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Murmelmaus
Habt ihr die Erfahrung machen müssen, dass euch unterstellt wird, ihr würdet simulieren?

Dass psychische Erkrankungen für viele nicht so recht greifbar sind, ist nachvollziehbar - leider muss ich aber feststellen, dass es Leute gibt, die der Meinung sind, man würde alles nur dramatisieren. Und die einen das auch unmissverständlich wissen lassen.

Ja... ich bin gerne krank geschrieben und riskiere meinen Job wegen der Fehlzeiten. In Wartezimmern sitzen und Medis schlucken sind meine Hobbies. Zur Therapie gehe ich nur, weil ich keinen Friseur habe, den ich zubrezeln kann. Und Reha ist mein Urlaub.



Nein... mal im Ernst: Man kämpft jeden Tag um Besserung. Die Lebensqualität leidet ungemein, aber man versucht sich durchzuwühlen.

Und dann muss man sich auch noch triezen lassen, als würde man seine Mitmenschen ärgern wollen. Ich erwarte keine Hilfe, kein Kopftätscheln. Nur etwas Mitdenken. Denn im Endeffekt macht dieses Verhalten es nur noch schwieriger und ein Teufelskreis entsteht, da man - labil wie man gerade ist - nun auch noch anfängt, die Fehler bei sich zu suchen.

Zumindest geht es mir gerade so

14.10.2018 09:39 • 16.10.2018 x 4 #1


110 Antworten ↓


Ich kenne das. Konsequenz davon ist, dass ich mit niemandem mehr darüber rede. Weder mit Familie noch sonst jemanden. Selbst vom therapeut kamen so Ansätze ich wolle nicht arbeiten. Nur der SPDI versteht mich und steht hinter mir.

14.10.2018 09:43 • x 1 #2



Umfeld denkt, man simuliert

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petrus57
Mein Umfeld denkt nicht, dass ich simuliere. Die sagen nur immer: So schlimm kann das doch gar nicht sein. Meine Schwägerin meint, man könne mit "Depris" auch genug machen. Wer noch keine richtigen Depressionen, Angststörungen, etc. hatte, kann da gar nicht mitreden.

14.10.2018 09:47 • x 3 #3


Mondkatze
Genauso.
Ich rede mit niemandem darüber.
Ausnahme: das Forum und mein Therapeut.
Die Gefahr ist einfach zu groß, abgestempelt zu werden.

14.10.2018 09:50 • #4


Zitat von Murmelmaus:
Nein... mal im Ernst: Man kämpft jeden Tag um Besserung. Die Lebensqualität leidet ungemein, aber man versucht sich durchzuwühlen.

Und dann muss man sich auch noch triezen lassen, als würde man seine Mitmenschen ärgern wollen. Ich erwarte keine Hilfe, kein Kopftätscheln. Nur etwas Mitdenken. Denn im Endeffekt macht dieses Verhalten es nur noch schwieriger und ein Teufelskreis entsteht, da man - labil wie man gerade ist - nun auch noch anfängt, die Fehler bei sich zu suchen.

Zumindest geht es mir gerade so


Der Meinung kann ich nur zustimmen, es wäre schon geholfen, wenn es einfach nur akzeptiert würde, denke ich.

14.10.2018 09:52 • x 1 #5


Murmelmaus
Zitat von petrus57:
Mein Umfeld denkt nicht, dass ich simuliere. Die sagen nur immer: So schlimm kann das doch gar nicht sein. Meine Schwägerin meint, man könne mit "Depris" auch genug machen. Wer noch keine richtigen Depressionen, Angststörungen, etc. hatte, kann da gar nicht mitreden.


... und einige tun es dennoch allzu gerne in meinem Fall wird einfach gehetzt und beurteilt, ohne zu wissen, was eigentlich los ist. Ich könnte mir auch ein Bein gebrochen haben... aber Hauptsache erstmal tratschen!

14.10.2018 09:53 • x 2 #6


Coru
Ich rede deshalb auch kaum mit Leuten darüber. Zu oft wurde mir schon Unverstädnis wegen meiner Panikattacken entgegengebracht. Ich muss mich doch nur überwinden und soll das schöne in der Welt sehen. Ich muss das alles doch nur locker sehen oder ich habe keinen Grund Angst zu haben. Wenn ich nachts aufwache mit einer Panikattacke kann ich auch nichts dafür, aber gut. Man kann es erst richtig verstehen, wenn man das selber mal hatte.

