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Fabberlin

Hallo,

ich hab mehrere Jahre Depressionen und hab festgestellt, dass ich mittlerweile irgendwie aus der Gesellschaft raus bin. Auch wenn ich wie von Zauberhand gesund werden würde, hätte ich garantiert Probleme mich wieder einzufügen. Es ist grausam, auf der einen Seite hätte ich Lust mich mal wieder mit Menschen auszutauschen, auf der anderen Seite fehlt mir das Interesse und Kraft. Früher hatte ich viele Freunde und war sehr aktiv. Zur Zeit bin ich sehr einsam. Wie kann man in einer Millionenstadt wie Berlin so vereinsamen? Auf Selbsthilfegruppen habe ich keine Lust und christliche Gemeinden auch nicht. Es dreht sich immer um die gleichen Themen. Normale Leute mit etwas Bildung wären gut. Hab aber echt keine Ahnung, wie man das anstellen sollte.

Gehts anderen auch so?

04.08.2018 18:25 • 06.08.2018 #1


9 Antworten ↓


frozen

frozen


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Hallo Fabberlin,

ich befinde mich selber auch gerade in einer Phase in der mich frage, ob mittlerweile nicht etwas in mir irreversibel kaputtgegangen oder gestorben ist. Nach Jahren der Einsamkeit und oberflächlichen, persönlichen Bekanntschaften spüre ich das starke Verlangen mich von allem zu isolieren. In der letzten Zeit habe ich fast alle meiner persönlicheren Bekanntschaften von mir weggestossen, weil ich einfach, entschuldige die Wortwahl, keinen Bock mehr auf diese ganze schei. hatte. Ich bin richtig asozial geworden und irgendwie fühle mich nicht mal schlecht dabei all diese Leute, die ich sowieso nicht als Freunde betrachtet habe, aus meinem Leben zu entfernen. Irgendwie hat sich in meinem Kopf ein Schalter umgelegt, dass ich keine Lust mehr auf die Gesellschaft habe. Ich betrachte das Ganze als eine Art Neuanfang in meinem Leben, in dem ich nicht nur versuche irgendwelche nervigen Kontakte aufrecht zu erhalten, um nicht mehr einsam zu sein. Ich möchte lernen Dinge alleine zu unternehmen und selbstbestimmt zu leben, anstatt mich auf andere zu verlassen. Denn genau das ging immer schief. Bisher fühle ich durch meine selbstgewählte Isolation eine Art innere Ruhe. Klar fühle ich mich irgendwie einsam, aber auch ich habe keine Lust/Hoffnung anstalten zu machen, um mich zu "reintegrieren". Ich wähle diesen Weg und versuche mit dem Gedanken Frieden zu schließen, dass ich einfach nicht mehr in die Gesellschaft hereinpasse.

04.08.2018 20:24 • x 1 #2


Sommerkind2


Rückzug ist ein Hauptsymtpom von Depressionen, weil einem halt alles einfach mehr oder weniger schnell zuviel wird.
Wenn Du Dich schon stabil genug fühlst und Deine vorgeschlagenen Möglichkeiten nicht zusagen, gibt es da noch Volkshochschulkurse.
Da gibt es sehr viel und man hat immer etwas zu reden über den Gegenstand des Kurses, außerdem werden sich dort auch eher gebildetere
Menschen anmelden. In Berlin ist die Auswahl der Kurse, ja nahezu unerschöpflich und vielleicht auch was für Dich dabei.
Auch ich bin schon viele Jahre wegen dieser Krankheit raus aus der Gesellschaft, weil mich jeder zwischenmenschliche Kontakt draußen
unverhältnismäßig erschöpft. Erklären kann man es niemandem, der es nicht selbst hat, weil man es als gesunder einfach nicht versteht.
Wenn man mal ganz raus ist, ist es schwer, wieder Kontakt zu finden und fast noch schwerer zu halten. Aber immerhin hast Du ein Ziel,
das zeigt, daß es Dir schon besser geht. Bei mir ist es immer noch, daß ich weder von der Vergangenheit, noch von der Zukunft etwas
wissen will, nach insgesamt sieben Jahren selbstgewählter Isolation, wegen der extremen Reizempfindlichkeit. Denke auch nicht daß, das
jemals wieder anders wird und versuche mir das Leben so, wenigstens halbwegs schön zu machen. Wenn es mir mal gutgeht, habe ich
ein schlechtes Gewissen, kommt aber nicht allzu häufig vor. Letztendlich, will ich einfach nur noch meine Ruhe haben, alles andere ist
inzwischen unwichtig geworden. Jahrzehntelang immer wieder Therapien, die sich im Nachhinein zum Teil wie Foltern herausgestellt haben,
haben ihren Tribut gefordert und die Depressionen sind chronisch geworden. Zum Glück muß ich nicht mehr raus, da ich in Rente bin
und für den automonen Lebensstil reichts gerade noch.

04.08.2018 20:28 • #3


Sommerkind2


Ach ja, in Berlin gibt es doch auch noch die Urania. Dort wird viel interessantes angeboten, darunter auch Vorträge.
Da ist man dann unter gebildeteren Menschen und muß auch keine Kontakte knüpfen, wenn man nicht will, sondern
eben nur unter Menschen sein möchte.

