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Hallo zusammen,

Ich möchte hier unter dem Pseudonym Antigone zunächst beginnen. Ich komme aus der Umgebung Krefeld und bin 33 Jahre alt. Einsamkeit kenne ich bereits seit der Jugend. Ich bin introvertiert und schüchtern und auch irgendwie zum Misantroph geworden. Die meisten Menschen sind mir zu dumm und zu oberflächlich. Ich bin ein Mensch der die Tiefen kennt. Mein Bruder hat sich das Leben genommen und meine Mutter starb als ich noch ein Kind war. Ich habe Bulimie, Selbstverletzung, Dro.missbrauch und Zwangseinweisungen hinter mir. Jedoch ist das lange her und ich habe mich deutlich stabilisiert. Ich möchte mich auch nicht darüber definieren ich erwähne es nur um zu zeigen dass ich wirklich die Tiefen des Lebens kenne. Ich hatte zweimal eine Beziehung das ist aber 10 Jahre her. Seitdem bin ich alleine. Das einzige was ich noch habe sind zwei WhatsApp Kontakte.
Therapien habe ich seit meinem 13. Lebensjahr bis zum Erbrechen gemacht deshalb füge ich folgenden Text von Pogopuschel ein mit dem ich mich ganz gut identifizieren kann:

"This. Mir hängts auch zum Hals raus. Und wenn man dann sagt, man hat das alles schon durch und nichts davon hat einem irgendwas gebracht, ausser noch mehr Frust und Einsamkeit, heisst es: Du brauchst professionelle Hilfe!

Ich kann diese zwei Wörter "professionelle Hilfe" nicht mehr hören! Alle scheinen zu denken, eine Therapie ist ein Allheilmittel. Mir fehlt kein Therapeut, mir fehlen FREUNDE! Ein Therapeut macht nicht, dass ich weniger einsam bin! Er ändert mich auch nicht von grundauf, dass ich "sozialkompatibler" werde.

Ich brauche Freunde, einfach nur Freunde... aber ich finde seit Jahren keine.
24.04.2012 18:15 "

Ich würde mich freuen hier interessante nicht oberflächliche Menschen zu treffen

Liebe Grüße

Antigone

14.03.2017 20:52 • 15.03.2017 #1


6 Antworten ↓


Natty
Hallo Antigone,

willkommen hier im Forum!

Da hast Du ja schon viel Heftiges hinter Dir im Leben.

Zitat von Antigone:
... heisst es: Du brauchst professionelle Hilfe!


Bei so einem Satz schäumt bei mir derzeit innerlich einiges hoch. Da muß ich daran denken, daß sehr viele Menschen denken, daß sie schon unheimlich gütig viel für einen anderen tun, wenn sie ihn zu "professioneller Hilfe" weiter verweisen. (Achtung, ich werde jetzt noch mehr sarkastisch:) Denn unser Gesundheits- und Sozialsystem ist ja bestens und wirds schon richten. ... Hauptsache der gütige Weiterverweiser muß sich nicht selbst anstrengen und Zeit investieren. (Entschuldige, die Worte haben einen derzeit recht neuralgischen Punkt bei mir getroffen.)

Das mit dem Ändern finde ich auch mehr als verdammt schwierig. ... z.B.: Dürrenmatt, Die Physiker: „Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden.“ ... Wie soll man es ändern, wenn einem seit Jahrzehnten von klein auf im Bewußtsein verankerten Gedanken immer wieder in den Kopf springen? Da helfen oft alle erdenklichen Therapien nicht besonders.

Ich wünsche Dir, daß Du hier lebensbereichernde Kontakte findest!

Liebe Grüße
Natty

14.03.2017 22:18 • #2



Introvertiert und schüchtern - bin ein Misanthrop geworden

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Hallo Natty
Danke für das nette Willkommen. Was du über das Weiterverweisen schreibst habe ich oft genug genauso empfunden. Man wendet sich an jemanden um mit ihm Kontakt aufzunehmen und derjenige schiebt einen sozusagen einfach nur ab. Therapeuten können aber keine sozialen Kontakte ersetzen. Ebenso hat der Therapeut ja immer die professionelle Distanz und Freundschaften sind ja eher dadurch ausgezeichnet das der Freund sich zum Beispiel mit einem ärgert oder mit einem Freut also einfach ganz nah bei einem ist.. für professionelle Helfer ist man doch mehr eine Nummer... ein Objekt eben. Und irgendwann ist man auch übertherapiert irgendwann kommt man an den Punkt wo es keine Vergangenheit mehr gibt die aufgearbeitet werden kann weil man alles schon 20.000 Mal durchgekaut hat, irgendwann kommt man an einen Punkt, wo die Gegenwart wichtig ist und soziale Kontakte zählen...

