Ich mach das mal jetzt und ich hoffe ... dass ich es auch gut rüberbringen kann.
Meine Mutter ... Krankenschwester ... sehr pflichtbewusst und sozial ohne Ende. Sie war der Meinung ... alles was zählt ... ist ein guter Mensch zu sein ... koste was es wolle. Sie hat sich in einem Pflegeheim 20 Jahre wirklich aufgeopfert ... war beliebt ... hat alles für die alten Leutchen gemacht bis zur Selbstaufgabe. In den Ferien war ich immer mit auf ihrer Arbeit und hatte sogar schon fleißig mit geholfen bei allem.
Mein Vater ... Lehrausbilder ... sehr streng ... pflichtbewusst und dass hat er mir auch vermittelt. Krank gab es bei ihm nicht. Streng zu sich aber auch zu mir und zu allen.
10 Jahre lang habe ich in einem kleinen Dörfchen in einem Altenheim mit knapp 50 Bewohnern gearbeitet. Idyllisch gelegen ... morgens nur 3 oder 4 Leute in den Tag begleiten ... mit Hilfestellungen beim pflegen ... anziehen ... frühstücken. Eine schönes Arbeiten. Dann ging meine Ehe in die Brüche ... und ich bin dann irgendwann 500 km weit in eine große Stadt zu meinem Freund gezogen.
Heimat weg ... Freunde weg ... Familie kaputt ... neue Umgebung ... andere Menschen ... andere Arbeit. Eine Arbeit in einer Großstadt ... großes Altenheim über 365 Bewohner ... Stress ohne Ende. Satt ... sauber und trocken für die Bewohner ... mehr war nicht mehr.
Ein älterer Herr stürzte sich die Treppe runter ... landete im Keller ... und den Rest spar ich mir mal hier. Wenig später stellte sich eine ältere Dame oben auf das Dach und stürzte sich in die Tiefe ... weil ihr Sohn gerade vor ihr starb. Sie landete vor meinen Füssen ... als ich das Rollo von einem Fenster im Erdgeschoß hochziehen wollte.
Wir als Pflegepersonal ... haben keine Unterstützung erhalten. Wir haben uns hingesetzt ... einen Kaffee getrunken ... eine geraucht. Das war für mich normal ... dass war der Job und ich musste funktionieren.
Dann kam für mich noch einmal eine Ausbildung. Anatomie ... mein Lieblingsfach. Auf den ersten beiden Zeugnissen nur Einsen außer zwei Zweien.
Alles gut ... ausser dass ich während der Unterrichtsstunden Hitzewallungen bekam ... hochrot die Klasse oft verlassen müsste ... zitterte. In dieser Zeit mehr als 80 Tage krank war. Nicht lange ... immer nur 1 ... 2 Tage ... Kopfschmerzen ... Übelkeit ... Erbrechen ... erschöpft und zu nichts in der Lage.
Hinzu kam beim Waldspaziergängen mit meinem Hund ... komisches Sehen ... unwirklich ... bunter ... schärfer ... fast wie im Film. Wenn es mir keine
Angst gemacht hätte ... wär es sogar schön gewesen.
In meiner Ausbildung ... hatte ich ja auch Praktika und dass in einem Altenheim ... unterbesetzt ... die Wohnbereichsleitung versteckte sich ab Dienstbeginn im Dienstzimmer ... holte sich vom Bewohnerfrühstück ihre Mahlzeiten ... schrieb im Handy mit ihrem Liebsten ... ließ andere ... selbst bei absoluter Unterbetzung allein arbeiten. Ab und an schrie sie morgens kurz nach halb sieben über den Flur ... machte Mitarbeiter klein obwohl ich zum Beispiel ihr mehrfach die benutze Einlage eines Bewohners aus dem Waschbecken entfernen musste und von ihr angeblich gemachte Verbände erneuert habe ... obwohl sie als neu verbunden dokumentiert waren.
Es gab in diesm Team wirklich super Arbeitskräfte ... aber es gab auch einige ... die nach jeder Grundpflege sich einen Kaffee gönnten und nicht nur eine Zig. rauchten. Und es ist nun mal so ... die, die alles perfekt machen möchten und es gut meinen mit den Leuten ... denen brummt man noch ein bisschen mehr Arbeit auf und erfindet Strategien ... damit das auch funktioniert.
Dann kamen massive Schlafstörungen ... Aggressivität ... Selbstverletzung ... Schuldzuweisungen ... Ausbrechen ... nächtliches Herzrasen bis zu fast 200 in der Minute ... Blutdruck von fast 200 zu in die 110 ... Anrufe bei der SMH ... Selbsteinweisungen ... und immer wieder Ängste vorm Herztod und jedem Ziepen irgendwo im Körper ... Leberkrebs ... Brustkrebs ... Herzmuskelentzündung ... ach alles ... wirklich alles ...
Von da an ging es dann bergab ... jeden Tag immer mehr. Schwindel ... verschwommenes Sehen ... irgendwelche Flecken auf der Haut ... komisches Aussehen wenn ich in den Spiegel schaute ... blass ... Augenringe ... immer war da irgendwas ....
Nachts hab ich geweint ... auf der Bettkante gesessen ... mir vor Verzweiflung dauernd über die Knie gestreichelt um mich glaube ich ... noch zu spüren. Andere Tage Fluchtgedanken ... aus der Wohnung ... vor meiner Ehe ... vor Menschen ... vor Freunden. Die Wohnung wurde meine Festung.
