Pfeil rechts

Hallo. Heute ist es mal wieder passiert, ein Moment der viele andere Momente vor meinen geistigen Auge abrufte. Ich bin einsam. Sehr. Seit zwanzig. Von Geburt bis jetzt zum Zivildienst. Niemals hatte ich Freunde, mit denen weggehen konnte und noch nie konnte ich über meine Gefühle mit anderen Personen reden. Meine Mutter ist selber vereinsamt und leidet dementsprechend. Sie kann mir nicht zuhören. Andere Familienmitglieder tragen auch Lasten, haben, wie mir scheint, auch nicht die nötige Empathie um meine Probleme anzuhören.

Früher dachte, dass ich mit diesen Zustand fertig werden könne. Doch jetzt baut sich ein innerlich Druck auf, der mich fast jeden Abend zum Weinen bringt. Ein Strudel aus Traurigkeit, Selbstmitleid und Hilflosigkeit zieht mich nach unten. Ich will endlich Leute um mich haben und endlich auch mal weggehen oder irgendetwas machen, damit ich fühle das ich "lebe"!

Vor drei Jahren war ich noch sehr introvertiert, verbrachte meine ganze Freizeit in meinen Zimmer und sprach sehr wenig. In den Pausen war ich stets still und hörte anderen nur zu. Irgendwann begriff ich, dass das so nicht funktionieren kann. Wenn ich nicht lernen würden den Mund aufzubekommen, dann würde ich mit Sicherheit einsam sterben.

Ich lernte zu kommunizieren und hey, ich habe anscheinend Charme^^, denn im letzten Lehrjahr,n sowie im Zivildienst komme ich mit meiner Art gut an. Bin sogar ein wenig "beliebt". Die meisten Menschen nahmen mich nun angenehm war und meine Azubi-Kollegen betrachteten mich als Vorbild.

Die Introventiertheit kippte um und ich fühle mich heute offener, denn je. Ich spreche gerne und lache in den Unterhaltungen. Smalltalk zu führen, fällt mir gar nicht schwer. Und doch kann ich nirgends andocken.

Smalltalk. Gut und schön. Wie geht's weiter, wie gewinne ich eine Person für mich?

Wenn mich alle für lieb, nett und freundlich halten, warum lädt mich nie jemand zu irgendetwas ein?

Ich weiß nicht weiter. Meine Einsamkeit tut mir mittlerweile wirklich weh (körperlich! Atemnot, Schmerzen in der Brust, Bauchweh) und ich halte das Alleinesein nicht mehr aus. Zudem scheint sich mein Verlangen nach Geschlechtsverkehr und Beziehung zu vergrößern (hatte noch nie eine Beziehung), auch hier wächst der Druck. Daher habe ich Angst, dass aus diesen Druck irgendwann eine psychische Störung erwächst.

Wie kann ich nur Menschen für mich gewinnen?

02.12.2008 21:58 • 14.12.2008 #1


15 Antworten ↓


willkommen im forum,
es ist schrecklich so lange alleine zu sein, doch bist du auf dem richtigen weg. du hast gelernt dich mitzuteilen. jetzt mußt du mal jemanden einladen oder einfach mal fragen ob du nicht zu freizeitveranstaltungen mitkommen kannst.die leute werden dich so besser kennen lernen und dann auch von sichaus mal einladen......
für die große liebe oder den richtigen partner gibt es leider keinen tip
man hat glück ,oder nicht......
lg -wladimir-

02.12.2008 22:25 • #2



20 Jahre Einsamkeit

x 3


Hey Mankannhelfen,

du hast doch schon einen Fortschritt gemacht. Dein Charme, wie du so schön sagst, kommt gut an und mir kommt es so vor, als ob du auch akzeptiert wirst. Das ist doch schon mal ein sehr guter Ausgangspunkt. Du mußt das dir vor Augen führen, dass du bereits einen Fortschritt gemacht hast. Ich kann mir vorstellen, daß es mit 20 nicht einfach ist. Man(n) möchte ja auch abgesehen von Freunden oder Bekannten gerne mal eine Freundin finden.
Du schreibst andere würden dich nicht einladen. Warum fragst du nicht einfach mal, ob du mit denen was machen kannst. Mach den ersten Schritt. Ich weiß es ist nicht einfach, aber versuche es und gib nicht auf,wenn es nicht gleich klappt.
Hast du eigentlich irgendwelche Hobbies? In Sportvereinen o.ä. kann man auch gut Anschluß finden. Außerdem würde ich sagen, verkriech dich nicht zu hause. Geh am Wochenende mal in einen Club. Das kann man auch alleine, man fühlt sich zwar am Anfang nicht so wohl, aber wenn du erstmal tanzt wirst du bestimmt lockerer und dann bagger einfach mal die Mädels an. Man muß es eben immer wieder versuchen. Nur du kannst deine jetzige Situation versuchen zu ändern. Zu Hause zu sitzen und sich selber bemitleiden bringt nix. Erst ist man traurig, dann verzweifelt und am Ende schiebt man die Schuld den anderen zu und haßt die Gesellschaft. Es ist wie ein Teufelskreis. Ich kenne das selber. Du mußt ja auch nicht jeden Deppen ansprechen. Sei anspruchsvoll, wähle die Menschen, denen du gerne nahe sein willst mit Bedacht, aber gib alles. Du bist noch so jung und hast alles vor dir. Bei mir ist alles schon etwas verkorkster, aber auch ich gebe noch lange nicht auf. Ich kämpfe jeden Tag gegen die Einsamkeit und glücklicherweise mache ich auch Fortschritte, wenn auch nur sehr Kleine.

-die Menschenbeobachterin-

02.12.2008 22:34 • #3


Leute, denkt Euch doch mal ein par gescheite Namen aus...also gut

Hallo "Mankannhelfen" und herzlich Willkommen,

So wie ich das sehe, bist Du auf dem richtigen Weg, aber irgendetwas scheint noch zu fehlen.
Das finden wir raus.
Verlier nicht die Geduld und lese dich hier mal durch.
Mal sehen, wie du in ein par Tagen denkst.

