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Hey, Leute!

Sorry, dass der Text so lang ist. Das war so gar nicht geplant...

aber es ist mal wieder so weit. Es ist halb 5 morgens und ich sitze im Bett (liegen kann ich gerade nicht aushalten) und versuche mich von der Angst abzulenken. Gut funktionieren tut das nicht, sonst wäre ich jetzt nicht hier gelandet.

Ich bin 23 und studiere gerade im Ausland. Ein Grund warum ich das geplant habe ist, dass ich schon immer sehr... Nun. Andere Menschen haben es immer als schüchtern bezeichnet, ich würde es eher panisch nennen. Oder einfach angstgelähmt.

Seit der Grundschulzeit kämpfte ich mit sozialen Ängsten, habe dadurch auch nur schwer Freunde gefunden (um ehrlich zu sein habe ich keine wirklichen Freunde aus der Schulzeit mehr), wollte kaum raus gehen, habe geweint wenn ich zur Schule musste, wurde auch von einigen Kamerade nicht gerade freundlich behandelt. Habe mich nicht getraut, einkaufen zu gehen, oder zu telefonieren. Wenn ich mich dazu durchgerungen habe, dann weil man sowas lernen muss, wie Mutter immer sagte.

Das zog sich so stark hin bis zur 10. Klasse. Dort habe ich es durch lange Gespräche mit einem guten Freund geschafft, etwas Selbstvertrauen aufzubauen.

So viel, dass ich es nun immerhin schaffe, ins Ausland zu gehen!

Leider blieb mir immer etwas anderes haften: Angst, die Leute zu enttäuschen. Nicht gut genug zu sein. So dass ich es nicht wert bin, dass mich jemand mag. Dadurch mache ich mir selbst immer enormen Prüfungsdruck. Prüfungsangst die Folge! Damit ich wenigstens durch Leistungen zeigen kann, dass... ja, was eigentlich?

Ich habe solange ich zurück denken kann immer schon so merkwürdige Anfälle gehabt. Vor allem wenn ich mit anderen verreiste, in der Jugendherberge, im Urlaub, bei Übernachtungen bei Freunden... oder auch nur wenn wir zusammen einen Film gucken... oder im Kino. Es wurde mir irgendwie immer schlagartig übel, ganz tief im Magen, es kam dazu so ein komisches Klirren in den Ohren. Übergeben musste ich mich nie, auch wenn es unzählige Male vorkam! Ich weiß nicht, wieviel Zeit ich im Bad verbracht habe, oder wie angewurzelt an der Stelle saß, um mich ja nicht zu bewegen. Mitkriegen sollte das ja niemand.

Vor allem nachts trat das auf.

Und auch jetzt, wo zumindest diese sozialen Ängste doch endlich überwunden waren, liege ich vor allem nachts im Bett und dann schnellt der Puls in die Höhe. Da dreht sich der Magen um. Es rauscht in den Ohren.

Ich weiß nur eins: ich muss mich jetzt hinsetzen, reagieren, dafür bereit sein. Wofür genau weiß ich nicht. Ich habe auch lange gebraucht bis ich mir selbst dazu dachte: das ist wie mini Panikattacken. Genauer gesagt wurde mir das erst klar, nachdem ich die erste richtige Attacke hatte. Vor ca. einem Jahr war das. Etwas mehr als einem. Da, wo die kleinen Anfälle schon so häufig waren.

So war also der Stand Anfang dieses Jahres. Allgemein ging es mir besser, ich konnte gut mit Leuten sprechen, auch wenn ich bei Freunden und Freundesanwärtern immer das Gefühl hatte, dass ich ihnen irgendetwas beweisen müsste. Aber damit kann ich leben! Das ist ja nichts allzu schlimmes, denke ich.

