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Heute, gestern oder morgen. Es ist trueb, grau und kalt.

Kein Appetit - was sollte ich auch schon essen,
um meinen (seelischen) Hunger zu stillen?

Alleine in einer Großstadt. Alleine im Zimmer.
Niemand, der an einen denkt und einfach mal so anruft.

Sehnsucht nach Leben, nach der Realitaet,
aber immer nur Ablehnung oder... was auch immer.

Flucht in die gehasste Virtualitaet - wieder einsam -
so viele Menschen und noch viel mehr Einsamkeit.

...und die Befuerchtung, dass die Einsamkeit fuer immer bleibt,
ob in mir, in dir, ob heute, vor tausenden von Jahren oder in der Zukunft.

und dieses Gefuehl zerreisst einen innerlich in tausend Stuecke...

30.07.2011 17:05 • 07.08.2011 #1


8 Antworten ↓


Noir
Wie traurig...
Und gleichzeitig so schön geschrieben...
Das Geschriebene kann ich sehr gut verstehen.
Ich möchte dir gerne Alles Gute wünschen, und dass das Grau dich verlässt und einem von goldenen Sonnenstrahlen durchzogenen Blau weicht.

31.07.2011 03:45 • #2



Endstation: Einsamkeit.

x 3


Abe
Ebenfalls aus der Spreebogenprovinz!

Deine beiden gestrigen Posts zugrunde legend:

Du bist vielseitig interessiert.
Du bist unternehmungslustig.
Du bist mündig genug zu erkennen – wo, Film technisch betrachtet, Unterhaltung aufhört und Zeitverschwendung anfängt.
Du bist jemand mit dem man sich mal den ganzen Abend unterhalten kann ohne dabei geistig abzuschalten – bilaterale Monologe scheinen Dir fremd zu sein.
Auf Dich kommt man nie und nimmer, wenn man einen Ausweg aus der Spaßgesellschaft sucht
und Du lebst in B E R L I N.

Du findest aber keine Menschen, die Dir wieder auf die Beine helfen können, dass es dir dann wieder gelingt, aus eigener Kraft zu stehen und (ggf. gemeinsam) vorwärts zu gehen.

Oder anders gesagt...

"...würdest Du ein Tagebuch (der schmerzhaften) Einsamkeit führen, dann würdest Du nur ein einziges Wort eintragen: ICH."

Diesen Widerspruch kann ich mir nicht erklären. Natürlich auch, da ich (fast) nichts über Dich weiß. Jeglicher Versuch einer Erklärung meinerseits – und somit Tipp, an welcher Schraube Du mal drehen könntest – wäre rein spekulativ und daher nicht hilfreich.

UND DU??

Immer gerne genommen (multiple choice):
Ich bin erst vor kurzem nach Berlin geflüchtet (die alten Freunde wussten zu viel).
Ich bin zu forsch.
Immer wenn neue unverschämte Mitmenschen verteilt werden, erhebe ich voreilig meinen Finger und schreie immer „hier“. Da bleibt dann keine Zeit mehr um tolle, nette Leute kennen zu lernen.
Ich bin zu schüchtern.
In Berlin leben nur Freaks.
"Die Dinge sind komplizierter geworden." - "Welche Dinge" – "Ich“ (Lieblings-Filmzitat).
Ich erreiche einfach niemanden mehr aus meinem Freundeskreis (Entwarnung: viele, von denen man glaubt, sie seien nicht mehr am Leben, sind jetzt nur verheiratet).
Ich bin eine notorische Verabredungsverbummlerin.
Ich hab so skurrile und verschrobene Hobbys und Interessen, dass die hier sonst kein anderer hat (Was, in Berlin?! Mhm, kann verworfen werden – Anm. d. Red.).

