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Hallo Susella,
auch wenn Du mich nicht direkt angesprochen hast, so hast Du doch Bezug auf etwas von dem genommen, was ich geschrieben habe. Ich habe Dein Posting sehr genau durchgelesen, und wie es scheint, bist Du vor allem logischen Schlüssen gegenüber sehr aufgeschlossen.
Der Wunsch nach Liebe ist etwas Natürliches, das stimmt. Aus der Natur kommt - ganz unromantisch - der Wunsch bzw der Impuls, sich einen Partner zu suchen und Nachkommen in die Welt zu setzen. Nun ist es aber auch in der Natur nicht so, dass, flapsig ausgedrückt, jede/r eine/n abbekommt. Manche Lebewesen bleiben eben auch ohne Partner und somit auch ohne Nachkommen, ohne dass jetzt ein offensichtlicher Grund zu erkennen wäre, und sie leben ihr Leben wie die anderen, nur anders.
Auch bei uns Menschen ist das so. Die einen tun sich leicht, einen Partner zu finden, andere suchen länger, manche werden nie fündig bzw können keine dauerhafte Beziehung eingehen, aus den verschiedensten Gründen. So natürlich der Wunsch nach partnerschaftlicher Liebe (und dahinter steckt, sorry, die Natur) ist, und je mehr man auch gerade in der modernen Welt den Leuten verklickert, dass eine Partnerschaft alles ist, so sehr sträube ich mich persönlich dagegen, dass ein Leben nur einen Wert und Sinn hat, wenn man einen Partner hat. Das wäre doch furchtbar, schlimmer als jede Selektion. Ich bin seit 16 Jahren verheiratet und sehr glücklich, und damit meine ich wirklich glücklich, aber wir können beispielsweise keine Kinder haben. Damit fehlt uns zwar etwas Essentielles, aber auch hier weigere ich mich, den Wert einer Partnerschaft daran festzumachen, ob man Kinder in die Welt setzen kann oder nicht.
Was ich damit sagen will ist, dass Liebe mehr als partnerschaftliche Liebe ist - diese ist eine Facette, vielleicht die markanteste, weil daran die Fortpflanzung geknüpft ist, aber beileibe nicht die einzige, und Partnerschaft ist mehr als Familiengründung. Ich finde, die Liebe verdient es nicht, auf diese "primitiven" Impulse der Natur reduziert zu werden. Die Frage ist, wo man die Prioritäten setzt.
Nächstenliebe, Freundschaft, Liebe zu Kindern, zu alten Menschen, zu Behinderten....zu welcher Gruppe auch immer, würde ich keinesfalls abwerten. Es gibt genug Leute, die in Beziehungen einfach nie glücklich werden können, und ganz ehrlich, wäre es nicht besser in diesem Fall, gute, herzliche, warmherzige Freundschaften, geprägt von Vertrauen, Ehrlichkeit und Hingabe den Vorzug zu geben als Partnerschaften zu erzwingen, für die man einfach nicht gemacht ist? So manche Freundschaft ist tausendmal mehr wert als manche Partnerschaft.
Ich bin zutiefst überzeugt, dass es Menschen besser gehen würde, sie glücklicher wären, wenn sie, wenn sich ein bestimmtes Muster herauskristallisiert (nicht für eine Partnerschaft gemacht zu sein), aufhören würden, unrealistischen Zielen hinterherzujagen oder faule Kompromisse einzugehen (lieber unglücklich zu zweit als ganz allein) sich anfangen würden auf etwas zu konzentrieren, was ihnen mehr liegt. Freundschaften pflegen, sich in Projekten engagieren oder ein Lebenswerk schaffen, vielleicht künstlerisch aktiv zu sein - wie auch immer.
Damit will ich niemandem die Hoffnung auf irgendwas nehmen. Ich möchte einfach nur den "Druck" reduzieren, unter dem viele Dauer-Singles stehen, nämlich zu glauben, ihr Leben habe nur dann Wert oder Sinn, wenn sie einen Partner hätten. Das ist nicht richtig. Den Wert des Lebens bestimmt man selbst und nicht die Frage, ob man allein oder zu zweit durchs Leben geht.
07.09.2015 12:23 •
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