Achtung, der Text ist seeehr lang geraten aber vielleicht findet sich ja jemand, der Zeit und Lust hat, ihn mal durchzulesen

Hallihallo!
Mir ist kein besserer Name eingefallen, die Gewählten waren vergriffen oder es hat sonstwie nicht geklappt- dann hab ich das Nutellaglas vor mir gesehn und dachte "wieso nicht?"

Aber jetzt zu mir: Ich bin Sina, bin 19,5 Jahre alt und wohne in Deutschland.
Ich weiß nicht, was man hier so als Vorstellung rein schreibt, ich bin aber offen, Fragen zu beantworten, die ihr an mich habt

Was aber mein Eintreten in das Forum betrifft kann ich Folgendes erzählen:
Ich bin im August 4 Jahre mit meinem Verlobten zusammen. Wir haben uns im Februar 2012 kennengelernt und uns ein halbes Jahr getroffen, er hat sich recht schnell verliebt, mir aber meine Zeit gegeben und ich habe dann im August 2012 mit frischen, jungen 16 Jahren mich auf die Beziehung eingelassen. Ich muss sagen, dass ich sehr zögerlich war, schon immer leichte Zweifel hatte, Angst hatte, ich könnte es nicht ernst meinen, da ich so lange gebraucht habe um mich zu entscheiden und auch danach nicht "sicher" war, dass ich überhaupt Gefühle für ihn habe. Komischerweise habe ich aber jedes Treffehn genossen, war aufgeregt, wir waren von Anfang an auf einer Wellenlänge und schon nach wenigen Wochen der "Noch-Freundschaft" wurde spekuliert, was denn zwischen uns lief, da wir echt viel und wundervolle Zeiten miteinander verbrachten.
Meine Eltern sahen das ganze anders. Ich wurde so erzogen, dass wenn man sich auf eine Beziehung einlässt, diese auch absolut ernst sein muss. Sprich, Heiraten. Auch aus christlichen Überzeugungen war Thema "sex" das Horrorgebiet. Erst in der Ehe und außerdem, alles was man zu zweit tut, kööönnte ja zu Sex führen, daher sahen unsere ersten Monate/1,5 Jahre so aus, dass wir mit offenen Türen und im Erdgschoss uns treffen durften bei mir zu Hause, auch nur wenn meine Eltern da waren. Als ich meiner Mama sagte, dass ich jetz mit Tobi zusammen sei, sagte sie "Schade". Und zu ner Freundin am Telefon hörte ich sie sagen "Lieber trennen sie sich jetz, als dass es noch länger geht. denn trennen werden sie sich sowieso."
Nach wenigen Monaten Beziehung wurden uns die sogenannten "3 Monate" auferlegt. 3 Monate kein Wort per sms oder whatsapp wechseln, sich nur in Begleitung des Jugendpastors der Gemeinde oder der Eltern sehen, und Telefonieren nur 1h am Tag, von 20 - 21 Uhr.
Ihre Begründung war, dass wir zu schnell körperlich vorangingen, Beziehung auch ohne das Körperliche funktionieren sollte und außerdem würde man so auch herausfinden, ob er es wirklich ernst mit mir meine. Würden wir es nicht durchziehen würden sie es als eindeutiges Signal von meinem Lieben an sie deuten, dass er es nicht ernst meint und nur spielt. Egal, ob er es tatsächlich so meint oder nicht.
Ende dieser Vorgeschichte war, dass er es nicht nur 3 sondern ganze 5 Monate zusammen mit mir durchgezogen hat (5 Monate statt 3 deshalb, weil wir "Regelverstöße" hatten, und uns dann doch mal alleine getroffen haben... Shame on us.)
Schon hier sieht man mehr als genug, wie sehr er mich liebt, immer hinter mir stand und sich von einer Menge Jungs abgehoben hat. Ich könnte grad wieder heulen.
Naja, weiter gings damit, dass meine Eltern noch lange kritisch waren und wenn auch nicht mehr so aktiv wie zuvor aber dafür passiv immer wieder durch Sprüche wie z.B. "ach er hat doch eh ne Andere" (sollte ein Witz meines Vaters sein, als mein Freund nicht ans Handy ging) oder auch ganz einfach durch stark distanziertes oder unfreundliches Verhalten ihm gegenüber zum Ausdruck gebracht haben, dass ihnen meine Partnerwahl gar nicht passt. Er ist ein wundervoller, liebevoller, Mensch, hat so viel Humor wie niemand anderes in dieser Welt, ist fürsorglich, emotional, klug, sozial, kinderlieb (ich habe 5 kleine Geschwister die ihn von Tag 1 an liebten) und wollte von Anfang an nur das Beste für mich- daher für jeden anderen unverständlich.
Nach und nach hat sich das aber gelegt, ich würde sagen, nach 2 Jahren verblassten auch die allerletzten kleinen Zweifel. Bei mir dagegen blieben in kurzen Abständen immer mal wieder welche da, auch das Vergleichen mit einem Kerl, in den ich mich davor verknallt hatte, blieb bis teilweise heute noch im Vergleich, wie auch einige von euch das mit den Ex-Partern beschrieben haben. Nach Streits kam oft recht schnell der Gedanke auf "es soll also doch nicht sein" oder "wir passen einfach GAR nicht", komplett ausgeblendet was davor und danach wieder alles Wundervolles war und kam. Aber es waren wie gesagt nur phasenweise, teilweise alle paar Wochen oder Monate mal, und auch nur für ne kurze Zeit, manchmal nur Minuten oder wenige Stunden; also absolut nicht vergleichsweise mit dem JETZT.
Die momentane Situation mit meinen Eltern ist übrigens das Gegenteil zum Beginn. Es mag vielleicht absolut erfunden und seltsam klingen, aber sie LIEBEN ihn. Wirklich! Sie haben sich wahnsinnig gefreut über die Verlobung (er hat ganz traditionell sogar meine Eltern gefragt, ob er mich heiraten darf n

