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Hallo Leute,
da mein Therapeut mich rausgeworfen hat werde ich euch einfach mal die Ohren volljammern. Ich hoffe das ist ok.

Im Moment habe ich so eine schlimme Depri Phase wie noch nie und ich weiß einfach nicht wie ich da wieder rauskommen soll.
Sitze nur noch zuhause und versinke im Selbstmitleid, grüble über all meine Probleme nach und finde einfach keinen Ausweg.

Ich bin jetzt Anfang 30 und habe nichts erreicht in meinem Leben. Ich bin wohl der typische Loser. Und ich habe inzwischen
so viele psychische Probleme "entwickelt", das mein Leben sehr stark eingegrenzt ist. Ich habe mehrere Ausbildungen angefangen,
die ich alle abgebrochen habe damals. Der Zug ist abgefahren. Habe schon viele Jobs gemacht, aber nie lange durchgehalten.
Sobald es Probleme gibt schmeisse ich alles hin und gebe auf. Ich bin ein extrem unsicherer Mensch was mein Äusseres betrifft
und auch bei der kleinsten Kritik an meinem Charakter oder meiner Persönlichkeit klappe ich sofort zusammen. Das mag vielleicht
daran liegen das ich während meiner gesamten Schulzeit gemobbt und als hässlich beschimpft wurde. Ich weiß, irgendwann sollte
man darüber hinweg kommen, aber das habe ich immernoch nicht geschafft.

Ich habe keine echten Freunde, nur ein paar Bekannte.
Habe in meinem Leben so viele Menschen kennen gelernt, Freunde gewonnen und wieder verloren. Inzwischen lerne ich keine neuen
Leute mehr kennen, obwohl ich gerne würde. War schon immer etwas sozialphobisch (gibt es das Wort?) und eher ein Zweier-Mensch
der sich in Gruppen nicht wohl fühlt. Aber das ist in den letzten Jahren so schlimm geworden das ich kaum noch das Haus verlasse.
Inzwischen fange ich immer an zu zittern wenn ich das Haus verlasse, am ganzen Körper. Das fällt den Menschen auf und ich werde
darauf angesprochen - vom Zahnarzt, dem Typ von meiner Kfz-Werkstatt, der Friseurin... das ist mir so unendlich peinlich und
unangenehm und ich weiß dann auch nie was ich sagen soll. Also gehe ich so weit es möglich ist garnicht mehr raus und meide den
Kontakt zu Menschen. Ich weiß, das ist genau das Falsche, aber die ganzen Ängste scheinen stärker zu sein als ich.

Ich hatte noch nie eine richtige Beziehung, ich kann mich einfach nicht darauf einlassen. Ich finde mich selber so abstoßend
hässlich und unperfekt das ich nicht glaube das jemand mich wirklich lieben könnte. Trotzdem habe ich in letzter Zeit oft das
Gefühl das etwas fehlt in meinem Leben. Etwas das mir einen Sinn gibt, eine Aufgabe und das Gefühl gebraucht zu werden.
Ich habe immer gesagt ich möchte keine Kinder, aber jetzt verspüre ich doch deutlich den Wunsch danach. Und so langsam läuft
mir die Zeit davon. Sowieso habe ich das Gefühl das mein ganzes Leben in einem unglaublichen Tempo an mir vorbei zieht und ich
meine ganze Jugend verschwendet habe. Es gibt so viele Dinge die ich gerne mal erleben würde, aber ich finde immer eine Ausrede
warum das im Moment nicht möglich ist. Das reicht von finanziellen Mitteln bis dahin das es alleine keinen Spaß macht.

Ich weiß auch, das ich mein Leben einfach in die Hand nehmen und endlich aufwachen müsste... aber ich habe keine Kraft, bin so
antriebslos, alles scheint hoffnungslos. Einerseits beschwere ich mich das ich nichts erlebe und andererseits habe ich nicht den
Mut und die Kraft die Dinge endlich anzugehen. Mir fehlt vielleicht einfach ein guter Freund, jemand der mir hilft wieder aus
diesem Depri Sumpf rauszukommen. Aber genau da dreht sich alles wieder im Kreis. Wie soll ich Freunde finden wenn ich nicht raus
gehe und den Mut habe neue Leute kennen zu lernen? Ich habe beinahe sämtliche Therapeuten im Umkreis von 40 km kontaktiert,
es ist einfach nicht möglich einen Termin zu bekommen, oder auch nur auf die Warteliste gesetzt zu werden. Wo kann ich Hilfe
finden? Ich bin wirklich verzweifelt und ich kann mir nicht vorstellen das ich aus diesem extremen Tief alleine raus finde.
Vielleicht ist es auch schon so eine Art Midlife-Crisis, obwohl es dafür eigentlich noch zu früh ist...