04.08.2018 20:41 • x 1 #4


squashplayer

squashplayer


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Zitat von Fabberlin:
und hab festgestellt, dass ich mittlerweile irgendwie aus der Gesellschaft raus bin.


Genau das ist ja deine Krankheit, dass du dich so isolierst. Ich würde anfangen mit etwas ganz einfachem wie hier schon vorgeschlagen VHS-Kurs zu einem Thema, das dich interessiert. Zum Beispiel Sprachen, Fotografie oder Malen - ich kenne deine Hobbies ja nicht. Sobald du unter Menschen kommst ist es zuerst zwar anstrengend, aber wenn du es regelmäßig machst, wird deine Depression besser werden.

Für mich waren z.B. in der Klinik die Kontakte mit den netten Mitpatienten unglaublich heilsam!

VG

04.08.2018 21:13 • #5


Fabberlin


Danke für die Antworten. In einer Klinik war ich auch schon. Da hab ich mich von den Leuten fern gehalten. Es ging irgendwie nicht.
Leider habe ich zusätzlich noch extreme Unruhe und Angstzustände. Es fällt mir schwer langer als eine halbe Stunde zu sitzen. Wenn jemand mit mir reden möchte, dann flüchte ich gern mal. Ich muss mal sehen. Mittlerweile hab ich einen Hass auf die ganze Welt entwickelt. Den hab ich schon lange und kommt von meiner Mutter. Ich versuch den aber an den Leuten auszulassen.

06.08.2018 16:09 • #6


Gnomenreigen


was Du schreibst, dass Du den Hass oder Frust an den Leuten ausläßt, erleichtert "die Sache" natürlich nicht gerade, und wird viele Menschen eher verschrecken, solche sowieso, die selbst mit Ängsten und Depressionen zu kämpfen haben. Ansonsten ist Berlin nat. ein "ideales" Pflaster für einsame Menschen. Hatte letztes Jahr hier mal versucht, eine Gruppe zu gründen, ist aber nix geworden. Es gibt schon sehr viele Einsame, aber wahrscheinlich ist es so, wenn das zu lange anhält, verändert das sehr... es wird immer komplizierter, sich auszutauschen, geschweige denn kontinuierliche Kontakte aufzubauen und zu pflegen, die den Kreislauf durchbrechen könnten. Auch habe ich persönlich gemerkt, dass viele Einsame nur noch um sich selbst kreisen, Schwierigkeiten haben, sich für andere Menschen wirklich zu interessieren und Empathie zu empfinden.

06.08.2018 16:32 • x 1 #7


der10er


@Fabberlin

ich denke in der heutigen zeit is man mit der bezeichnung "depression" immer schnell dabei, ich glaub dass du vielleicht gar ned depressiv bist, sondern einfach zu den wenigen menschen gehörst, die noch feingeistig, sensibel & empathisch sind & sich einfach ned verbiegen lassen & da es von der sorte immer weniger gibt, isolierts dich automatisch, deswegen empfindest du weder die lust dich mit "normalos" auszutauschen, noch siehst du dich in der schublade "depression"

06.08.2018 16:53 • #8


Fabberlin


Hi. ich hab ein "nicht" vergessen. Ich versuche den Hass nicht an den Leuten auszulassen. Die haben mir ja nichts getan.

06.08.2018 17:18 • x 1 #9


Gnomenreigen


Zitat von Fabberlin:
Hi. ich hab ein "nicht" vergessen. Ich versuche den Hass nicht an den Leuten auszulassen. Die haben mir ja nichts getan.

...dann sieht's schon mal anders aus
aber im Endeffekt leider wohl nicht wesentlich. Ich sage das jetzt ohne Bosheit und Ironie - die Diskussion um die Einsamkeit hier ist wahrscheinlich schon so alt, wie das Forum selbst, und natürlich ist es hier gerade für User, die noch nicht so lange dabei sind, absolut nötig und legitim, sich auch über dieses Thema auszutauschen. Nur ist der Verlauf leider jedes Mal der gleiche
Jemand schildert sein Problem mit der Einsamkeit, will sich austauschen, fragt um Rat, und in fast allen Threads zum Thema kommt die Empfehlung: geh auf die Leute zu, such' Dir 'ne Freizeitgruppe, belege einen Kurs an der VHS usw... das sind natürlich gut gemeinte Ratschläge. Klar. - Ich selbst gehe auf die Leute zu und habe schon etliche Kurse belegt, ebenso empfohlene Veranstaltungen der Urania besucht.... doch eine mutmaßliche Interessengemeinschaft ist meiner Erfahrung nach leider nicht die Lösung. Die Leute, die da sind, gehen nämlich dort aus einem bestimmten Interesse hin, und das ist meiner Erfahrung nach nicht primär, um neue Bekannt- oder gar Freundschaften zu knüpfen. Es muß schon beiderseits Offenheit und ein gewisses Interesse da sein, sonst kann man Jahre zum Sport oder wo auch immer hin gehen... und es passiert gar nix Meiner Erfahrung nach sind nämlich die Leute in meinem Alter, die man dort antrifft alle bestens mit Familie, Freundes- und Bekanntenkreis versorgt, jedenfalls tu'n sie so, ich spüre da einfach kein Interesse. Aber das ist meine Erfahrung. Vielleicht hat das auch jemand hier ganz anders erlebt und ist nicht so ratlos.

06.08.2018 17:36 • #10



Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser


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