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Liebe Leute,

ich wäre euch sehr dankbar, eure Meinung zu hören. Ich bin nun schon 30 Jahre alt, männlich, und soweit ich denke auch recht symphatisch und attraktiv. Ich hatte bis zum heutigen Tage noch nie eine Beziehung zu einer Frau, geschweige den Sex, und fühle mich damit zunehmend unwohl, vor allem sehr einsam. Ich habe prinzipiell sehr große Hemmungen, mich Frauen anzunähren und Bindungen mit ihnen einzugehen. Zwar habe ich mein Singleleben auch bisher weitestgehend genossen und schätzen gelernt, aber soll das etwa ewig so weitergehen?

Manchmal sind mir die genauen Gründe für all dies nicht ganz klar. Vermutlich sind es mehrere Dinge, die da zusammen kommen. Ich wurde in meiner Jugend mehrere Male von Mädchen abgewiesen, möglicherweise hab ich dies einfach schlecht verarbeitet. Ich war auch ein paar Mal richtig heftig verliebt, war aber irgendwie unfähig, dies den entsprechenden Frauen mitzuteilen und habe mich dann teilweise jahrelang mit dem Gefühl unerfüllter Liebe herum geschlagen, habe alles in mich hinein gefressen und habe meine Gedanken bzgl Liebe und Sexualität fast nie mit irgendwem geteilt, auch nicht mit engsten Freunden. Obwohl ich mich eigentlich gegenüber anderen Menschen ganz gut öffnen kann, ist das Thema Liebe und Sexualität bei mir sehr schambesetzt. Ich könnte hier noch viel mehr ins Detail gehen, aber das ist vielleich erst mal nicht so wichtig.

Mein Hauptproblem derzeit ist, dass ich große Angst davor habe, einer fremden Frau meine sexuelle Unschuld und meine nicht vorhandenen Beziehungskenntnisse zu gestehen. Ich habe große Angst davor, ausgelacht und erniedrigt zu werden. Gleichzeitig habe ich auch Angst davor, mich zu binden, da ich in der Vergangenheit, speziell in meiner Jugend, ein paar mal bei sich anbahnender Beziehung/Bindung dann doch unerwarteterweise einen Korb bekommen habe, was mich sehr verunsichert hat. Ich befinden mich dadurch in einem Teufelskreislauf, aus dem ich nicht herauskomme.

Mich würde sehr interessieren, ob jemand von euch jetzt oder in der Vergangenheit ähnliche Probleme hatte. Würdet ihr es als großes Problem ansehen, mit 30 noch keine Beziehung und keinen Sex gehabt zu haben? Hat jemand Tipps und Tricks, wie ich mich aus meinem Teufelskreis befreien kann?

Ich wäre euch für ein Feedback sehr dankbar!
Liebe Grüße

05.03.2016 21:05 • 29.03.2016 #1


4 Antworten ↓


Vergissmeinicht
Hey P.

nun, das ist in der Tat ungewöhnlich und es wird ja nicht besser. Wichtig ist sich zu trauen. Liebe und Sex haben vordergründig nicht wirklich was mit Attraktivität zu tun. Denke, Dein Selbstbewusstsein ist ein wenig angeschlagen und da gilt es anzusetzen. Trau Dich.

06.03.2016 10:33 • #2



Niemals eine Beziehung gehabt - Bindungsangst?

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FeuerWasser
Von Ferndiagnosen distanziere ich mich. Ich bin aber der Meinung es ist nicht alles auf psychische Erkrankungen zu schieben. Ich hörte das häufiger, dass Männer in deinem Alter (und älter) noch keine Beziehung geschweige denn Sex hatten. Auch muss man bedenken, dass du mit deinen Erfahrungswerten an der Stelle bist wie andere mit 15 und die haben auch Unsicherheiten und Hemmungen. Beziehungs-/ Bindungsphobien zeigen sich in erster Linie in der Schwierigkeit Beziehungen einzugehen und diese zu halten, on-off-Beziehungen, häufige Affären, Unzuverlässigkeit, herum eiern ... sich nicht positionieren wollen/können, sich wochenlang zurück ziehen, isolieren, haben keine oder kaum tiefergehende Freundschaften oder erst gar kein Interesse daran. Das ist eine tiefgreifende Störung, häufig verbunden mit Traumatisierungen aus der Kindheit oder übermäßig schlechten Beziehungserfahrungen. Beim lesen deines Textes entstand bei mir der Eindruck, dass du wohl eine Beziehung haben möchtest aber die Angst darauf fokussiert, dass du aufgrund deiner Erfahrungswerte abgelehnt werden könntest. Das sind auch Ängste aber denke nicht, dass es da primär um eine Bindungspbobie geht. Wenn du einen Leidensdruck hast könnten Selbsthilfegruppen in deiner Umgebung, eine psychologische Beratungsstelle oder Psychotherapie eine Lösung sein.

