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...und weiß einfach nicht mehr weiter.
Hallo liebe Alle,
ich bin neu in diesem Forum. Ich habe ein Selbsthilfeforum gesucht, weil ich in meiner engeren Umgebung keinen habe, mit dem ich so wirklich über mein Problem beziehungsweise meine Probleme sprechen kann. Mein Mann reagiert zwar sehr verständnisvoll und unterstützt mich, so gut es geht, andererseits will ich ihn auch nicht übermäßig belasten. Ich befinde mich zwar in Therapie, aber habe trotzdem das Gefühl, mich im Kreis zu drehen.
Von vorne: Ich habe bereits eine Angst- und Panikvorgeschichte. War aber lange Jahre dazwischen auch völlig angstfrei. Das Ganze fing wieder damit an, dass ich im letzten Jahr einen Leukämieverdacht hatte, der sich glücklicherweise nicht bestätigte. Doch von dem ersten Verdachtsmoment an bis zur endgültigen Diagnose, nämlich Pfeiffersches Drüsenfieber (!), verging fast ein halbes Jahr. Weshalb das so gelaufen ist, ist unheimlich komplex, zu komplex, um das alles aufzuschreiben.
Jedenfalls, wenige Wochen nachdem zum ersten Mal der Leukämieverdacht aufkam (und dann vorläufig zerschlagen wurde, allerdings wurde keine weitergehende Diagnostik gemacht) hatte ich meine erste Panikattacke seit vielen, vielen Jahren. Obwohl, das stimmt so auch wiederum nicht: Auch in meiner angstfreien Zeit hatte ich hin und wieder Panik, konnte diese jedoch gut einsortieren (körperliche Veränderung aufgrund von Flüssigkeitsmangel, Anspannung, Hunger etc. pp.), aber dieses Mal gelang es mir nicht.

So fing, wie gesagt, alles wieder von vorne an. Derzeit vergeht kein einziger Tag, an dem ich nicht Angst habe, die mir wie ein wildes Pferd davon galoppiert. Hinzu kommt: Ich bin auch körperlich nicht fit. Ich muss Ende November ins Krankenhaus, weil mein linkes Bein taub ist, kribbelt, schmerzt- vermutlich Bandscheibe. Zusätzlich bekam ich eine Infektion im Gesicht. Ebenfalls mit Kribbeln, Juckreiz usw. Aus diesen beiden Dingen bastele ich dann Krankheiten wie: Multiple Sklerose (es ist unklar, ob meine Urgoßmutter daran gelitten hat, von meiner Familie bekomme ich missverständliche Mitteilungen darüber), Hirntumor, bevorstehender Schlaganfall, und und und.
Mit teilweise allerletzter Kraft kriege ich meinen Alltag bewältigt, aber durch die ständige Angst hat sich auch die Depression mal wieder eingeschlichen und liegt wie ein dauernder Felsbrocken auf mir.

Irgendwas hatte sich im letzten Jahr in mir verändert. Natürlich, die konkrete Angst vorm Sterben durch einen Leukämieverdacht. Beziehungsweise nicht vorm Sterben, sondern vor einem Leben, welches stark eingeschränkt wird, an dem am Ende irgendwann das Sterben steht. Aber es ist auch etwas anderes. Selbst in meinen finstersten Zeiten, und davon hatte ich in meinem Leben genug, hatte ich immer noch so etwas wie Zuversicht und Hoffnung. Selbst damals, als ich zum ersten Mal unter einer Angststörung litt. Aber jetzt.... Da ist nichts mehr davon und ich merke, wie ich langsam aufgebe und mich im Kreis drehe.
So, das ist für einen ersten Beitrag sehr lang geworden und ich weiß auch nicht so wirklich, was ich erwarte... Verstehen? Ja, vielleicht.
Lg

17.11.2012 08:38 • 18.11.2012 #1


3 Antworten ↓


Liebe Aziza,

verzweifle nicht, gib nicht auf, wir sind hier alle mehr oder weniger mit quälenden Gedanken geschlagen, ich weigere mich aber, das als schicksalsgegeben hin zu nehmen.
Ich habe im Grunde auch kaum noch Kraft gegen an zu gehen, weiß aber, dass es der einzige Weg ist. Nicht sinnlosess Kämpfen, das meine ich nicht, mehr ein Ja, das ist ein Teil von mir und der Rest, der kommt jetzt mal richtig in Fahrt,
Klinke dich hier in die threads mit ein, du wirst davon profitieren!