Ich weiß ehrlich gesagt garnicht was ich mir davon erhoffe euch hier mit meinen Problemen vollzujammern, aber vielleicht tut es
schon gut das einfach mal los zu werden. Ich habe niemanden mit dem ich darüber sprechen kann, ich will meine Familie und
Bekannten nicht damit belasten. Wenn die sich Sorgen machen bringt das ja auch niemandem was.

27.08.2016 19:05 • 29.08.2016 x 2 #1


5 Antworten ↓


laribum
warum bist du rausgeflogen?

27.08.2016 22:48 • #2



Extreme Depri Phase

x 3


Hotin
Hallo Jenna707,

Zitat:
da mein Therapeut mich rausgeworfen hat werde ich euch einfach mal die Ohren volljammern. Ich hoffe das ist ok.


Natürlich ist das ok. Allerdings, was hast Du verbrochen, dass Dich Dein Therapeut rauswirft?

Zitat:
Ich bin jetzt Anfang 30 und habe nichts erreicht in meinem Leben.


Schwer zu glauben für mich. Das klingt sehr unwahrscheinlich.

Zitat:
Und ich habe inzwischen so viele psychische Probleme "entwickelt", das mein Leben sehr stark eingegrenzt ist.


Meistens sind das nur zwei oder drei große Probleme. Die musst Du nur selbst erkennen und sie auch selbst zugeben vor Dir.

Zitat:
Der Zug ist abgefahren.


Mit Anfang 30? Niemals!

Zitat:
Sobald es Probleme gibt schmeisse ich alles hin und gebe auf.


Da haben wir doch schon Problempunkt Nr. 1. Ein Problem sollte zuerst erkannt werden und danach gelöst werden.
Der Mensch ist eigentlich könnte man sagen ein lebenslanger Problemlöser.

Warum läufst Du selbst vor kleineren Problemen davon? Hat Dir niemand gelernt
wie Du mit Problemen umgehen kannst?

Zitat:
Ich bin ein extrem unsicherer Mensch was mein Äusseres betrifft
und auch bei der kleinsten Kritik an meinem Charakter oder meiner Persönlichkeit klappe ich sofort zusammen.
Das mag vielleicht daran liegen das ich während meiner gesamten Schulzeit gemobbt und als hässlich beschimpft wurde.
Ich weiß, irgendwann sollteman darüber hinweg kommen, aber das habe ich immer noch nicht geschafft.


Dies erscheint mir eine völlig falsche Sichtweise zu sein.
Der Mensch baut oft einen großen Teil seines Selbstbewusstseins darüber auf, dass er sich über Schwächere lustig macht.
Dafür benötigt er einen in einer Gruppe, der diese Rolle übernimmt. Vermutlich hast Du diese Rolle sehr oft übernommen,
weil Du Dich nicht gewehrt hast.
Es lag also nicht an Deinem Äußeren, sondern an Deiner Körpersprache.
Wenig intelligente und gleichzeitig wenig selbstbewusste Menschen erkennen dass Du Angst hast, und nutzen das aus.
Die Lösung liegt darin, dass Du nicht mehr so offen zeigst, dass Du ein ängstlicher Mensch bist. Dann wird das besser.

Zitat:
Ich weiß, das ist genau das Falsche, aber die ganzen Ängste scheinen stärker zu sein als ich.


Auch das ist nicht ganz exakt beschrieben. Deine Ängste sind Deine Gefühle.
Sie sind nicht schwächer, aber auch nicht stärker als Du. Du steuerst sogar und entscheidest, welche Gefühle
in Dir das "Sagen" haben. Du solltest Deine Gefühle also ruhig sprechen lassen.
Da Du weißt, was falsch für Dich ist, solltest Du natürlich mehr auf die hilfreichen Gefühle und nur wenig auf Deine
Ängste hören.

Zitat:
Ich finde mich selber so abstoßend hässlich und unperfekt das ich nicht glaube das jemand mich wirklich lieben könnte.


Oh man, dass hat Dich aber bestimmt viel Kraft gekostet, solch eine tolle Bewertung über Dich zu entwickeln.

