App im Playstore
Pfeil rechts
15

Umfrage: Digitale hilfe gegen Einsamkeit? Ja oder nein?

Die Abstimmung ist anonym.

Ja, würde ich für mich selbst ausprobieren
8
40%
Ja, würde ich für einen Angehörigen ausprobieren
1
5%
Finde ich grundsätzlich gut, würde es aber selbst nicht nutzen
2
10%
Bin unsicher / bräuchte mehr Informationen
5
25%
Mag ich nicht / lehne ich ab
4
20%
 
Abstimmungen insgesamt : 20
H

Hope47
Mitglied

4
1
2
Hallo zusammen,
ich beschäftige mich aus persönlicher Erfahrung mit dem Thema Einsamkeit generell und auch Einsamkeit im Alter, insbesondere bei Menschen, die alleine leben oder nur wenige soziale Kontakte haben. Dabei zeigt sich oft, dass es weniger an Pflege oder medizinischer Versorgung fehlt, sondern an Beziehung, Austausch und Zugehörigkeit.

Aus diesem Hintergrund heraus ist die Idee Lina entstanden: eine sprachbasierte digitale Begleiterin, die in einsamen Momenten zuhört und Gespräche ermöglicht. Der zentrale Gedanke ist jedoch nicht das Gespräch an sich, sondern die Brücke zurück ins soziale Leben.

Konkret bedeutet das:
Durch Gespräche werden Interessen, Vorlieben und Lebenserfahrungen sichtbar (z. B. Musik, Hobbys, frühere Tätigkeiten). Auf dieser Basis kann – wenn die betroffene Person das möchte – behutsam dabei unterstützt werden, wieder mit anderen Menschen mit ähnlichen Interessen in Kontakt zu kommen, zunächst anonym und niedrigschwellig (z. B. telefonisch).

Wichtig ist mir die klare Abgrenzung:
keine Therapie
keine Diagnosen
kein Ersatz für menschliche Beziehungen

Mich interessiert eure ehrliche Einschätzung aus fachlicher, persönlicher oder betroffener Perspektive.

Vielen Dank fürs Lesen – ich freue mich auf eure Rückmeldungen.

28.01.2026 #1


10 Antworten ↓


Perle
Hallo,

aus meiner Sicht wäre es einen Versuch wert. Ich persönlich bin froh, dass man sich heutzutage zumindest digital vernetzen / austauschen kann, ansonsten würde mich die Einsamkeit noch mehr schmerzen.

Sich digital zu diesem Thema auszutauschen ist sicher eine niedrigere Hürde als wenn ich vis a vis Anderen von diesem Problem berichten müsste. Ich persönlich mache das zwar vereinzelt aber es ist leider immer noch ein Tabuthema und manchmal wird einem unterschwellig suggeriert, man wäre daran selber Schuld. Dann zieht man sich noch mehr zurück, ist stark verunsichert, deprimiert. Was habe ich falsch gemacht? Nichts - ich hatte einfach Pech.

LG Perle

x 1 #2


A


Einsamkeit - digitale Hilfe?

x 3


H
Hallo liebe Perle,
vielen Dank für deine offenen und ehrlichen Worte. Deine Rückmeldung trifft den Kern dessen, was mich an diesem Thema besonders bewegt. Du sprichst einen sehr wichtigen Punkt an: Einsamkeit ist nach wie vor stark tabuisiert, und die unterschwellige Zuschreibung von „Eigenverantwortung“ oder gar Schuld kann zusätzlich belasten und verunsichern. Dass du das so klar benennst, ist alles andere als selbstverständlich.
Gerade deshalb halte ich niedrigschwellige, digitale Angebote für einen sinnvollen ersten Schritt. Sie ermöglichen Austausch ohne Rechtfertigungsdruck, ohne Blickkontakt, ohne das Gefühl, sich sofort erklären oder beweisen zu müssen. Studien zeigen tatsächlich, dass bereits solche Formen der Interaktion Einsamkeit reduzieren können – nicht als Ersatz für echte Beziehungen, sondern als Brücke dorthin.
Mir ist dabei besonders wichtig, was du implizit beschreibst: gesehen und ernst genommen zu werden, ohne bewertet zu werden. Wenn digitale Vernetzung genau das leisten kann und im besten Fall sogar wieder Mut macht, reale Kontakte aufzubauen, dann ist das aus meiner Sicht ein echter Mehrwert.
Danke, dass du deine Perspektive geteilt hast. Sie bestätigt sehr, dass Offenheit – so schwer sie manchmal fällt – ein wichtiger Teil der Lösung sein kann.
Herzliche Grüße

