Ich hatte vor 14 Tagen auch so zwei nette Begegnung mit Ärzten. Bei mir ist ebenfalls eine Magenspiegelung und Darmspiegelung nötig, um eine Zöliakie-Diagnose zu bestätigen bzw. mal wieder nach meinem Morbus Crohn zu schauen. Von meinem neuen Hausarzt wurde ich in das benachbarte Uniklinikum überwiesen und bekam auch relativ schnell nen Termin. Da das für mich nicht so ganz unbelastet ist - bin ja deshalb in Therapie - hatte ich meinen Verhaltenstherapeut mit im Gepäck.
Obwohl bekannt war, dass ich Phobiker bin, ich nen Termin hatte und ich total überversicherter Privatpatient bin(Chefarztbehandlung...), ließ man mich 4 Stunden auf das Vorgespräch mit dem Gastroenterologen etc. warten, das dann mehr oder weniger mit nem Oberarzt im Durchflug stattfand.
"Guten Tag Frau
schnell auf die Überweisung guck Schulze-Müller! Ihr Hausarzt hat ja soweit alles geschickt. Dann ist ja alles klar. Hier haben Sie noch eine Info-Broschüre, Frau Kunze-Meier, da ist alles erklärt. Haben Sie noch ne Frage...
auf die Uhr guck? Sie können das ja auch mit ihrem Hausarzt besprechen. Dann ist ja alles klar, dann sehen wir uns am Montag, Frau Schröder-Schmidt. Kommen Sie nüchtern...! Beim Anästhesisten waren Sie schon? Ach, nein noch nicht... Bis dann, Frau Schäfer-Schneider!"
Dann habe ich noch mal drei Stunden auf den Anästhesisten gewartet. Gott sei Dank, hatte ich den Therapeuten gebeten, sich den ganzen Tag für mich zu reservieren. Ich wäre gestorben.
Es kam eine schätzungsweise End-Zwanzigerin, ein kleiner, energischer Wirbelwind.
Auch für sie hatte ich einen Arztbrief dabei, in dem meine Angst-Problematik erwähnt wurde, außerdem schriftlich ein paar Fragen, weil ich genau wusste, ich bekomme Panik und mein Hirn ist leer. Wie die Ärztin hieß, weiß ich jetzt z.B. nicht mehr.
Das Gespräch bestand daraus, dass sie mir den Wisch, den ich unterschreiben sollte, vorlas, nicht komplett, sondern abgekürzt mit: "...etc.pp.", "Bla und Blub,...", "Sie können sich das ja zu Hause noch mal durchlesen... Hier ist ne Broschüre. Darmentleeren und nüchtern kommen müssen sie sowieso. Bitte auch nichts trinken! War's das?"
Ich wollte meine Angstproblematik ansprechen. Sie war schon auf dem Sprung. Mein Therapeut griff ein und pfiff sie zurück.
Die Ärztin riss mir den Zettel mit meinem vorformulierten Text aus der Hand, warf nen schnellen Blick drauf und ich bekam Folgendes zur Antwort:
"Das können Sie steckenlassen. Angst hat jeder, das ist völlig normal. Sie bekommen was zur Sedierung und gut isses. Ihr Hausarzt soll Ihnen davon was aufschreiben
gelbes Post-It überreich. Ich geb da nix auf Phobie. Noch so ne Psycho-Mode, wie ADHS. Hab anderes zu tun... Bei mir ist noch jeder eingeschlafen, auch die mit ADHS und jeder wieder aufgewacht, auch die mit Schiss."
Und dann der Hammersatz:
"Um Ihren Krankheitsgewinn zu steigern bin ich zu beschäftigt, das können sie mit ihrem Therapeuten
arrogant guck oder wegen mir auch ihrem Pfarrer
arrogant grins abziehen."
Ich war den Tränen nahe, der Therapeut sprachlos. Aber: - stutenbissig wie ich bin - brauchte ich nur ein paar Sekunden. Auf dem Flur hab ich sie mir gegriffen und ihr an Kopf geworfen, wenn sie Patienten so sch... findet, solle sie doch Metzger werden, die werden gesucht.
Noch aus dem Foyer habe ich die Termine für die Spiegelung abgesagt und mich bei meiner Krankenkasse beschwert und später auch einen Leserbrief an die Regionalzeitung geschickt, die seit über einem Jahr immer wieder Beschwerden von Patienten sammelt. Nutzen tuts wahrscheinlich nichts, aber ich war so wütend.
In dieses Klinikum bekommt mich niemand mehr. Ich werde mir auch so bald keinen Termin woanders holen. Ess ich halt so glutenfrei, schaden tut's ja nur andersrum.