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Hallo,

ich brauche eure Hilfe.
Ich studiere Grafikdesign und mache ein Buch / Heft / Plakate über Hypochondrie.
Nun frag ich mich was ihr interessant / spannend fändet in diesem Buch zu lesen.
Findet ihr, dass das Buch beruhigen soll, oder eher anderen zeigen soll wie euer Alltag aussieht und welche Fragen ihr euch so stellt?
Ich wäre sehr dankbar wenn ihr mir helfen könntet da ich gerne etwas machen würde, das euch oder den außenstehenden was bringt.

Viele Grüße
nemue

20.11.2014 13:08 • 23.11.2014 #1


17 Antworten ↓


Carcass
Hallo nemue

Also ich sage es dir als echter Hypochonder. Das Buch trüge zur Beruhigung bei, wenn man es schafft sich selber über seine Symtpome lustig zu machen und ich wollte darüber auch immer Bücher schreiben. Viele Prominente haben das schon getan, aber wenn ein Comedian das schreibt , dass es wie bei Cordula Stratmann ein Teil des Lebens wird, dann liest sich das schon gut an. Also ich persönlich weiss ja dass ich nichts habe , aber ich bekomme immer sofort die Empathiesymptome par excellence. Also wenn du Fragen hast, hier ist der Experte in Sachen Krankheitsangst und Umgang damit

20.11.2014 13:18 • #2



Design Projekt Hypochondrie

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Danke . Gerne können wir uns unterhalten.
Ich bin ja außenstehende.. ich habe keine Ahnung wie es ist als Hypochonder zu leben. Was für Alltagsprobleme man hat und welche Ängste. Ich weiß nicht ob das drüber lustig machen der richtige weg für mich ist. Aber eine reine Infobroschüre will ich auch nicht machen. Könnte man sich vorstellen ein Buch zu machen, was die Leiden widerspiegelt? also dass der Leser die Horrorszenarien selbst spürt oder wäre es eher besser was für betroffene zu machen. Nur wäre ich kein Psychiater um euch wirklich beruhigen zu können noch bin ich selbst betroffen um darüber berichten zu können.
Ich möchte auch keinen Betroffenen, der das Buch liest, erneute Ängste durchleben lassen .
Schwierig.. wie man so ein Thema in einem Design-Buch widerspiegeln kann

20.11.2014 13:27 • #3


Carcass
Na ich gebe dir ein Beispiel für meinen Tagesablauf, also wie es auch schon mal vorkommt, klar ist das nur noch selten, aber in schlimmen Phasen dann geht das in etwa so:

Morgens aufgestanden, Kaffee getrunken , leichter Schwindel...Bestimmt vom Koffein verdammt, schnell Blutdruck messen, oje 140/90, ich werde einen Infarkt bekommen. Der Magen bekommt auch sein Fett ab von der Angst des Infarkts und da ich durch gefüllten Darm auch alle grippeähnlichen Symptome habe, schnell mal entleeren. Dusche angestellt und da ist der Schwindel wieder, klar der Blutdruck wieder und einen Schlaganfall unter der Dusche ist Mist, dann knalle ich mit dem Kopf auf die Steine und hole mir eine Gehirnblutung und ne fette Beule. Was mache ich nun ? Gehe ich zum Arzt, oder erstmal arbeiten fahren oder einfach die Decke auf den Kopf fallen lassen?
Ich entscheide mich dafür zumindest ein Rezept abzuholen beim Doc und dort muss ich 2 Minuten warten, um mich herum nur Kranke und ich kann die Inkubationszeit von 48 Stunden schon in den Gliedern spüren. Endlich bin ich wieder raus, ab zur Apotheke.....schei. wieder voll und wieder diese verdammten kranken Menschen....Endlich habe ich meine Medikamente, erst mal Meersalzspray benutzen damit die Viren rauskommen aus dem Kopf und die Bonbonss bloß nicht mit den Händen nehmen wo ich vorher die Klinken noch anfasst.