Zum Schluss doch noch was positives. Anhand meiner minutiös und eigenhändig geführten Wetteraufzeichnungen (stolz) kann ich wenigstens in einem Punkt Entwarnung geben:
„Trübes, graues und kaltes Wetter gibt es definitiv nur, wenn eine Kaltfront, warme Luft und ein Wochenende zusammentreffen.“
Na also, zumindest für dieses Mal hast Du sogar schon das Bergfest hinter Dir gelassen.

Ach ja und nicht zu vergessen, die Berliner Luft hat sowieso den Vorteil, dass man wenigstens sieht, was man einatmet (sog. Das-Glas-ist-halb-voll-Wahrnehmung).

31.07.2011 11:05 • #3


@ Noir:
Dankeschoen... derzeit ist's verdammt schwierig. Sogar das Geschirr abspuelen faellt mir schwer
und das Wetter ist zu dieser Jahreszeit auch noch das Sahnehaeubchen, welches ich ohnehin nicht mag...

Irgendwann... scheint auch wieder die Sonne *hoff*


Zitat von Abe:
"...würdest Du ein Tagebuch (der schmerzhaften) Einsamkeit führen, dann würdest Du nur ein einziges Wort eintragen: ICH."

Ich musste dabei wirklich schmunzeln! Ich danke dir fuer deinen duesteren Humor

Leider konnte ich im "Multiple Choice" nicht ankreuzen:
[x] Ich bin nach Berlin gefluechtet, weil ich meine "alten Freunde"
umgebracht habe aufgrund mangelndem Verstaendnis mir gegenueber.

Du konntest mich mit deinen Worten ein wenig erheitern, auch wenn ich bei fast allem nur den Kopf nicken musste.
Vermutlich laesst sich das Leben am einfachsten (oder ueberhaupt) mit schwarzen Humor ertragen...

31.07.2011 16:13 • #4


Abe
Uiuiui, Deine Antwort hatte ich mit bedacht nicht gelistet, da ich inständig hoffte, dass der Nick doch wohl nicht etwa gleichbedeutend Deiner Lebenseinstellung ist (schluck).

Nebenbei, Du weißt schon, dass solche Handlungen in diesem Land unter „schwerer Straftatbestand“ laufen!? Gut, sollte ja wenigstens einmal kurz angesprochen werden.

Mein düsterer Humor?! War gar nicht beabsichtigt - also jetzt auf tiefschwarz bezogen. Vielmehr wurde mir seinerzeit von fachfraulicher Seite wärmstens empfohlen es doch mal mit einem PanikTageBuch zu probieren. Ich sehe schon ein, dass das sicherlich Sinn machen kann, um den KnackPunkt zu erkennen – Entgegen manch anderen Meinungen bin ja selbst ich lernfähig. Damals starrte ich aber nur auf ein leeres Blatt Papier und das einzige was mir einfiel war „Ich“ und „das wird nie enden“!

Um mit Tipps aufzuwarten, welche Deiner StellSchrauben sich vielleicht lohnen könnten, von Dir näher betrachtet zu werden, habe ich viel zu wenige Eckdaten. Wie soll ich es sagen - hüstel - als „SchwatzBase“ würde ich Dich nicht gerade bezeichnen, grins.

Dich gleich mit zigfachen Nachfragen zu nerven erschien mir auch eher suboptimal zu sein. Daher also meine - zugegebenermaßen doch sehr verschwurbelte Art - des Verpackens. Auf dem Gebiet bin ich wohl nicht gerade die hellste Kerze im Leuchter.

Ich bin keinesfalls der Meinung, dass sich das Leben nur mit schwarzem Humor ertragen lässt. Also jetzt einerseits bezogen auf alles „zynisch und sarkastisch“ betrachten und kommentieren sowie auf „das Leben ertragen“ (müssen - passiv).

Vielmehr bin ich der Auffassung, dass es sehr wichtig ist, wenn man Empathie erfährt. Auch gute Tipps sind hilfreich. Nicht zu verwechseln mit gut gemeinten Tipps wie „jetzt reiß Dich halt endlich mal zusammen“, (schon allein rein physiologisch betrachtet völlig absurd, da schlichtweg undurchführbar). Des weiteren können auch Erfahrungsberichte anderer wichtig sein. Hierfür ist dieses Forum ja eine sehr gute Plattform, wie ich finde.