Bis später also

Renton

02.12.2008 22:37 • #4


hallo "mankannhelfen"!

habe fast genau dasselbe problem wie du. Bin auch 20 und fühle mich sehr allein. bin auch im laufe der zeit etwas extrovertierter geworden, aber es kommt bei den leuten einfach nicht richtig an, höchstens für oberflächliche bekannschaften. sitze auch nur zu Hause rum (außer wenn ich in der Uni bin) und würde auch am liebsten wie die anderen jungen Leute unterwegs sein wenigstens ab und zu. hatte auch noch keine beziehung und finde es interessant zu hören, dass es anderen auch so geht. wo es doch heute schon normal ist dass man mit 10 schon nen freund/-in und mindestens 20 freunde oder bekannte hat^^.

ich hab gemerkt dass man dann einfach allein losziehen muss um wenigstens etwas rauszukommen oder unter leute zu kommen. einfach mal versuchen abends alleine auszugehen oder etwas anderes machen um nicht total in depressionen zu versinken und wenn man glück hat kommt man mal ins gespräch. ist zumindest besser als gar nichts zu machen.

immerhin interessieren sich deine Kollegen für dich und dann musst du sie vll einfach mal fragen ob du nicht mitgehen kannst.
ich weiss ist zwar alles leichter gesagt als getan, aber irgendwann kann man sich dann vll doch aufraffen.

Viele Grüße,
Tina

03.12.2008 16:21 • #5


kann mich dem gesagten der anderen nur anschließen. ist zwar alles oft einfacher gesagt als getan und mir fällt es auch noch sehr schwer jemanden anzusprechen oder zu fragen ob man was zusammen unternehmen kann. aber andere leute können das auch, warum wir also nicht? vllt sind wir zu kopflastig und denken zu viel über das nach, setzen uns viel zu sehr unter druck ...

und was dein wunsch nach ner beziehung angeht: laß dir zeit damit, geh erst mal einen schritt nach den anderen. ich hab den "fehler" gemacht und mich in beziehungen gestürzt, obwohl ich nicht bereit war dazu und mein partner auch überhaupt nicht zu mir paßte, mich noch mehr unter druck gesetzt hat.
viel wichtiger sind freunde, denn wenn es dann endlich mal wahre freunde gibt, dann halten die bande ewig. und das richtige deckelchen für seinen topf zu finden, dauert wohl bei vielen menschen eine weile.

ach und um meine traurigkeit zu überwinden und in mich reingrinsen zu können, sing ich mir doch tatsächlich diesen bekloppten körperzellenrock vor: jede zelle meines körpers ist glücklich, jede körperzelle fühlt sich wohl... *fg* das is so blöd, daß es mich zum lachen bringt.

ich wünsch dir alles liebe, viel kraft und sonnenschein

04.12.2008 20:17 • #6


Hallo Leute,

ich bedanke mich für euer schnelles Feedback! Mit großen Interesse habe ich die Ratschläge gelesen und natürlich will ich einzelne Punkte aufgreifen.

Wenn mich Leute sympathisch finden, ich das vielleicht sogar spüre, dann frage ich diese Leute freilich ob sie Lust haben, mit mir etwas zu unternehmen. Bisher führe ich mit zwei Kollegen eine relativ gute Bekanntschaft, die sich über den Arbeitsalltag erstreckt. Leider habe ich den Eindruck, dass mit zunehmenden Alter und den wachsenden Verpflichtungen innerhalb der Familie, viele meiner Kollegen keinen Ansporn haben, mit einen zwanzigjährigen "Hüpfer"^^etwas zu unternehmen (meine Kollegen sind allesamt älter und haben teils auch eine eigene Familie). Im Zivildienst habe ich leider auch nur ältere Kolleginnen um mich. Ich genieße dort Welpenschutz^^ und werde sehr bemuttert. Aber das ist ja nicht das, was ich suche.

Alleine ausgehen? Gut, das habe ich probiert, aber für wenig sinnvoll erachtet. Ich war alleine im Kino und es war ein seltsames, ich möchte fast beklemmendes Gefühl dazusagen, von Gruppen umgeben zu sein. Ich fühlte mich komisch und wollte nur noch raus. Am Ende habe ich dann doch durchgehalten und mir den Film angesehen. Das Kino an "sich" hat dann Spaß gemacht, aber der Kontakt zu anderen zu finden ist dort viel zu schwierig. Jedenfalls für mich.
Im Club/Disko? Eigentlich kann ich diese Schuppen nicht ausstehen, habe allerdings den praktischen Nutzen erkannt die eine Disko bieten kann. Widerwillig ging ich alleine in die Disko. Auch hier das gleiche Gefühl wie im Kino: Beklommenheit und Unwohlsein. Ich habe mich trotzdem im Tanzrausch fallen lassen. Aber auch hier hatte ich den Eindruck, dass die meisten Leuten sich gruppieren und es schwierig ist in diese einzudringen. Mädchen anbaggern? Das ist schwer, denn ich stehe ja auf Jungs, was das "Liebesleben" noch mehr verkompliziert. Irgendwann stand ich in dieser Disko, alleine in der tanzenden Menschenmasse und eine Frage drängte mich auf: "Du fühlst dich unwohl. Du fühlst dich trotz der Menschen alleine. Du fühlst Beklommenheit. Was zur Hölle will ich hier?" Ich ging und mir graust es, wenn ich an diesen vermurksten Disko-Abend denke.
Um ganz sicher zu gehen, dass die Disko für mich nichts ist, ging ich an ein anderen Abend in eine andere Disko. Andere Zielgruppe, mehr Erfolg?
Nein, dieser Abend war noch schlimmer als der Erste. Sogar die Motivation zum Tanzen fehlte, so dass ich wie ein Sack am Rande der Tanzfläche weilte. Zudem waren die Leute nicht besonders nett und manch einer straffte mich mit einem seltsam gehässigen Blick ab. Nein, die Disko war nichts für mich. Meine Vorteile, nämlich das Gespräch und meine Empathie, konnte ich in der Disko nicht ausspielen. Meine Ausstrahlung glich in der Disko einer Vogelscheuche und im übrigen tanze ich wie ein Psychopath. Ergo: Disko ist nichts für mich.

