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Antebellum
Ich bin einsam.

Heute gestehe ich mir das ein.
Doch ich kann es nicht ändern, ich weiß nicht mal, ob ich es ändern will....
Ich bin kompliziert, mein Leben ist kompliziert.
Ich bin mit keiner anderen bekannten Lebensform wirklich kompatibel.
Mein halber Körper ist tot, der Rest funktioniert nur bedingt.
Ich bestehe aus Ersatzteilen, einiges fehlt ganz.
Schon rein äußerlich wäre ich für jeden Partner eine Zumutung!
Von meinem Wesen ganz zu schweigen....
Ich sehne mich nach nichts so sehr, wie nach Nähe.
Doch mir ist schmerzlich bewußt, daß ich mich niemandem zumuten kann,
niemandem zumuten werde. Niemals!

08.01.2011 03:52 • 14.01.2011 #1


14 Antworten ↓


spiegelscherben
Hmmmm.... Ich schreib nun einfach mal was ich so darüber denke nachdem ich mir ein paar Minuten Zeit genommen habe mich nach dir umzuschauen...

Habe mir unter anderem deine Internetseite angeschaut...
Du schreibst mit viel Selbstironie - und das in einer zugegebenermaßen schwierigen Situation - und Witz über dein Leben... verfaßt sehr lyrisch und mit viel Kreativität Texte und Gedichte, die wirklich ihresgleichen suchen und wirkst auf mich zunächstmal wie ein sehr interessanter Mensch (wenn auch etwas eigenbrötlerisch... aber das bin ich auch, das stört nicht).

Vielleicht solltest du dich nicht gar so sehr auf deine Behinderung verbeissen und eher mal schauen was du für positive Charaktereigenschaften mitbringst... und da fallen mir einige auf.
Außerdem finde ich darüber hinaus in deinem Gästebuch Einträge, wo Menschen sich durchaus so äußern, dass sie sich auf den nächsten Kontakt mit dir sehr freuen - zum Beispiel mit dir zu Labern.

Ob du einen Partner willst, weiss ich nicht, das musst du natürlich selbst entscheiden, aber ich denke auch, dass es durchaus möglich wäre.
Du beschreibst dich hier als abstoßend und eine Belastung für andere - ich glaube nicht, dass das die ganze Wahrheit ist, ich glaube du bringst sehr viel Positives mit, das du hier einfach verschweigst, um dich selbst grausamst zu beleidigen.

Du scheinst ein sehr kreativer, eloquenter, durchaus auch belesener und neugieriger (@Bücher, Filme und Musik) Mensch zu sein, der darüber hinaus wohl ein sehr interessanter Gesprächspartner zu sein scheint, wenn ich den Menschen in deinem GB glauben darf.

Ich weiss nicht was du dazu lesen wolltest, aber ich relativiere mal deine absolute Aussage vor dem Hintergrund, dass du es öffentlich schreibst und wahrscheinlich nicht unbedingt nach Zustimmung suchst - die wirst du von mir nämlich nicht bekommen .

08.01.2011 09:16 • #2



Einsam aus Notwendigkeit und Überzeugung

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spiegelscherben
Und @rein äußerlich... eine Zumutung!
Kann ich so auch nicht unterschreiben... schaust doch ganz nett aus! Vor allem hast du da einen sehr stolzen Bart, bin ich regelrecht neidisch... (sorry der letzte Teil war nu in eigener Sache)

08.01.2011 09:27 • #3


Capricorn
Wie kannst du sagen, du würdest dich keinem Menschen ZUMUTEN?

Lass los, von dieser zerstörerischen Selbstsicht! Nur DIE ist, meines Erachtens, der Grund für deinen Schmerz. Du siehst dich selbst als Zumutung und diese Sicht musst (ich sage ganz bewusst „musst“!) du loslassen. Wider aller anderer Gedanken!

Hast du diese Sicht erst losgelassen, … lass dich überraschen! Du wirst – im positiven Sinn – Bauklötze staunen! Da bin ich mir sicher!

Du bist klug genug, um zu wissen, dass ich Recht habe!

Also, nicht lang diskutieren, sondern … LOS! (-lassen)

LG
Capri


P.S.:
Mir sagte mal der liebste Mensch (in einer Liebesbeziehung) in’s Gesicht: „Du bist eine Zumutung für die Menschheit!“

Erst viel, viel später, als ich den Schock dieser Aussage halbwegs verdaut hatte, ZU spät für die Situation, fiel mir die passende Antwort darauf ein:
„Die Menschheit ist auch eine Zumutung für mich!“

Und vielleicht ist DAS auch für dich eine stimmige Erklärung:
WIR, die anderen, sind eigentlich eine Zumutung für DICH, weil wir nicht wirklich wissen, weil wir zu ungeübt darin sind, wie wir dir begegnen können?!?!