Liebe Grüße,

Charly

17.11.2012 18:36 • #2



Ich drehe mich im Kreis.

x 3


Wünsch dir viel kraft. Mir geht's auch mal total gut dann wieder Sterbens schlecht

17.11.2012 19:16 • #3


Ihr lieben Beiden,

ich habe mich sehr über eure mitfühlenden und aufmunternden Worte gefreut. Ja, Charly, ich denke, eines meiner Hauptprobleme ist derzeit, dass ich meine Angst nicht mitteile, sondern sie in mich hineinfresse und weiterhin funktioniere.
Ich würde euch gerne noch dazu etwas schreiben, wie ich meine Ängste beim ersten Mal in den Griff bekam. Vielleicht hilft es irgendjemand anderem hier, darüber zu lesen. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass es damals die richtige Strategie gewesen ist, nur derzeit hilft sie mir nicht, sie scheint nicht zu passen.
Damals wurde mir irgendwann bewusst, dass ich mich in einer schwierigen und angsterzeugenden Lebenslage befand. Mit einem Mal konnte ich meine Angst als etwas identifizieren, was mich davor schützt und abhält, mich mit meinen konkreten, angsterzeugenden Problemen auseinandersetzen zu müssen, weil diese ansonsten zu gewaltig und übermäßig erschienen wären. Ich habe mir nicht zugetraut, mein Leben in die Hand zu nehmen und diese Probleme anzugehen. Das hatte auch viel damit zu tun, was ich von zu Hause aus als Botschaften mitbekommen habe (Versagerin taugst nicht aus dir wird nie was kannst nichts waren nur die Spitze des Eisbergs alltäglicher Nettigkeiten).
In den folgenden Jahren, wenn ich Angst bekam, habe ich hingesehen: Wovor habe ich jetzt eigentlich konkret Angst? Ist es wirklich die Angst, zu sterben oder an irgendeiner vermeintlichen Erkrankung zu leiden, oder ist es vielmehr mal wieder ein konkretes Problem, welches ich meine, nicht bewältigen zu können? Und in der Regel war es so, es hat einiges an Disziplin erfordert, dort hinzusehen und sich dann diesem Problem zu stellen, aber irgendwann hatte sich das so weit verselbstständigt, dass ich die Angst nicht mehr gebraucht habe, weil ich mir sicher war, egal, welches Problem es ist, ich habe die Kraft, es zu lösen!

Diesmal ist es anders. Deshalb drehe ich mich vermutlich auch im Kreis und meine alte Angststrategie fällt nicht auf fruchtbaren Boden. Denn Tatsache ist: Ich bin mit meinem Leben, so wie es ist, nicht unzufrieden oder habe Probleme, die mich überwältigen, auch keine unverarbeiteten. Natürlich knarzt es dann und wann mal im Gebälk, aber bei wem ist das nicht so?

Da ich mich viel mit Traumatisierungen auseinandersetze (berufsbedingt) denke ich, dass im letzten Jahr durch diesen Leukämieverdacht bei mir ein altes Trauma reaktiviert worden ist.
Ich hoffe, dass auch ich in diesem Forum ein wenig beitragen kann für andere, während mir selber aktuell der Durchblick fehlt.
Gestern war ich angstfrei.

Lg

18.11.2012 08:22 • #4




Prof. Dr. Heuser-Collier