Nebenbei kann es aber auch nie schaden, wenn als Impuls von außen, eine Prise verschwurbelter Gedanken hinzugetan wird, und sei es nur um mal für kurze Zeit aus den Gedankenschleifen auszubrechen.

Vielleicht könnte es für Dich ja doch hilfreich sein, wenn ich bei Gelegenheit ein paar Zeilen dazu schreibe, wie mein Weg aus meinem persönlichen master-desaster verlaufen ist. Könnten ja doch Parallelen bestehen. Bin ja schließlich auch aus ähnlichen Gründen nach Berlin geflüchtet - wobei ich betonen möchte, dass mir von Kollateralschäden am Wegesrand, welche ursächlich auf mich zurück zu führen wären, zumindest nichts bekannt ist (ZaunPfahlWink) - und anfänglich hat sich auch nichts zum Besseren gedreht gehabt.

Ich muss nur gleich los, von daher schnell noch ein Blitz-Tipp betreffend eine der kleineren Baustellen, mit denen auch ich mich ständig herum plage. Stell Dir ein ultimatives Geschirr-Abspül-Lieblingsmusik-Top-Five-Tape zusammen und spiel sie nur (laut) ab, wenn Du mit einem Schwamm bewaffnet vor der Spüle stehst. Du wirst sehen die Überwindungsschwelle reduziert sich immens und die Arbeit geht viel leichter von der Hand. Es hat bei mir sogar, unbeabsichtigt, dazu geführt, dass meine Nachbarn endlich mal gute Musik hören – ob sie wollen oder nicht. Wir könnten dann ja mal unsere Top-Five-Listen tauschen.

Bis dahin guck Dir doch mal folgendes via copy + paste bei Youtube an, sie nennen ihn ja, nicht gerade zu unrecht, „DIE LUNGE“:

base jump sous l'eau guillaume nery

(halte Ausschau nach der HD-Version, 9.500.000 Klicks, 4:18, Vollbild-Modus)

Wenn „es“ sogar bei mir, verbrieft diagnostiziert als „der hoffnungslose Fall“, so verlaufen ist, warum dann nicht auch bei Dir? Und dann auch noch in Berlin, wäre doch gelacht, wenn nicht! Oder?

02.08.2011 09:06 • #5


Geht es um nicht können? (Depression)

Ansonsten..., das alles so zu sehen wäre etwas einseitig. Man muss natürlich auch selbst aktiv werden.

02.08.2011 09:13 • #6


Deine Einsamkeit kann ich sehr gut verstehen . Man fühlt sich abgestoßen und kann einfach aus diesem tief wo man steckt nicht mehr heraus . Mir geht es ähnlich , mein Hunger ist so gut wie verschwunden man sitzt nur herum und denkt darüber nach bin ich es der alles schuld ist oder die anderen . Eine antwort findet man fast nie weil man schon fast am verzweifeln ist . Keiner will sehen wie es mir geht , keiner kümmert sich darum was mit mir los ist , und viele sachen mehr .Ich habe vor 25 Monaten meine Frau verloren und sitze herum und mache mir immer vorwürfe .dadurch zieht man sich so sehr in seine eigene Einsamkeit zurück damit keiner einem schmerzen zukommen lässt .Aber wenn man erst einmal so tief ist kann es auch manchmal helfen die sorgen und nöte untereinander auszutauschen . Jeder hat es anders erlebt , aber es gibt bestimmte punkte die einem helfen weil man sieht wie andere in diese Einsamkeit gekommen sind . aber jeder hat bestimmte Punkte die einem helfen können etwas aus der Einsamkeit herauszukommen .Nur die hilfe muss angenommen werden , doch meistens lehnt man sie ab .Jede noch so kleinen Worte helfen wenn man sich gedanken macht , betrifft das mich auch ?wenn nicht bist Du schon ein wenig besser dran weil Du merkst anderen kann es helfen darüber nachzudenken , streng dich eimal an und denke einmal nach ob Du es nur bist die so schlecht dasteht oder andere noch schlimmer .Wenn Du dabei schon spürst das andere noch schlimmer betroffen sind hast Du schon einen funken Hoffnung und das kann schon helfen

05.08.2011 21:16 • #7


Lieben Dank fuer eure Antworten.