), sie schätzen ihn total dafür wie er zu mir steht, vor allem seit es mir ab Hawaii ja auf verschiedene Weisen schlecht ging, und als meine Zweifel so akut wurden und zum Zwang wurden, war es meine Mutter, die mich als allererste versuchte aufzubauen und mir all die wundervollen Seiten an ihm und unserer Beziehung aufzuzeigen. Sie haben sich auch entschuldigt für wie sie und und vor allem IHN behandelt haben früher und ja, also das ist wirklich (Gott sei Dank) eine 180°-Wendung zu damals

)
2014 im September ging ich für 3 Monate nach Hawaii, weil ich nach dem Abi nochmal weg wollte ins Ausland.
Wir sagten außerdem, dass wir, wenn wir auch solche Distanzen und 12h Zeitunterschied und diese etwas andere Art, Beziehung zu leben gut meistern, das so die letzte "Hürde" ist, nach der wir übers Heiraten nachdenken wollen. Vielleicht hat mich das dazu bewegt, dass dort die Gedanken über "den Richtigen" und so intensiver wurden. Recht am Anfang bin ich zu einer Mitarbeiterin dort gegangen und die erzählte mir wie "krass" das ist, dass ich genau zu ihr komme, denn sie hat sich "auch" gerade von ihrem Freund getrennt. Ich erinner mich noch, wie ich panisch und weinend zu ihr sagte "Aber ich liebe ihn von ganzen Herzen und weiß nicht, was los ist, ich mache mir nur solche Gedanken. Aber ich würde nie ohne ihn wollen" . Aber ihre Reaktion war beängstigend kalt. Als hätte sie schon ein Urteil über meine Beziehung gefällt.
Während der Hawaii-Zeit gings mir mal besser, mal schlechter aber alles in allem hatte ich mich wieder beruhigt und war glücklich als gegen Ende die gleiche Mitarbeiterin wie von dem Gespräch sich im "Prophetieren" übte (es war n christlicher Campus dort) und meinte, ich werde meinen Freund nicht heiraten. Bäm. Und es saß wie ein Schlag ins Gesicht und das Schlimmste war- es fühlte sich sooo echt an. Und sie meinte noch "ja, sicher bin ich mir nicht. aber wenn du mit Sicherheit sagen kannst, dass duFrieden über deine Beziehung spürst, dann ist ja alles gut"
Natürlich habe ich nach so etwas keinerlei Frieden mehr gespürt über uns und wenn ich ja davor schon gezweifelt habe, war das für mich quasi wie die Wahrheit zu hören. "Ja es wird nix mit euch" "du weißt es doch selbst" "daher die Zweifel" "mach dir nix vor" usw. usw. usw.
Ich beruhigte mich einigermaßen wieder bis zu meiner Abreise, aber was noch zu erwähnen ist, ist dass ich irgendwann um diesen Dreh herum eine Essstörung entwickelte.
Ob das daher oder durch andere Faktoren kam, weiß ich nicht, ich war schon immer sehr perfektionistisch gerade was Aussehen und Verhalten vor Anderen angeht, und hatte wahnsinnige Angst vor dem Gewichtzunehmen in den USA dort.
Aber da Essstörungen psycho-somatisch sind und IMMER mit Psychischem zu tun haben, glaube ich nicht an alleiniges "Figur-Behalten-Wollen" und deshalb sich Kilos runterhungern, Essanfälle und Erbrechen einzuführen.
Ob es durch das "Beziehungsthema" kam kann ich aber auch nicht sagen, da ja auch vorher einige nicht einfache Situationen oder Prägungen usw. da waren.
Währendessen waren die Zweifel wieder schwächer, nahmen phasenweise sogar wieder ganz ab.
Juli 2015 haben wir uns verlobt und es war der schönste Tag bisher, ich wurde total überrascht (wusste ja dass es kommt, aber nie WANN) und ich erinnere mich klar wie selrten an den Moment an dem Abend, als ich so so erfüllt in seinen Armen einschlief, mit dem überglücklichen Gedanken "DAS hab ich jetzt für immer!" Es war alles was ich wollte und der Gedanke an ein Leben mit IHM für IMMER war so schön!
Jedenfalls bin ich dann nach 9 Monaten der Essstörung in eine Klinik gegangen, um den Mist loszuwerden, von Oktober bis Dezember 2015. Der Witz ist: seit dem ersten Tag der Klinik habe ich nie wieder einen Rückfall diesbezüglich gehabt. Aber der andere Witz ist: seit Woche 2 in der Klinik sind die Zweifelgedanken ausgebrochen, die eine solche Intensität angenommen haben, dass ich täglich Gedanken über das Beenden der Beziehung hatte, ich mich total zurückzog und in jeglichgen Therapien nur noch DARÜBER reden und denken konnte. Nachts hatte ich Albträume über Desinteresse seinerseits und tagsüber hatte ich solche Angst, dass ICH ihm das alles nur vormachen könnte. Natürlich mit vielen vielen unterstützenden Stimmen aus der Vergangenheit von meinen Eltern, Jugendleitern und der Mitarbeiterin auf Hawaii zB. "Die wussten es schon immer". Das Angstgefühl schnürte mir die Kehle zu und wirklich NICHTS anderes hatte ab da mehr Bedeutung. Meinen Verlobten zu sehen machte mir Angst, all die negativen Gedanken, all dieses "sind Gefühle da?" und "Genieß ich das gerade?" war laut wie ein Donner und wenn er wieder weg war blieb mir oft nur das Negative im Kopf. "Unmöglich kann ich ihn noch lieben wenn ich SO bin!"
Etwa 2 WOchen bevor ich entlassen wurde, meinte mein Therapeut, dass das ja schon beinahe "sich aufdrängende Gedanken" seien und das hat's ins Schwarze getroffen! Ab da fanden wir also gemeinsam heraus, dass es sich um Zwangsgedanken handele und ich entdeckte kurz darauf dieses Forum und vereinzelte Seiten von Mitleidenden und ich weinte vor Erleichterung, weil ich ab da wenigstens wieder einen Funken Hoffnung spürte, dass ich meinen Lieben doch noch liebte, nur eben unter etwas leide, was das blockiert.
Als ich entlassen wurde ging es konstant bergab, (klar, keine 24h-Betreuung mehr) und ich wusste nicht wohin mit all den Gedanken, ich war fest überzeugt, ich liebe ihn nicht mehr, denn warum sonst hätte ich so seltsame Gedanken, würde an nichts anderes mehr denken können. Ihn hinhalten ging GAR nicht, ich fühlte mich wie die dreckigste Lügnerin und an Weihnachten machte ich aus Schuldgefühlen und weil ich so nicht mehr konnte, Schluss,. Aber nur für nen halben Tag.
Nichts war bisher schlimmer als dieses Gefühl, ihn verloren zu haben. Zu realisieren, dass er jetzt weg ist. Uns eventuell in nem halben Jahr bei gemeinsamen Freunden wiederzutreffen, mit einer anderen an der Hand, ihn nciht mehr lachen zu hören, ihn nicht mehr dabei beobachten zu können, wie er voller Begeisterung von etwas erzählt und seine Augen funkeln. Es war UNGELOGEN wie wenn mir ein Stück Herz herausgerissen worden wäre!
Ich bin zurückgefahren und wir haben uns in den Armen gelegen und ab da weiß ich, dass egal wie schlimm es momentan ist, OHNE ihn noch viel schlimmer ist!
So und nun sind wir in der Gegenwart angekommen. Und ich kann im Moment einfach nur sagen, dass ich dank Therapeutin hier und einiger (versuchten) täglichen Übungen das Vobeiziehen und Annehmen der Gedanken schon besser klappt, deutlich besser als zu Beginn!
Was mich momentan aber fertig macht, ist mein eigenes Verhalten. Wie ich so egoistisch bin, wirklich fokussiert auf seine negativen Eigenschaften, wirklich je kleiner desto schlimmer! Wie kann er so geduldig und liebevoll, verständnisvoll und sewlbstlos sein und ich so unfair und distanziert sein teilweise?!

Ich merke wie ich mich anders verhalte als "normale Freundinnen" und denke darüber nach, wie es für ihn sein muss, mit jemandem wie mir zusammen zu sein. Wieviel besser er es hätte, jemanden zu haben, der ihn schätzt für all die Dinge die er ist und tut, jemanden der nicht urplötzlich komische Gefühle bekommt, wenn er sie in den Arm nimmt. Jemanden, der einfach nicht solche Gedanken hat, die ihn und die Beziehung belasten.
Ich weiß nicht wie es sein kann, dass ich abends noch erfüllt von dem Tag mit ihm eng in seinen Armen einschlafen kann und mich so freue über ihn und morgens (so wie zum Beispiel heute) aufwache mit irgendeinem Gedanken der mich stört und ab da geht's dann konstant weiter mit Genervtsein von ihm, mit Vergleichen mit "normalen Beziehungen/Freundinnen", mit schlechter Laune und dann sitze ich wie jetzt einfach missmutig da, verspüre Distanz und will kein Kontakt, will nicht reden, will nicht weggehn, will gar nix. Er tut mir echt leid, aber ich KANN irgendwie nicht anders.
und was mcih daran am allermeisten quält zur Zeit ist, dass ich nicht mehr wie früher direkt im Anschluss Gedanken habe wie "Also liebe ich ihn nicht" oder "er ist nicht der Richtige" . Vielleicht unterbewusst schon noch, aber hauptsächlich spüre ich nur wie negativ und genervt ich bin und von ihm oder uns denke und mich das runterzieht. Fertig. Es ist dann, als wäre ich gefangen und nichts und niemand kann mich mehr rausholen aus dem Strudel. Selbst wenn ich versuche mich auf andere Gedanken zu bringen und an den Besuch einer Freundin denke, kommen nach kurzer Zeit z.B. Gedanken wie "bestimmt würdest du mit ihr mehr Spaß haben als mit ihm" oder so. Dabei kann ich selbst in Tiefphasen wie jetzt sagen, dass ich mit meinem Verlobten lachen kann und Faxen machen kann, wie mit niemandem sonst!

Daher weiß und versteh ich gar nix mehr, manchmal wünschte ich mir, ich hätte öfters noch Angstgefühle oder so.
Andererseits denke ich trotzdem recht oft "Oh gott, ich will ihn doch nicht verlieren" oder "Hoffentlich sind das nicht die ersten Anzeichen für..." Nur im Moment merke ich nichts außer Distanz und so sitze ich hier und hab beschlossen mich euch hier endlich anzuschließen.
Ich weiß, das hier war ein rieeesiger Text und ihr seid auch schon wirklich viele aber ich hoffe, dass ihr mich in eure süße Familie hier aufnehmen könnt, denn nicht selten haben mich Kommentare von diesem Forum aufgebaut und mir Mut gemacht!
Ich habe auch wirklich Angst, dass ihr mir gleich sagt, dass ich hier absolut nicht reinpasse oder ich nicht das gleiche habe wie ihr, dass ich anders bin und so. Aber ich riskiere es jetzt, denn trotz vieler schon guter Momente ist eine Stütze in negativen Momenten (wie jetzt gerade) sicherlich nie falsch!
Danke fürs Durchlesen und ganz liebe Grüße!

Sina