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Ich bin neu hier, und staune wieviel Menschen hier in den letzten tagen gepostet haben. Viele Foren in anderen Bereichen haben ihre letzten Einträge vor Jahren.
Eigentlich bin ich hier, weil mich keiner versteht und keiner meine Gefühle nachvollziehen kann, den ich kenne. Daher habe ich auch niemanden damit belästigt und mich lächerlich gemacht. Aber ich könnte heute nur weinen.
Wir wohnen in Bayern, habe Schulkinder und schütze sie und mich vor Corona, fahre NICHT zu meinen Eltern die weit entfernt wohnen, weil ich sie nicht anstecken möchte über die Kinder. ich möchte, auch wenn wir testen gehen niemals von meinen Geschwistern vorgehalten bekommen, ich war schuld am Tod unserer Eltern. .
So habe ich seit März letzten Jahres nur 2 Besuche vorgenommen und die nicht mal zu den Geburtstagen. Und habe vorher einen Test machen lassen und meine Geschwister informiert. Bzw.mir das OK eingeholt.

Mein Bruder wohnt mit Frau und Kind nur 30min entfernt. Und gibt regelmäßig seinen 3 Jährigen ab- ohne zu fragen- ohne Bedenken- ohne Test- und obwohl es in den Kindergarten geht. und nun hat er das erste mal dort geschlafen.
Meine Kinder leiden darunter. dass ich nicht mit ihnen fahre. Ich leide darunter. Meine Kinder sind eifersüchtig auf den kleinen Neffen und ich sauer und auch eifersüchtig auf meinen Bruder. Ich halte mich an Regeln um unsere Eltern zu schützen und leide sehr dass ich sie nicht besuche. Klar könnte ich einfach das gleiche tun und fahren. aber. wenn dann was passiert, dann macht man sich Vorwürfe und es ist zu spät.

Ich möchte das innere Wutgefühl, die Angst das er der "Mörder" meiner Eltern sein wird falls was passiert und diese Eifersucht das er genießt und ich leide los werden. Ich weiß nicht was ich mir suggerieren muss, das es mir besser geht. Ein Kloß in meinem Hals steckt fest. Es fühlt sich an, als hätte ich was verloren.

Kann Jemand mit mir bitte kommunizieren

07.02.2021 10:57 • 08.02.2021 x 1 #1


15 Antworten ↓


Hallo Du, ich habe selbst 3 Geschwister und kann es in Teilen nachvollziehen, wie es dir geht.
Ich habe mich z.B. um unsere Mutter gekümmert, die bipolar war und uns verlassen hat, als wir sehr klein waren und meine Geschwistern haben einfach entschieden, den Kontakt zu ihr so gut es geht abzubrechen. Dadurch fühlte ich mich noch stärker in der Verantwortung, den Kontakt zu halten, was mir jahrzehntelang viele schwere Zeiten beschert hat. Auch ich war lange sauer auf meine Geschwister, dass sie mich so hängen lassen und mir damit so eine Verantwortung, Arbeit und Stress aufbürden und dass, obwohl 2 meiner Geschwister noch keine Kinder haben und somit über recht viel Freizeit verfügen.

Irgendwann kam ich aber an den Punkt, dass ich merkte, dass sie überhaupt nix damit zu tun haben, dass ich diese Verantwortungsgefühle hatte und mich so aufrieb. Keiner zwang mich dazu außer mir (und meiner Mutter emotional). Ich entschieden, es so zu sehen: ich kümmere mich um meine Mutter, weil ich es mir niemals vorwerfen will, dies nicht getan zu haben. Auch war es mir wichtig, dass meine Kinder sie kennen, um auch diesen Teil ihrer und vor allem meiner Geschichte zu kennen. Ich habe mich bemüht zu verstehen, dass es völlig ok ist, dass sie für sich anders entscheiden.

Auch für viele andere Lebensbereiche konnte ich das übernehmen und letztendlich hat es auch mir geholfen. Jeder muss sein Leben so leben, wie er es für richtig hält ohne anderen aktiv zu schaden. Das was du fühlst ist passiver Schaden, den du dir selbst zufügst.

Du könntest mit deinen Eltern reden, wie sie die Sache sehen. Vielleicht möchten sie bei aller Abwägung auch dich und deine Kinder sehen und du machst es euch allen ganz unnötig schwer.

07.02.2021 11:36 • x 3 #2



Eifersucht auf Bruder

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P.S. ich lese gerade, dass du dir das ok bei deinen Geschwistern eingeholt hast, deine Eltern - nach negativem Test - zu besuchen. Mir scheint, du bist noch recht unsicher und möchtest gerne Verantwortung abgeben. Dies führt natürlich gerne mal zu einem ängstlich-vermeidendem Verhalten. Ich mutmaße, dass das auch andere Bereiche deines Lebens betrifft. Wenn du es schaffst, hier selbstbewußter zu werden, wird es dir in vielen Belangen nützen. Nur so kann man ein selbst bestimmten Leben führen. Ansonsten ist man immer abhängig von der Meinung anderer.

07.02.2021 11:45 • x 1 #3


Calima
Zitat von Claudia1234:
Klar könnte ich einfach das gleiche tun und fahren. aber. wenn dann was passiert, dann macht man sich Vorwürfe und es ist zu spät.

Und genau das ist dein Dilemma: Das, was du gern tun würdest, willst du nicht tun, weil du mit den potentiellen Konsequenzen nicht leben möchtest. Das ist völlig okay - aber es bedeutet, dass du dann mit den Konsequenzen zurechtkommen musst, die sich aus der Kontaktsperre ergeben.

Das fällt dir aber auch schwer und so haderst du mit allem und jedem. Du beneidest deinen Bruder um genau die Verhaltensweisen, die du gleichzeitig verurteilst und für dich ausschließt.

Das ist wenig hilfreich. Der Weg "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!" funktioniert nie. Du kannst nur das eine oder das andere haben - und musst in beiden Fällen mit den Konsequenzen klarkommen.

Im Moment ist deine Entscheidung der Schutz deiner Eltern. Wenn dir dies wichtig ist, bleibt dir nur, alles andere dem Schutzgedanken unterzuordnen. Möchtest du deine Eltern besuchen und den Kindern Kontakt ermöglichen, musst du den Schutzgedanken zumindest teilweise aufgeben. In jedem Fall musst du deinen Frieden mit dir selbst machen und für das einstehen, was dir wichtig ist.

Vielleicht befreien dich ja bald auch Impfungen und Testmöglichkeiten.

07.02.2021 11:52 • x 3 #4


Flame
Ich kenne dieses Gefühl,auf Menschen wütend zu sein,die einfach das tun,wonach ihnen ist,während ich Rücksicht übe.

Du gehst halt den "schwierigeren" und gleichzeitig "sichereren" Weg für Deine Eltern.

Möglicherweise wird das nicht "honoriert" und das nagt dann an einem.

Der Bruder agiert,wie ihm gerade der Sinn danach steht,geniesst das Beisammensein und Du reibst Dich auf.

Muss aber auch den Vorschreibern zustimmen:
Du hast das Recht,das Gleiche zu tun,was aber mit Deinen Ängsten,die Eltern anzustecken (Verantwortungsgefühl) nicht vereinbar ist.

Das ist zwar ehrenwert aber Du hast es selbst so entschieden.
Und zu seinen Entscheidungen sollte man stehen,auch,wenn sie "unbequem" sind,machst Du ja auch.
Und dann ist keine Wut mehr nötig,wenn man zu sich selbst und seinen Entscheidungen vollauf steht.


Mein Papa wurde letztens 70 Jahre alt und er ist auch nicht gesund.
Ich fahre ihn trotzdem jeden Sonntag besuchen,müsste mir dann ja auch Vorwürfe machen...

Habe das aber mit Papa gemeinsam so entschieden und dann ist es auch o.k.
Abgesehen davon geht er selbst regelmässig raus (Einkaufen,Arzttermine etc.).

Die Gefahr,sich anzustecken lauert überall.
Finde es aber verkehrt,sich damit verrückt zu machen.

07.02.2021 12:06 • x 4 #5


klaus-willi
Zitat von Claudia1234:
Ich möchte das innere Wutgefühl, die Angst das er der "Mörder" meiner Eltern sein wird falls was passiert und diese Eifersucht das er genießt und ich leide los werden. Ich weiß nicht was ich mir suggerieren muss, das es mir besser geht. Ein Kloß in meinem Hals steckt fest. Es fühlt sich an, als hätte ich was verloren.

Erstmal finde ich das du sehr verantortungsvoll handelst und deine Familie schützt.
Wenn deine Eltern es so zulassen ,dann tragen sie auch ein Stück der Verantwortung ,wenn sie sich anstecken sollten.
Mein Bruder war letztes Jahr in Griechenland 14 Tage im Urlaub.
Die sehen das auch nicht so eng.
Letztens kam er zu mir...ohne Maske und wollte in meine Wohnung, was ich unterbunden habe.
Da geht der Enkel auch ein und aus und die Tochter ..also die Mama des Enkels ...arbeitet bei einem Zahnarzt.
Du kannst nicht für alles verantwortlich sein und mußt dich so damit abfinden..auch wenn es schwer fällt.
Ich verstehe dich aber....
Wenn sich alle mehr an die Regeln halten würden ,dann wären wir mit Corona bestimmt besser drann.
Lg.