@ crazy030:
Mach' dir mal keine Sorge ueber meine "Aktivitaet", ich zwinge mich trotz purer Unlust
in die Welt da draußen und lasse mich von der staubigen Unliebe hier in Berlin immer wieder
berieseln (ansonsten koennte ich es ja irgendwann vielleicht noch vermissen ).

Manchmal fuehlt sich das Leben nur noch unertraeglich an, wenn nichts und niemand anwesend ist,
der einen davon ablenken koennte... von allem, was da draußen passiert.

@ Abe:
Was ist denn mit meinem Nick? Dieser soll nur die Paradoxitaet, die in der Natur und auch in uns allen
steckt, verbildlichen. Es hat weniger was mit meiner Lebenseinstellung zu tun,
eher mit mir: Ich bin mein aller bester (vor allem auch einziger) Freund und
zugleich mein schlimmster Feind, dem ich nicht trauen kann (oder sollte).

"Schwerer Strafbestand" solltest du mir noch mal erklaeren - das hat mich etwas verwirrt.

Vielen Dank, aber ich habe keine Tipps erwartet, nur ein wenig "Unterhaltung" (bzw. Austausch).
Falls du Eckdaten benoetigst, bitte ich dich um Fragen - weil ich nicht wuesste, wo ich anfangen soll.
Und verzeih, falls ich deinen Humor falsch rausgelesen habe, dann scheint es,
mein Humor gewesen zu sein, mit dem ich deine Worte gelesen habe.

Waere die Bezeichnung: "Das Leben ertragen zu DUERFEN" d. M. n. dann angenehmer?
Ich scheine die Empathie in Person zu sein (wieso muss ich mich auch wirklich in fast
jeden *piiiiiiieeeeep* Menschen hineinversetzen koennen?), jedoch erfahre ich sie von kaum jemandem.

Ich "reiße" mich ja taeglich zusammen, ich beschaeftige mich mit anderen (als koennte ich mir so wichtig sein,
mich nur mit mir zu beschaeften - haha). Ich lese hier, ich lese dort, ich gehe auf die Straße,
sehe die Menschen, die sich durch ihr Leben kaempfen, ich sehe die anderen,
die voller Ignoranz einfach nur geradeaus laufen und sich nur um sich kuemmern.

Ich bin nicht wirklich einsam, weil ich wirklich niemanden habe. Ich bin einsam, weil die Menschen so grausam
zueinander sind, so lieblos, weil sie so blind und verschlossen nur durch ihr Leben gehen und nur ihr "Ich" sehen.

06.08.2011 11:59 • #8


Abe
@violencia
Hier nun meine Interpretation von „Bälde“. Liege ich damit über oder unter dem Schnitt? (PN)

Gratulation zu Deinem gewählten Nick. Dieser macht jetzt für mich mehr als Sinn. Violencia das ultimative Beispiel eines Paradoxums, der Klassiker.
Ich gestehe, ich hatte schon die Befürchtung, dass ein südeuropäisches Pärchen dem zuständigen Standesbeamten auf Nachfrage antwortete:
Der Vorname ist den Umständen des Aktes ihrer Zeugung geschuldet. Uppps, mein schwarzer Humor jetzt, verzeih!

Eckdaten?, brauch ich noch Eckdaten? Nein danke, auf meine längst gestellten Fragen hast Du mir ja bereits alle Wesentlichen zugespielt.

