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wunna
Habe letztes Jahr Februar einen Reha-Antrag gestellt, Bescheinigung vom Hausarzt sofort bekommen, alles klar. Er war auch total der Meinung, dass ich unbedingt eine Reha brauche und hielt das für eine sehr gute Idee.

Hatte den Antrag schon lange aufgeschoben, weil ich immer glaubte den Job zu verlieren, dass es zeitlich unpassend wäre (Prüfungen oder neuer Arbeitsplatz oder neue Kollegen oder neue Aufgaben oder so), nicht übernommen zu werden, dass der Vertrag nicht verlängert würde, usw. Habe immer weiter gemacht, immer weiter versucht alles zu regeln und zu funktionieren. Hinterher dämmert es einem, dass es ein Fehler war und dass man sich völlig umsonst immer zum Weitermachen gezwungen hat, statt zuzugeben, dass man richtig krank ist und dringend Hilfe braucht und man es vielleicht aufgrund der Erkrankung doch nicht schafft ein "ganz normales Leben" zu führen. Dass man einer Vollzeit-Arbeitsstelle vielleicht doch nicht gewachsen ist, auch wenn man das Geld dringend braucht, man seine Vorstellungen von einem normalen Leben hat und weil man so unbedingt ganz normal und leistungsfähig sein will.

Im April letzten Jahres war ich psychisch am Ende, kam in die Klinik. Schöpfte aber Hoffnung, weil mir Mut gemacht wurde und die Reha (plus ein Umzug) das Ziel war. Übrigens aber nicht nur aufgrund der Psyche, sondern auch aufgrund anderer gesundheitlicher Probleme/Erkrankungen.

Im Mai kam dann die Ablehnung, unter Hinweis auf ambulante Behandlung. Ich schrieb einen Widerspruch und bat auch darum von meinem aktuell behandelnden Facharzt Unterlagen anzufordern, weil nur die Bescheinigung meines Hausarztes vorlag und mir gesagt wurde, dass die Rentenversicherung die entsprechenden Unterlagen anfordert, wenn man ihnen das mitteilt.

Als die erneute Ablehnung kam (mit exakt der gleichen Begründung), erkundigte ich mich bei dem Arzt und er teilte mir mit, dass bei ihm nie Unterlagen angefordert wurden.

Das letzte Jahr verlief weiter sehr, sehr schlecht (Details nur auf Anfrage), daher fand ich nicht die Kraft mich um einen Überprüfungsantrag, Klage oder neuen Reha-Antrag zu kümmern, obwohl mir mehrfach dazu geraten wurde, weil es dringend nötig war. Im Sommer bekam ich aber immerhin den Schwerbehinderten-Ausweis, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte, weil die Ablehnung bei mir den Eindruck hinterlassen hatte, dass ich wohl doch nicht so krank bin, sozusagen. Und ich deshalb keine Reha verdient hätte. 6 Monate war ich krank geschrieben, dann kam ich ins Arbeitslosengeld I und mache jetzt eine Weiterbildung im EDV-Bereich - u. a. auch wegen der Tagesstruktur.

Diesen April fange ich wieder an zu arbeiten, habe unerwartet einen neuen Arbeitsvertrag bekommen (Jemand sagte mir, weil ich so verwundert darüber war: Sie schaffen es trotz allem nach außen ganz normal und leistungsfähig zu wirken und haben wohl bei dem Vorstellungsgespräch auch diesen Eindruck gemacht.). Mir wurde aber von mehreren Seiten geraten bei meiner gesundheitlichen Situation noch mal einen Reha-Antrag zu stellen. Eben weil es mir eigentlich kaum besser geht und ich mich überfordere, versuche einfach zu funktionieren und es früher oder später wieder zu einem - dann vielleicht noch schlimmeren - Absturz kommen wird. Der Facharzt war der Meinung, dass es mit besser geht (weil ich an dem Tag leichtes Make-up für ein Vorstellungsgespräch getragen und das erste Mal wieder gelächelt habe), das aber eine gute Idee wäre, verweist mich auf den Hausarzt.