07.02.2021 12:09 • x 1 #6


Flame
@klaus-willi

"Du kannst nicht für alles verantwortlich sein".

Dieser Satz von Dir muss meiner Meinung nach hervorgehoben werden.
Das trifft den Kern des Ganzen,finde ich....

07.02.2021 12:28 • x 1 #7


Icefalki
Ich bin der gleichen Meinung wie meine Vorrednern.

Eigentlich ist dein Thema insgesamt ein Lebensthema. Die Zerissenheit, wenn man auf zuviel Hochzeiten tanzen möchte.

Es geht um Entscheidungen die jeder einzelne von uns tätigen kann und zwar nach eigenen Überlegungen und eigener Überzeugung. Und hierzu steht man auch.

Wenn sich andere anders entscheiden, ist das deren Sache, hat mit dir nichts zu tun. Und was jetzt dieses ganze Virusgeschehen verursacht , ist die Tatsache, dass jeder nunmal seinen eigenen Umgang damit pflegt.

Also, entweder du stehst zu deiner Überzeugung, oder du relativiert sie und beides kann Konsequenzen haben.

Und eines noch, es lebt sich einfacher, auch anderen diese Entscheidungsfreiheit zugestehen zu können, in deinem Fall sind deine Eltern eigentlich diejenigen, die bestimmen können, ob und welche Risiken sie eingehen wollen.

07.02.2021 12:52 • x 2 #8


Ich danke dir sehr für deine Antwort.
Mein Papa hatte mich gestern echt angerufen und gesagt, es tue ihm leid das mein Bruder da war und sein Sohn übernachten durfte. Sie wollten nicht nein sagen und finden es in Coronazeiten auch nicht so toll, aber.....
Nach diesem Anruf habe ich mich doppelt schlecht gefühlt. Einmal weil mein armer 70ig jähriger Papa sich entschuldigt obwohl ich nicht mal angerufen hatte oder Vorwürfe gemacht habe, sondern nur still gelitten und zweitens weil mein Bruder so unsensibel ist und es nicht sieht oder spürt, dass unsere Eltern Ängste haben...

Du hast recht, ich nehme mir vieles zu Herzen und denke zu viel nach. Ich steigere mich in Dinge rein und füge mir damit seelische Schmerzen zu. Ich kann es aber nicht steuern. Mein Hirn sagt: ruhig Konstanze, sei nicht traurig, sie lieben dich und deine Kinder genauso, sie freuen sich über jedes Enkel und es ist Balsam für ihre Seelen....
Mein Herz aber trauert als hätte ich etwas verloren...

08.02.2021 08:58 • #9


Ich möchte keinen Streit mit meinen Geschwistern. Ich möchte es gerne immer allen recht machen. Möchte Familienfrieden.
Ja und es macht mich unsicher.
Vermutlich hat es was mit Selbstbewusstsein zu tun.

08.02.2021 09:01 • #10


Oh du spiegelst mich.

Ja genauso fühle ich mich. Genauso. Ich empfand bis jetzt was ich tu- selbsterlegte Quarantäne und mit 3 Kindern wegen Homeschooling eh zu Hause- als richtig und gut zum Schutz anderer.
Ich bin davon ausgegangen, dass wenn schon viele Andere im Freundeskreis die Maßnahmen nicht ernst nehmen, wenigstens meine Familie die gleichen Gedanken hat.
Aber nein...

Ich weiß ich kann niemanden was vorschreiben.

Das Gefühl genereller Eifersucht dass mein Bruder und mein Neffe mehr von meinen Eltern und dem Elternhaus hat und die Angst wegen Corona wechseln sich ab. Ich hatte gehofft ich könne schlafen, aber ich lag letzte Nacht wach und kämpfte innerlich mit mir den Kampf.

Ich wünsche mir dass dieser Kloß im Hals schwindet und ich zur Ruhe komme.

Mein Papa ist auch letztes Jahr 70 geworden, ich bin nicht gefahren wegen der Ansteckungsgefahr. Meine Schwester ohne Mann und Kinder ist gefahren. Was ich wirklich ehrlich gut fand. (meinen Bruder hat sie selbstbewusst ausgeladen weil sie sonst nicht gekommen wäre- Anfahrt 800km) Da waren diese Gefühle nicht da wie jetzt.
Da habe ich es allen gegönnt. Das was du machst finde ich total gut, wenn beide einverstanden sind. Bei meinen Eltern habe ich herausgehört, dass sie Angst vor Ansteckung haben, aber nicht NEIN sagen wollten und auch uns nicht ausladen werden.