Oh, halt, eine hab ich noch, mit der ich schon seit Tagen schwanger geh. Wo hast du bloß Deine Tastatur geschossen? Auf dem osteuropäischen Basar, ca. 1. Std. von uns entfernt (optimistische Schätzung)? Ich will mich da ja nicht einmischen, aber solltest Du an einer Modifizierung interessiert sein, hier mein Tipp: Nicht nur Vokale gibt es günstig beim Glücksrad zu kaufen. Aber ich glaub, das weißt Du längst. Hast Du Dir da nicht eben noch schnell Die GroßHochStellTasten besorgt?!

Entwirrung: „Schwerer Straftatbestand“ bezog sich auf Deine Hinterlassenschaften auf dem Pfad nach Berlin - §§ 211-213, 222 (32?) StGB

Vorneweg: Du bist im Hinblick auf Deine Selbstbetrachtung dazu fähig, Dich auf die Metaebene zu begeben und Du hast einen Humor weit weg vom Mainstream.
Verdammt, wo war noch mal dieser „Das-gefällt-Abe-Button“? Hilft ja nix, dann halt so:
Willkommen im ästhetischen Underground.

Aha, trotz purer Unlust reißt Du Dich zusammen, gehst täglich in die staubige, Dir feindselig gesinnte Welt und lässt Dich von ihr berieseln. Willkommen in Abes (Ex-) Oddworld. Wo war hier nochmal der „das-ist-ja-fast-kafkaesk/masochistisch-Button“? Tatbestand der „vorauseilenden Prophezeiung“, ik hör dir trapsen, wa!

Deine Gedanken kreisen permanent um die Frage:
Warum sind DIE MENSCHEN nicht empathiefähig, warum sind sie so grausam zueinander/mir, warum sind sie so lieblos, warum so blind und so verschlossen, warum stets darauf beharrend, dass der kategorische Imperativ für die anderen aber nie für sie selbst zu gelten hat, warum so egoistisch, etc..
UND
Warum wird mir ständig suggeriert, dass ich mich in DIE MENSCHEN hineinversetzen und ja immer achtsam mit ihnen umzugehen habe. Ohne nur einen Hauch von selbigem zurück zu bekommen.

Ach so, das ist alles?

Einfach und schnell beantwortet:
Also bei DEN MENSCHEN handelt es sich:

Erstens! Lediglich um eine verschwindend geringe Anzahl einer marginalen Gruppe der Gesellschaft (wäre ja noch schöner, wenn sich so was zu stark vermehren würde).
Und
Zweitens! Es ist gerade die NATUR, das WESEN von Egomanen, Egoisten, (maligner) Narzissten, dissozial gestörten Persönlichkeiten, etc., etc., dass sie so, wie von Dir wahrgenommen, auf ihre Umwelt ausstrahlen. Aber halt ihre Baustellen.

Deine „Warum-Frage“ find ik klasse, wa! Aber dreh sieh doch einfach mal um ein paar Grad.
Dann ergibt sich doch urplötzlich ein ganz anderes Bild.
Warum beschäftige ich mich den ganzen Tag mit solchen, nicht nur für mich, absolut toxischen MENSCHEN? Warum lasse ich zu, dass ich mir dadurch selbst den Blick für die tollen, netten, empathiefähigen und auf meiner Wellenlänge schwimmenden Leute versperre. Und – mittelbar – dass ich auf diese genauso sympathisch wirke, wir uns kennen lernen und ich meinen Freundeskreis mehr und mehr mit diesen tollen Leuten bereichere.
Warum kann ich einfach nicht mit den toxischen Menschen aus meiner Vergangenheit abschließen? Warum kann ich mir nicht verzeihen (nicht zu verwechseln mit – denen nicht verzeihen können), dass ich es zu lange zugelassen habe, dass diese auf meine Psyche negativ eingewirkt haben? Und, dass ich dadurch stets denke, dass alle Menschen so gestrickt sind. Sowie dass ich dadurch keinen Blick frei habe für die wahren tollen menschlichen Perlen dieser Stadt? Gut, zugegeben, eine Minderheit. Aber vielleicht gerade deshalb besonders Wertvoll und äußerst lohnenswert sich mal endlich mit offenen Augen und Ohren auf die Suche nach ihnen zu begeben.