Wenn man alleine ist, muss man schon eine Bombenstimmung entwickeln, damit man für Leute interessant wirkt. Und nun ja, so gut schauspielern kann ich nicht^^. Ich weiß, wenn man alleine ist, dann darf man sich nicht Zuhause verkriechen (was ich im Übrigen auch gar nicht mache!), aber als universale Medizin gegen die Einsamkeit kann mir die Disko nicht dienen.

Zurück zu meinen Kollegen. Zur Zeit versuche ich ein soziales Netzwerk über die beiden aufzubauen. Das ist aber gar nicht so einfach, den der Grad von angenehm zu penetrant ist fließend. Wenn ich mich zu stark an beide klammere, dann riskiere ich womöglich die Bekanntschaft. Außerdem muss ich mich beiden öffnen, ihnen von mir erzählen, denn sonst funktioniert das Ganze nicht. Wenn ich mich aber öffne und zu viel von meine Problemen preisgebe, gar meine Kollegen mit meinen Sorgen bombardiere, dann riskiere ich ebenfalls die Bekanntschaft.

Warum ich mich öffnen muss? Ganz einfach, weil die Leute immer davon ausgehen, das man selbst über ein intaktes soziales Netz verfügt. Darum hängt man obligatorisch an jede Einladung (die ja wie erwähnt nicht zahlreich sind) ein "Bringe doch deine Freunde mit" an. Im Gespräch erzählt man von seinen "Freunden" und die Erlebnisse darum. Und nicht zu vergessen der Geburtstag. Mich graut es jetzt schon vor meinen Geburtstag. Meine Kollegen wissen dank dem Arbeitsplan, wann ich Burzeltag habe. Vielleicht erwarten sie nun, dass ich sie einlade? Aber ich kann sie nicht einladen, denn es gibt ja nichts, wozu ich sie einladen könnte. Ohne Bekannten gibt es keine Feier. Und wie seltsam muss es den beiden vorkommen, wenn ich nur die beiden einlade und niemand sonst.
Also sollte ich reinen Tisch machen und beiden von meine Einsamkeitsproblem erzählen. Sicherlich besteht dann weiterhin die Bekanntschaft, allerdings könnte es dann Richtung Mitleid umkippen. Und das will ich beim Besten willen nicht.

Die Situation ist schwierig und ich muss feinfühlig an die Menschen gehen, die mir interessant erscheinen und die mich mögen. Eine Freundschaft wäre sicherlich zu viel verlangt, aber ein Netz aus Bekanntschaften könnte "drin" sein, wenn nicht das Problem schlechthin existieren würde: Ich habe schlicht nichts zu erzählen! Mein Leben ist einfach ein einsamer Weg ohne erzählenswerte Highlights. Keine großartigen Sünden, keine Geschichten über jugendlicher Torheit und keine schmutzigen Anekdoten aus dem eigenen Freundeskreis. Nichts.

Ich bin mir sicher, dass viele andere in meiner Situation beginnen ein Lügenkonstrukt aufzubauen. Logisch, wenn ich nichts zu erzählen habe, dann tu ich so, als hätte ich etwas zu erzählen. Und der Erfindergeist des Menschen ist grenzenlos. Mir persönlich sind Lügen zu anstrengend, denn man muss sich ja alles merken und die erfunden Geschichten in ein Paralleluniversum der Lügen einweben. Irgendwann aber, verhaspelt man sich oder man fliegt auf, weil man doch endlich die erfundenen Freund einladen solle. Nein, nein Lügen sind ineffizient im Endeffekt und nur für einen Augenblick effektiv. Freundschaften kann man auf Basis von Lügen wohl kaum aufbauen.

Um wenigstens an ein Gespräch teilzunehmen, musste ich eine eigene Strategie entwickeln meine eigene Vergangenheit und Gegenwart außen vor zu lassen. Es ist simpel, Smalltalk zu führen und einen angenehmen Eindruck bei den Leuten zu hinterlassen. Man muss sie einfach von sich selbst reden lassen! Menschen lieben es, von sich zu reden. Am Besten viel und mit möglichst maximalen Interessen vom Gegenüber. Ich stelle Fragen so, als würde ich mich für mein Gegenüber interessieren. Natürlich verpacke ich die Fragen humorvoll und lächle süß, ab und zu kommt hier und da ein Brise geheuchelter Überraschung und dekoriere meine Reden mit leichter Rhetorik, am Besten mit dem Wiederholen von dem Gesagtem. Das funktioniert erstaunlich gut.

Klar ist auch, dass diese Strategie nur für Smalltalk reicht, denn will ich mehr, muss auch ich anfangen von mir zu erzählen. Dann wird's eben hapig.

Mit meinen Kollegen habe ich eine entscheidende Basis für jedes Gespräch: die Arbeit. Und so dreht sich jedes Gespräch um die Arbeit. Man lästert über die anderen Kollegen, man lästern über Kunden, man empört sich über das Auftragsvolumen und am Ende sinniert man witzig über das "was wäre wenn..." im Bezug auf die Arbeit. Bisher scheint die Arbeit eine unerschöpfliche Quellen täglichen Ärgernis zu sein, worüber sich pro Tag mindestens 2 Stunden Unterhaltungsstoff generieren lässt .

Wie Leute für sich gewinnen? Das ist die Frage die unbeantwortet bleibt, denn obwohl ich offen bin, fällt die letzte Barriere nicht. Eine Distanz zu mir und den anderen bleibt. Einfach ausgehen und hoffen ist nicht genug, man muss auch selbst sich ändern und diese positive Veränderung ausstrahlen. Dazu gehören optische Highlightsetzungen genau so dazu, wie eben leider ein intakter Freundeskreis, aus dem man Inhalte für Gespräche ziehen kann. Empathie scheint nichts zu sein, was unbedingt von Nöten ist, denn tagtäglich begegnen mir Leute, die unter uns gesagt "herumlaufende Ar." sind und trotzdem einen relativ ansehnlichen Kreis aus Bekanntschaft halten.