Ich wollte einfach keinen Kontakt mehr. Es triggerte mich ... volle Städte ... volle Kaufhäuser ... Restaurants mit vielen Leuten ... Feierlichkeiten, die ich gar nicht wollte ... oder mit Hund in irgendwelche Park's ... die rappelvoll waren.
Inzwischen war ich ein Frack. Jeden Tag was anderes ... sass nur noch am Tisch ... trank Tee ... kontrollierte meinen Puls ... meinen Blutdruck ... hing im Google und suchte nach sämtlichen Symptomen und ihrer Ursache. Hatte Ärzte durch ... konnte nicht mehr alleine bleiben ...
Ich hatte mich verloren ... hatte kein vertrauen mehr. Nicht zu mir und schon gar nicht zu anderen.
Die Wende kam mit meiner Reha ... fast 6 Wochen.
Ein Einzelzimmer ... und ganz viel Zeit zwischen den Therapien zum Nachdenken und eine super Therapeutin ... die mit mir gearbeitet hat. Sie hat mir den Weg gezeigt ... mich zu hinterfragen und ich glaube ... das war der Anfang aus diesem Loch.
Ich habe mich gefragt ... ob ich wirklich ein so sozialer Mensch bin ... weil ich mich so verausgabe in meinem Job. Ich bin dann darauf gekommen ... dass ich wirklich jedem geholfen habe ... um meinen Wert zu steigern. Ansehen zu erlangen ... als positiv bewertet zu werden ... weil ja meine Mutter mir schon beigebracht hatte ... alles was zählt ist ein guter Mensch zu sein. und mein Vater ? Pflicht ist alles ... egal wie !
Ich habe also dort auch alten Meschen "die Füsse geküßt" wo ich genau wußte ... dass sie überhaupt keine tollen Menschen sind und sogar das Personal hinter dem Rücken richtig schlecht machen und nur auf ihren Vorteil aus sind. Ich habe gearbeitet ... bin fix und fertig heim ... und einige sind nach der Arbeit frisch und frei aus dem Haus gewandert und waren fit für die Freizeit. Ja ... aber das war mein Problem ! Sozial und Mensch sein war ganz in Ordnung ... aber ich hatte Abgrenzungsschwierigkeiten ... wie ich in der Reha und auch mit meiner jetzigen Therapeutin erarbeitet habe. Ich darf auch NEIN sagen. Selbstbewußtsein musste her. Es musste mir ein Stück weit egal sein ... was andere von mir denken. schei. der Hund drauf. Sorry ... Durch meinen Job habe ich auch im Unterbewußtsein registriert ... dass ich irgendwann auch so alt und krank bin. All das was ich in der Altenpflege erlebt und gesehen habe und ich noch zusätzlich in der Ausbildung in der Krankheitslehre vermittelt bekommen habe ... waren wohl das Tüpfelchen auf dem " I " ... und dann noch die faulen Mitarbeiter zu beobachten und sich ganz unbewußt irgendwann in der Situation eines alten Menschen ... der dem ausgesetzt ist ... zu sehen ... war meinen Ängsten auch nicht grad dienlich.
So um jetzt nicht noch mehrere Seiten zu schreiben ... dass ist jetzt nur ein Beispiel von vielen Baustellen bei mir ... und wie ich sie geändert habe.
MIR wurde so langsam klar ... dass ich eigentlich nur funktionierte ... nur in der Gesellschaft akzeptiert werden wollte ... funktionieren so wie Mutter und Vater es ja vorgegeben hatten. Ging aber nicht ... ich war gerade am kaputt gehen ... nicht mehr funktionstüchtig !
Und dass hat eine Menge Denkprozesse in Gang gebracht und glaub mir ... mit einigen Abweichungen worauf ich heute nicht grad stolz bin.
Ich habe meinen Job ... die Ausbildung gekündigt. Arbeite heute in einem ganz anderen Job ... von zu Hause aus und im Aussendienst, weil ich auch gelernt habe ... dass ich meine Ruhe brauche oder besser Abstand von allem zu haben.
Ich bin auch heute noch sozial ... spende ... helfe. Aber
ICH entscheide wo ! ... und ich lass mich nicht mehr ausnutzen ... ich lebe mein Leben ... und schaue genau hin ... was mir gut tut an Zeit zu investieren für andere ... und den Rest nutze ich für MICH und für Menschen ... die mir gut tun. Ich liebe SIE aber ich weiß auch ... dass SIE es sind ... die mein eigenes ICH bereichern sollen um mich glücklich zu fühlen. Und das ist es auch ... was aus der Bahn gerät ... das Verhältnis ... was uns im tiefsten Innern ... das ICH befriedigt und was DEM auf der anderen Seite schadet. Zumindest brauchen wir ein Gleichgewicht.
Durch hinterfragen von noch ganz anderen Dingen ... habe ich heute nur noch sehr wenig Freunde ... ein bisschen mehr Abstand zur Familie ... eine andere Ernährung ... eine andere Einstellung zu vielen Dingen und weniger Konfrontation mit der Gesellschaft und oberflächlichen Menschen.
Aber wie geschrieben ... es ist immer die Summe aus vielem und ich bin heute nur noch ein kleines Stück wie früher und wie ich gehandelt habe ... aber dafür bin ich jetzt ECHT ICH