Jedenfalls müsstest DU dir in diesem Fall den „Schuh“ der Unzumutbarkeit nicht anziehen! Der passt nicht auf deinen Fuß!

08.01.2011 18:42 • #4


Capricorn
@Antebellum

[ist dein User-Name tatsächlich (dein aktuelles) „Programm“?]

Ich mag mich täuschen, aber deine Situation erinnert mich an einen norwegischen Film aus 2006:

„DIE KUNST DES NEGATIVEN DENKENS“.

Kennst du den? Falls nicht (und für andere), hier ein kurzer Abriss der Handlung:

Der Film handelt von „Geirr“, einem 33jährigen Mann. Er steht auf Weltuntergangs-Kino und fette Joints.

Dazu dröhnt düster Johnny Cash aus den Boxen – denn Geirr sieht die Welt in schwärzesten Farben, seit er nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt. Seine Freundin „Ingvild“ hält die üble Laune bei aller Liebe kaum noch aus und lädt darum die Gruppentherapeutin „Tori“ samt deren Truppe vorbildlich Behindertet ein. Alle mit zuckersüßem Lächeln und eiserner Hand darauf getrimmt, ihr Schicksal „positiv“ zu sehen.

Als das Feelgood-Kommando gegen Geirrs Widerstand die Villa entert, dreht er den Spieß um und pariert Toris Psycho-Phrasen mit rabenschwarzem Sarkasmus und schlagenden Argumenten. Bald kommt es zum Aufstand gegen die Sozialdompteuse und alle verordnete Heuchelei. Dies ist die Stunde der beißenden Wahrheiten, eine Nacht der anarchistischen Lebenslust, rückhaltlosen Konfrontationen und unerwarteten Einsichten. Als der Morgen anbricht, sehen sie die Welt in einem anderen Licht.

@all:
Auch für Nicht-Rolli-Fahrer sehr empfehlenswert, meine ich.

LG
Capri

09.01.2011 12:34 • #5


Hallo Antebellum,

deinen Beitrag habe ich gelesen, ich kenne solche Gedanken selbst, das man sich anderen nicht zumuten möchte. Es sit sicherlich nicht ganz identisch, weil ich andere Anliegen habe!

Ich habe auf meinem Weg lernen müssen, das ich es bin der so denkt, das die Gedanken schlimm sind und andere davon treiben. Das Wichtigste ich was ich gelernt habe war das ICH es bin die so denkt und nicht der andere Mensch.

Es sind wirklich nur DEINE Gedanken, es gibt Reife Menschen die können mit deinen Problemen um... und es gibt Menschen die sind nicht geübt und/oder kennen das nicht.

Nimm dir DAS nicht zu Herzen und das soll nicht dein Grund sein sich verstecken zu müssen.

Grüße

09.01.2011 12:58 • #6


Antebellum
Hallo zusammen...

Erst einmal, danke für eure Reaktionen!

Ich bin mir durchaus bewußt, dass dies meine eigene Sicht auf mich ist.
Ich empfinde mich so und als der, als den ich mich sehe, werde ich mich
niemals wieder jemanden zumuten, geschweige denn aufdrängen.
Es ist ja nicht so, dass es niemals den Versuch gegeben hätte, mein
Leben anders zu gestalten, nur ging das alles an die Wand.
Den derzeitigen Status Quo meines Seins ertrage ich irgendwie, am
permanenten dagegen Anrennen gehe ich kaputt.
Da fällt die Entscheidung leicht und ich habe mich entschieden.
Ich danke euch für eure gutgemeinten Ratschläge, aber all das ist
nicht mein Weg.

@Capricorn: Habe mir den Film gezogen und werde ihn mir in Kürze
ansehen. Danke für den Tip!
Du liest diesbezüglich sicher noch von mir.

11.01.2011 03:08 • #7


Zitat von Antebellum:
daß ich mich niemandem zumuten kann,
niemandem zumuten werde. Niemals!


Hallo Antebellum,

was war denn dein Anliegen hier und welcher Weg wird deiner sein?

Grüße

11.01.2011 15:47 • #8


Hallo Antebellum

...
Es ist ja nicht so, dass es niemals den Versuch gegeben hätte, mein
Leben anders zu gestalten, nur ging das alles an die Wand.
Den derzeitigen Status Quo meines Seins ertrage ich irgendwie, am
permanenten dagegen Anrennen gehe ich kaputt.
Da fällt die Entscheidung leicht und ich habe mich entschieden.

...

Dies entspricht auch meiner Lebenserfahrung, und auch ich habe meine
weitere Lebenswegplanung (Erwartung) an diese Erkrnntnis angepasst.

