefühle, und es rüttelt an der Tür. Wenn ich es abrupt herauslasse, wird es vielleicht ein paar Gläser zertrümmern, und deshalb will ich es vorsichtig herauslassen.

:-) Wenn es nur ein paar Gläser sind, dann würde ich es sofort tun. Du kannst dir noch zusätzlich eine Kiste voller Gläser kaufen und sie absichtlich zertrümmern, falls dir das hilft.

Ansonsten ist es natürlich richtig, nur so viel zuzulassen, wie man verträgt. Aber eigentlich gibt es dafür einen natürlichen Selbstschutz, so schnell überfordert man sich nicht.

Zitat:
Du hast auch das Bedürfnis des "offensichtlichen Auslebens" wahrgenommen.

Ich hatte offen-sichtlichen geschrieben. Ich meinte damit das von außen sichtbare Ausleben im Gegensatz zum inneren Zustand. Und das war von mir eine rein abstrakte Erörterung bezüglich des "sei du selbst". Ich wollte dir keineswegs unterstellen, dass du etwas überzogen ausleben willst. Im Gegenteil, ich finde ja, dass du dich oftmals zu sehr zurücknimmst, zu sehr den Bescheidenen spielst. (Die Intelligenz-Diskussion jetzt ausgenommen, die hatte einen anderen Zweck.)
Zitat:
Und bei aller Hochachtung vor dem bewundernswerten Scharfblick, den Du beweist, muss ich auch dieses sagen: Ich bin gerne ein Aufschneider und suche eine Bühne. Ich bin nicht nur hier, um Aufmerksamkeit zu erhalten, neige aber dazu, auf den Putz zu hauen. Deshalb gerne mal dramatischer, weil wirkungsvoller, als eigentlich gefühlt ("Über Kliniken zum Friedhof"). Ich entschuldige mich für etwaige Missverständlichkeit, gehe aber davon aus, dass, wer sich in diesem Forum bewegt und diese Dinge überhaupt wahrnimmt, auch erwachsen genug ist, damit umzugehen; ich bin es.

Hmmm ... Hier bewegen sich überwiegend Menschen mit Depressionen und Angstgefühlen ... meinst du, denen macht es nichts aus, so etwas zu lesen?
Falls du diesen Text tatsächlich nicht ehrlich gemeint haben solltest, dann finde ich ihn fehl am Platz ...
Nur glaube ich nicht, dass man einen solchen Text produzieren kann, wenn man ihn nicht wirklich selber so empfindet.
Oder doch? War das wirklich nur absichtliche Show?

Gruß,
GastB

#18


G
Beethoven schrieb am Sa, 08 September 2007 02:19
Immerhin ist so ein destruktives "Gedicht" ja schon mal ein Ventil

War das Gedicht destruktiv?

Gute Nacht,
GastB

#19


G
Hallo Beethoven,

was dich angeht, empfinde ich es wie Olimpia: Du verkomplizierst - aus meiner Sicht zumindest - selbst ganz einfache Dinge dermaßen, dass ich sie nicht verstehe, sondern Kopfschmerzen davon bekomme.

Kann es z.B. sein, dass wir völlig aneinander vorbeireden, was dein "Gedicht" (nennen wir es einfach so) angeht? Du schriebst, du seist es müde, dich ständig zu rechtfertigen, und wollest jetzt die Klappe halten (frei zitiert). Warum und wofür rechtfertigst du dich denn? Ich habe dein Gedicht (nennen wir es einfach so) in keiner Weise kritisiert, sondern sogar ausdrücklich sehr bewundert. Auch habe ich dich in keiner Weise dafür kritisiert, dass du das Gedicht hier reingeschrieben hast. (Außer, wenn du das nur aus Jux geschrieben hättest - aber ich ging davon aus, dass es kein Jux war, und soweit ich dich verstanden habe, war es auch keiner. Oder habe ich das falsch verstanden?)

