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Hallo zusammen,

mein Name ist Lucas, ich bin 24 Jahre alt und komme aus dem Süden Hessens.

Mehrere falsche Entscheidungen in meinem Leben, insbesondere beruflich, haben mittlerweile dazu geführt das ich ganz unten angelangt bin. Eigenständig komme ich scheinbar aus diesem Loch nicht mehr raus. Mir fehlt jeglicher Antrieb um etwas in meinem Leben zu ändern, obwohl das bitter notwendig wäre.
Bisher war ich beim Hausarzt und habe mich krank schreiben lassen, weil einfach nichts mehr geht, ich bin absolut am Limit und total erschöpft. Eine genaue Diagnose habe ich noch nicht bekommen.
Einen Termin beim Psychologe habe ich in ca. 3 Wochen...hoffentlich kann mir dort weitergeholfen werden, zumindest was die Depression angeht.

Der eigentliche Grund warum ich mich hier angemeldet habe, ist jedoch die Verzweiflung, wieder Alleine daheim zu sitzen und es keinen Menschen gibt dem ich mich anvertrauen kann. Mir fehlen sehr stark soziale Kontakte, insbesondere Freundschaften. Momentan habe ich außer meine Familie niemanden mit dem ich mich unterhalten kann, niemand der mir zuhört, niemand mit dem ich Lachen kann und niemand mit dem ich gemeinsam etwas Erleben kann...
Vermutlich auch Gründe warum ich depressiv geworden bin.

Durch meine Persönlichkeit habe ich es auch nie wirklich geschafft Freundschaften aufzubauen, das fällt mir so unglaublich schwer und wird jetzt durch die Depression nicht einfacher.
In depressive Phasen, das kennt Ihr ja sicherlich, bin ich einfach nur gerne alleine und will meine Ruhe haben, auf der anderen Seite würde es mir wahrscheinlich gut tun mich mit jemanden austauschen zu können, dem es vielleicht ähnlich geht...

Vielleicht gibt es ja hier Menschen denen es ähnlich geht und die Lust haben sich etwas auszutauschen, ich würde mich freuen.

LG Lucas

26.11.2016 17:57 • 29.11.2016 x 1 #1


32 Antworten ↓


Emmii
Hallo Lucas,
ich habe mich aus ähnlichen Gründen wie du (und vermutlich 4584554 andere ) heute hier angemeldet.
Ein erster großer Schritt auf den du auch stolz sein kannst, ist sicherlich, dass du dich dafür entschieden hast eine Therapie zu machen.
Worin ich mich aber absolut wieder finden konnte, war der Satz von dir, dass dich u.a einige falsche Entscheidungen dahin gebracht haben wo du heute bist. Ich habe mir vor kurzem "Es wäre heut nicht wie es ist, wär es damals nicht gewesen wie es war" tätowieren lassen. ich finde dieser Satz sagt einfach alles.
Und natürlich ist es ein Teufelskreislauf. Man hat die depressiven Phasen, wo man sich verkriechen möchte und niemanden sehen will und wenn es einem dann etwas besser geht, verzweifelt man an der Einsamkeit, die einen zwangsläufig einholt, weil man sich abgekapselt hat.
Ich lass dir liebe Grüße da,
Emmii

26.11.2016 18:56 • x 1 #2


Hallo Emmi,

wow Danke für deine Antwort, das tat echt irgendwie gut

Dein Tattoo kann ich somit zu 100% unterschreiben, vielleicht sollte ich mir das auch stechen lassen. Immerhin ein Tattoo wollte ich schon so lange aber der Antrieb fehlt halt xD

Das ist der Widerspruch den ich wie so vieles nicht verstehe...man möchte eigentlich nicht alleine sein und sobald man darüber nachdenkt etwas dagegen zu tun dann denkt man sich, ach alleine daheim sein ist doch viel schöner ...

26.11.2016 19:28 • #3


Emmii
Nach einem wirst du süchtig, da hast du dann genügend Antrieb
Ich denke, dass Problem ist auch, dass es sich dann irgendwann so eingependelt hat und man die sozialen Kontakte auch gar nicht mehr hat oder so "raus" ist, dass man sich einfach nur noch unwohl fühlt.
Ich habe dann oft das Gefühl, wenn ich (was nicht oft vorkommt) mit Leuten unterwegs bin , nicht richtig dazu zu gehören, möglicherweise ist das aber auch von mir initiert. Trotzdem fühle ich mich einfach anders. Und ich kann bei vielen Themen auch nicht mit reden oder führe ein Leben, dass durch die depressiven Phasen und aber auch die Hochphasen so anders, als das der anderen ist. Irgendwie habe ich immer das Gefühl, bei "anderen" läuft alles in geregelten Bahnen, alles fügt sich und ich kann mich drehen und wenden und blicke einfach zu oft in den Abgrund. Und erklär das mal Menschen, die sich mit sowas (glücklicherweise) nicht auseinander setzen müssen. Und mag sein dass man falsche Entscheidungen getroffen hat, Dummheiten gemacht hat, aber das macht fast jeder, manches kann man sich nicht aussuchen oder beeinflussen, man hat dann keine Wahl und kann und muss es annehmen und versuchen es irgendwie hin zu kriegen und das lässt mich oft verzweifeln.Oft sind es nur Kleinigkeiten über die andere lachen und mit Leichtigkeit drüberspringen. Manchmal fällt es mir schwer, das richtig zu erklären, dann finde ich die Worte nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass du weisst was und wie ich es meine.
Emmii

