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Kaiser
Unabhängig von jedweden Animositäten von Mitgliedern untereinander, möchte ich mit diesem (meinem letzten) Beitrag einmal ein klein wenig zur Diskussion und zum Nachdenken anregen. Wer sich leicht triggern lässt und schnell in Panik verfällt: Sollte bitte nicht weiter lesen.

Es geht insgesamt darum, dass man als Hypochonder natürlich schnell in Panik gerät, wenn der Körper nicht so funktioniert wie er soll. Dem zu Grunde liegt wahrscheinlich eine unbändige Angst vor dem Tode aber auch ein gewisser Kontrollzwang. Der Körper kann nicht bis ins letzte kontrolliert werden - wenn er krank werden will: Wird er das. Vor manchen Krankheiten kann man sich nicht schützen: Die kommen. Aber auch die ständige Angst vor Krankheiten kann krank machen und Krankheiten begünstigen. Das Immunsystem ist geschwächt da man ständig unter Anspannung steht. Das macht die Türen weiter auf für diverse Krankheiten.

Das Problem an und für sich ist: Zwar sind Hypochonder die Menschen die am häufigsten beim Arzt hocken (und gerade dort holt man sich die meisten Krankheiten ab, meist in stickigen Wartezimmern oder Notaufnahmen) und man eigentlich glauben müsste: "Keiner ist so gut untersucht wie Sie!", nur: Man kann auch "krank untersucht" werden. Es gibt keinen gesunden Menschen, es gibt nur zu wenig Ärzte die zu wenig untersucht haben. Irgendwo wird irgendwer immer etwas haben was von der Norm abweicht. Was ist die Norm? Bestimmt das die WHO? Alleine die Cholesterinwerte sind in den letzten 20 Jahren immer mehr verschärft worden. Was vor 20 Jahren noch okay war, gilt heute plötzlich als lebensbedrohlich.

Die Medien geben uns den Rest: Ebola hier, Schweinepest da, Bilder von Krankentransporten mit Polizeischutz. Dieses, Jenes oder Solches darf man nicht essen, trinken oder benutzen. Das Mittel kann Krebs machen, die Zahnpasta kann Allergien auslösen, Chemie selbst in Bio-Gemüse kann Reaktionen hervorrufen. Das Problem ist weniger die ständige, potentielle Bedrohung sondern die Gedanken die man sich darum macht.

Und jetzt kommt das eventuell wirklich gefährliche:

Wenn man wie ich irgendwann sagt: "Kein Bock mehr auf diesen Schwachsinn", dann hört man vielleicht nicht mehr so genau auf die Signale des Körpers. Da wird nicht mehr jedes Zwacken überpanisch bewertet sondern man sagt sich: "Ja, komm, nun ist gut, lass es zwacken!". Ein Bekannter (starker Hypochonder) hat das ebenso gehandhabt... bis er mit einem Herzkasper umgefallen ist und noch so gerade gerettet wurde. Mit 30! Kerngesund (angeblich), immer untersucht, 1 mal EKG im Monat (wie er das geschafft hat: Keine Ahnung). Und dann lag er da weil: "Ja, es zog so komisch vorher, aber das kannte ich noch aus meiner Angstzeit!

Bei mir ist es ein Knubbel auf der Zunge (ich berichtete darüber). Schon immer da, aber irgendwie nicht auffällig. Trotz regelmässiger Untersuchung kam nun die entsprechende Diagnose die alles anderes als lustig ist. Es geht nicht um Mitleid und ums Angst machen - aber (mit Blick auf die Admins): Auch SOLCHE Beiträge müssen in einem Forum erlaubt sein. Nicht nur der Schmusekurs mit Händchenhalten sondern auch die Realität des Lebens. Und zu der gehört die Angst nun einmal dazu.