14.10.2018 09:58 • x 5 #7


Murmelmaus
Zitat von Ana-303:

Der Meinung kann ich nur zustimmen, es wäre schon geholfen, wenn es einfach nur akzeptiert würde, denke ich.


Die Sache mit dem Stempel... wenn nichts komisch absteht oder blutet, ist man auch nicht krank. Wie gesagt, dass es schwer greifbar ist, wenn man mit derartigen Erkrankungen noch keine Berührungspunkte hat, verstehe ich ja. Aber deswegen ist der Betroffene nicht weniger krank.

14.10.2018 10:01 • x 1 #8


Momentan gibt es nur eine Person in meinem Leben die das unterschwellig macht. Allerdings erlebe ich es zu Hauf in Bezug auf mein Rheuma und Übergewicht.

Ich bin ja immer müde. Jeden Tag Schmerzen. Ich muss ganz konsequent mein Nachmittagsschläfchen einhalten um mich zu erholen und es hilft auch bei den Schmerzen.

Bin überhaupt nicht belastbar was Berufstätigkeit betrifft. 0,0. Und da erlebe ich oft, das Leute meinen, wenn ich mein Gewicht reduzieren würde, würde das Rheuma wie durch Zauberhand verschwinden. Was Bull*mist ist. Meine ersten Schmerzen hatte ich bereits, da war ich noch schlank. Und was ist dann mit allen rheumakranken, die normalgewichtig sind? !

Es ätzt mich voll an. Nicht ernst genommen zu werden. Das Rheuma kommt nicht vom Übergewicht. Ich war ja letzten Monat im MRT mit dem rechten Fuß. Habe 0 Verschleiß an den Gelenken! Muss man sich reinziehen. Meine Füße leisten die härteste Arbeit mein Gewicht seit Jahren zu tragen.

Ich sage, das ist alles vom psychischen Stress der Jahrzehnte. Es kommt keine Ruhe rein. Immer stehe ich unter Druck. Immer Kämpfe ich. Immer Verluste, Niederlagen, etc.

Und der beste Witz ist. Laut 4 Gutachter bin ich vollschichtig einsetzbar. Die ticken nicht mehr ganz sauber.

14.10.2018 10:02 • x 6 #9


...ich finde es sogar gefährlich, wenn Ärzte oder Therapeuten so reagieren. Ich hatte tatsächlich eine zeitlang die Idee den wunsch mich wirklich zu verletzen, dass ich legitim krank bin.

14.10.2018 10:04 • x 2 #10


Zitat von petrus57:
Mein Umfeld denkt nicht, dass ich simuliere. Die sagen nur immer: So schlimm kann das doch gar nicht sein. Meine Schwägerin meint, man könne mit "Depris" auch genug machen. Wer noch keine richtigen Depressionen, Angststörungen, etc. hatte, kann da gar nicht mitreden.


Genauso ist's in meiner Familie leider auch. Als ich vor 11 Jahren,nach 2 Jahren höllischen Schmerzen, endlich zum Gastroenterologen bin, hat es fast keiner verstanden wie schlimm diese Krankheit ist. Aber wehe die haben was, dann sterben die gleich und Angst etc kenne die auch nicht. Da geht man locker flockig zur Untersuchung bzw ins KH und gut ist.
Durfte keinem ausserdem meiner Familie und Oma sagen das ich damals Venlafaxin genommen hab. Es hieß dann nur, stell dich nicht so an, so schlimm ist das nicht. Meine Cousine simuliert sehr gerne um Aufmerksamkeit zu bekommen. Die ist auch gleich nach meiner Diagnose zum Gastroenterologen und meinte sie hätte sowas auch. Zum Glück hat dies nicht! Genauso meint sie sie hätte Glasknochen. Was aber auch nicht stimmt.
Sowas macht mich wütend dass eine/r simuliert. Soll froh sein daß sie Kern gesund ist

14.10.2018 10:04 • #11


Zitat von Finya:
Ich kenne das. Konsequenz davon ist, dass ich mit niemandem mehr darüber rede. Weder mit Familie noch sonst jemanden. Selbst vom therapeut kamen so Ansätze ich wolle nicht arbeiten. Nur der SPDI versteht mich und steht hinter mir.