x 1 #3


MoniHofft
Hallo Hope!
Ich bin angehende Medienpädagogin, kann dir also auch aus fachlicher Sicht einen kleinen Input geben lachen
Die Idee finde ich grundsätzlich erst mal sehr spannend. Eine digitale Begleitung kann sicherlich für viele Menschen (vor allem, wenn sie der digitalen Welt generell eher kritisch gegenüberstehen, sei es aus persönlicher Abneigung oder aus mangelnden Kompetenzen) erst einmal befremdlich sein. Trotzdem glaube ich, dass einige davon profitieren können, sich erst einmal auf medialer Basis mit jemandem "auseinanderzusetzen", bevor es dann wieder in den echten, persönlichen Kontakt geht. Gerade für Leute mit körperlichen, seelischen oder auch geistigen Beeinträchtigungen wird der digitale Raum oft zu einem wichtigen Lebensaspekt, der Zusammengehörigkeit, Teilhabe und Austausch fördert.

Wichtig wäre aus meiner Sicht, dass man sich ganz transparent ums Thema "Datenschutz" kümmert - viele Menschen sind meiner Erfahrung nach bei digitalen Angeboten skeptisch, da sie Angst haben, dass ihre Daten missbraucht werden und vor allem bei "intimeren" Themen wie Hobbies, Leidenschaften und bisheriger Lebenserfahrung kann ich mir vorstellen, dass manche Leute diese nicht einfach so preisgeben wollen, ohne sicherzugehen, dass ihre Daten nicht an Werbefirmen oder andere Großkonzerne verkauft werden.

Was mich noch interessieren würde - werden die digitalen Gespräche, in denen die Interessen der Betroffenen erfragt werden, dann durch eine KI oder durch echte Menschen (z.B. Ehrenamtlichen oder Sozialarbeitern, wie beim Chatten) angeleitet? Die Weitervermittlung an andere Leute mit ähnlichen Interessen wäre durch eine KI und die darin enthaltenen Möglichkeiten zu schnellen Auswertungen der Daten sicherlich einfacher. Andererseits haben die Gespräche mit echten Menschen trotz fortschrittlicher KI-Entwicklung oft einfach mehr Tiefgang und Authentizität.
So oder so - ich finde das Projekt extrem spannend und würde gerne mehr darüber erfahren, sofern du mehr teilen möchtest!
Alles Liebe für dich🌸

x 1 #4


Elisabeth71
Hat man rein sachliche Fragen , so bietet praktisch jeder so ein Programm an.
Ich war aber bisher noch nie wirklich zufrieden mit der Antwort. Die scheinen nicht zu verstehen , was ich will. Man wird dann zu einer Person weitergeleitet.
Versuchen kann man alles , aber ich stelle mir so ein Programm sehr aufwändig vor , außer der Computer antwortet nur mit ein paar Floskeln , die fast immer passen.

x 1 #5


H
@MoniHofft Hallo! Vielen Dank für deinen ausführlichen und fachlich fundierten Input – darüber habe ich mich sehr gefreut.
Deine Einschätzung teile ich in vielen Punkten. Genau diesen niederschwelligen Einstieg sehen wir als eine der zentralen Stärken einer digitalen Begleitung: zunächst in einem geschützten, medial vermittelten Raum in Kontakt zu treten und darüber schrittweise wieder mehr Offenheit für reale soziale Begegnungen zu entwickeln. Gerade für Menschen mit körperlichen, seelischen oder kognitiven Einschränkungen kann das – wie du richtig schreibst – ein wichtiger Zugang zu Teilhabe und Zugehörigkeit sein.
Das Thema Datenschutz ist für uns ein absoluter Kernpunkt. Transparenz, Datensparsamkeit und klare Kommunikation darüber, was erhoben wird und was ausdrücklich nicht, sind aus unserer Sicht Voraussetzung für Vertrauen – insbesondere bei sensiblen, persönlichen Inhalten. Eine Weitergabe an Werbe- oder Drittunternehmen ist nicht vorgesehen; ohne dieses Vertrauen hätte das Projekt aus meiner Sicht keine Legitimation.
Zur Frage der Gesprächsführung: Aktuell denken wir hybrid. Die erste Strukturierung und Interessenabfrage kann durch KI unterstützt werden, um niedrigschwellig und jederzeit verfügbar zu sein. Gleichzeitig sehen wir den großen Wert menschlicher Gespräche – etwa durch Ehrenamtliche oder Fachkräfte – wenn es um Tiefe, Beziehung und echte Resonanz geht. Ziel ist nicht, Menschen zu ersetzen, sondern Übergänge zu schaffen und Ressourcen sinnvoll zu ergänzen.
Ich nehme deine Rückmeldung als sehr wertvoll wahr und danke dir dafür.

x 1 #6


H
@Elisabeth71 Danke dir für diese ehrliche und sehr nachvollziehbare Rückmeldung.