Ich habe einfach den offensichtlichen, von dir ausgesprochenen, von mir nicht irgendwie reininterpretierten Inhalt deines Gedichts aufgenommen und dir gesagt, dass der daraus sprechende Überdruck für dich gefährlich ist, wenn du ihn nicht ernst nimmst, sondern anschließend wieder unter den Teppich kehrst, von "nur 10 % sprichst" und dich weiter in deinem programmierten Leben spurgenau weiterbewegst, obwohl du selber noch vor 1-2 Tagen hier geschrieben hast, dass du gerade wieder in deine Depression versinkst und dich deswegen sogar für mehrere Tage krank gemeldet hast!

Du kannst doch nicht einerseits behaupten, so schlimm sei das alles gar nicht, aber andererseits nicht einmal mehr arbeitsfähig sein?
Zitat:
Vielleicht geht es auch darum, einfach den Zorn zu akzeptieren und ihn nicht schon wieder durch diese Hinweise auf das Differenzieren abzustreiten.

Ja! Genau darum geht es. Interessierte Akzeptanz. Dieser Zorn ist derzeit vermutlich das Authentischste an dir.

---------

Das mit der "psychologischen Verantwortung" ist mir immer noch zu "hoch" bzw. kompliziert. Jeder Mensch hat Verantwortung für sein Tun und Nicht-Tun. Das kann man "psychologisch" nennen, aber besser noch "ethisch", "moralisch" oder einfach: Verantwortung.

Was du aber vermutlich meintest, war: Verantwortung für die Psyche des anderen, ja? Die hat man natürlich in einem gewissen Maße, aber m.E. nur so weit, wie man nicht selbst etwas sinnlos Brutales tut. Die Äußerung eigener Lebensbedürfnisse gegenüber anderen z.B. ist mit Sicherheit nicht sinnlos, und als "brutal" empfindet das die Gegenseite oft einfach deswegen, weil ihr der Inhalt der Aussage nicht passt. Aber das ist dann nicht dein Problem.

---------

Die Sache mit der Manipulation: Auch das ist etwas völlig "Normales", dass man im Zuge seiner Sozialisation/ kindlichen Entwicklung lernt, andere so zu behandeln, dass sie einem möglichst viel Positives und möglichst wenig Negatives geben. Kinder nehmen die Flows der Erwachsenen sehr gut wahr und lernen es bald, sich so zu verhalten, dass es ihnen möglichst gut geht, oder zumindest möglichst wenig schlecht.
Glücklich das Kind, das dabei auf nicht allzu neurotische oder zwanghafte Eltern trifft und sich damit selber nicht allzu krankhafte komplementäre Verhaltensweisen angewöhnt.

Wenn also z.B. eine Mutter oder ein Vater grundsätzlich feindselig reagiert, wenn ihr/sein Kind Selbstbewusstsein, eigenen Willen, Stärke zeigt, weil es ihm/ihr Angst bereitet oder Eifersucht erzeugt oder eigene alte unterdrückte Antriebe im Unterbewusstsein weckt,
dann wird das Kind sich ziemlich bald angewöhnen, die Mutter oder den Vater zu manipulieren, sprich, sie milder und günstiger zu stimmen, zu beruhigen, zu signalisieren, dass es nicht vorhat, Mutter bzw. Vater wütend zu machen, sich also kleiner machen als es sich eigentlich fühlt und als es ist. (Das hat es ja normalerweise auch wirklich nicht vor - es war einfach vital, lebensfroh, unbekümmert, vertrauensvoll.) Auf die Dauer wird es sich abwechselnd klein und groß fühlen und nicht mehr wissen, wie und was es eigentlich ist.

Zitat:
Du bist erstaunlich: War das Gedicht destruktiv?

Ich fand und finde das Gedicht überhaupt nicht destruktiv, daher war ich sehr erstaunt, als du es so bewertet hast - aber das zeigt eigentlich nur wieder all das, was ich hier oben geschrieben habe: Du wertest schnell wieder ab, was du authentisch an Stärke und Gefühl geäußert hast, und signalisierst, dass du "weißt", dass sich sowas eigentlich "nicht gehört". Ich bin aber keineswegs der Meinung, dass sich dieses Gedicht nicht gehört hat. Ganz im Gegenteil.

Gruß,
GastB

#20


A


x 4


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Dr. Reinhard Pichler
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