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Hallo!
Ich bin 29 Jahre alt und leide seit zehn Jahren an immer stärker werdenden Depressionen und Angstzuständen und zusätzlich unter einer somatoformen Schmerzstörung.
Ich bin seid 6 Jahren (zwei Unterbrechungen einmal 8 Monate und einmal 3 Monate) in einer Beziehung. Es gibt immer wieder Streit, weil ich so klammere (habe keine sozialen Kontakte ausser meinem Freund), weil mein Freund überfordert ist und weil mein Freund möchte, dass ich aufhöre zu rauchen, was ich aber im Moment nicht schaffe, da der Entzug die Beschwerden extrem verstärkt.
Ich habe solche Angst meinen Partner z uverlieren und niemals ein gemeinsames Leben mit ihm aufzubauen (wir leben immer noch getrennt). Ich werde ja auch nicht jünger und möchte auchmal über familie nachdenken. Sicherlich muss ich meinem Freudn recht geben, dass ich momentan nicht in der Verfassung bin eine Familie zu gründen, aber ich habe Angst, dass sich mein Zustand nie mehr bessert und ich demnach nie ein gemeinsames Leben mit meinem Freund haben werde.
Ich mache mir selbst Vorwürfe, weil ich krank bin und ich mir vorstellen kann, wie anstrengend das für meinen Freund ist. Ständig habe ich Ängste, bin mit allem überfordert oder habe starke Schmerzen. Nie ist nichts. Ich habe Angst meinen Partner zu verlieren, weil ich einfach zu anstrangend bin und weil es mit mir kaum möglich ist mal ein paar unbeschwerte Stunden zu verbringen. Dies ist aber wieder ein Kreislauf, ich setze mich deshalb unter Druck und habe dann nochmehr Angst.
Kennt ihr solche Probleme? Wie geht ihr damit um? Habt ihr Tipps wie man als so kranker Mensch (die meisten wollen damit nichts zu tun haben) Kontake aufbauen kann?
Wäre lieb, wenn ihr mir antworten würdet. Bin total verzweifelt.
LG
Nadine

26.04.2011 09:08 • 26.04.2011 #1


2 Antworten ↓


Hallo Nadine

ich habe mich lange Zeit mit Beziehungsproblemen wie Verlustängsten auseinandergesetzt. Zunächst einmal möchte ich einschätzen, ob diese Verlustangst bei Menschen mit Depressionen oder sonstigen Krankheiten extrem anders ist, als bei ansonsten gesunden Menschen.

Denn folgendes: Verlustangst ist ein Thema, dass sehr viele Menschen betrifft, auch diejenigen, die ansonsten keine psychischen Beeinträchtigungen haben.

Es ist sogar fast die Regel, dass in einer Beziehung mindestens einer der Partner starke Verlustangst entwickelt und somit viele Beziehungen belastet werden.

Also Folgendes:

Das Paradoxe an einer Verlustangst ist, dass gerade diese Angst den Verlust des Partners fördert.

Merke dir ein dieser Stelle einen Grundsatz:

-"Wenn man etwas liebt, muss man es los lassen können"

Es ist tatsächlich so: Um so weniger du klammerst, desto mehr wird dein Partner wieder auf dich zu kommen.

Zudem musst du einen weiteren wichtigen Lebensgrundsatz akzeptieren:

Man kann niemals davon ausgehen, dass ein Mensch ewig bei dir bleibt.

Diese Erkenntnis tut zunächst mal weh. Der Schmerz daran wird sich aber auflösen, wenn du diesen Grundsatz als Bestandteil des Lebens akzeptiert hast.

Zitat:
Habt ihr Tipps wie man als so kranker Mensch (die meisten wollen damit nichts zu tun haben) Kontake aufbauen kann?


Du musst wissen, dass du aufgrund deiner Erkrankung kein "Sonderling" bist, du bist ein Mensch wie jeder andere und jeder Mensch hat irgendwelche Beeinträchtigungen.

Als depressiver Mensch sollte man sich nicht in seine Krankheit hineinsteigern, sondern viel mehr die Phasen ausnutzen, in denen es einem einigermaßen gut geht.

Daher brauchst die Krankheit bei der Suche nach Kontakten auch nicht zu thematisieren und als "Haken" darstellen.

Die Suche nach Kontakten kannst du genau so gestalten, wie es jeder andere Mensch auch tun würde: Vereine, Ausgehen, Familie, oder Job(sofern du einen ausüben kannst).

26.04.2011 09:44 • #2


Hallo!
Danke für Deine Antwort.
Ja sicherlich is tmir bewusst, das ich durch mein Klammern meinen Partner eigentlich von mir weg treibe, weil ich ihm keine Luft zum atmen gebe.
Aber genau das "Loslassen" ist mein Problem, denn ich habe Angst vor dem Alleinsein und ich habe bis auf meinen Freund niemanden, der für mich da ist, wenn es mir schlecht geht (und das tut es seit Monaten wieder verstärkt).

Mit dem Thema Kontakte habe ich ganz ganz schlechte Erfahrungen gesammelt, denn es war bei mir immer so, dass sich die Leute immer wieder von mir abgewandt haben, wenn es mir schlecht ging, demnach habe ich eine soziale Phobie entwickelt und setze grundsätzlich eine Maske auf, wenn ich andere Leute treffe. Demnach können die mich ja gar nicht mehr richtig kennenlernen und fallen aus allen Wolken, wenn es mir dann wieder schlecht geht und die Maske fällt und sind dann natürlich weg. Es ist ein Teufelskreis.
LG
Nadine

26.04.2011 11:36 • x 1 #3




Dr. Reinhard Pichler