Genau diese Erfahrung, die du beschreibst, ist tatsächlich einer der Hauptgründe, warum wir uns überhaupt mit dem Thema beschäftigen. Viele bestehende Programme funktionieren bei klar abgegrenzten, sachlichen Fragen passabel, scheitern aber dort, wo es unscharf, emotional oder individuell wird. Das Gefühl, „nicht verstanden zu werden“, entsteht oft, weil Systeme zu stark auf Standardantworten und Entscheidungsbäume setzen – und dann bleibt am Ende nur die Weiterleitung an einen Menschen.

#7


Perle
@Hope47 Hallo,

magst Du uns einmal erläutern, für wen oder was Du arbeitest? Du schreibst ja von einem Projekt, von daher sind sicher mehrere Menschen an der Entwicklung beteiligt. Danke!

LG Perle

x 1 #8


B
Aus meinen Erfahrungen sollte bei sowas dringen beachtet werden, dass dies nicht als Ersatzbefriedigung echter sozialer Kontakte verstanden und genutzt werden kann. Denn das kann gegensätzliche Wirkungen haben. Viele suchen und versuchen ihr Bedürfnis nach sozialen Kontakten online zu befriedigen / zu erledigen. Das funktioniert jedoch nicht wirklich und kann nach hinten losgehen. Die Psyche lässt sich dahingehend nicht austricksen. Das muss sich jede Person bewusst sein, die so etwas nutzt.

x 2 #9


K
meiner Meinung nach kann sowas keine echten Kontakte ersetzen. Man weiß doch, dass da nur eine Maschine ist. Sonst könnt man ja auch Chatgpt als Freund betrachten. Und "Austausch" mit einer Maschine? Mh, nein.

x 2 #10


Darkshadow
Hallo Hope47,

zunächst einmal möchte ich die Frage von @Perle wiederholen:

Wer genau bist du bzw. für wen arbeitest du?
Für mich klingt das hier, ehrlich gesagt, nach einer verkappten Marktforschungsumfrage.

Wenn du für einen Anbieter arbeitest, der eine solche digitale Hilfe entwickelt,
wäre es für mich eine Frage der Ehrlichkeit und Transparenz, dies hier offen darzulegen.
Deine Antworten klingen nämlich alle sehr nach ganz typischen Höflichkeitsfloskeln, wie sie in der Geschäftswelt verwendet werden, nicht nach Antworten einer authentisch betroffenen Person. Wenn du hier also dieses Forum zu Marktforschungszwecken nutzen möchtest, wäre es schön, wenn dies ganz transparent offengelegt werden würde.

Zur Frage an sich:
Ganz grundsätzlich kann eine digitale Hilfe eine ergänzende unterstützende Maßnahme für Menschen sein, die Hilfe benötigen, die sich aber primär trotzdem in konkreter menschlicher Betreuung befinden.

Meine Befürchtung ist, dass sich auf diesem Wege Krankenkassen mit Firmen zusammentun, die solche digitalen Hilfen entwickeln, um auf lange Sicht nur Kosten für echte Therapie und ambulante Betreuung einzusparen. Anstatt dass einem Menschen eine dringend benötigte Therapie oder menschliche Betreuung bewilligt wird, werden erstmal nur digitale Apps und ähnliches angeboten, was die Krankenkassen dann rein gar nichts mehr kosten und es wird auf lange Sicht noch weniger Kassensitze für Psychotherapeuten und ambulante psychiatrische Pflegedienste geben als das jetzt bereits der Fall ist. Hier müsste dringend angesetzt werden, es müssten dringend mehr ambulante psychiatrische Pflegedienste und therapeutischen Kassensitze geschaffen werden.
So eine digitale Hilfe kann menschliche Betreuung meiner Meinung nach nicht ersetzen, höchstens ergänzen.

Es gibt ja bereits digitale Gesundheitsanwendungen, und wenn nicht verhindert wird, dass sich dieser Markt weiter exponentiell ausbreitet und auch massiv in die kassenärztliche Versorgung eindringt, wird der Mangel an echten Therapieplätzen und ambulanten Betreuungsangeboten immer schlimmer werden, weil es dann keinerlei Bemühungen mehr geben wird, diesen echten Mangel konkret abzustellen, stattdessen wird nach billigen Alternativlösungen gesucht, die man ohne menschliches Personal möglichst gewinnbringend an den Patienten bringen kann.

Wäre diese Gefahr nicht gegeben, wäre nichts gegen so eine zusätzliche digitale Hilfe einzuwenden, aber leider zeigt die Erfahrung, dass das so vermutlich eher nicht laufen wird. Aus „zusätzliche“ Hilfe wird in absehbarerer Zeit vermutlich ganz schnell „einzige“ Hilfe werden,

x 5 #11


A


x 4






Dr. Reinhard Pichler
App im Playstore