Zitat:
Ich weiß auch, das ich mein Leben einfach in die Hand nehmen und endlich aufwachen müsste...


Du bist hellwach, sonst könntest Du das hier nicht schreiben.

Zitat:
aber ich habe keine Kraft, bin so antriebslos, alles scheint hoffnungslos.


Kraft hast Du genug. Du musst sie nur nutzen. Gut, das Du sagst, es scheint hoffnungslos. Weil in Wirklichkeit hast
Du noch viele,viele Möglichkeiten.

Zitat:
Wo kann ich Hilfe finden? Ich bin wirklich verzweifelt und ich kann mir nicht vorstellen das ich aus diesem extremen
Tief alleine raus finde.


Natürlich solltest Du eine längere Begleitung durch einen Therapeuten nutzen.
Andererseits kannst Du nur allein aus Deinem Tief herausfinden.
Ob Du etwas positiv also hilfreich für dich, oder negativ, also schlecht für Dich findest, entscheidest Du täglich viele,
viele Mal. Dabei kann dir kaum jemand helfen.
Natürlich wäre es gut, wenn Du Dich mal an Menschen anschließen kannst, also Bekannte findest. Ob dann auch mal
Freunde dabei sein werden wird sich zeigen.

Zitat:
ich will meine Familie und
Bekannten nicht damit belasten. Wenn die sich Sorgen machen bringt das ja auch niemandem was.


Belasten wäre tatsächlich nicht so hilfreich. Aber etwas ehrlicher über das reden, was und wie Du so denkst, könnte Dir
schon sehr helfen.

Viele Grüße

Bernhard

28.08.2016 00:13 • x 1 #3


Ich habe Garnichts verbrochen soweit ich weiß. Der hatte wohl eher eine persönliche Abneigung gegen mich... Will jetzt auch nicht anfangen hier schlecht über andere Menschen zu reden, aber ist es nicht die Aufgabe eines Therapeuten Menschen zu helfen anstatt ihnen einzureden sie wären arrogant, faul und wertlos? Meiner Meinung nach einfach ein schlechter Therapeut, war aber der einzige wo ich relativ schnell einen Termin bekommen habe und deshalb wäre ich bereit gewesen dort weiter zu machen, obwohl es menschlich nicht gepasst hat. Ein bisschen mehr Professionalität hätte ich schon erwartet, aber anscheinend gibt es so viele Patienten auf der Warteliste das nach belieben aussortiert wird wenn ein Patient nicht passt.

Hotin, vielen Dank für deine Antwort. Auch wenn ich dir nicht bei Allem zustimmen kann hast du mir ein paar wichtige Denkanstöße gegeben. Vielleicht sollte ich wirklich versuchen meine Grundeinstellung zu ändern, ich muss nur einen Weg finden wie ich das schaffen kann.

29.08.2016 12:11 • #4


Hotin
Hallo Jenna707,

einen Dank auch an Dich zurück.
Du hast Recht. Zwischen Hilfesuchendem und Therapeut darf keine Abneigung bestehen.

Zitat:
Der hatte wohl eher eine persönliche Abneigung gegen mich. ..aber ist es nicht die Aufgabe eines Therapeuten
Menschen zu helfen anstatt ihnen einzureden sie wären arrogant, faul und wertlos?


Kann es sein, dass er gar keine Abneigung gegen Dich hatte?
Wenn er Dir helfen will, muss er sagen dürfen, wo er glaubt, dass Du dort Fehler machst.
Alles andere macht keinen Sinn. Auch ich versuche immer zu zeigen, was Du besser machen solltest.
Bist Du vielleicht so empfindlich geworden, dass du gar keine Kritik mehr haben willst?
Falls ja, versuche das ganz schnell zu ändern.
Zitat:
Vielleicht sollte ich wirklich versuchen meine Grundeinstellung zu ändern, ich muss nur einen Weg finden wie ich
das schaffen kann.


Da Du ja gerade bestätigt hast, dass Du weder faul, noch wertlos bist, sollte Dir da bald einiges gelingen.
Also lege los. Der Anfang ist immer etwas holprig und schwer.
Was würdest Du denn zuerst an Deiner Grundeinstellung verändern wollen?

Viele Grüße

Bernhard

29.08.2016 12:29 • #5


@Jenna707

Das ist normal, dass wenn die Therapie nicht funktioniert, der Patient schuldig ist.
An der Therapie kann es ja nicht liegen.

29.08.2016 12:32 • x 1 #6




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