Der Tipp auszugehen ist sehr gut. Auch ist ein Verein ein förderliches Mittel. Ich werde letzteres versuchen, auch wenn meine Hobbys nicht gerade Massenkompatibel sind. Am zugänglichsten für andere ist die Fotografie. Darüber versuche ich nun zu arbeiten. Darüber kann ich erzählen. Eine gute Basis. Vorerst.

Bis ich endlich ein soziales Netzwerk aufgebaut habe, muss ich noch mit so manches widerwärtiges Gefühl in "mir" fertig werden. Die Einsamkeit hinterlässt Spuren und meine erlernte Offenheit ist in Bedrohung, wenn ich in eine Depression abrutsche. Das ist wahrscheinlich, wenn ich nicht bald Erfolge verbuchen kann. Und diese drohende Depression kann ich mir nicht wegdenken, oder durch positive Gedanken davon zaubern.

Nein, diese Depression, die schon bei mir anklopft, ist nur ein logischer Baustein in einer Biografie eines einsamen Menschen. Und wenn ich erst in einer Depression bin, dann, so befürchte ich, erleide ich einen fundamentalen Rückschlag.

Aktuell habe ich wieder gute Laune (der heutige Tag war genial), reise morgen nach Frankreich, weil ich dort fotografiere und freue mich schon tierisch darauf am Sonntag meine Bilder zu bearbeiten. Und mein kleines persönliches Glück genieße ich solange, bis wieder der nächste (Traurigkeits-)Schlag kommt.

05.12.2008 23:40 • #7


Hallo Mankannhelfen,
ich habe leider keine Ratschläge für Dich; ich bin selber erst am Anfang, an mir zu arbeiten und das wird noch ein sehr weiter Weg.
Außer dass ich keine 20, sondern 45 bin und auch nicht auf Jungs stehe, geht es mir ganz, ganz ähnlich wie Dir. Ich hab hier schon viele Beiträge gerade über Einsamkeit gelesen und ich habe in meinem "eigenen" Thread (ist schon ein paar Tage alt) -zig Seiten gebraucht, um meine Empfindungen zu Papier zu bringen. Du schaffst es mit einem Beitrag, vieles von dem, was ich lange Zeit schmerzlich empfand und noch empfinde, sehr hautnah aufzuschreiben.
Das Kino, die Disco, der Geburtstag, der schmale Grat des Sich-Öffnens gegenüber den paar Kollegen, die man überhaupt hat, das Gefühl (oder die Tatsache?), nichts zu erzählen zu haben, die kleinen Lügen, mit denen man zuweilen versucht ist, sich interessant zu machen, die Bitterkeit, Leuten zu begegnen, die man eigentlich für komplette Ar. hält, die aber keinesfalls über Alleinsein klagen müssen, und die Schwierigkeit, mit "wenig massenkompatiblen Hobbies" soziale Kontakte aufzubauen, all das ist mir sehr vertraut. Ich habe hier noch nie einen Beitrag gelesen, der so auf den Punkt kam. Danke dafür!
Das soll ja nicht heißen, man kann ja doch nichts ändern. Vielen Threads hier, vielen Mitgliedern, dem Expertenteam und überhaupt diesen Seiten hier habe ich schon vieles Hilfreiches entnommen und bin wie gesagt "auf dem Wege"... Und das wird Dir sicherlich genauso gehen.
Für heute bin ich einfach nur mal dankbar, wenn auch irgendwo gefühlsmäßig und schmerzlich aufgewühlt für diesen Beitrag, weil es schon ein besonderes Erlebnis ist, beim Lesen zunehmend heftiger mit dem Kopf zu nicken und zu sagen: das issses, der Mann bringts auf den Punkt!
Konstruktiv an seine Probleme rangehen kann man ja morgen wieder.
Viele Grüße,
Jens

06.12.2008 19:18 • #8


hi,
ich hab alles hier sehr gewissenhaft gelesen.
ich habe einen tip.
menschen sind feinfühliger als man glaubt, selbst wenn sie nur über belangloses reden merken menschen nach kurzer zeit ob jemand wirklich intresse hat oder nicht. ich unterhalte mich nur länger mit leuten die ich wirklich interressant finde. weil wie du selber schon sagst: lügen geht nicht lange gut.
dann ist es mit dem kennenlernen wie in dem film " schweigen der lämmer " (läuft heute abend übrigens) man erfährt nur etwas von dem anderen, wenn man auch etwas von sich erzählt. das muß aber nicht gott weiß wie außergewöhnlich sein oder ne super storie. Menschen haben interesse an ganz normalen dingen. z.B.: was du gerne im tv schaust, wo du gerne was ißt und so weiter.....aber auch wie du dich gerade fühlst und warum. erzähle ruhig etwas privates!
etwas nett verpackt kann man zum B. sagen : ach, das erinnert mich jetzt an einen abschnitt von der letzten folge meiner lieblingserie ....und so weiter..... mal schaun was der andere dann sagt......
ich habe sogar mal auf ein belangloses " wie gehts?" gesagt: schlecht, ich fühl mich zur zeit echt schlecht. ja, da kam dann ein gespräch zu stande:-) aber es muß natürlich auch immer die situation passen.
wenn jemand dann blöd reagiert, egal ! nächstes gespräch versuchen.....
wichtig ist nur sich nicht zu verstellen. das mercken die menschen und dann wirkt das sehr komisch.
menschen die einen ablehnen, obwohl man erlich ist, können einen auch egal sein!
man muß nicht beliebt sein, sondern loyal!wenn die ersten echten interessen ausgetauscht sind, ist ein treffen nicht mehr weit......
ich hoffe ich konnte etwas helfen.
LG -wladimir-

06.12.2008 21:11 • #9


... mir hast du geholfen, mir hast du bestätigt, wie gut dieser Weg ist, nämlich der, authentisch und ungezwungen zu sein.

Wie könnte man sich diese Art einfach so aneignen... früher konnte ich es auch nicht und kann mich jetzt noch daran erinnern, wie schwer ich mir mit den Kontakten tat.

In den Selbsthilfe-Ratgebern steht, dass man entgegen seines Bauchgefühls sich vor dem Spiegel nette und aufmunternde Dinge sagen soll.

"Hey, eigentlich bist du dermaßen ok, dass du niemanden brauchst. Wer nicht zu dir kommt ist selbst schuld."
"Wenn du mal ins Kino gehen willst, dann machst das einfach. Der Film und die Botschaft sind wichtig, nicht ob du allein oder zu zweit ins Kino gehst."
"Wenn du genügend Filme gesehen hast, hast du jede Menge neuer Erfahrungen im Kopf und viel Gesprächstoff, das musst dir erst mal einer nachmachen."
"Mache dir einen schönen Tag, geh joggen, zum Fußball, danach eine Lesestunde. Jeder hat mal Zeiten in denen er ein wenig einsam ist, die musst du für dich nutzen. Wenn erst ne Freundin da ist, wirst du die Zeit für dich mit ihr teilen müssen."
"Kaufe dir was tolles zum Anziehen, ein Rennrad, Bücher, irgendwas, was dir Freude macht und für dich eine neue Lebensqualität darstellt. Überleg mal, etwas, was du gerne hättest gibt es ganz bestimmt."
"Melde dich beim Kampfsport an, das gibt Kraft und Selbstbewußsein. Sei einfach mal ein Krieger."

Das alles ist ein Geflecht, ein Netz - und wenn der nächste Tief kommt, fängt er dich ein wenig auf, beim nächsten mal noch besser, irgendwann hat man dann so viel Freude darüber, wie toll man das Leben meistert, dass Tiefs nur noch auf leisen Sohlen kommen und von dir mit einem müden Lächeln begrüßt werden...

"Ja, dich kenne ich, du bist zwar hier, ... aber mein Leben gehört jetzt mir..."

... und wenn das alles nicht funktioniert, dann gibt es doch diese tollen AD´s, ein paar Tage oder Wochen warten - und jahrelang nicht mehr leiden müssen, sich wohl fühlen, Pläne verwirklichen... seid es euch Wert, Menschen...

Wie ist es eigentlich an Weihnachten? Können sich die, die ganz alleine daheim sind nicht gegenseitig anrufen? .... hier gibt es auf jeden Fall einen Chat, das ist schon mal was...

09.12.2008 02:00 • #10


Hmmm. Wenn ich mein eigenen Text lese, dann kann ich mir vorstellen, dass meine Smalltalk-Strategie oberflächlich und aufgesetzt ist. Nun im Endeffekt ist sie das auch, wie auch bei jeden anderen, aber echtes Interesse kann sich ohnehin nur im "Gespräch" entwickeln. Ein Beispiel:

Vor einigen Tagen hat bei meiner Zivildienst-Stelle ein gleichaltriges Mädchen angefangen. Sie macht eine Ausbildung zur Krankenschwester und absolviert nun ein zweiwöchiges Pflegepraktikum bei uns. Obwohl ich den Zivildienst sehr nett finde, interessiert mich die ganze vertiefende Thematik "Pflege & Medizin" kaum. Natürlich habe ich das neue Mädchen begrüßt und nach einen witzigen Gespräch, vieles über sie herausgefunden. Ihr Alter, Ihre Beweggründe für die Ausbildung, ob sie hier aus dieser Stadt kommt, sie hört R&B und sie fährt mit der Straßenbahn. Das alles interessiert mich nicht wirklich, und ich glaube das ist ja auch nicht wirklich der Punkt. Im Smalltalk ist echtes Interesse nicht besonders entscheidend, sondern eher man beschnuppert sich. Man passt auf, wie jemand spricht, welche Stimmung das Gegenüber hat und kundschaftet das non-verbale aus . Ich lache und lächle sehr viel im Smalltalk und meistens lächelt das Gegenüber zurück. Selbst kann ich gar nicht sagen, ob das Lachen aufgesetzt ist, denn es ist so ein fließendes Lachen, das zwar bewusst "ausgelöst" wird, um die Situation aufzulockern, aber am Ende sich in ein richtiges Lachen wandelt.

Im Gegenzug erzählte ich auch einige Dinge von mir. Meine Ausbildung, meine Beweggründe weshalb ich diesen Zivildienst angetreten habe, wie es mir bislang gefallen hat und die Standarddinge wie Alter, Herkunft und ob ich mit dem Auto hier bin. Zwei Dinge sind mir aufgefallen und sie fallen mir grundsätzlich auf:

-Wenn ich etwas erzähle, dann fragt das Gegenüber meistens nicht näher nach. Das ist auch bei meinen Kollegen so. Ich erzähle ihnen von meinen Zivildienstalltag. Sie hören zwar zu, aber ich habe immer das Gefühl, dass sie mir nicht genau zuhören und nur darauf warten, endlich mit ihren "Themen" anzufangen. Am deutlichsten wurde das mal in einem Telefongespräch deutlich. Mein (temp. Ex-)Kollege und ich unterhalten uns zuerst über die Arbeit, wechseln dann zum Zivildienst. Er hört mir zu, sagt "Ah, toll" dann folgt ein merkwürdiges Schweigen, keine Rückmeldung^^und am Ende lies ich von der Idee ab "von mir zu erzählen" und schlachtete wieder das ewige Thema Arbeit aus.
Vielleicht schmücke ich meine Gespräche zu wenig aus oder präsentiere sie nicht richtig. Andere Leute sind gut im Erzählen, ich bin es anscheinend nicht. Ich bewundere die Kunst, seinen Alltag mit Pointen zu erzählen und Spannung zu erzählen. Während andere aus ihren Alltag ein stundenlanges Gespräch zaubern, bringe ich die Sachen meist in fünf bis zehn Sätzen auf den Punkt. Irgendwie kann ich anscheinend keine Spannung erzeugen. Daran muss ich noch üben.