Viele verstehende Grüse, der Beobachter

11.01.2011 15:57 • #9


Capricorn
@Antebellum

Sorry!
Ich war (zumindest mit meinem ersten Beitrag) zu vorschnell.
Echte Entschuldigung per PN an dich.

LG
Capri

11.01.2011 18:08 • #10


Antebellum
Und wieder ein fröhliches Hallo,

@capri: Danke für den Filmtip, bin schwer begeistert!
Der Typ ist die Härte und für mich absolut nachvollziehbar.
Der Film ist voller abartiger Klischees und trotzdem so authentisch.
Und der Soundtrack.... Absolute Messe!
Darf man das überhaupt, unfähigen Therapeuten auf den Mund boxen?

@Beobachter: Ist schon seltsam, nicht wahr?
Irgendwann arrangiert man sich und wider Erwarten funktioniert selbst das.

@smiley: Zu diesem Punkt suche ich hier nichts, keine konkrete Hilfe
und wohl auch keinen Rat. Der Beobachter weiß sicher, was ich meine, an diesem
Punkt des Erkennens erst einmal angekommen, wird das Leben starr.
Es ist wie es ist, man zappelt nicht mehr...
Das heißt nicht, dass ich nicht hoffte, hier Gleichgesinnten zu begegnen und mich
auszutauschen, auch zu anderen Themen.
Nicht, dass Einsamkeit mein einziges Problem wäre!


Gruß
Holger

13.01.2011 02:08 • #11


Capricorn
Zitat von Antebellum:
Und wieder ein fröhliches Hallo,

Hey! Das klingt glaubwürdig!
... oder ist das eine Spätfolge von Toris therapeutischem Konzept



Zitat von Antebellum:
Danke für den Filmtip, bin schwer begeistert!

Freut mich, dass ich damit nicht danebenlag! Ich find' den Film klasse und kann ihn mir immer wieder ansehen.



Zitat von Antebellum:
Darf man das überhaupt, unfähigen Therapeuten auf den Mund boxen?

Tja, wenn nix anderes mehr hilft, einem Therapeuten zu helfen, dann ...
... eindeutig: JA!


LG
Capri

P.S.
Watt is nu mit meiner Frage bezügl. deines User-Namens

14.01.2011 00:31 • #12


Capricorn
@ Antebellum

Öööhm, ...

... für den Fall, dass du zur Thematik Akzeptanz des All-ein-seins, bzw. des Krieges gegen DIE, und Loslassens DER eigenen (scheinbar unbezwingbaren und drängenden) Bedürnisse auch einen Film-Tip akzeptieren kannst:

Ich hätt'da was in petto

Hab zwar den Eindruck, als hättest du das schon weitgehenst bewältigt, aber wer weiß?!?

LG
Capri

14.01.2011 04:18 • #13


Hallo Antebellum

Ja, es funktioniert tatsächlich irgendwann.

Ich selber musste jedoch vorher erst einen absoluten Endpunkt erreichen
(keine Kräfte und keine wirkliche Hoffnung mehr, und nicht mehr Leben wollen)

Nun, nach der Akzeptanz sind wieder Kräfte frei, es gibt sogar wieder Momente
der relativen Zufriedenheit und inneren Ruhe (kein Zieldruck und fast Angstfrei).

Leider sehen viele Menschen dies als negative Resignation und weniger als
eine Möglichkeit sein Leben, den realen Umständen entsprechend, so positiv
wie möglich zu gestalten.

Ja, und natürlich ist die Zukunft noch nicht geschrieben, es kann also auch noch
zu einer Wende kommen, offen bleiben, aber ohne Druck, Zwang und Angst.

Viele Grüsse, Der Beobachter

14.01.2011 14:04 • #14


Zitat von Antebellum:
Ich bin einsam.

Heute gestehe ich mir das ein.
Doch ich kann es nicht ändern, ich weiß nicht mal, ob ich es ändern will....
Ich bin kompliziert, mein Leben ist kompliziert.
Ich bin mit keiner anderen bekannten Lebensform wirklich kompatibel.
Mein halber Körper ist tot, der Rest funktioniert nur bedingt.
Ich bestehe aus Ersatzteilen, einiges fehlt ganz.
Schon rein äußerlich wäre ich für jeden Partner eine Zumutung!
Von meinem Wesen ganz zu schweigen....
Ich sehne mich nach nichts so sehr, wie nach Nähe.
Doch mir ist schmerzlich bewußt, daß ich mich niemandem zumuten kann,
niemandem zumuten werde. Niemals!


Du bist einfach zu sehr von Deinen eigenen negativen Gedanken gefangen. Versuch positiv zu denken. Du siehst Dich selber schlecht, ungewollt, ungeliebt, ja fast als Monster.
Das bist Du aber nicht. Wie kann man Dir nur helfen. Ich weiß es nicht.

14.01.2011 17:28 • #15



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