Problem: Bin im Sommer umgezogen und habe den Hausarzt gewechselt. Dieser kennt mich nicht so gut. Jetzt war ich heute dort und musste mir sagen lassen, dass ich jetzt nicht noch mal einen Antrag stellen solle, weil er sowieso abgelehnt würde. Er meinte, dass ich Ende des Jahres noch mal wiederkommen soll, dann würde er das mit mir machen. Er fragte ob ich arbeite und meinte, wenn ich nicht arbeiten würde, dann würden die das sowieso ablehnen. Und die wären jetzt sowieso gerade total - den genauen Ausdruck weiß ich nicht mehr - knickerig mit den Rehas.

Und das sagt er mir ohne in meine Akte zu gucken, ohne nachzufragen, was denn meine gesundheitlichen Probleme sind. Aus seinen Worten entnahm ich auch, dass ihm gar nicht klar war, warum ich überhaupt einen Reha-Antrag stellen will. Aber er ließ mich auch nicht erklären oder überhaupt zu Wort kommen. Ich mochte ihn vorher eigentlich (gut, die 4-5 mal, die ich ihn gesehen habe), aber ich war ruckzuck wieder draußen und so schockiert, dass ich mich vor der Tür erstmal kurz wieder ordnen musste. Ich wusste wirklich erstmal wieder klarkommen.

Nun, was ist meine Frage? Nein, ich will da keine Beurteilung meines gesundheitlichen Zustandes oder ob ihr meint, dass ich eine Reha bekomme oder bekommen sollte. Ich weiß schon, man kann bei meinem Bericht denken: Gott, die Alte schwimmt im Selbstmitleid, ruht sich auf ihrer Erkrankung aus, usw.

Ich frage mich lediglich: Macht es Sinn den Reha-Antrag ohne Befundbericht des Hausarztes abzuschicken? Oder ist der Antrag damit direkt zum Scheitern verurteilt? Kann ich dann einfach darum bitten die Befunde vom Facharzt bzw. den Fachärzten aus allen Bereichen anzufordern? Oder sogar die Befunde sicherheitshalber selbst abholen und nachschicken? Und: Hat jemand von euch das mit dem Reha-Antrag schon mal durchgezogen?

05.03.2012 20:05 • 12.03.2012 #1


7 Antworten ↓


Hallo,
auch dein vorheriger Hausarzt muß dir einen Befund schreiben oder besser noch vorder deine Krankenakte bei ihm an und laß sie zu deinem neuen HA schicken da hast du ein Recht drauf!
Dann kann auch dein neuer HA einen korrekten Befund aufführen!!
Ohne Befund wird es sehr schwer was zu erreichen

LG

08.03.2012 09:40 • #2



Reha-Antrag - Hausarzt unterstützt mich nicht - was nun?

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elster
Bist du denn nicht auch in Facharztbehandelung ? Ich hab auch eine Reha gemacht
( allerdings wegen einer Orthopädie-Sache ) und mein kompletter Antrag lief über meinen Facharzt und es gab kein Problem wegen der Unterlagen, soweit ich mich entsinne.

08.03.2012 14:42 • #3


wunna
Klar, ich bin bei einer Ambulanz und dort habe ich einen Psychologen als Ansprechpartner und natürlich sind da entsprechende Psychiater, die ich aber nur mal wegen der Medis gesprochen habe oder wenn der Typ krank war. Aber wie ich ja sagte: Der Facharzt meinte es wäre Sache des Hausarztes und er könnte das nicht machen.
Fand ich persönlich ziemlich unkooperativ.