- Es treten oft Pausen ein, wo nach meinen Gefühl keine hingehören. Unterhalte ich mich mit einer Person, dann treten oft merkwürdig Pausen auf. Immer dann wenn ich von mir erzähle. Es kommt einfach keine Rückmeldung. Währrend ich nach einigen Umständen frage, scheint es andere gar nicht zu interessieren. Ich denke, dass ich in diesem Fall etwas falsch mache. Aber nur was?

Eigentlich interessiert mich das Mädchen kaum, aber es ist nette eine Person für "leichte" Dialoge zu haben. Jetzt wäre es interessant zu wissen, wie man so einen Smalltalk in ein richtiges Gespräch mit richtigen Inhalten wandelt. Denn mehr als Smalltalk ist nicht meistens nicht drin... außer ich schlachte wieder das Thema "Arbeitsalltag" aus, aber das ist sooo . Es muss doch mehr geben.

09.12.2008 07:25 • #11


hi,
wieso willst du dich unbedingt mit dem mädchen unterhalten wenn sie dich gar nicht wirklich interessiert ?
such dir menschen die du interressant und nett findest !!
egal wie alt oder so.
ich unterhalte mich auch teilw. mit 85 jährigen wenn ich sie interessant
finde.
bei komischen pausen im gespräch einfach mal was fragen ! z.B.:
oder ?-- wie siehst du das? und so weiter......
oder : hattest du auch schonmal so eine situation?
übung macht den meister
P.S.: isis-z hat recht. es ist teilweise sehr schwierig ein gespräch in gang zu halten und wenn dann noch angst ins spiel kommt wird es krass.
die tips von isis-z kenn ich und sie sind wirklich gut. !!
aber / UND :
um so mehr man redet umso leichter wird es........
versuch immer weiter zu üben !
viel erfolg .
LG -wladimir-

09.12.2008 12:11 • #12


Hallo liebe Leute,

Zitat von wladimir:
hi,
wieso willst du dich unbedingt mit dem mädchen unterhalten wenn sie dich gar nicht wirklich interessiert ?


Nun ja. Sie war halt neu und es gehört dazu sich den Neuen vorzustellen, wie es auch selbstverständlich sein sollte, dass sich der Neue uns vorstellt. Das handhabe ich in allen Lebenslagen so und gehört einfach zum Anstand. Auch ich wurde herzlich in einer "umfangreichen" Unterhaltung Willkommen geheißen.

Und das mich das Mädchen nicht interessiert, konnte ich nur nach einer Unterhaltung sagen. Ich finde ihre Ausbildung für mich kaum interessant. Doch wie wir alle wissen, besteht der Mensch mehr als aus der Arbeit. Vielleicht kreuzen sich unsere Hobbys? Wer weiß?

Mittlerweile weiß ich auch mehr über sie und wir unterhalten uns wirklich nett. Natürlich sehr oberflächlich, denn wie sollte es sonst sein, aber ich kann ab und zu lachen. Das ist doch auch schon mal was.

Zitat:
such dir menschen die du interressant und nett findest !!
egal wie alt oder so.


Da gibt es nur ein Problem. Es steht den Menschen eben nicht ins Gesicht geschrieben (nein, wirklich nicht, trotz aller haarsträubender Klischees) welche Interessen sie haben. Das kann man nur per Unterhaltung rausfinden. Man muss die Gefilde des Smalltalks verlassen und seine Unterhaltung vertiefen. Und da ist ja mein Wunderpunkt. Mein Leben ist Inhaltsleer, wenn man die Arbeit und meine teilweisen langweilen Hobbys außen vor lässt.

Aber selbst wenn die Person das gleiche Hobby teilt, dann ist ein erfolgreiches Gespräch nicht vorprogrammiert. Beispiel: Ich habe mich mit einem Fotografen über Fotografie unterhalten. An sich war er bestimmt nett, aber sobald wir uns des Hauptthemas gewendet haben, wurde ich nieder gemacht. Ich konnte den guten Herren argumentativ nicht das Wasser reichen und stand nur mit offenen Mund vor seinem Fachwissen, das grenzenlos schien. Dieses Gespräch zeigte mir deutlich: Ich bin in allen meinen Hobbys Laie und könnte kein Fachgespräch bestehen. (auch weil ich grundsätzlich dem Sprechen nicht mächtig bin - habe einen kleinen Sprechfehler - siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Poltern_(Sprechstörung) )

Zitat:
bei komischen pausen im gespräch einfach mal was fragen ! z.B.:
oder ?-- wie siehst du das? und so weiter......
oder : hattest du auch schonmal so eine situation?
übung macht den meister


Hmm. Es fällt mir schwer, diese Pausen zu beschreiben. Es sind andere Pausen, unangenehmere, gar nicht in die Situation passende, teilweise absurde Pausen. Es passiert immer dann, wenn ich spreche. Ich habe das Gefühl, dass mich das Gegenüber nicht verstanden hat oder aber kein Interesse hat oder schlicht nicht weiß, was es dazu sagen soll. Würde dann noch mit "Na, was sagst du" "Wie siehst du das" kommen, würde das mir sehr penetrant herkommen.

Also wie oben verlinkt, habe ich halt eine Sprechstörung. Ich kann keine grammatikalisch richtige Sätze aussprechen, stotterte sehr und rede mit einer gedämpften Stimme, die sich brummig und laut aber nicht klar anhört. Das ist leider ein großartiges Defizit und diese Sprechstörung ist der thronende Mittelpunkt aller meiner Ängste.