Endlich kann es Richtung Arbeit gehen und Autofahren ist doch eine gute Sache und lenkt mich ab, also denke ich doch lieber an die Viren der Apotheke und des Arztes. Auf der Arbeit angekommen erst mal schnell googeln und die Hände desinfizieren. Das trocknete noch nicht und ich brauchte endlich ein Bon Bon, habe ich jetzt was verschluckt von dem Mist? Lebensgefährlich? Mist, erstmal beim Giftzentrum Köln anrufen und mich beruhigen lassen. Mir wird schwindelig, der Hals brennt, der Kopf schmerzt und dann die Erlösung "Kein Problem, das müssten sie schon trinken"...Puuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuhhhh

Im Büro ist die Heizung ausgefallen und es ist draußen Minnus 5 Grad, drinnen gefühlte 0 Grad, oje eine Erkältung wird mich ereilen, ich werde wieder Wochen lang im Bett bleiben und kann nicht zum Fussball, nicht um Essen , nicht in die Kneipe. schei., hab mich doch so auf das Wochenende gefreut und es ist erst Donnerstag, was mache ich morgen bloß wenn ich mit Fieber flach liege?

Der Tag hab Höhen und Tiefen und gegen 17:00 fahre ich dann endlich wieder nach Hause. Da angekommen, raus aus den Klamotten, Nase spülen, Hände desinfizieren und erst mal was essen. Müde, erschlagen, TV schauen und abwarten dass die Grippe mich nicht erwischt. Und da ist wieder der Gliederschmerz, der Kopfschmerz und der Schwindel...ich messe den Blutdruck, der liegt bei 120/83 und der Puls haut mir mit 110 die Hirnrinde weg. Infakrt oder was ist das wieder, 24 Stunden EKG muss wieder her und auch eine BD Messung. Blutentnahme wichtig, aufhören zu rauchen, weniger Trinken, ich werde mich einfach bessern.
Vor dem TV friere ich wie verrückt und denke "Oje morgen früh zum Doc und krankschreiben lassen", aber ich muss doch morgen Abend essen gehen und am Samstag ins Stadion. Ich gehe zu Bett mit dem Gedanken "Das war´s , morgen bin ich krank".....Die nacht verläuft erstaunlich gut, ohne Tavor, ohne Alk. und ohne Gedanken und ich werde Freitag wach und es geht mir gut "Gott sein Dank, das Wochenende ist gerettet und innerhalb von 3 Stunden werde ich nun nicht totkrank, oder doch? Nein, heute nur Bürodienst und sobald ich das erste B. an der Schnute habe ist eh alles super. So ist es dann auch wie fast jedes Wochenende, steiger mich die Woche in die Krankheit und am Wochenende ist es dann verflogen.

Klingt sicherlich verrückt und anstrengend und weisste was, das ist auch anstrengend und verrückt. Aber so bin ich und es ist viel viel besser geworden, denn wenn ich krank bin, schaue ich Fussball daheim, bestelle Pizza statt essen gehen und spare auch noch viel Geld weil so ein Stadiontag unter 200 Euro nie vergeht mit Karten und so. Hypochondrie ist erlernbar, erleichterbar und geht auch mal weg, aber langweilig wir einem Hypochonder nie, nicht einmal wenn er ja weiss, dass andere um ihn herum auch therapiert werden wollen und denen dichtet man dann schnell auch alles an Symptomen an, was sie alles bekommen und haben könnten...


In dem Sinne...Gesundheit

20.11.2014 13:41 • x 1 #4


Das kann man sich gar nicht vorstellen. Klar google ich auch hin und wieder mal Symptome um überhaupt zu verstehen was da vor sich gehen könnte. Oft jedoch war es bei mir eher beruhigend, da ich keine Negativen bwz. positive dinge gefunden habe.
Deshalb verstehe ich gar nicht warum Hypochonder sich das schlimmste google Ergebnis raussuchen was sie finden können.
Wie lässt es sich denn vereinbaren Hypochonder zu sein und zu arbeiten?
Ich stell mir das sehr schwierig vor, wenn man ständig zum Arzt muss.
Gibt es denn bestimmte Muster bei dir die sich wiederholen?.. also desinfizierung z.B. oder wie ist das beim Einkaufen, Reisen usw. gibt es Dinge die du immer wieder gleich machst, damit es dir besser geht?
Können Hypochonder alle Krankheiten haben? Oder haben viele doch die selben Symptome?