Mein vorstellungs Posting klang vielleicht etwas Arrogant das tut mir leid. Ich denke in einem Forum wie diesem sind sowieso nicht diese klassischen oberflächlichen Normalos unterwegs.

Liebe Grüße

14.03.2017 22:47 • #3


Natty
Hallo Antigone,

Freunde sind auf Dauer wichtiger als Therapeuten. Ein wahrer Freund hält auch zu einem, wenn es einem länger gar nicht gut geht. Oder wenn man mal nicht gar so lieb im Verhalten ist. Es ist nur sehr schwierig einen neuen wahren, dauerhaften Freund zu finden. Ich glaube es wird immer schwieriger. ... Aber die Hoffnung stirbt zuletzt!

Liebe Grüße
Natty

14.03.2017 23:06 • #4


Hallo Natty,
Ja habe mir gerade noch gedacht dass ich wirklich gar keine Freunde habe. Meine einzige sogenannte Freundin habe ich 2015 zum letzten Mal gesehen und davor auch zwei Jahre nicht. Sie sagt immer sie hätte keine Zeit sie ist alleinerziehend und macht gerade eine Ausbildung. Das ist natürlich wirklich viel, aber sie trifft sich ja auch mit ihren Eltern oder anderen Bekannten und Freunden. Ich denke, man nimmt sich die Zeit für Dinge die einem wichtig sind und ich kann ihre ständigen Vorwände nicht mehr hören... ich renne ihr hinterher wie ein Hund und das nagt an meiner Selbstachtung. Es ist immer dasselbe Spiel: ich schreibe sie bei Whatsapp an ob sie etwas Zeit für mich hat (meistens dann wenn ich die Einsamkeit überhaupt nicht mehr ertragen kann und die Einsamkeit wie ein riesiger Schmerz geworden ist) und eins von zehn Mal tauscht sie dann ein paar WhatsApp-Nachrichten mit mir aus aber 9 von 10 x schreibt sie mir immer zurück dass sie ausgelastet ist und keine Zeit hat. Was ist das für eine Freundschaft? Und der andere Kontakt den ich noch habe, findet grundsätzlich auch nur über WhatsApp statt und ist für mich auch total unbefriedigend, weil ich der Person dann immer ganze Romane sende und als Antwort steht dann da "ah" oder "oh" und dann kommt nichts mehr xD...

Naja...gute Nacht

14.03.2017 23:41 • #5


"Der Adler fliegt allein,
der Rabe scharenweise.
Gesellschaft braucht der Tor
und Einsamkeit der Weise."

Allen einsamen Seelen die das jetzt lesen in diesem Sinne eine gute Nacht und schöne Träume.

Antigone

15.03.2017 00:22 • #6


Natty
Hallo Antigone,

Deine zwei WhatsApp-Kontakte hören sich beide nicht nach Freunde an. Eher wie lose Bekanntschaften denen Du eher lästig bist als daß Du denen am Herzen liegst. Das tut mir leid für Dich. Ich frage mich betroffen, wie es nur soweit kommen kann, daß ein Mensch nur noch zwei solche zweifelhaften Freunde hat. In was für einer Welt leben wir denn in Deutschland?

Ich habe zwar mehr Kontakte. Und ich glaube ich habe auch darunter einige, wenige Freunde. Aber ich habe auch keinen engen, permanenten Kontakt mehr, den ich als engen Freund bei mir in der Nähe bezeichnen könnte. Ich könnte ein halbes Jahr tot in der Wohnung liegen ohne daß es jemand bemerkt und nachsehen würde. Nur weil ich arbeite, würden sie nach einem unentschuldigten Fehltag in der Arbeit nachprüfen was los ist. Da frage ich mich auch, wie das so weit mit mir kommen konnte. Was ist los mit unserer deutschen (un)sozialen Gesellschaft?

Liebe Grüße
Natty

15.03.2017 21:17 • #7





Dr. Reinhard Pichler