08.03.2012 18:23 • #4


elster
Schon komisch, dass die da solche Aussagen machen. Ich hab ja seit Jahren keinen Hausarzt mehr als Ansprechpartner bei meiner Depression- und Angstgeschichte. Bin da nur beim Facharzt - seit zehn Jahren schon - mein aktueller Hausarzt hat keinen Schimmer von diesen Problemen - ich wechselte auch öfters, weil ich ja z.b. umziehe. Ich hab erwähnt, dass ich in psychiatrischer Behandlung bin und mehr wollte nie einer wissen von meinen Allgemeinärzten.
Die konsultier ich sowieso nur bei "Hausarztsachen" wie Erkältungen usw. Oft hab ich nämlich die Erfahrung gemacht, dass sich mancher Allgemeinmediziner gerne mal überschätzt und denkt, er könne schlichtweg alles behandeln, dabei fehlt ihm die Kompetenz. Kannst du nicht deine komplette Behandlung in die Hände eines Psychiaters legen und über den alles in die Wege leiten ? War bei mir nie ein Problem in all den Jahren.

08.03.2012 19:16 • #5


wunna
Du, wie gesagt, den hab ich ja zuerst gefragt. Und da kam nur diese Antwort. Montag habe ich einen neuen Termin, wenn ich mich nicht täusche. Und dann werde ich ihn noch mal drauf ansprechen. Aber ob ich da erwähnen sollte, dass mein Hausarzt mich da nicht unterstützen will?

08.03.2012 19:29 • #6


Hallo,

was die Reha angeht musst du definitiv gesundheitliche gutachten einholen.
Da du schon in Kliniken warst und dein alter Hausarzt eine Reha befürwortet hat solltest du sämtliche Unterlagen aus der Zeit anfordern und sammeln.
Auch kannst und solltest du einen neuen Psychiater aufsuchen, ihn deine Probleme schildern und die Akten aus vergangenen Aufenthalten zum Beweis mitgeben.
Ärzte sind verpflichtet dir ein gutachten zu schreiben.

An den Hausarzt brauchst du dich weniger zu wenden, da er ja mit psychischen Leiden eher wenig zu tun hat.

Du musst definitiv hartnäckig bleiben, deine Ablehnungen zeigen und darstellen, dass sich weitere psychische Beschwerden aus der nicht stattgefundenen Reha ergeben haben!

Übertreib ruhig ein wenig dabei, aber beleg einfach alles was du kannst und schreib einen rührevollen text!

09.03.2012 08:55 • #7


wunna
Mein Hausarzt hat zufällig auch Psychotherapie auf seinem Schild stehen, daher sollte man ja glauben, dass er was davon versteht. Verständnisvoll war er auch, soweit man das nach so wenigen Besuchen sagen kann. Aber das enttäuscht mich jetzt doch.

Also, wie meinst du das mit dem früheren Hausarzt? Müsste ich den anschreiben oder dorthin gehen und sagen, ob er den Reha-Antrag befürwortet, so dass er die das Formular ausfüllen soll?

Oder wie meinst du das?

Weil: Als ich umgezogen bin, hatte ich mir damals eine Hausärztin ausgesucht. Und da ich meine Unterlagen mitbringen wollte, hatte ich den Arzt gebeten mir die Patientenakte mitzugeben. Aber ich bekam (oder er hatte vielleicht auch nur) 2 Ausdrucke von Krankenhaus-Befundberichten. Mehr nicht. Gut, die hab ich jetzt nicht mehr, die hatte ich direkt der neuen Hausärztin gegeben. Aber da war ich dann ja nicht mehr, weil ich - kompliziert - sozusagen wieder zurückgezogen bin in diese Region. Alles in sehr kurzer Zeit. Mir ging es sowieso nicht gut, ich hatte noch mit schweren Depressionen zu kämpfen, Arbeitsplatz-Verlust, Trennung von Freund, ohne Wohnung, war krank geschrieben und so. Es war eine chaotische Zeit.

Frage: Wichtig sind ja vor allem die Befunde aus dem Bereich Psyche. Aber die werden mir ja vom Facharzt oder der Klinik nicht ausgehändigt. Was soll ich da machen?

12.03.2012 11:16 • #8




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