Hallo Liz,
offenbar hast Du gute Erfolge erzielt, denn sonst würde der Zwang nicht eine "Stufe höher" schalten, indem er schlicht und ergreifend "härtere" Worte erfindet...das ist wie bei Suchtmittelkonsum: die Dosis muss erhöht werden.

Die Erhöhung der Dosis liegt im vorliegenden Fall darin, dass dieses Wort Dich mehr trifft, berührt, schockiert. Dieser Schock ist es, der das Wort (vermeintlich) "mächtiger" macht. Zwängler entwickeln dann auch irgendwann Zwangs
handlungen, denen in fast allen Fällen Zwangsgedanken vorausgehen.
Was ist denn
eigentlich ein Wort? Worte kann man
- lesen und schreiben
- hören und sprechen
- denken und erfinden
Was jedoch immer irgendwie stattfindet: wir
interpretieren Worte. Rein "materialistisch" gesehen sind gesprochene Worte nichts anderes als Geräusche/Laute, denen wir nach und nach eine Bedeutung zugewiesen haben. Beim Denken von Worten "visualisiert" man entweder das Wort in seiner Optik (also: Buchstaben in der entsprechenden Anordnung) und/oder man holt sich seine "Akustik" ins Bewusstsein.
Du kannst hier einfach mal dabei bleiben:
- Schreibe Dir das Wort auf und
schau es an.
- Spreche Dir das Wort vor und
höre es an.
Das Denken von Worten kommt im Leben erst
danach. Wir können kein Wort denken, das wir nicht irgendwann mal gelesen oder gehört haben. Zudem musste uns auch seine Bedeutung "übermittelt" werden. Erst dann können wir Worte
interpretieren.
So sehr Worte in der heutigen Zeit ohne Frage nahezu überlebenswichtig sind, so sehr bestimmen sie jedoch auch unseren Geist und damit - sofern man nicht achtsam ist - unser Erleben.
Unser Erleben von Ich und Welt. Wenn man bedenkt, was Worte tatsächlich "sind", ist es doch auch erstaunlich, welche Macht wir ihnen geradezu
geben!
Und nicht selten ermächtigen wir Worte in einer geradezu pathologischen Weise. Ich nenne das gerne "Wortmissbrauch".
Geh also einen Entwicklungsschritt zurück und beachte lediglich Aussehen und Laut der jeweiligen Zwangsworte. Es sind letzten Endes nur Sinneseindrücke, keine objektiven Gegebenheiten oder gar "Wahrheiten". Wir haben es in der Hand, aus Sinneseindrücken
Dinge zu machen, die uns (vermeintlich) betreffen. Und ganz wichtig: Gedanken, die wir immer wieder denken, sind auch nichts anderes als Sinneseindrücke.