Ich weiß das Mama sich mit Rheuma, Arthrose und Osteoporose vorerst nicht impfen lassen wird
Papa schon. Und ich mich auch.

Danke dir!

08.02.2021 09:15 • #11


Ja ich bin deiner Meinung.
Ich weiß auch das Corona nie mehr weggeht- das bekam ich auch mal von meinem Bruder gesagt, aber wir könnten es bis zum Minimum eindämmen wie Pest oder Cholera usw. wenn wir uns als Erwachsene an Regeln halten würden. Wir sind schlechte Vorbilder für unsere Kinder.
Ich arbeite mit älteren Menschen und bin auch in Heimen. Ich habe seit März letzten Jahres 3 Patienten verloren. Ja, sie waren älter, und hatten Vorerkrankungen, aber sie wollten bestimmt noch ihre Enkel und Urenkel sehen....

Ich muss mir einfach versuchen zu sagen- nein versuchen zu akzeptieren- dass ich wenn ich den Weg gehe, auch mit den Konsequenzen des Verzichts leben muss

Ich bin ein Mama-Kind und es tut so weh mit der Sehnsucht.....

08.02.2021 09:22 • #12


Wenn diese Entscheidungen nicht um GEMEINSAME Eltern betreffen würde, würde ich es vielleicht auch eher akzeptieren können.

08.02.2021 09:25 • #13


Calima
Warum sagst du deinem Bruder nicht, was du von seinem Verhalten hältst?

08.02.2021 09:26 • #14


DieSonne
Meine Mutter war schwer krank und in einem Heim. Aufgrund dessen, habe auch mich mich nicht getraut sie in der Coronazeit zu besuchen (habe auch ein Kindergartenkind). Das letzte mal war ich letztes Jahr im Februar da. Nun ist sie leider trotzdem mit Corona verstorben (im Dezember) und mich plagt ein ganz großes schlechtes Gewissen, weil ich sie eben nicht besucht habe und ihr das auch nicht geholfen hat außer auch noch einsam zu sein. Mit dieser Entscheidung und Konsequenz muss ich jetzt leider leben.

08.02.2021 10:21 • x 1 #15


FeuerWasser
Zitat von Claudia1234:
Mein Bruder wohnt mit Frau und Kind nur 30min entfernt. Und gibt regelmäßig seinen 3 Jährigen ab- ohne zu fragen- ohne Bedenken- ohne Test- und obwohl es in den Kindergarten geht. und nun hat er das erste mal dort geschlafen.
Meine Kinder leiden darunter. dass ich nicht mit ihnen fahre. Ich leide darunter. Meine Kinder sind eifersüchtig auf den kleinen Neffen und ich sauer und auch eifersüchtig auf meinen Bruder. Ich halte mich an Regeln um unsere Eltern zu schützen und leide sehr dass ich sie nicht besuche. Klar könnte ich einfach das gleiche tun und fahren. aber. wenn dann was passiert, dann macht man sich Vorwürfe und es ist zu spät.


Ich sehe meine Eltern jedes Wochenende wobei mein Vater schwer krank ist und ich immunsuppremiert bin. Ich sehe meine beste Freundin jeden Tag (die wohnt direkt neben an und ist ebenfalls immunsuppremiert). Es ist wichtig, dass man vorsichtig ist aber den Kontakt meiden mit dem Leitgedanken "ich möchte nicht der Mörder meiner Eltern sein" das hat etwas sehr hysterisches und hat für mich mit einer normal gesunden Vorsicht nichts mehr zu tun.
Ich finde es auch traurig und schlimm, dass der Vater anruft und sich entschuldigt, dass das andere "Kind" bei ihm war.

Ich denke wenn du deine Prinzipien hast dann ist das ok aber dann musst du das auch leben und dahinter stehen. Wozu dann die Eifersucht weil es dein Bruder anders handhabt und nicht deine Ansichten teilt? Es geht nicht darum grob fahrlässig zu handeln und eine riesen Fete zu schmeißen. Bei uns dürfen sich aktuell Leute aus 3 Haushalten in einem Raum aufhalten. Ab heute haben bei uns wieder Friseure und Geschäfte auf.

Wenn du Corona mit der Pest vergleichst dann musst du dich im Grunde von deinem ganzen sozialen Umfeld isolieren denn die hielt mal ein paar hundert Jahre an.

08.02.2021 10:29 • #16



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