Ich war letztens auf der Dienstbesprechung meiner Zivildiensteinrichtung. Als man mich um meine Meinung gebeten hatte, hörte sich das ungefähr so an:

"Ich denke, dass... was..ähhmm.. denke, ja dass wir so... so... alle halt.. ja, halt... ich weiß auch nicht... halt ja, Krospondänz halten.. ja halt" Dazu fuchtelte ich wild mit den Händen rum und meine Blick sprang von einen zum anderen Punkt.

In diesem Moment haben mich bemitleidenswerte Blicke (die hasse ich wie die Pest^^) begleitet. Natürlich bat man mich langsamer zu sprechen und erst zu denken und dann zu sprechen (wie ich diesen Satz hasse, schon mein ganzes Leben lang muss ich mir den anhören, aber die Menschen um mich verstehen nicht, wie mein Denken und meine Artikulation funktioniert).

Sagen wollte ich eigentlich folgendes: "Ich denke, um im Zukunft erfolgreich Konflikte vorher abzufangen bzw. erst gar nicht aufkommen zu lassen, ist die gegenseitige Korrespondenz zwischen Leitstelle und Sozialstation unumgänglich. Man sollte sich täglich per E-mail austauschen und Probleme ehrlich, offen und authentisch diskutieren." Der Satz stand in meinen Kopf, doch aussprechen konnte ich ihn nicht.

Je spontaner ich sprechen muss, umso sicherer ist dieser Sprechfehler. Heute habe ich meinen Sprechfehler schon besser im Griff, als damals in der Schule, wo dieser Umstand eine wahre Katastrophe für mich war.

Zitat:
um so mehr man redet umso leichter wird es........
versuch immer weiter zu üben !
viel erfolg .
LG -wladimir-


Danke, das ist ja klar. Und auf diesen Weg befinde ich mich, auch wenn ich sicher bin, dass ich nie ein großer Redner sein kann.


Zitat von isis-z:
Wie könnte man sich diese Art einfach so aneignen... früher konnte ich es auch nicht und kann mich jetzt noch daran erinnern, wie schwer ich mir mit den Kontakten tat.

In den Selbsthilfe-Ratgebern steht, dass man entgegen seines Bauchgefühls sich vor dem Spiegel nette und aufmunternde Dinge sagen soll.


Hmm.. Ich fürchte ich beschreibe mich sehr schlecht. Ich bin sehr offen, unterhalte mich trotz meines nervigen Sprechfehler sehr gerne und sehr viel, wenn auch immer im "Smalltalk"-Modus. Und ich hasse auch niemanden. Weder die Menschen um mich, denn wie sollten sie meinen inneren Druck nach Freundschaft & Sex & Liebe wissen können, noch hasse ich mich selbst, denn meine Fortschritte sind trotz mangelnden Freunden für mich eine Motivation mich zu akzeptieren. Aber ehrlich gesagt habe ich zu mir selbst eine gute Beziehung^^. Nun wenn ich so nachdenke, würde ich nie auf die Idee kommen mich zu hassen.
Traurigerweise könnte man auch sagen: Ich bin mir mein bester Freund, ich bin der einzige der mich versteht und ich bin der einzig, der mich ohne Bedingung liebt. (bei meiner Familie bin ich mir nicht immer sicher )


Zitat:
Ja, dich kenne ich, du bist zwar hier, ... aber mein Leben gehört jetzt mir...


Das muss ich mir nicht sagen, denn ich lebe in keiner säkularen Welt zwischen Mir und Ich. Ich bin ich, wenn ich im Spiegel mich ansehe, dann muss ich mir nichts Gutes sagen. Ich rede auch ungern von mir und ich, sondern verwende lieber "Selbst". Mein Selbst. Ich betrachte mich, als Ergebnis meiner Gedanken. Was ich sehe, sehe nur ich. Was ich höre, höre nur ich. Ich bin mir nicht fremd. Ich bin mir selbst das Vertrauteste auf dieser Welt.

Ich weiß, dass viele hier sich selbst nicht ausstehen können, aber das trifft auf mich nicht zu.

Zitat:
"Hey, eigentlich bist du dermaßen ok, dass du niemanden brauchst. Wer nicht zu dir kommt ist selbst schuld."
"Wenn du mal ins Kino gehen willst, dann machst das einfach. Der Film und die Botschaft sind wichtig, nicht ob du allein oder zu zweit ins Kino gehst."
"Wenn du genügend Filme gesehen hast, hast du jede Menge neuer Erfahrungen im Kopf und viel Gesprächstoff, das musst dir erst mal einer nachmachen."
"Mache dir einen schönen Tag, geh joggen, zum Fußball, danach eine Lesestunde. Jeder hat mal Zeiten in denen er ein wenig einsam ist, die musst du für dich nutzen. Wenn erst ne Freundin da ist, wirst du die Zeit für dich mit ihr teilen müssen."
"Kaufe dir was tolles zum Anziehen, ein Rennrad, Bücher, irgendwas, was dir Freude macht und für dich eine neue Lebensqualität darstellt. Überleg mal, etwas, was du gerne hättest gibt es ganz bestimmt."
"Melde dich beim Kampfsport an, das gibt Kraft und Selbstbewußsein. Sei einfach mal ein Krieger."


Alles richtig. Und in einigen Bereichen agiere ich natürlich auch so. Ich belohne mich manchmal auch, wenn ich nach meiner Meinung gut war (besonders fleißig in der Arbeit). Oder bummle auch mal ausgelassen alleine durch die Stadt und schaue gerne DVD und erfreue mich an den Film. So weit bin ich. Aber die Wahrheit lässt sich nicht wegträumen.

Die Wahrheit ist: ich bin alleine. Die Wahrheit ist auch: ich will nicht alleine sein. Ich sehne mich nach wirklichen Gesprächen, nach ausgelassenen Abenden, einen Silvester unter Freunden, einen Samstag wo ich auch mal was wirklich "vorhabe". Auch will ich endlich die Haut eine anderen Menschen spüren, die Lippen und den Geruch, ich will endlich jemanden in die Augen sehen können und nicht Angst haben müssen, das meine Augen meine Gefühle verraten. Ich möchte mit jemanden lachen können, ihn danach in die Arme halten und Küssen können, ihn durch die Haare fahren und am Ende an den Backen streicheln dürfen. Ja, das alles möchte ich. Und zwar nicht erst wenn ich 30 oder 80 bin, sondern so bald wie möglich.