06.03.2016 14:36 • #3


Vielen Dank für eure Antworten.

Ja, sich einfach zu trauen ist für mich der Knackpunkt. Aufgrund meiner Ängste fällt es mir sehr schwer, aus der Passivität herauszukommen. Letztlich bleibt mir jedoch nichts anderes übrig, als sich einfach zu trauen @ Vergissmeinicht.

Und ja, richtige Bindungsangst ist vermutlich nochmal was anderes @ FeuerWasser. Vielleicht würde mein Beitrag eher in den Bereich soziale Ängste reinpassen. War mir da nicht ganz sicher...

07.03.2016 00:28 • #4


Hallo Leute,

zu dem Beitrag von HerrP möchte ich nur kurz etwas schreiben. Ich werde dieses Jahr 43 Jahre alt und habe bisher keine einzige Beziehung hinbekommen. Ob ich jetzt Beziehungsangst oder eine soziale Phobie habe... keine Ahnung. Wegen einer Depression bin ich seit zwei Jahren in Therapie, schlucke jeden Tag Venlafaxin und komme bei diesem Thema überhaupt nicht weiter. Im Moment setze ich mich mit dem Thema "Beziehung" eher unter Druck, weil es sich gehört in einer zu leben. Ist halt normal in unserer Gesellschaft und ich möchte nicht als abnormal gelten. Kurz zu meiner Kindheit. Dort mußte ich um die Zuneigung von meiner Mutter kämpfen. Sie hat mich gerne mit Abweisung bestraft, wenn ich nicht artig war oder schlechte Schulnoten nach Hause gebracht hatte. Oft war ich nach der Schule alleine zu Hause. Meine Mutter kann auch selten bis gar keine Gefühle zeigen. Ihre Eltern haben sie mit Prügel groß gezogen. Ich wurde nur einmal richtig verprügelt. Hat wohl gereicht. Nun versuche ich perfekt zu sein, was ich nie erreichen werde. Meine Mutter lebt außerdem nach dem Gesetz der Gesellschaft. Bedeutet: Beziehung, Ehe, Kinder und zusammen alt werden. Die Leute sollen bloß nicht über uns reden. Meine Mutter gehört zu der Nachkriegsgeneration. Wenn sie erfahren würde, dass ich eine Therapie mache und Tabletten schlucke, würde für sie eine Welt zusammenbrechen. Die Beziehung zwischen meinen Eltern war auch eher weniger herzlich. Meine Mutter hat meinen Vater oft von sich weggestoßen, wenn er kuscheln wollte. Das habe ich wohl für mich verinnerlicht. Jedenfalls lasse ich einen Mann nicht an mich heran. Der Gedanke an Beziehung fühlt sich eher beängstigend an. Ich fühle mich nicht perfekt und möchte mich deshalb anderen nicht "antun". Und... sei einfach mal locker, wenn du einen Mann triffst... das ist einfach dahin geschrieben. Mein Kopf blockiert völlig und ich möchte einfach wegrennen. Ach ja... Gefühle sich für mich ein großes Problem. Mit zu viel Gefühl kann ich nicht umgehen, auch wenn es sich blöde anhört. Weiß gar nicht, wohin ich mit den ganzen Gefühlen soll. Gerade eine Beziehung wäre zu viel Gefühl. Das macht mir wohl die größte Angst. Gefühle, das unbekannte Kribbeln im Bauch oder was auch immer. Einfach keine Beziehung. Da läßt sich alles leicht dosieren und ich werde nicht überschwemmt. Aber ist es die Lösung?

Ich beneide die Menschen, die einfach leben und genießen können. Sie leben den Tag, lassen sich auf Gefühle ein und leben sie. Egal, ob gute oder schlechte Gefühle. Ich dagegen kann nur Es kontrolliert bleiben. Loslassen... unmöglich. Mein Kopf gibt mir keine Chance. Wie gerne wäre ich normal oder abgestumpft. Das würde mir so einiges im Leben einfacher machen. Mein Kopf denkt und denkt und denkt... DAS ist der größte Mist.

29.03.2016 17:43 • #5




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