Aber dann diese Episoden... natürlich hat davon nie jemand erfahren. Immer wenn ich vorsichtig das Thema mit Freunden, Familie ansprechen wollte wurde da schon so missgläubig drauf reagiert. Das führte ich dann nicht weiter aus. Dem Arzt habe ich auch nie davon erzählt. Ich dachte mir immer das sei schon nicht so schlimm, es ging ja immer wieder weg.

Das ganze sehe ich mittlerweile als Nährboden für das an, was dann alles kam.

In diesem Jahr ging es los mit meiner Angst vor Krankheiten. Das schlimme ist: zum Teil ist es begründet. Zu anderen Teilen nicht - denn ich weiß auch, dass ich schon früher körperliche Symptome durch meine Angst hatte. Zum Beispiel diese Übelkeit. Aber was ist psychisch, was ist wirklich physisch? Woher soll man das jemals wissen?

Lange Rede, kurzer Sinn - nun kam die Endometriose. Wer es nicht weiß: das ist eine Krankheit, die sich sozusagen nicht heilen lässt. Man kann nur versuchen, sie durch die Pille und/oder Operationen einzudämmen. Aber man kann eigentlich gar nicht vorhersehen, wann das passiert. Und ob es überhaupt passiert. (Und dann kommt noch dazu, dass ich die tolle Hormonbombe Pille schlucken muss.)

Es kam nur irgendwie so plötzlich!

Und ab da... im Moment weiß ich einfach nicht mehr. Da fing ich an, im Internet zu suchen. Mir Wissen anzulesen. Probleme mit der Verdauung hatte ich immer schon. Jetzt ist es um einiges schlimmer. Aber liegt es daran, dass die Krankheit weiter fortgeschritten ist, oder weil ich weiß, dass sie existiert? Herausfinden kann man das auch nur, indem man operiert. Was die wegen meines Alters nicht machen wollen. Verzwickte Situation - so weiß ich doch niemals, was es ist!

Von da hat es sich nur gesteigert, mittlerweile bis zu allen möglichen Kleinigkeiten.

Und nun liege ich hier alleine im Dunkeln im Bett und tippe diesen viel zu langen Text der wie mir scheint auch auf gar nichts hinausführt in mein Handy. Fast jeden Tag packt mich aus dem Nichts irgendwie die Angst. Was ist, wenn jetzt was ist...? Mein Bauch tut weh, was ist wenn es der Darm ist? Meine Büste tun weh, was wenn ich durch die Pille jetzt Zysten habe? Oder Brustkrebs sich entwickelt hat? Was wie ich mir denke eigentlich Quatsch ist, das kann halt mal ziehen und drücken, vor allem mit der Pille. Kann aber nicht aufhören, drüber nachzudenken.

Jede Nacht liege ich auf dem Rücken, starre ins dunkle Nichts. Auf der Seite liegen tut weh, macht mich übel. Vielleicht auch nur die Angst. Ich spüre den Puls in meinem Körper, manchmal in den Armen, Beinen, in den Ohren. Ganz schlimm wenn ein Ohr auf dem Kissen liegt.

Ist das nur die Angst, oder habe ich Bluthochdruck? Vielleicht stimmt was mit dem Herzen nicht?

Heute bemerkte ich, dass meine linke Wade wieder so hart ist. Moment mal - die andere nicht! Und das kam schon öfter vor. Ob das wohl normal ist...?

Dank Dr. Google habe ich nun gerade panische Angst vor einer Thrombose. Pille und so! Und ich überlege, ob ich hier nun doch zum Arzt gehen soll... obwohl mir hier schon letztes mal klar gemacht wurde, dass ich hier nicht allzu willkommen bin... Oder warten, bis ich wieder zuhause bin? Was, wenn ich bis dahin eine Lungenembolie bekomme? Und sterbe, hier in der allumfassenden Dunkelheit. Alleine.