Mir ist bewusst das eine Beziehung neue, vielleicht größere und sicherlich weitaus zerstörerische Probleme hervorbringen kann. Auch ist mir klar, dass ich eventuell dem allen nicht gewachsen sein könnte. Aber ich will es JETZT versuchen und tue VIELES dafür, um endlich einen Menschen lieben zu können.

Die Zeit läuft. Jeden Tag. Ich spüre es. Sekunde für Sekunde. Schlag für Schlag. Der Wind trällert es. Der Mond spricht es vor, die Sonne prophezeit es. Ich bin 20. Ja, 20 wie jung ich doch bin, aber die Zeit läuft und sie scheint immer schneller zu vergehen. Mir sind kaum Erinnerungen an diesen Sommer geblieben, geschweige von diesem Jahr. Ein Tag fühlt sich so kurz an, so leer, so routiniert, so wertlos. Ich muss meine Tage mit Menschen füllen, die lieben und leiden kann. Schaffe ich das nicht, dann bin ich eigentlich schon tot.

--------

Ich bin dennoch froh, dass alles so ist wie es ist. Ich liebe es, nachdenklich zu sein, an mir arbeiten zu können und nicht perfekt auf die Welt geboren zu sein. Es ist toll, an seinen Schwächen zu arbeiten und seine Stärken auszubauen. Einsam zu sein ist kein Schicksal, man kann es ändern.

Mir fehlt noch ein Schritt, ein Stück in dem großen Puzzle der sozialen Kompetenz um die Herzen der Menschen für mich zu gewinnen. Irgendwas fehlt mir und ich muss rausbekommen was mir fehlt.

14.12.2008 00:46 • #13


Hallo Mannkannhelfen,

du hast geschrieben: -Wenn ich etwas erzähle, dann fragt das Gegenüber meistens nicht näher nach.

In der Regel ist es so, daß wir unbewußt Beziehungen eingehen mit dem unbewußten Hintergrund: wie kann ich für mich das meiste aus dieser Beziehung herausholen. Eigentlich müßten wir eine Beziehung eingehen mit dem bewußten Gedanken: was kann ich hier alles hineingeben.
Im Grunde läuft das wie eine wechselseitige Bedürfnisbefriedigung.
Dessen muß man sich aber erst mal bewußt werden, indem man sich selbst reflektiert. Im Grunde gehen wir als "Mängelwesen" Beziehungen ein und erwarten durch eine Beziehung einen Ausgleich unseres Mangels.
Das fängt oft bei Gesprächen an. Ich denke, daß auch bei Smalltalk schon unbewußt abgecheckt wird, wieviel sich für einem selbst aus diesem Kontakt herausschlagen läßt. Dein Gegenüber erwartet, daß es thematisch hauptsächlich um ihn geht. Sieht er diese Tatsache nicht erfüllt, läuft das Gespräch nicht. Das Ego möchte gerne immer im Mittelpunkt stehen. Wie gesagt, das läuft alles unbewußt ab. Aber wir haben das so gelernt und sich diesen Strukturen bewußt zu werden und diese aufzubrechen, ist der nächste Schritt.
Die meisten Menschen hinterfragen halt gar nichts, sondern leben ihr Leben ab und gut ist es. Andere hinterfragen sich vielleicht zu häufig.
Dazu muß man aber in der Lage sein, Selbst-bewußt zu sein, auch im Alltag. Das Ego liebt ja Wiederholungen und Bekanntes. Es ist bestrebt möglichst in Situationen zu gelangen, die es kennt, und wofür es Strategien erlernt hat. Ob die Situation für Dich gut ist, oder nicht, ist dabei nicht entscheidend. Das Ego ist nicht daran interessiert, ob es Dir gut geht, oder nicht. Es möchte nur sein erlerntes Programm abspielen. Vielleicht hast Du schon mitbekommen, daß viele Menschen jammern, ach immer komme ich an dieselben Männer/Frauen.
Das ist die Wiederholung, die unser Gehirn (Ego) liebt. Es bringt uns immer wieder in die gleichen Situationen. Und da kann ich auf den von Dir geschriebenen Satz zurückkommen.

Und das ist jetzt auch nur meine Sichtweise.

MissErfolg

14.12.2008 09:53 • #14


Hi Mannkannhelfen,

Ich gehöre eigentlich nicht zu denen, die als einzige Lösung der Probleme sagen: Mach Therapie und nimm schön brav Deine Medis.
Was Dein Sprachproblem betrifft, würde ich es allerdings für sehr sinnvoll halten.
Es gab schon oft Berichte, auch im TV, in denen über Patienten und deren Fortschritte erzählt wurde. Viele konnten völlig normal reden zB. mit Hilfe neuer Atemtechniken (Atmungstechniken?).
Vielleicht solltest Du zur Lösung Deines Problemes, dort ansetzen?

Ansonsten denke ich immer noch, dass Du auf dem richtigen Weg bist.
Dein Schreibstil ist klasse.

Bis später
Renton

14.12.2008 14:07 • #15


ich kann mich misserfolg und renton nur anschliessen.
das mit deinem sprachfehler hatte ich irgendwie noch nicht mitbekommen, ich glaube da liegt das hauptproblem. mit dem sprachfehler ist es klar das durch die reaktionen von den zuhörern das selbstbewusstsein sinkt und sich ein teufelskreis bildet.
du solltest dich wirklich mal nach einem sprachtherapeuten umhören ! ( Logopädie). eine bekannte von mir macht das auch und sagt das ganz viele durch so eine maßnahme richtig gut reden können....
..............................................................................................
LG -wladimir-

14.12.2008 15:14 • #16



x 4




Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag


Dr. Reinhard Pichler