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Hallo ihr,
ich bin neu hier und hoffe auf diesem Wege jemanden zu finden, mit dem ich mich über meine Sorgen austauschen kann. Ich bin Mutter von einem Sohn, der jetzt 28 Jahre alt wäre, aber vor 3 ½ Jahren ganz plötzlich verstorben ist. Das ist ganz schlimm und tut so weh, dass es mir zeitweise die Luft nimmt und die Kraft raubt irgendwas Nützliches zu tun. Auch ziehe ich mich dann ganz und gar zurück um meinen Schmerz niemandem zeigen zu müssen.

Ich arbeite in einer sehr großen Firma und dort laufen momentan mehr schwangere Frauen rum, als ich je gesehen habe. Die Frauen, die in meinem Alter sind, oder etwas älter, zeigen die Fotos ihrer Enkelkinder rum und freuen sich darüber. Ich gönne es denen ja, ganz ehrlich, nur tut es mir gleichzeitig so weh und ich bin den ganzen Tag von früh bis abends gefordert, die Fassade zu bewahren, und nicht die Fassung zu verlieren. Das kostet so viel Kraft und Energie……. Da das immer schlimmer wird, und ich nur glückliche Menschen um mich habe, denen ich mich natürlich nicht anvertraue, ziehe ich mich zwangsläufig sehr gern und oft zurück und bin froh, wenn ich nach Hause gehen kann und für mich sein kann.
Auf Feiern und Festen wird man mich gar nicht mehr suchen, weil ich da eh nicht erscheine. Auch dafür hat keiner Verständnis, was mir aber inzwischen relativ egal ist. Es ist für mich besser zu ertragen nicht hin zu gehen, als dort zu sitzen und zu leiden. Aber es ist ein Teufelskreis.
Heute ist Sonntag und der Tag, wo ich die Batterie auflade, die morgen mittag sicher schon wieder halb leer ist…
Ich wünsche euch einen schönen Sonntag!

22.07.2012 10:40 • 22.07.2012 #1


6 Antworten ↓


Ein Kind zu verlieren ist das schlimmste was Eltern passieren kann. Es gibt viele Selbsthilfeorganisationen die sich genau diesem Thema angenommen haben. Schließ dich einem dieser an. Wenn das dir nicht recht, eine trauertherapie wird dir sicherlich helfen wieder eine andere Einstellung zum leben zu finden.

22.07.2012 12:19 • #2



Ich vermisse meinen Sohn so sehr

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Hallo Ymorli,

Du solltest wirklich nach Gleichgesinnten suchen und dich mit denen austauschen. Ein Kind zu verlieren muss die Hölle sein. Dein Schmerz muss grenzenlos sein! Überall wirst du Eltern oder Großeltern treffen, die deine Erfahrung nicht machen mussten. Menschen, so wie ich, die deine Erfahrung nicht machen mussten, können nur ihr Bedauern äußern, aber niemals nachvollziehen, was du durch machst. Selbst, wenn sie ein Kind verloren haben, hat der Schmerz immer ein anderes gefühltes Potenzial, wird anders erlebt und verarbeitet. Dein Verlustschmerz wird niemals gehen und Zeiten lassen sich nicht zurück drehen - es gibt Dinge, mit denen wir uns abfinden müssen, aber nicht können. An einer Trauerbewältigung kommst du nicht herum. Es würde dir sicherlich helfen, über deinen Schmerz mit jemanden zu reden und ein Stück weit dein Leben zurück zu gewinnen.
Ich habe meinen Bruder verloren, den ich sehr gern hatte und manchmal schreibe ich ihm Briefe - klingt vielleicht etwas merkwürdig - aber es gibt so viele Dinge, die ich ihm noch gern gesagt hätte. Da ich ihn sehr gut kannte, weiss ich, was er geantwortet hätte.

Du kanntest deinen Sohn sicher auch sehr gut - und sicher hätte er niemals gewollt, dass du ihn so schmerzlich vermisst und so sehr leidest. Sicherlich hätte er gewollt, dass seine Mutter glücklich ist und ihr Leben lebt!

22.07.2012 14:26 • #3


Hallo Gina68,
danke für deine Antwort,
ja, das ist alles richtig was du schreibst und es spiegelt die Realität wieder. Ich habe zwar keine Erfahrung mit Selbsthilfegruppen, stelle mir dies aber richtig grauslig vor. Ein Raum mit im Kreis aufgestellten Stühlen und alle sitzen tief depressiv in der Runde. Und die Geschichten, die sie erzählen sind so tragisch, dass zum Schluss alle weinen. Kann einen Menschen das wirklich aufbauen?
.
So frage ich mich wirklich, ob das hilft? Oder ist es dann nur die Ablenkung und die Änderung der Sichtweise.? Oder wird man dadurch härter? Ich kenne niemanden, der schon mal in so einer Selbsthilfegruppe war. Du?

Aber die Idee mit dem Brief schreiben finde ich ganz gut, werde das mal ausprobieren. Aber vielleicht finde ich ja noch jemanden hier im Forum, mit dem ich darüber "reden" kann, der mich versteht, weil er weiß wie sich das anfühlt.

LG Ymorli

22.07.2012 16:23 • #4


Ich glaube du stellst dir Selbsthilfe ganz falsch vor, aber wenn du Hemmungen hast, dann vertrau dich wenigstens einem Therapeuten an. Informier dich doch mal bei Eltern ohne Kind. Das ist ein Verein von betroffenen, die haben bestimmt auch einen internetauftritt. Diese Trauer kannst du nicht alleine verarbeiten. Dies hast du jetzt 3 Jahre ohne Erfolg versucht. Bitte hol dir Hilfe, die gibt es.

22.07.2012 19:02 • #5


Das ist total traurig was du schreibst und wie es dir geht.
eine Therapie würde dir helfen und Selbsthilfegruppen gibts auch.
wenn du jemand zum reden brauchst, wir sind alle für dich da. Stimmt's?

22.07.2012 19:46 • #6


ja, Aero, das sind wir, - nur in den ARM nehmen können wir dich nicht! - so gern wir das täten! Und au h deine Tränen können wir nicht wegwischen. Wir können deine Hand nicht halten. -
Nur Mut können wir dir zusprechen und dir versichern, wir lesen deine Worte und denken an dich! Dein Kummer berührt mich und trotzdem kann ich ihn dir nicht nehmen. - aber ich weiss, dass dieser Schmerz, dir die Luft zum Atmen nehmen kann! Wenn du einen Therapeuten hast, dann wirst du über deinen Kummer reden, - du kannst die Tränen, den Schmerz raus lassen. Das so wichtig!! Du musst das tun! Den Verlustschmerz wirst du immer behalten, aber dein Umgang damit wird ein anderer sein.

22.07.2012 23:02 • #7




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Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser