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Hallo zusammen,


ich habe im April mein Studium beendet (muss nächsten Monat noch meine Abschlussarbeit verteidigen, aber trotzdem habe ich schon den Status bestanden und wurde auch schon exmatrikuliert, geht eigentlich nur noch um die Note). Ab 1. Juli habe ich nun ein Angebot für eine Promotionsstelle. Nächste Woche Dienstag ist auch schon der Termin für die Vertragsunterzeichnung. Ich will das eigentlich gerne annehmen. Aber umso mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Angst habe ich davor, dass ich es aufgrund meiner Ängste nicht schaffe.

Seit einem Jahr bin ich eigentlich nur zuhause und habe alle meine Uni-Sachen von zuhause erledigt, ja sogar meinen Nebenjob konnte ich von zuhause aus machen. Zunächst fand ich das alles total praktisch und war auch froh, dass ich endlich nicht mehr raus musste. Nach einigen Monaten habe ich aber gemerkt, dass ich auch gar nicht mehr raus konnte, selbst wenn ich wollte. Ich habe totale Angstzustände bekommen nur bei dem Gedanken daran das Haus zu verlassen. Ich war dann irgendwann an dem Punkt angelangt, an dem ich mir dachte so geht es nicht mehr weiter und habe mich dazu gezwungen das Haus zu verlassen. In den ersten Tagen war es am schlimmsten, trotzdem habe ich es einfach durchgezogen und mir geschworen trotz meiner Ängste nichts mehr zu vermeiden. Seit einigen Wochen ziehe ich das nun durch und verlasse fast täglich das Haus. Man könnte meinen, dass das eigentlich ein Erfolg ist. Aber irgendwie ist es das nicht so richtig. Ich habe keine Freude daran raus zu gehen, es ist für mich nach wie vor einfach nur ein "durchhalten". Und ich bin froh, wenn ich es zurück zur Wohnung schaffe. Unterwegs habe ich auch viele Angstsymptome und fühle mich einfach nicht wohl. Zurück zuhause bin ich oft niedergeschlagen, weil es so auch einfach keinen Sinn hat.

Bei der Arbeit ist es nun genau das gleiche. Ich werde da hingehen und jeden Tag meine acht Stunden durchhalten, egal wie schlimm es ist. Aber ich hätte auch gerne wieder Spaß daran... Hat jemand vielleicht Tipps wie man sich selbst auch wieder etwas positiver stimmt? Was macht ihr, um euch die Arbeit etwas zu erleichtern/verschönern?
Ich muss dazu sagen, dass ich auch schnell überfordert bin, Versagensängste bekomme und auch nicht gerade so ein kontaktfreudiger Mensch bin, dass mich auf der Arbeit gleich alle ins Herz schließen werden.

Danke fürs Lesen!

23.05.2014 11:25 • 05.06.2014 #1


21 Antworten ↓


Hallo Morticia,

ich kann dir nur ganz allgemein meinen Eindruck von dir wiedergeben, und der ist: Du schaffst das, wenn du das willst.

Ist die Promotionsstelle an der Uni?
Ich möchte dir ja keine Angst machen, aber ich denke, mit 8 Stunden wirst du nirgendwo auskommen, schon gar nicht an der Uni. M.W. müssen Doktoranden vor allem anderen Studenten helfen.
Oder ist das dort anders geregelt?

Ich möchte dich damit aber nicht entmutigen, es zu machen. Ein Doktortitel wird dir im Leben gut weiterhelfen, wenn du eine gewisse Karriere machen willst. Und deine Angst kannst du weitgehend besiegen.

Toitoitoi.

23.05.2014 12:27 • #2



Tipps für den Berufseinstieg/Durchhalten auf der Arbeit

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Hallo GastB,

danke für deine Antwort.

Ja, die Promotionsstelle ist an der Uni. Wir haben einen 40 Stunden Vertrag. Und laut Aussage der anderen Mitarbeiter ist es häufig auch eine sache der Konsequenz. Also man kann es schaffen "nur" 40 Stunden zu arbeiten. Aber es können auch schnell mal mehr werden. Überstunden werden übrigens nicht offiziell erfasst und verfallen damit wohl...

An der Betreuung von Studenten muss ich mich auch beteiligen. Im ersten Jahr hat man da aber auf Wunsch eine gewisse schonfrist, wenn man sich erstmal in die anderen sachen einarbeiten möchte.

Ich hoffe, du hast recht, dass ich die angst besiegen kann. Im Moment habe ich die Befürchtung, dass es durch die Arbeit erstmal wieder schlimmer wird. Aber ich will das auf jeden fall auch überstehen.

Ich frage mich auch, wie ich Arbeit und Therapie unter einen Hut bekommen soll. Therapiestunden sind ja meist zu den Zeiten, wo man noch arbeiten muss und dann muss ich ja um Erlaubnis fragen, ob ich gehen darf. Aber ich will meinem chef ungern erzählen, dass ich einen Knacks habe und zum Psychologen muss...

24.05.2014 16:53 • #3


libellchen
Zitat von Morticia:

Ich hoffe, du hast recht, dass ich die angst besiegen kann. Im Moment habe ich die Befürchtung, dass es durch die Arbeit erstmal wieder schlimmer wird. Aber ich will das auf jeden fall auch überstehen.


Erstmal Respekt, ich finde es sehr, sehr mutig und bewundernswert, dass du es geschafft hast, deine Angst anzugehen und dich nicht einzuigeln.
Ich kann das sehr gut nachvollziehen, denn ich trage mich mit denselben Gedanken, insbesondere mit Versagensängsten etc. rum. Sobald ich zur Arbeit muss, kommt eine Panikattacke. Ich sehe es aber so wie du und ziehe es durch.

Ich motiviere mich meistens damit, dass andere auch Fehler machen, insbes. wenn man irgendwo neu ist kann man nunmal nicht alles perfekt. Mich hält meistens eher der Anspruch an mich selbst auf, denn andere fänden bestimmte 'Fehler' vielleicht gar nicht so gravierend wie ich selbst...
Außerdem brauchen wir nunmal eine gewisse Zeit, sich einzugewöhnen. Gib dir einfach ein bißchen Zeit und gewöhn dich erstmal an die neue Situation. Vielleicht lernst du ja auch ein paar nette Leute kennen, mit denen du auch mal etwas unternehmen kannst oder zumindest ein freundschaftliches Arbeitsverhältnis hast? Auch ein bißchen Small-Talk kann schon helfen und ablenken.

Zitat von Morticia:
Ich frage mich auch, wie ich Arbeit und Therapie unter einen Hut bekommen soll. Therapiestunden sind ja meist zu den Zeiten, wo man noch arbeiten muss und dann muss ich ja um Erlaubnis fragen, ob ich gehen darf. Aber ich will meinem chef ungern erzählen, dass ich einen Knacks habe und zum Psychologen muss...


Also wenn du eine 40-Std-Woche arbeitest sollten nachmittägliche Termine ja drin sein. Ich habe mir einfacher Tricks beholfen, dass ich bspw. zur Physiotherapie muss. Klingt ähnlich, muss man auch regelmäßig hin...
Sind halt Termine in deiner Freizeit, die du nicht absagen kannst.

25.05.2014 20:44 • #4


Zitat von libellchen:
Also wenn du eine 40-Std-Woche arbeitest sollten nachmittägliche Termine ja drin sein. Ich habe mir einfacher Tricks beholfen, dass ich bspw. zur Physiotherapie muss. Klingt ähnlich, muss man auch regelmäßig hin...
Sind halt Termine in deiner Freizeit, die du nicht absagen kannst.

Finde ich auch.

Übrigens bin ich der Meinung, dass du als Doktorandin dich nicht wie eine Büroangestellte verhalten musst und auch nicht solltest. D.h., ich würde nicht fragen, OB du wegdarfst und ähnliches, sondern einfach, falls du es überhaupt jemandem sagen musst, sagen: "Ich muss jetzt für ... Stunden weg, ich habe einen Termin." Oder, falls zwingend nötig, schon am Morgen ankündigen oder am Vortag.
Aber ja nicht um Erlaubnis fragen und schon gar nicht erklären, was das für eine Termin ist. Das ist meines Wissens eines Doktoranden nicht würdig. (Nach meiner Erfahrung eines angestellten Akademikers fast niemals würdig. Oder meint @Schlaflose etwas anderes dazu?) Sollte der Vorgesetzte unbedingt eine Erklärung verlangen, dann eben "Arzttermin" oder "Physio" oder sowas. Es könnte aber z.B. auch dein Anwalt oder Steuerberater sein oder was auch immer - das geht andere eigentlich gar nichts an.

Natürlich solltest du deine Termine nicht genau auf solche Zeiten legen, in denen du unbedingt anwesend sein MUSST, weil du da z.B. deine eigene Sprechstunde für die Studenten hast.

25.05.2014 23:47 • #5


Schlaflose
Zitat von GastB:
Aber ja nicht um Erlaubnis fragen und schon gar nicht erklären, was das für eine Termin ist. Das ist meines Wissens eines Doktoranden nicht würdig. (Nach meiner Erfahrung eines angestellten Akademikers fast niemals würdig. Oder meint @Schlaflose etwas anderes dazu?)


Ist diese Frage jetzt ironisch oder soll ich darauf antworten?
Ich tue es mal. Ich denke, wer Karriere machen will, sollte es nicht unbedingt publik machen, dass er zur Therapie geht, zumindest mal solange wie der psychische Zustand einen nicht sowieso verrät.
Bei mir war es ja so, dass ich meine Arbeit nicht mehr machen konnte, immer wieder Nervenzusammenbrüche während der Arbeitszeit hatte und die letzten Jahre immer wieder krank geschrieben war. Da hätte es keinen Sinn gemacht, einen Hehl aus der Therapie zu machen, zumal mein Chef ja selbst mich dazu drängte, eine Therapie oder eine Reha zu machen. Ich hatte nie im Sinn, Karriere zu machen, sondern nur das nötige Geld für meinen Lebensunterhalt zu verdienen.
Ich hatte mehrere Kollegen, denen es genauso ging. Bei denen war auch bekannt, dass sie in Therapie und Reha waren. Der eine konnte trotzdem noch aufsteigen, weil er sich wieder voll gefangen hat, die anderen wurden nach einiger Zeit frühpensioniert. Bei Lehrern kommt das aber recht häufig vor und wird eher akzeptiert als in anderen Positionen.

26.05.2014 16:53 • #6


Hallo zusammen,

Danke euch für eure Antworten!

@libellchen: Manchmal verlange ich einfach zu viel von mir und will gleich am Anfang alles perfekt machen. Liegt vielleicht auch an der Krankheit, weil ich immer denke, dass ich was ausgleichen muss. Aber du hast Recht, ich sollte mir mehr vor Augen halten, dass es am Anfang nunmal eine gewisse Zeit braucht.
Wie beruhigst du dich denn, wenn du vor der Arbeit eine Panikattacke bekommst?

Also, das Problem mit den Therapieplätzen ist, dass viele Patienten natürlich erst am späteren Nachmittag können. Überall wo ich angerufen habe, wurde mir gesagt, dass die Plätze für diese Uhrzeiten stark begrenzt sind und sehr lange Wartezeiten haben (Ein Jahr und länger). Aufgrund dessen sehe ich es mittlerweile so, dass ich es irgendwie ohne Therapie schaffen muss. Vllt hilft die Arbeit mir sogar dabei.
Sollte es dennoch zu einer Therapie kommen, werde ich das mit Physiotherapie aber machen. Das klingt ja wirklich fast gleich.

@GastB: Mit dem Hinweis hast du durchaus recht. Tue mich da allerdings gerade jetzt am Anfang schwer einzuschätzen, was ich mir erlauben darf.
Kann ja selber noch nicht so ganz glauben, dass mein Professor in mir eine Doktorandin sieht. Fühle mich durch meine ganzen Ängste immer so zerbrechlich, aber fachlich muss ich ja durchaus ganz gut sein, wenn mir das angeboten wird. Selbst mein Auftreten hat der Professor gelobt.... Bin da immer total unsicher, weil ich überhaupt nicht weiß wie ich auf andere wirke. Mein Selbstbild scheint oft mit dem Fremdbild nicht übereinzustimmen...

@Schlaflose: Ja, wie das aufgenommen wird, hängt immer vom Bereich ab, habe ich auch so das Gefühl. Ich bin eher unter Naturwissenschaftlern und ich habe so das Gefühl, dass man es in diesem Bereich besser für sich behält und sich irgendwie durchbeißt. Ich werde meine Krankheit daher auch aus der Arbeit raushalten...
Die Intention eine supertolle Karriere hinzulegen habe ich übrigens auch nicht. Ich sehe die Doktorandenzeit vielmehr als zusätzliche Chance mich nochmal persönlich und fachlich weiterzuentwickeln. Gerade weil ich bei vielem noch so unsicher bin und nicht einschätzen kann, ob ich etwas gut mache oder nicht.
Habe die Hoffnung, dass mir das durch diese Arbeit irgendwann besser gelingt.

27.05.2014 14:13 • #7


libellchen
Zitat von Morticia:
Wie beruhigst du dich denn, wenn du vor der Arbeit eine Panikattacke bekommst?


Ich muss sprichwörtlich durch. Ich warte einfach, bis sie dann auf der Arbeit wieder verschwindet. Leider leidet mein Kreislauf da immer sehr drunter und ich bin sehr gerädert...

Zitat von Morticia:
Also, das Problem mit den Therapieplätzen ist, dass viele Patienten natürlich erst am späteren Nachmittag können. Überall wo ich angerufen habe, wurde mir gesagt, dass die Plätze für diese Uhrzeiten stark begrenzt sind und sehr lange Wartezeiten haben (Ein Jahr und länger).


Ich kann mir das schwierig vorstellen, aber sicher kommt es darauf an, wo man wohnt und wie die Dichte von Psychotherapeuten ist... Bieten die nicht mal die ersten 5. Sitzungen an, zur Anamnese...? Zur Not würde ich lieber nen Termin ausmachen, und ggfls. auch warten. Vielleicht ergibt sich ja auch zwischendrin irgendwas. Angeblich gibt's doch so viele Psychotherapeuten...

27.05.2014 19:34 • #8


Ja, das dachte ich mir schon mit dem durchhalten. Ich werde mich da auch durchbeißen!
Ich finde es auf jeden fall toll, dass du deine Arbeit trotzdem machst. Oft liest man hier ja im forum von Menschen, die es nicht mehr schaffen zu arbeiten, was ja auch verständlich ist. Aber ich will es schaffen.

Was die Therapeuten angeht, ist es hier bei uns in der Region eine Katastrophe. Es gibt viele, aber auch anscheinend viele Patienten - zu viele.
Momentan bin ich Patientin bei der psychiatrischen institutsambulanz unserer Region. Das ist aber letzten Endes nur ein Sammelbecken für alle, die noch keinen Therapieplatz haben. Habe dort auch nur alle zwei bis vier Wochen einen halbstündigen Termin.... das ist ein Witz. In der Zeit kann man nichts therapieren. Aber die stellen immerhin eine Diagnose und leisten damit schonmal ein bisschen Vorarbeit.

27.05.2014 21:40 • #9


Zitat von Schlaflose:
Zitat von GastB:
Aber ja nicht um Erlaubnis fragen und schon gar nicht erklären, was das für eine Termin ist. Das ist meines Wissens eines Doktoranden nicht würdig. (Nach meiner Erfahrung eines angestellten Akademikers fast niemals würdig. Oder meint @Schlaflose etwas anderes dazu?)

Ist diese Frage jetzt ironisch oder soll ich darauf antworten?
Das war nicht ironisch , bezog sich aber auf meine Aussage, dass man als Doktorand/akademischer Angestellter nicht FRAGT, OB man einen Termin wahrnehmen DARF, sondern dass es üblich ist, dass man einen Termin einfach ansagt und geht. Oder als Mittelweg etwa so etwas: "Ich muss um ... Uhr zu einem Termin gehen. Steht vorher noch etwas Wichtiges an?" (Aber das auch nur dann, falls das wirklich zu erwarten ist, und auf keinen Fall demütig-unterwürfig. Unsicheres Fragen und Bitten beschädigt bloß den eigenen Stand. Das ist meine Meinung/Erfahrung dazu.
Und da wollte ich nachfragen, ob du das auch so siehst.
(Aber wenn ich dich, Schlaflose, jetzt richtig verstanden habe, hast du das so nie wahrgenommen, sondern gewartet, bis deine Situation unübersehbar und unkontrollierbar war. )

Zitat:
Ich denke, wer Karriere machen will, sollte es nicht unbedingt publik machen, dass er zur Therapie geht, zumindest mal solange wie der psychische Zustand einen nicht sowieso verrät.

Das sehe ich genauso. Auch wenn man nicht unbedingt IN der Uni Karriere machen will: Allein schon ein unnötiges Eingeständnis bedeutet m.E. ein Sichselber-Kleinmachen vor dem Chef und den Kollegen - und das tut weder dem Selbstbewusstsein noch dem Ansehen gut.
@Morticia
Hast du den GAR kein körperliches Symptom, das sich - aber nur für den Notfall - verwenden lässt? Also z.B. so: "Ich muss regelmäßig zu einer Behandlung gegen meine ..... ." (Z.B. Kopfschmerzen, Kieferverspannungen, Bandscheibenverkrampfung o.ä.? Solche Symptome hängen ja oft mit Angst zusammen, da wäre es auch nicht mal geschwindelt.)
Das aber dann ohne jegliches Schuldbewusstsein oder Minderwertigkeitsgefühl äußern, sondern cool und lässig. Genauso wie du sagen würdest: "Ich gehe regelmäßig zur professionellen Zahnreinigung."

27.05.2014 22:25 • #10


@GastB
Ich habe tatsächlich kein echtes körperliches Symptom. Das ist alles immer Kopfsache und verschwindet, spätestens nach zwei, drei Wochen wieder.
Aber ich denke, wenn ich mich rausreden muss, werde ich den Rücken vorschieben. Hatte schon des öfteren Verspannungen und das könnte ich glaubhaft rüber bringen.

Ich hoffe, ich bekomme das mit dem Selbstbewussten Auftreten hin. Das brauch ich ja nicht nur, wenn ich einen privaten Termin habe und daher zeitig von der Arbeit los muss, sondern immer. Und da tue ich mich schwer. Als Doktorandin schauen die Studenten natürlich auch ein Stückweit zu mir auf und erwarten, dass ich fachlich was drauf habe. Ich hoffe, ich kann das leisten. Jetzt wo es nähert rückt, bekomme ich da schon wieder total Zweifel, dass ich den Anforderungen gerecht werden kann. Überlege schon, ob ich mich noch irgendwie weiter darauf vorbereiten kann...
Positiv ist immerhin, dass ich meine Ängste schon seit Tagen sehr gut im Griff habe! Das lässt mich zumindest hoffen, was das Durchhalten auf der Arbeit angeht.

Morgen steht jetzt die Präsentation meiner Abschlussarbeit auf dem Programm. Der Professor, etwa die Hälfte meiner zukünftigen Kollegen und eine handvoll Studenten werden da sein... Bin megaaufgeregt. Ich will auf jeden Fall versuchen, so selbstsicher wie möglich rüber zu kommen, allerdings "verrät" mein Körper mich immer dadurch, dass ich rote Flecken an Hals und im Gesicht bekomme. Das ist mir echt peinlich. Merke immer wie das Blut mir ins Gesicht schießt und dann werde ich nervös, weil ich mir dann vorstelle, wie ich jetzt aussehe mit den Flecken und was wohl die anderen denken. Sich möglicherweise sogar gedanklich lustig machen... wenn ich mir nur nicht immer solche Gedanken machen würde, wäre wahrscheinlich alles halb so schlimm. Einfach mal super entspannt an die Sache rangehen und sich denken, mir doch egal, was die denken, ich zieh mein Ding durch und der Rest ist mir egal.

03.06.2014 11:28 • #11


Also erstmal Hut ab vor deiner Leistung. Das ist toll, wie du das bisher geschafft hast.

Besinne dich auf das was du kannst. Du hast schließlich nicht umsonst diese Stelle bekommen. Und du musst ja auch kein Übermensch sein. Sei einfach natürlich. Ich finde Menschen sind doch wesentlich sympathischer wenn sie ein paar Macken haben, als diese Ellbogen-Menschen die nur sich selbst sehen. Also steh zu deinen Schwächen. Die hat sowieso jeder

03.06.2014 13:25 • #12


Schlaflose
Zitat von Morticia:
Morgen steht jetzt die Präsentation meiner Abschlussarbeit auf dem Programm. Der Professor, etwa die Hälfte meiner zukünftigen Kollegen und eine handvoll Studenten werden da sein... Bin megaaufgeregt.


Oh Mann, bin ich froh, dass es zu meiner Zeit so etwas noch nicht gegeben hat. Wir haben die sowohl die 1. als auch die 2. Staatsexamensarbeit einfach nur geschrieben und abgegeben und eine Note dafür bekommen, das wars.