Oder anders: Vielleicht solltest Du die Teilnehmer der Freak-Show da draußen mal (möglichst) vorurteilsfrei betrachten. - Weiterhin mit dem Funktionsprinzip der Wertstarrheit zu agieren erscheint mir doch eher weniger sinnig.
Nebenbei, diese Funktionsweise liegt ja der südindischen Kokosnuss-Affen-Falle zugrunde und hat sich schon seit Jahrhunderten prächtig bewährt – nun gut, natürlich nicht für die Affenbande. Die legendäre Falle kennst Du ja, oder? -
Wie Du eine Angelschnur an einem See betrachtest, und Violencia, verlass Dich drauf, über kurz oder lang wirst Du ein leichtes Rucken spüren, eine kleine, bescheidene Tatsache, die schüchtern anfragt, ob Du an ihr interessiert bist. Tata, Violencia hat - wider erwartend - bereits ihre ersten Sanguiniker entdeckt!

Das ist das Prinzip, das dafür sorgt, dass die Welt nicht stehenbleibt. Du musst Dich für sie und ihre Bewohner interessieren. (Hilft ja nix - Anm. d. Red.)

Nach einer Weile wirst Du vielleicht feststellen, dass dieses gelegentliche Rucken an der Leine
interessanter ist als Dein ursprüngliches Vorhaben, - Dein aktuelles, anscheinend von Dir selbst als zapfighochzehn empfundene, Dasein, bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag weiter zu verfolgen.

Sollte das eintreten, hast Du so eine Art Höhepunkt erreicht. Du bist dann nicht mehr bloß eine hilflose Beobachterin Deines Lebens. Dann beginnst Du viel mehr gerade auch eine Wissenschaftlerin in eigener Sache zu werden. Und Du hast ab da die Entmutigung Deiner bisherigen Wertstarrheit, und das hieraus resultierende Gefühl der Macht-, Sinn- und Hilflosigkeit, überwunden.

Du hattest verdammt gute Gründe nach Berlin zu flüchten. Geschenkt, ist abgefrühstückt.
Mach Dich nun nicht zum Skla. Deiner schlechten Erfahrungen und der daraus resultierenden „pessimistisch selektiven Wahrnehmung“.
Das ist eine Selbstkasteiung und ein Selbstgespräch mit dem Beelzebub.
Raus aus dem Tohuwabohu, raus aus dem Raum mit erwartungsvollem, offenem Blick.
Deine Gegner sind schon lange nicht mehr Deine ehemaligen toxischen Bekanntschaften oder die paar Freaks da draußen, sondern Du selbst. Setz dich hin und spür Deine Vergänglichkeit, und dann nimm das Leben (wieder?) an als das, was es ist, Gnade und endlich bzw. cruel, crazy and beautiful.

Weil, es ist nicht die Umgebung und das Umfeld was Dich „wunschlos und glücklich“ werden lässt, sondern dass, was Du damit gedenkst anzufangen - it's in the way that you use it.



Beyond the door, strange cruel beautiful years lie waiting for you
It's your world so live in it
It's a cruel crazy beautiful world

Solltest Du Dich überwinden können, dem Rucken nachzugeben, dann bin ich ja tierisch gespannt, wo Deine neuen Lieblingsplätze in Berlin sind, also da wo die Quote halt hoch ist „Empathiefähige Stadtperlen“ kennen zu lernen. Und vor allem, welche Kleinigkeiten Dich genau da hingeführt haben. Du wirst doch berichten, oder?

Verdammt, mir krampfen langsam die Fing.......!

Gruß Abe
Aktueller Status: wunschlos und glücklich

07.08.2011 10:32 • #9




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Dr. Reinhard Pichler