Zitat von Sarah100:Zuerst einmal habe ich für mich selbst gelernt, dass man seine Meinung sagen darf.
Ich glaube, das siehst du noch ein bisschen kindlich.
Es steht im deutschen Grundgesetz, dass wir hier "das Recht auf freie Meinungsäußerung" haben. Das ist eine Basis, auf der im Zweifel Prozesse geführt und Urteile gesprochen werden.
Aber dieses Recht hat viele Grenzen, rechtliche und faktische. Z.B. darf man keine öffentlichen negativen Meinungen ("Beleidigungen") aussprechen, auch wenn man wirklich der Meinung ist, jemand sei z.B. ein Versager ist, dann darf man das nicht einfach so herumerzählen.
Und wenn man in der Arbeit seinem Chef z.B. sagt, er sei ein Blödmann oder Versager, dann muss der sich das nicht gefallen lassenn und darf einem kündigen.
Man hat kein Recht darauf, dass jemand nicht gekränkt ist und keine Konsequenzen zieht, wenn man ihm eine Meinung sagt, die ihm/ihr nicht passt. Trotzdem darf man diese Meinung sagen. Aber man muss eben die Konsequenzen ebenfalls tragen.
Zitat:Am meisten hat mich die Erkenntnis, dass Ehrlichkeit unerwünscht ist, bei meiner Mutter getroffen, da sie mir für meine Begriffe viel angetan hat und es allerdings trotz konkreter Beispiele verleugnet.
Ja, das tut sehr weh und man wünscht sich, dass dieses frühere Leiden wenigstens mal zugegeben wird. Aber da bist du nicht die einzige, deren Mutter das um keinen Preis der Welt zugeben würde, das ist leider ganz normal.
Zitat:Ich denke, dass jeder Mensch so ehrlich zu sich selbst sein sollte, einfach Fehler auch zuzugeben, die JEDER von uns macht - ohne Ausnahme.
"Sollte" ist aber kein "Recht", gell.

Das ist eine Wunschvorstellung, ein Ideal.
Zitat:Die Kollegin ist eine Kollegin, die ich einarbeiten soll. Allerdings läuft bei uns in der Firma alles bisschen anders als normal
Wie viele Firmen hast du denn schon kennengelernt?

In den Firmen, die ich kenne, läuft es ganz genauso.
Zitat:Und ich muss zusehen, wie die Arbeit schief geht, da die Neue sich ja nichts annimmt oder sagen lässt. Sie bummelt, baut eine Katastrophe nach der Anderen und es interessiert keinen. Irgendjemand - also ich - badet es dann schon aus bzw. rettet die Situation, so gut es geht. Ich arbeite wirklich gerne, genau und korrekt, aber es frustriert so, wenn man sieht, was da so schief geht. Kann da einfach nicht abschalten. Könnte mir ja einfach sagen, dass es nicht meine Aufgabe ist und mich nichts angeht.
Wenn du nicht dafür verantwortlich gemacht wirst (das hatte ich vorher so verstanden, dass du dann dafür verantwortlich gemacht wirst), dann solltest du wirklich nicht mehr gegensteuern, sondern den Karren eben in den Graben fahren lassen! DANN werden die Chefs möglicherweise aufmerksam. Wenn nicht, dann läuft der Laden eben suboptimal weiter. Du bist nicht für die Rettung der Firma zuständig und nicht dafür, die Fehler aller anderen, einschließlich der Vorgesetzten, aufzufangen und auszubügeln.
Zitat:ich denke, dass Ehrlichkeit sehr wichtig ist.
Ich verstehe nicht wirklich, was dein Problem mit der Kollegin mit Ehrlichkeit zu tun hat.

Wenn SIE nicht ehrlich zu ihren Vorgesetzten ist, ist das doch nicht deine Sache? Wenn du das aber unbedingt aufklären willst, weil du meinst, es sei für die Existenz der Firma nötig, dann musst du eben Nägel mit Köpfen machen und z.B. ein Schreiben aufsetzen, in dem du ihre Arbeitsfehler und deren bösen Folgen darstellst, und deinem Chef oder obersten Chef übergeben (so ein Schreiben würde ich aber lieber nur mit einem Rechtsanwalt aufsetzen, und selbst das wäre keine Garantie dafür, dass das für dich gut ausgeht). Dann musst du aber auch von vornherein damit rechnen, dass möglicherweise DU dann als unkollegial, nicht teamfähig und für die Firma nicht mehr tragbar dastehst. Das solltest du dir gründlich vorher überlegen, ob dir das dafür wichtig genug ist. Auch dein Zeugnis würde dann entsprechende Hinweise enthalten - und dagegen müsstest du dann einen Prozess führen usw. Ist es dir wirklich so wichtig?
Zitat:Ich denke, dass ich mit Kritik umgehen kann. Ich höre mir die Argumente des Anderen an, erkläre meine Sicht der Dinge oder meine Denkweise und dann kann ich immer noch entscheiden, ob ich mir die Kritik annehme. Aber Kritik bzw. Ehrlichkeit ist nicht immer schlecht. Manchmal kann man auch davon noch etwas lernen.
Das hört sich sympathisch an. Für deine persönlichen Beziehungen ist das bestimmt eine gute Basis.