03.06.2014 14:15 • #13


Zitat von Morticia:
Morgen steht jetzt die Präsentation meiner Abschlussarbeit auf dem Programm. Der Professor, etwa die Hälfte meiner zukünftigen Kollegen und eine handvoll Studenten werden da sein... Bin megaaufgeregt. Ich will auf jeden Fall versuchen, so selbstsicher wie möglich rüber zu kommen, allerdings "verrät" mein Körper mich immer dadurch, dass ich rote Flecken an Hals und im Gesicht bekomme. Das ist mir echt peinlich. Merke immer wie das Blut mir ins Gesicht schießt und dann werde ich nervös, weil ich mir dann vorstelle, wie ich jetzt aussehe mit den Flecken und was wohl die anderen denken. Sich möglicherweise sogar gedanklich lustig machen... wenn ich mir nur nicht immer solche Gedanken machen würde, wäre wahrscheinlich alles halb so schlimm. Einfach mal super entspannt an die Sache rangehen und sich denken, mir doch egal, was die denken, ich zieh mein Ding durch und der Rest ist mir egal.



Ja, das ist ein komischer Gedanke, der sich da einnistet, jemand könnte sich lustig machen, dabei ist das wenn überhaupt eine ganz krasse Ausnahme. Die meisten finden es charmant und absolut menschlich, wenn sie Aufregung und Nervosität ihrer Mitmenschen spüren, weil das jeder so empfindet.

Rote Flecken am Hals bekomme ich auch immer, aber da mache ich mir nichts mehr draus. Im übrigen glaubt man ganz oft nur, das müsse einem jemand ansehen - vielen fällt das gar nicht auf. Der gefühlte rote Kopf ist meist nur eine sanfte Rötung, die uns selbst eher auffällt, weil wir uns so genau kennen und beobachten.

Die meisten Menschen nehmen das gar nicht wahr, weil sie mit anderen Dingen beschäftigt sind. Dem Thema, dass sie dringend auf Klo müssen, was es zum Mittagessen gibt, warum der Partner heute morgen so schlechte Laune hatte, ob der Hund mal wieder eine Wurmkur braucht... und selbst wenn sie es tatsächlich wahrnehmen, dann denken die meisten eher: ja, so würde es mir auch gehen, wenn ich da oben stünde und reden müsste.

03.06.2014 14:24 • x 1 #14


Genau.

Die allerwenigsten Menschen sind immun gegen Prüfungsangst und Lampenfieber. Daher kannst du da ruhig mit Nachsicht rechnen.

Und du hast bisher offensichtlich so vieles so gut geschafft, da wirst du das ebenfalls gut durchstehen.

Und was die Studenten später von dir erwarten: Dass du dich IHRER Probleme annimmst. Nicht, dass du selber keine hast oder alles weißt. D.h., wenn du etwas nicht weißt, kannst du ganz ruhig sagen, dass du versuchen wirst, das für ihn/sie in Erfahrung zu bringen, oder ihnen dabei helfen, es selber herauszufinden (das ist wohl noch besser).

Also nur keine Angst!

03.06.2014 17:31 • #15


Mensch, jetzt habt ihr mich aber nachdenklich gemacht!
Habe gerade mal darüber nachgedacht, wie ich das finde, wenn vorne jemand steht und offensichtlich total aufgeregt ist, sich vllt sogar mal verhaspelt! Und in den allermeisten Fällen fühle ich dann mit der Person mit, weil ich weiß, dass es mir genauso gehen würde und dann bin ich echt froh, dass ich nicht gerade da stehen muss.
Anscheinend bin ich oft viel zu misstrauisch und neige dazu meinen Mitmenschen schlechte Dinge zu unterstellen.... Bin gerade tatsächlich nicht mehr so nervös wie gestern. Werde mir jetzt diese Gedanken vor der Präsi bewusst in Erinnerung rufen! Danke euch!

Zitat von AJPsychic:
Die meisten Menschen nehmen das gar nicht wahr, weil sie mit anderen Dingen beschäftigt sind. Dem Thema, dass sie dringend auf Klo müssen, was es zum Mittagessen gibt, warum der Partner heute morgen so schlechte Laune hatte, ob der Hund mal wieder eine Wurmkur braucht...


so habe ich das noch nicht betrachtet! Der Gedanke wird mich wunderbar von meinen Flecken ablenken!

