@Coffeebean
Liebe Coffeebean,
das freut mich sehr, dass du etwas für dich erkennen konntest.
Auch mich bringt das Nachdenken über Freundschaft sehr stark weiter.
Ich habe gestern nicht geschrieben, weil der Antrieb wieder nur sehr kurz gereicht hat. Habe mich heute - zwar viel zu spät, aber immerhin - dann doch aufgerafft. Und deine Nachricht motiviert mich weiter. Danke dir dafür.
Überhaupt sind es viele kleine Dinge, die etwas ausmachen. Ich muss nur wieder lernen, sie wahrzunehmen und wertzuschätzen.
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Zur Freundschaft möchte ich auf zwei Ebenen schreiben: Einmal zu mir selbst und dann, was die Erkenntnisse darüber für die (freundschaftlichen) Beziehungen zu anderen bewirken.
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Freundschaft zu mir selbst:
Die Kriterien Zeit verbringen, Vertrauen und Ähnlichkeit sollten ja eigentlich auf den ersten Blick alle mehr als erfüllt sein möchte man meinen. Vor allem hinsichtlich der Ähnlichkeit gibt es keinen Menschen, der mir so gleicht und mit dem ich so viele Gemeinsamkeiten teile

Das ist wirklich toll

) Allerdings würde ich gerne diese Gemeinsamkeiten auch mehr leben. Also mehr Humor teilen, mehr Musik machen, mehr sonstige Hobbies auch wirklich ausführen. Das ist schon sehr auf der Strecke geblieben, weil es gerade noch für die Routine reicht, wenn überhaupt. In letzter Zeit ist es harte Arbeit, auch diese aufrecht zu erhalten. Ich denke, das dürfte auch einigen bekannt sein.
Die Zeit an sich ist das Problem: Es ist schon irgendwie irre, ALLE Zeit mit mir selbst zu verbringen und mich dabei dennoch nicht freundschaftlich verbunden zu fühlen! Das finde ich wirklich tragisch, wenn ich es mir so bewusst mache! Ich möchte wirklich hier eine Routine etablieren, dass es wenigstens einen kleinen Teil gibt, den ich mit mir verbringe in freundschaftlichem Sinne. Und hoffe, dass sich das im Laufe der Zeit dann ausweitet bis hin zu der schon benannten grundsätzlichen freundschaftlichen Basis. Im Moment kann ich mir das angesichts meines aktuell beobachteten Verhaltens auch noch nicht wirklich realistisch vorstellen, aber ich weiß, dass es möglich ist, dorthin zu kommen. Es ist ein Lernprozess. Dieser gestaltet sich allerdings schwierig, da das im Grunde wenig betretenes Neuland ist. Zum Lernen braucht es außerdem Energie, die im Moment noch nicht wirklich für große Sprünge ausreichend vorhanden ist. Aber kleine Schritte reichen ja auch. Und dann braucht es (für mich zumindest) gute und nachahmenswerte Beispiele. Diese hatte ich noch nie wirklich, sondern vor allem destruktive Beispiele und muss mir zurzeit alles durch Erkenntnis aneignen und in Handeln umsetzen. Meine prägendsten Beispiele im Umgang mit sich selbst waren Flucht in Sucht und Krankheit angesichts von Lebenskrisen. Und dies habe ich sehr gut nachzuahmen gelernt.
Der Plan zur Freundschaft zu mir selbst sieht so aus:
Ich möchte mir bestimmte Zeiten am Tag widmen, in denen ich mich mit mir verabrede.
Da ich Essen als sehr wichtig erachte und eigentlich bei, möchte ich mir überhaupt verlässliche Zeiten dafür schaffen und diese dann auch schön gestalten, inkl. Kochen.
Die andere Sache ist, dass ich Schreiben möchte, um die Dinge nicht mehr mit in den Schlaf zu nehmen. Mit Wecker zu einer bestimmten Uhrzeit und nach dem Prinzip: Wenn der Wecker klingelt, schreibe ich. Wenn ich geschrieben habe, gehe ich schlafen. Das ist ein für mich schöner und vergleichsweise entspannender Ausklang, der anderweitige Ablenkung ausschließt. Über das "Wenn ..., dann ..." kann ich eine Routine etablieren, die irgendwann automatisch abläuft.
Diese beiden Dinge sollten erstmal als Grundlage für eine gute Zeit mir mir selbst reichen. Das hinzubekommen, ist schon eine Aufgabe. Jedes Gelingen, schafft Freude und bringt Energie, sich weiter daran zu halten.
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Freundschaft zu anderen:
Der Aspekt des Vertrauens hat mich auf die Gedanken gebracht, wie es eigentlich damit in bisherigen Beziehungen bestellt war. Ich kann nicht verstehen, warum es Beziehungen nicht geschafft haben, zu überdauern. Und bei denen, die dramatisch auseinandergegangen sind, habe ich mich dann gefragt, ob es hier einen Vertrauensbruch gegeben haben könnte, der mir entgangen ist. Ich habe bisher nur meine eigene Verletztheit gesehen, die mir angetan wurde. Ich kann immer noch nicht verstehen, worin genau es bestanden haben soll oder warum das nicht thematisiert werden konnte. Aber zumindest kann ich verstehen, DASS es das wohl gegeben haben könnte.
Vertrauen umfasst für mich auch Zutrauen. Dass Menschen mir nicht grundsätzlich Böses möchten, sondern wir aus positiven Gründen in Kontakt treten. Und dass ich in einen Vertrauensvorschuss gehe, indem ich Verständnis zeige, soweit es mir möglich ist. Und ihnen zutraue, dass sie das dann mir gegenüber ebenfalls können, wenn es mal nicht so rund läuft. Verständnis zu haben und auch noch zu zeigen fällt mir wahnsinnig schwer. Wenn es dann aber gelingt, wirft es direkt positive Reaktionen ab.
Gerade, weil ich so bedürftig bin und sehr schnell gestresst bin, verfalle ich jedoch meist ins unbewusste Notfallprogramm und zeige solche Reaktionen, die ich zwar gelernt habe, die ich aber bewusst vermeiden möchte, weil ich ja neue Bahnen einschlagen will. Es ist alles irgendwie ein Kreislauf. Ich möchte aus dem Teufelskreis (auch des Schlafmangels) raus und in den Kreislauf der positiven Rückkopplung. Dass das nur mit Übung geht, weiß ich eigentlich. Ich wünschte, ich hätte das schon so verinnerlicht, dass ich auch schon deutlichere Fortschritte sehen könnte. Ich muss mir da selbst mehr zutrauen, dass ich damit jetzt wirklich weitermache.