Das ist die Krönung, aber ich wurde auch gefragt, wie es mit Arbeit aussieht? Ich schaffe ja gerade noch so meinen Haushalt mit viel Pausen, habe 50 % GdB und noch Vieles mehr, na klar, Arbeit macht frei von alldem..
EMR wurde nicht aus Lust an der Freude genehmigt.

14.10.2018 10:05 • x 1 #12


Murmelmaus
Zitat von Coru:
Ich rede deshalb auch kaum mit Leuten darüber. Zu oft wurde mir schon Unverstädnis wegen meiner Panikattacken entgegengebracht. Ich muss mich doch nur überwinden und soll das schöne in der Welt sehen. Ich muss das alles doch nur locker sehen oder ich habe keinen Grund Angst zu haben. Wenn ich nachts aufwache mit einer Panikattacke kann ich auch nichts dafür, aber gut. Man kann es erst richtig verstehen, wenn man das selber mal hatte.


Was habe ich neulich gelesen?

"Du hast Depressionen? Ach, die Sonne scheint doch, wie kann man da schlecht drauf sein..." - "Und du hast Asthma? Atme doch einfach mal tief durch, ist doch genug Luft da!"

Jaaa... etwas überspitzt. Aber ist doch wahr.

14.10.2018 10:05 • x 2 #13


Murmelmaus
Zitat von Finya:
...ich finde es sogar gefährlich, wenn Ärzte oder Therapeuten so reagieren. Ich hatte tatsächlich eine zeitlang die Idee den wunsch mich wirklich zu verletzen, dass ich legitim krank bin.


Oh wow. Ja... was muss erst passieren...

14.10.2018 10:08 • #14


Zitat von Murmelmaus:

Oh wow. Ja... was muss erst passieren...


Ja es ist grausam. Und nach jedem Amtstermin, bei jedem Satz ich könne arbeiten gehen, kommen Bilder in den Kopf, wie ich mich verletzen könnte, damit ich gehört werde

14.10.2018 10:09 • #15


Murmelmaus
Zitat von Finya:

Ja es ist grausam. Und nach jedem Amtstermin, bei jedem Satz ich könne arbeiten gehen, kommen Bilder in den Kopf, wie ich mich verletzen könnte, damit ich gehört werde


Vom ärztlicher Seite musste ich die Erfahrung zum Glück noch nicht machen, zumindest nicht in dem Ausmaß. Nur bzgl. Hashimoto häng ich etwas in der Luft... aber das ist ein anderesThema

Fühl dich gedrückt!

14.10.2018 10:34 • #16


Icefalki
Passiert bei mir nicht, traut sich keiner. Und was hintenrum geredet wird, interessiert mich nicht. Liegt aber daran, dass ich total offen damit umgehe und natürlich auch daran, dass ich seit langem soweit ok bin. Früher war das auch anders, weil ich mich in Grund und Boden geschämt habe. Ich denke, dass das das eigentliche Problem ist. Man möchte das selbst nicht haben, das nicht sein, einen an der Waffel zu haben, ist echt grauslich und keiner sieht etwas.

Mittlerweile weiss ich einfach, dass wirklich sehr viele Menschen mit ihrer Psyche zu kämpfen haben und sage den Oberschlauen immer, haltet die Klappe, ihr wisst nämlich nicht, was auf euch noch zukommen könnte. Also Ball flach halten, keiner kommt ohne Blessuren durchs Leben. Wir sprechen uns dann noch. Dann ist eh Ruhe.

Selbst meinem Chef hab ich Respekt und Verständnis beibringen können. Zwischenzeitlich "spinnt" nämlich seine Tochter. UPS.

Also, lasst das Umfeld denken und ihren Käse babbeln, die kommen auch noch dahinter. Spätestens im Alter, wenn der natürliche Verfall einsetzt, sind die in irgendeiner Form auch mal betroffen. Und spätestens dann ist rum mit lustig.

Was eure Erfahrungen bzgl. Ärzte bzw. Therapeuten anbelangt, die kenne ich so nicht. Mir wurde immer geholfen. Da war eher ich diejenige, die sich hat nicht helfen lassen wollen.