NIEMAND in diesem Forum kann aufgrund von Schilderungen KLAR sagen: "Da ist nichts". Man kann nur Alternativen aufzeigen was es sein KÖNNTE. Ich möchte mich jedoch der Verantwortung nicht stellen zu sagen: "Komm, sicher, das ist nur ein Pickel, bleib mal ruhig zu Hause". Wer einen Panikschub hat, klammert sich an jeden Halm - manchmal sind die Halme jedoch zu dünn, zu brüchig, nicht fest genug. Ergo kann und möchte ich als Fazit zum Besten geben:

Passt auf Euch auf! Lernt vertrauen in den Körper zu finden. Es kann nicht lebenswert sein ständig Attacken zu schieben, immer in sich rein zu hören. Fast so als denke man: "Wenn ich das irgendwann nicht mehr mache, dann pass auf, dann werde ich richtig krank!". Bei mir war es so. Aber: So what? Ändern kannst Du es nicht. Die Dauerpanik schützt nicht vor Krankheiten - im Gegenteil: Sie macht krank!

Lernt Leben - mit allen Gefahren die da nun mal dazu gehören. Auf eventuelle "Differenzen" oder von bestimmten Personen diffamierende Beiträge gehe ich nicht weiter ein, weil dies mein letzter Beitrag in diesem Forum ist. Für mich ist diese ständige hinterfragen der Glaubwürdigkeit ebenso wenig gewinnbringend wie das "Bekuscheln" von allen Seiten. Das hat mit Realität und Leben: Wenig zu tun. Für mich.

In diesem Sinne....

26.10.2014 10:43 • 26.10.2014 x 1 #1


2 Antworten ↓


Heller_Wahnsinn
Also ich kenne niemanden, der per Ferndiagnose sagt, das ist das und das, und deswegen musst du nicht zum Arzt rennen. Wenn ich etwas lese, was mir bekannt vorkommt, dann schreibe ich, was es bei mir war, was ich mir vorstellen könnte, was es beim anderen ist, aber dass er das beim Arzt abklären soll. Sich aber bis dahin keine Panik machen sollte, weil es sehr viel wahrscheinlicher das und das ist.

Zitat:
Wenn man wie ich irgendwann sagt: "Kein Bock mehr auf diesen Schwachsinn", dann hört man vielleicht nicht mehr so genau auf die Signale des Körpers. Da wird nicht mehr jedes Zwacken überpanisch bewertet sondern man sagt sich: "Ja, komm, nun ist gut, lass es zwacken!". Ein Bekannter (starker Hypochonder) hat das ebenso gehandhabt... bis er mit einem Herzkasper umgefallen ist und noch so gerade gerettet wurde. Mit 30! Kerngesund (angeblich), immer untersucht, 1 mal EKG im Monat (wie er das geschafft hat: Keine Ahnung). Und dann lag er da weil: "Ja, es zog so komisch vorher, aber das kannte ich noch aus meiner Angstzeit!


Das halte ich für durchaus möglich.

Zitat:
Passt auf Euch auf! Lernt vertrauen in den Körper zu finden.


Das ist für jemanden mit Krankheitsängsten eigentlich eine unlösbare Aufgabe - finde ich. Entweder ich passe auf und habe mehr oder weniger Angst, oder ich vertraue dem Körper und habe keine Angst, passe aber auch nicht auf (wozu das Beobachten gehört). Vermutlich ist es einfach so, dass Menschen mit Krankheitsängsten einfach nicht das richtige Maß finden können - sonst hätten sie ja keine solche Ängste, die fast immer unbegründet ist. Geht jemand mit Bauchschmerzen zum Arzt und der findet nichts, wird es auf die Psyche gebucht, geht er mehrfach zum Arzt, wird er als Hypochonder abgestempelt. Ginge dieselbe Person mit denselben Symptomen zum Arzt und der Arzt würde etwas finden (muss ja nichts Schlimmes sein), wird es nicht auf die Psyche gebucht und man wird auch nicht als Hypochonder eingestuft.

26.10.2014 11:05 • #2


Hallo Kaiser,

auch von mir für dein weiteres Leben alles Gute!

Gerd

26.10.2014 11:13 • #3




Dr. Matthias Nagel