26.11.2016 19:40 • x 4 #4


Das merke ich mir mal

So ging es mir auch, mit den Menschen denen ich zuletzt meine Zeit verbracht hatte (Freunde von der Ex), fühlte ich mich wie ein Fremdkörper. Manchmal ist man geistig gar nicht vor Ort, ich war dann irgendwo in meiner tollen Phatansiewelt...aber auch damals als ich noch unter "meinen Freunden" war, habe ich mich nie zugehörig gefühlt, ich hatte immer das Gefühl ein Schritt weiter im Leben zu sein.

Die (glücklichen?) Menschen leben alle an der Oberfäche, das hatte mir mal eine Frau gesagt, Sie denken nicht über Ihr Leben nach, die haben Ihre ganz normalen Alltagssorgen. Aber ein Mensch der depressiv ist oder einfach hinter das Leben blickt der ist auf einem ganz anderen Stand als der Rest, was es unheimlich schwierig macht sich zugehörig zu fühlen. Man lebt in seiner Gedankenwelt und nicht in der Realität.

Am Ende bist du dann doch für dein eigenes Leben verantwortlich, blöd nur wenn es dir aus den Händen fällt...dann braucht es wohl Hilfe, wie bei mir..

Lg Lucas

26.11.2016 20:02 • x 1 #5


Emmii
Ja da ist was wahres dran. Ich wünsch mir oft an der Oberfläche zu leben, aber manchmal erlebe ich Menschen die so leben und denke mir, irgendwie könnte ich das auch nicht. Zerissen ist ein Wort, was das alles glaube ich ganz gut beschreibt.

Ich finde es gut, dass du dir Hilfe gesucht hat und drücke dir die Daumen, dass es dir hilft, dein Leben ein bisschen besser lenken zu können. Mit 3 Wochen Wartezeit hast du wirklich viel Glück! Vielleicht berichtest du ja mal, wie es ist.

Alles Liebe für dich,
Emmii

26.11.2016 20:24 • x 1 #6


Hi Luc.
Das mit den glücklichen Menschen und der Oberflächlichkeit ist ein wahrer Spruch!...

Mir geht es ahnlich wie dir . Es fehlt ein soziales Gefüge in dem geschätzt und respektiert wird, einfach ein Gefuhl der Wertschätzung bekommt. Leider sind Freundschaften nur existent solange es ausschließlich um Spass geht. Das ist auch der Grund warum ich keine Kontakte mehr habe. Entwedet war ich immer gut um den Ballast abzulassen aber selber war ich dann so unwichtig dass man nicht mal fragen konnte wie es so geht, oder aber es ging ausschließlich um Fun... Und das Leben ist eben nicht nur fun. Sei froh dass du wenigstens eine Familie hast! Da ist jemand!

26.11.2016 20:28 • #7


@emmii
Ja manchmal wünsche ich mir das auch, aber ich befürchte wir werden in dieser Form nie leben können, andererseits wird ein oberflächlicher Mensch nie so bewusst leben können wie wir, sollte man da jemals rauskommen...

Das ist zwar kein Therapieplatz aber eine Anlaufstelle in einer Tagesklinik, mal schauen Berichte gerne
Gibt es über dich auch einen Vorstellungsbeitrag?

@iolamontez
Traurig, das es dir auch so geht wie mir...ja immer nur Spaß das trifft es gut. Es gibt doch noch mehr als sich gemeinsam zu betrinken? (Auch wenn das momentan nicht so verkehrt wäre)
Aber nie war da jemand dem ich mal mein Leben anvertrauen konnte, in einer Beziehung war zwar das Vertrauen da - aber wer fängt dich auf wenn das Auseinander geht? Einfach niemand...

Vielleicht liegt die Schuld aber auch bei mir, dass ich mich nie geöffnet habe aber das klappt halt nicht wenn kein Vertrauen da ist...
Elendiger Teufelskreis

26.11.2016 20:55 • #8


In der Tat gibt es mehr als sich nur zu betrinken,wissen die nur nicht mehr...Na dann lass uns einen zusammen trinken und wenn morgen der Kater weg ist, sind die ernsten Themen dran. ...

