Zitat von Angor:Ich treibe mich auch oft hier im Forum rum. Klar gibt es auch noch ein Leben, aber was denn? Ich hab meine Kinder groß, geh kaum nach draußen, fahre nur zum Einkaufen, fahre nicht in Urlaub. mag nur Besuch von meinen Töchtern und Enkel.Außerdem fühle ich mich hier verstanden im Gegensatz zu den "Normalos" draussen.
Wenn du mit dieser Lebensweise mit dir selbst im Reinen und vor allem damit glücklich bist, ist ja auch alles in Ordnung.
Meine Therapeutin rät mir allerdings immer, ich solle mich nicht zuhause einigeln, nicht eigenbrödlerisch werden, sondern mir ein gesundes, stabiles und abwechslungsreiches Sozialnetz aufbauen - das sei bei vielen psychischen Problemen oftmals schon die halbe Miete.
Ablenkung von den (in meinem Falle) Ängsten sei das A und O. Und ich glaube, sie hat da nicht unrecht: je mehr ich am Tag zu tun habe, sei es Arbeit, oder Organisatorisches, Treffen mit Freunden, Ausflüge, Spieleabende, Kochabende etc pp, desto weniger habe ich Zeit, bewusst und auch unbewusst ständig über irgendwelche Krankheiten, Ängste oder "was wäre wenn"-Fragen nachzugrübeln und in solchen Momenten habe ich dann auch so gut wie keine Beschwerden.
Sobald ich mich dann allerdings wieder zurückziehe, abends zur Ruhe komme und der Kopf wieder Zeit hat, die alte Leier abzuspulen, da sind dann auch plötzlich wieder die Beschwerden da und das altbekannte Gedankenkarussell dreht sich.
Vor diesem Hintergrund war mein Rat hier eher gutgemeint: nämlich sich nicht vollkommen zur Geisel seiner "Krankheit", "Störung", "Ängste" machen zu lassen und sich dieser leidvollen Welt hinzugeben. Manchmal sage ich mir "Ich habe nur dieses eine Leben, will ich das denn wirklich so verbringen? Ständig in Ängsten und Sorgen und Grübeleien?"
Natürlich ist sowas immer leichter gesagt als getan, das merke ich in akuten Phasen an mir selbst. Allerdings versuche ich dennoch, mich nicht vollends allem hinzugeben und ich denke, da ist möglichst viel Abwechslung, ein gutes und stabiles soziales Netzwerk, bei dem es mal nicht um Krankheiten, nicht um Ängste und nicht um psychische Dinge geht, schon mal sehr viel wert, um sich aus dem ganzen Trott rauszukämpfen.
Von daher, wie gesagt, war das von meiner Seite aus eher ein gut gemeinter Ratschlag, aber letztendlich muss jeder für sich wissen, wie er mit seiner Lage umgehen und vor allem, was er tun oder nicht tun möchte, um da hoffentlich bald wieder herauszukommen und ein normales, beschwerde- und sorgenfreies Leben führen zu können.
Kann sein, dass meine Sichtweise hier nur auf Unverständnis oder taube Ohren stößt - es war jedenfalls nur gutgemeint.