14.10.2018 10:42 • x 4 #17

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Soma
Atmen sie doch mal in Ihren Schmerz hinein. Lenken sie sich ab, lesen sie ein Buch oder tun sie einfach das was Ihnen Freude macht. Verändern Sie Ihre Situation, schalten sie nachts das Licht ein.
Ne im Ernst, natürlich sind das Maßnahmen, die theoretisch ihre Berechtigung haben, aber könnt Ihr ein Buch lesen während ihr schmerzgeplagt Eurer nächsten Panikattacke gegenüber steht? Ich denke mir selbst von Psychotherapeuten, Psychiatern und anderen Ärzten, dass sie diese Erkrankungen vielleicht tatsächlich ernst nehmen, aber sie trotzdem nicht verstehen. Erst wenn man selbst Betroffen ist, dann weiß man was es bedeutet durch die Hölle zu gehen.
Schon mal versucht in der Hölle einfach mal das Licht anzuknipsen? Der Teufel wird unglaublich erschrecken und alles löst sich dadurch im Nichts auf. Toll oder?
Ich erlebe es einfach immer wieder, wie wenig greifbar für Außenstehende psychische Erkrankungen sind. Selbst für diejenigen, die solche Menschen behandeln. Wie soll da ein Nichtsahnender irgendein Verständnis oder Gefühl aufbringen können? Wir müssen uns im Klaren sein, dass wir mit dieser Erkrankung selbst umgehen und fertig werden müssen. Deshalb fühlen wir uns oft so allein um im Stich gelassen von der Welt. Es ist ein ewiger innerer Kampf mit uns selbst, weil es nur für uns selbst greifbar ist. Wer kämpft schon gern gegen Windmühlen oder unsichtbare Geister?
Ich bin mittlerweile im Jetzt und Hier angekommen und weiß, dass es nur den Weg über mich selbst gibt.

14.10.2018 10:48 • x 5 #18


Murmelmaus
Zitat von Icefalki:
Passiert bei mir nicht, traut sich keiner. Und was hintenrum geredet wird, interessiert mich nicht. Liegt aber daran, dass ich total offen damit umgehe und natürlich auch daran, dass ich seit langem soweit ok bin. Früher war das auch anders, weil ich mich in Grund und Boden geschämt habe. Ich denke, dass das das eigentliche Problem ist. Man möchte das selbst nicht haben, das nicht sein, einen an der Waffel zu haben, ist echt grauslich und keiner sieht etwas.

Mittlerweile weiss ich einfach, dass wirklich sehr viele Menschen mit ihrer Psyche zu kämpfen haben und sage den Oberschlauen immer, haltet die Klappe, ihr wisst nämlich nicht, was auf euch noch zukommen könnte. Also Ball flach halten, keiner kommt ohne Blessuren durchs Leben. Wir sprechen uns dann noch. Dann ist eh Ruhe.

Selbst meinem Chef hab ich Respekt und Verständnis beibringen können. Zwischenzeitlich "spinnt" nämlich seine Tochter. UPS.

Also, lasst das Umfeld denken und ihren Käse babbeln, die kommen auch noch dahinter. Spätestens im Alter, wenn der natürliche Verfall einsetzt, sind die in irgendeiner Form auch mal betroffen. Und spätestens dann ist rum mit lustig.

Was eure Erfahrungen bzgl. Ärzte bzw. Therapeuten anbelangt, die kenne ich so nicht. Mir wurde immer geholfen. Da war eher ich diejenige, die sich hat nicht helfen lassen wollen.


Danke für deine Worte ich möchte das eigentlich auch nicht so an mich ranlassen... Aber da es mir gerade akut nicht gut geht, ist's echt schwierig, weil ich eh schon mit den ganzen nervigen Symptomen zu tun haben, die mich schlauchen.

14.10.2018 10:50 • #19


petrus57
Zitat von Skade:
Und der beste Witz ist. Laut 4 Gutachter bin ich vollschichtig einsetzbar. Die ticken nicht mehr ganz sauber.


Das hat mir der Gutachter vom Jobcenter auch bescheinigt. Ich bin zu diesem Termin mehr hingekrochen als gelaufen.

Habe mich dann natürlich über diesen Gutachter beschwert. Auf meine eigentlichen Schmerzen ist der gar nicht eingegangen. Der hat nur seine Liste abgearbeitet.

Da hatte ich mit der Gutachterin von der Rentenversicherung mehr Glück. Sie hat mir gleich eine unbefristete EU erteilt.

14.10.2018 10:52 • #20



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