Ich finde Vertrauen in einer Beziehung wichtig,allerdings finde ich auch dass in einer Beziehung nicht alles auseinander gefieselt werden muss. Man sollte einen Freund haben bei dem man sich hemmungslos ausquatschen kann. ..aber wenn halt niemand da ist

26.11.2016 21:02 • #9


Emmii
Ja, wenn ich bisher etwas gelernt habe, dann das man aus allem tatsächlich irgendwas mitnehmen kann, auch wenn man es vielleicht erst gar nicht so erkennt.
Aus Erfahrung kann ich sagen, es ist nicht wichtig wo es ist, sondern dass der Therapeut passt. Aber auch vorallem dass man diesen Schritt geht, weil man es will und sich damit auseinander setzen will. Das erfordert Mut.

Erwischt, nein gibt es nicht, ich bin nicht gut in soetwas

Emmii

26.11.2016 21:08 • #10


@iolamontez
Kennst du ne gute Ecke zum Absteigen? xD

Ich will in meinem Leben nicht noch einmal den Fehler machen, mich nur auf die Beziehung zu stützen, denn das geht heutzutage eh verdammt schnell kaputt und dann steht man wieder da, alleine...

@emmii
Ja so sehe ich das auch, auch wenn es momentan nicht zu erkennen ist...
Mittlerweile habe ich sowieso nichts mehr zu verlieren, da kann ich mir auch helfen lassen - das war da meine Auffassung zu. Ob es was bringt keine Ahnung? Manchmal will ich auch keine Hilfe, will niemanden zur Last fallen aber naja der wird ja dafür bezahlt ..

Ich auch nicht, aber ich habe es getan und schon zwei Menschen gefunden mit denen ich mich unterhalten kann :b

26.11.2016 21:32 • #11


Emmii
Ich weiß. Das dauert. Bist du ein geduldiger Mensch? Ich überhaupt nicht, von daher ist auch das eine Herausforderung für mich
Ich denke wirklich, dass es was anderes ist, weil es ein dir völlig fremder Mensch ist dessen Job es ist so dass man sich nicht als Last fühlt, weil man einfach "nur" ein Klient/Patient ist. Bestenfalls kann man sich öffnen und Dinge ansprechen, die man sonst nie ausspricht und sich seinen Weg erarbeiten.

Das ist ein Argument, aber zu viele Menschen würden mich dann doch eh wieder überfordern

Beim Betrinken wär ich übrigens dabei, obwohl ich eigentlich keinen Alk. trinke aber es klingt verlockend

Emmii

26.11.2016 21:56 • #12


Nein bin ich überhaupt nicht...ich bin eher extrem ungeduldig

Ja so irgendwie was in der Art erhoffe ich mir davon, obwohl ich das ganze bisher immer verachtet habe bzw. das ganze immer gerne als Irsinn abstemple aber ohne geht es ja scheinbar nicht mehr weiter.

Bin ich bei dir, Zwei ist einer schon wieder Zuviel...eine gute Freundschaft würde schon reichen um mir vielleicht etwas Kraft im Leben zurückzugeben.

Wäre vielleicht mal eine Option den Kopf für eine Nacht abzuschalten

26.11.2016 22:21 • #13


@emmii du bekommst nen Alk. Cocktail und wir beide( Luc und ich )sind nach ein paar Gläsern so unterhaltsam dass du dich vielleicht schlapp lachst

@Luc ja, hier gibt es verdammt gute Ecken zum Verweilen, wohne aber leider nicht gerade in deiner Nähe komme aus der Hauptstadt...

Auf eine Person stutzen ist immer falsch, aber was will man machen wenn man "nur"den Partner hat. Dann versucht man das eben. ...

Eine Therapie ist eine ganz gute Sache.an kann sich schamlos aus kotzen (geht bei einem Fremden super -vorausgesetzt es herrscht Sympathie. Ich habe eine Therapie hinter mr, die Frage ob es was gebracht hat kann ich so nicht sagen. Aber ich habe definitiv viel über mich gelernt. ...

26.11.2016 22:34 • #14


Emmii
Das ist ein Plan @lolamontez gegen schlapp lachen habe ich absolut nichts und gegen gute Unterhaltung auch nicht. Eigentlich bin ich sogar jemand der sehr gerne lacht
Also der Plan steht oder ?


Mit der Therapie stimme ich dir auch voll und ganz zu , bin gespannt was du @Luc dann berichtest.

Ich bin wirklich froh dass du diesen Thread eröffnet hast, auch wenn es etwas erbärmlich klingt aber es ist ein schöner Samstagabend für mich

26.11.2016 22:53 • #15


@emmii das hast du schön gesagt mit dem Samstag abend, so nen ahnlichen Gedanken hatte ich auch

Ihr beide seid aber klar im Vorteil. Ihr wohnt zumindest im selben Bundesland ..