Zitat von GastB:

Und was die Studenten später von dir erwarten: Dass du dich IHRER Probleme annimmst. Nicht, dass du selber keine hast oder alles weißt. D.h., wenn du etwas nicht weißt, kannst du ganz ruhig sagen, dass du versuchen wirst, das für ihn/sie in Erfahrung zu bringen, oder ihnen dabei helfen, es selber herauszufinden (das ist wohl noch besser).

Also nur keine Angst!


Danke, GastB! Ich finde deine Auffassungen zu diesen Dingen echt klasse. Ich hoffe, irgendwann sehe ich das auch alles so rational wie du. Manchmal frage ich mich, ob ich tatsächlich so eine falsche Vorstellung von vielen Dingen habe und meine Wahrnehmung, was solche Dinge angeht, total verzerrt ist. Gut, dass ich hier auf den Teppich der Tatsachen geholt werde. Was du schreibst, klingt für mich alles logisch, aber selbst wäre ich zu dieser Einsicht wahrscheinlich nicht ohne weiteres gekommen.

@Schlaflose
Jetzt hast du mich aber ein bisschen neidisch gemacht! Bei meiner Bachelorarbeit musste ich das auch nicht. Danach habe ich die Uni gewechselt und jetzt muss jeder ran. Aber nunja... Augen zu und durch!

04.06.2014 09:56 • #16


Zitat von Morticia:

so habe ich das noch nicht betrachtet! Der Gedanke wird mich wunderbar von meinen Flecken ablenken!


Mich hat er mal so wunderbar von meinem Vortrag abgelenkt, weil ich immer auf eine Dame in der ersten Reihe starren musste, die so missmutig geguckt hat, dass ich mich die ganze Zeit gefragt habe, was ihr wohl heute morgen fürchterliches passiert ist.

Irgendwann hab ich den Faden verloren, musste über mich lachen, weil ich gerade nicht weiter kam und jemand von den Zuhörern rief mir zu, ich solle mir nichts draus machen, er hätte auch schlecht geschlafen. Dann haben alle gelacht und sogar die missmutige Frau hat gegrinst.
Die Stimmung war super und die letzten 20 min vergingen wie im Flug.

Überleg dir einfach, bei welchen Gedanken du dich selbst ertappst, während du eigentlich zuhören solltest...

Hier in Deutschland finde ich es eigentlich recht entspannt, Vorträge zu halten. Niemand erwartet, dass du entertainst, sondern eigentlich sind alle ernsthaft auf Thema konzentriert und wenn du mal einen Witz machst, sind alle dankbar und überrascht, weil das keiner erwartet hätte.

04.06.2014 10:05 • #17

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Ich selber hatte so ein Erlebnis bei einen meiner Vorträge noch nicht. Aber bei Präsentationen, die andere gehalten haben, ist mir auch schon aufgefallen, dass die Stimmung plötzlich viel gelöster ist, wenn alle zwischendurch mal ein bisschen lachen mussten.

Zum Glück ist der Prof, der heute dabei sein wird, auch nicht so knallhart und abgebrüht. Der macht auch hin und wieder mal eine witzige Bemerkung. Wenn es nur nicht mehr soooo lange hin wäre... um 16 Uhr ist der Termin erst und jetzt fange ich doch schon wieder an aufgeregt durch die Wohnung zu laufen.

Ein bisschen Ablenkung wird mir nun noch die Frage "Was ziehe ich an?" bescheren. Ganz förmlich, so mit Hosenanzug oder so, ist keine Pflicht. Hat auch noch keiner der anderen Studenten gemacht. Aber im Freizeitlook ist auch blöd. Habe für solche Anlässe eigentlich immer eine Standardkombi aus dunkler Hose und einem etwas schickeren Pullover. Aber bei dem Wetter kann ich mir das nicht antuen. Muss also noch ein bisschen überlegen.

04.06.2014 11:48 • #18


Eine Stoffhose und ein einfarbiges T-Shirt, das man mit einem Tuch aufpeppen kann, tut es bestimmt.

04.06.2014 11:53 • #19


So wirds gemacht. Danke.

Werde nun die letzte dreiviertel Stunden mich mit Haushalt ablenken und dann gehts los zur Uni.
Diese Anspannung die ganze Zeit.... Aber ich freu mich jetzt einfach darauf, dass es bald vorbei ist. Und darauf, dass man sich danach plötzlich wieder federleicht fühlt.

04.06.2014 14:45 • #20



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