Seitdem ich mich darüber informiert habe zwickt es auch so komisch im Bein. Und es fühlt sich an als würde es vibrieren. Ein bisschen ist es auch wie vor einem Krampf. Mir ist kalt, trotz Wintersachen, ich zittere ein wenig. Schwindelig wird mir auch, und da sind so schwarze Punkte. Ist das Teil nun weitergewandert, sterbe ich jetzt? Irgendwann rede ich mir ein, dass es nur Einbildung war. Irgendwann. Zurück bleibt ein Zucken im ganzen Körper.

Was ist wahr, was ist es nicht? Da ist ganz offensichtlich psychisch irgendwas bei mir nicht top, aber ich kann auch offensichtlich nicht alles darauf schieben. Und das macht nur noch mehr Angst. Dann liege ich hier und will einfach nur nach hause. Einfach nur weg, weg, weg, irgendwohin wo alles gut ist.

Auch wenn mich dort auch niemand wirklich versteht - oder verstehen will. Auf die psychischen Aspekte mag ich erst gar nicht eingehen. Auch der Freund will irgendwie nicht zuhören.

Man fühlt sich schon total allein gelassen bevor man das Thema überhaupt ernsthaft angesprochen hat.

Manche Tage liege ich hier einfach nur im Bett und mache ein paar Stunden gar nichts. Das kommt nicht häufig vor, aber tut es. Die Angst allerdings, die verfolgt mich gerade Schritt für Schritt...

Es tut mir leid, dass der Text jetzt so lang geworden ist. Und dass es teilweise vielleicht nicht komplett in dieses Forum passt (? wegen der endo und so?). Ich habe tatsächlich noch nie viel in Foren geschrieben... Vermutlich ist es auch zu lang für eine pure Vorstellung. Und, und, und, aber wenn ich mir jetzt auch noch daeum Gedanken mache komme ich niemals zur Ruhe!

Ich wollte es jetzt einfach mal niederschreiben. Und in Zukunft einen Ort haben, wo man sich immer mal austauschen kann.

Es ist gerade halb sechs Uhr morgens und mittlerweile bin ich nicht mehr panisch. Das Herz schlägt normal. Nur etwas kalt ist mir noch. Besser als diese ununerträgliche Hitze mittendrin... Auch wenn ich noch nicht weiß - morgen zum Arzt oder nicht? Morgens denke ich immer anders darüber als abends.

Was jetzt gerade bleibt ist die Traurigkeit über alles, und warum es nicht einfacher sein kann...

Aber. Trotz allem liebe Grüße. Ich mag euch ja jetzg nicht vergraulen nur weil ich gerade besonders schlecht drauf bin

15.12.2014 05:28 • 15.12.2014 #1


2 Antworten ↓


Guten Morgen Himbeere,
ich hoffe, Dir geht es in der Zwischenzeit besser. Ich bin heute früh aufgestanden und habe wieder einen starken Druck auf dem Brustkorb. Ich bin auch noch am herausfinden, woran das liegt.
Ich habe ebenfalls Endometriose. Am 19.12. wird es ein Jahr, dass ich operiert wurde.Also kann ich gut verstehen, dass Du dir Gedanken um diese Erkrankung machst.
Ich wünsche Dir einen schönen, angstfreien Tag.
LG

15.12.2014 06:47 • #2


Hallo 1234,

danke für die Antwort und ja, heute geht es mir schon etwas besser. Bin morgens nicht zur Uni, weil ich einfach zu kaputt war - vielleicht hätte man es tun sollen, der Ablenkung wegen. Aber jetzt sitze ich hier vor der Hausarbeit, vielleicht versuche ich nachher Sport zu machen um das ganze mit dem Bein zu überwinden.

Oh, das tut mir aber leid, dass du schon operiert wurdest. Hattest du solche Ängste denn auch schon vorher, oder kam das auch erst durch die Krankheit so richtig in Schwung?

Einen schönen Tag wünsche ich auch dir!

15.12.2014 14:34 • #3




Dr. Matthias Nagel