26.11.2016 22:58 • x 1 #16


@iolamontez
Verspreche bitte nicht Zuviel, momentan müsste ich verdammt viel trinken um jemanden zu unterhalten

Wäre mal ein Grund wieder nach Berlin zu fahren, gut Stadt, war schon zweimal da Oben.

Das klingt ja schon mal vielversprechend mit der Therapie, mich selbst kennenlernen das wäre mal ein Anfang, eigentlich weiß ich überhaupt nichts über mich, das ist fast schon erschreckend....
All die Träume und Wünsche von früher sind wie erstickt.

Noch zu deinem Beitrag:
Du dafür in der schöneren Stadt es sei denn Emmii kann das noch toppen

@emmii
Dauert leider noch etwas, vielleicht weisen die mich auch ein aber naja Alles besser als nur noch reines funktionieren.

Das freut mich und für mich hat es sich ja scheinbar auch gelohnt, immerhin habe ich jemand zum unterhalten gefunden, mehr wollte ich gar nicht

26.11.2016 23:01 • #17


@luc: da muss ich dich vorwarnen, ich bon sehr trinkfest
Spass beseite: das Reden alleine ist schon einmal ungemein erleichternd und beim Reden merkt man eigentlich wie widersprüchlich man in sich selber ist. Ich war in einer Therapie zwecks Angststorungen die nach dem Tod meines Vaters aufgetreten sind.. Das war nur der Auslöser. Hinzu kommt dass ich auch depressive Phasen habe und diverse andere kleine Problemchen... Ich bin gespannt wie du es empfindest...

@emmiii wie ist dein soziales Umfeld? Hast du Freunde auf die du zählen kannst? Oder auch alles eher so lockere Bekanntschaften auf die man wahrscheinlich nicht zahlen kann? Eine Familie hinter Dir?

So Ihr Lieben , meine Augen werden schwer ... Schläft gut

26.11.2016 23:09 • #18


Emmii
Jaaa Berlin hat mir auch gut gefallen toppen könnte ich es nur wenn ich am Meer wohnen würde, finde ich hier in Hessen haben wir jetzt nicht so viel zu bieten außer uns oder @luc? Allerdings habt ihr mir mit dem Trinken einiges vorraus.

@lolamontez das kann ich sehr gut nachvollziehen, die Ängste, Tod. Es tut mir leid dass du das erleben musstest. Und zu deiner Frage:
Ich dachte ich hätte zumindest eine gute Freundin gehabt, auf die ich zählen kann.
Ansonsten lebt in meinem Umfeld jeder sein Leben und plant und die Pläne gehen auf und ich stehe mit offenem Mund daneben.Weil meine Pläne nicht aufgehen Und ich weiß nicht ob ich das selbst gewählt habe, dass ich aussen vor bin weil ich es so empfinde, dass ich dort keinen "Platz" habe und mich deshalb zurück ziehe oder ob es tatsächlich einfach so ist.
Ich habe eine tolle Mama, die leider sehr krank war, was uns allerdings auch sehr eng zusammengeschweisst hat, was allerdings auch nicht immer einfach ist.
Schlaf gut und vielleicht bis bald

Ich glaube aber auch, dass für jeden eine Therapie ganz individuell zu sehen ist und jeder auch für sich entscheiden und sehen muss, was er davon mitnimmt und sich rauszieht.Vorallem finde ich es immer schade, wenn Menschen eine Therapie zu machen als Schwäche ansehen. Ich finde es eher sehr mutig. Es ist sicher auch für mich kein Thema, dass ich "draussen" jedem auf die Nase binde, aber alleine den Mut zu haben sich mit sich! auseinander zu setzen, mit seinen Ängsten, Wünschen und Hoffnungen finde ich alles andere als schwach.

26.11.2016 23:24 • #19


@lolamontez
Ich übe etwas und dann komme ich rauf zu dir

Das widersprüchliche merke ich lustigerweise jetzt schon, ich lese gerade auch ein Buch über Depression, in diesem wird das auch ganz
gut thematisiert...
Das mit deinem Vater tut mir Leid. Meiner hatte nie Interesse an mir, wahrscheinlich auch einer der vielen Bruchstellen in meiner Psyche.
Ich lasse es dich/euch wissen.

Schlaf gut

@emmii, das Wir sollte als Grund für Hessen reichen, sonst empfinde ich es hier auch eher wenig spannend - kein Meer, keine Berge, keine
besonderen Sehenswürdigkeiten - das können andere leider besser.

@alle Anderen, das ist hier zwar eine schöne Konferenz geworden, aber es darf sich gerne jeder anschließen =)

26.11.2016 23:55 • x 1 #20





Dr. Reinhard Pichler