20.11.2014 13:53 • #5


Wenn jemand anderes seinen Alltag mir beschreiben möchte, wäre ich wirklich sehr dankbar. Ich fände es spannend diese Geschichten in meinem Buch zu zeigen. Natürlich ohne Namen. So bekommt man eine Vorstellung vom Leben der Hypochonder.
Gerne könnt ihr mir auch eine PN schreiben, wenn ihr eure Geschichte nicht hier erzählen wollt.
Lg

20.11.2014 14:24 • #6


Carcass
Hypochonder können natürlich auch echt krank werden , so wie ich nun eine Bronchitis hatte und diese Krankheit war schon extrem mit Schmerzen verbunden und schlaflosen Nächten, aber ich nahm es so hin.

Kaum sagt mir einer "Ich habe Halsschmerzen" bekomme ich sofort auch ziehen im Hals, ich bilde mir die Symptome ja nicht ein.Die Symptome sagen dem Hirn aber "MUAHAHAHA du wirst krank", bis ich dann abgelenkt bin, dann sage ich "Du kannst mich mal"! Das war aber wie ich schon schrieb ein langer weg und jeder Hypochonder braucht keinen der ihn auslacht, denn er ist fest davon überzeugt totkrank zu sein. Und wenn er dann wirklich was hat, dann isses ihm wurscht

20.11.2014 16:36 • #7


worum geht es denn eigentlich in deinem projekt? ich meine, du bist nicht betroffen und hast keine zielgruppe. warum ausgerechnet das thema hypochondrie?

20.11.2014 16:41 • #8


Ich finde das Thema einfach interessant, zudem ist es auch wieder sehr aktuell durch Ebola, Lebensmittelunverträglichkeit und schon seit einiger zeit auch durch Dr. Google.
Ich lese gerade einige Geschichten von berühmten Hypochondern.. wie ihr leben so aussah und wovor sie Angst hatten.
Ich habe das Thema nun schon einige Wochen recherchiert.. bin auf viele verschiedene dinge gestoßen, aber bin mir einfach total unsicher was ich damit machen soll.
Am spannendsten finde ich die Alltagsgeschichten von Hypochondern.. wie sie leben und mit was sie kämpfen jeden tag. Das kann sich ja kein Außenstehender vorstellen.. diese belächeln Hypochonder eher… Filme wie Super-Hypochnder pushen natürlich das verhalten.
Deshalb fänd ich es schön wenn ich von einigen von euch ein paar Geschichten bekommen würde. Einfach einen Tag beschreiben.. worauf ihr achtet und was dabei euch durch den Kopf geht.
Hypochondern werde ich damit nicht wirklich helfen können, da ich kein Psychiater bin aber anderen einen Einblick verschaffen geht schon.

20.11.2014 17:47 • #9


amelie2020
Mein Tages Ablauf auf stehen merke rückenschcmerze. Oh verdammt Bandscheiben Vorfall dann sofort Gymnastik
Kaffee Darm Beschwerden schei. margen darm
Auf weg zur Arbeit mit mama telefonieren und beruhigen lassen
1 h später bein tut weh schei. durch einen Thrombose werde morgen nicht mehr aufwachsen
Das geht dann den ganzen Tag
Dann im auto Gedanke schlimm von 120 auf 80 dann Angst beim auto fahren zu sterben
Daheim essen 30 mal kauen kannst ja ersticken dann schlafen und morgen dann was anderes

20.11.2014 19:47 • #10


Carcass
Ja der gute alte Bandscheibenvorfall, die Hände kribbeln, der Rücken schmerzt und man kann sich kaum bewegen und es zieht ins Bein. Das hält sich aber auch manchmal sehr lange und bis ich dann einmal alles selber einknacke, dann ist wieder gut

21.11.2014 09:33 • #11


Vielen Dank ! Ich freu mich wirklich über jeden der was zu erzählen hat. Ihr könnt auch gerne richtig ausschweifen.. wirklich eure Gedanken und spezielle Momente aufgreifen und genauer beschreiben, Zitate von Personen um einen herum z.B. oder wie es ist zum Arzt zu gehen, was der dann tut und sagt.. und ob dann auch mal wirklich was ernsthaftes war.
Was ich mich noch frage ist, wie es der Körper so weit schafft die schmerzen wirklich auch zu produzieren. Klar es ist auch so, dass der schmerz schon vorher da ist, aber als Hypochonder kann man das Gefühl ja auch verstärken und Symptome hervorrufen.

21.11.2014 11:34 • #12


Carcass
Also ich kann mich in jedes Symptom reinsteigern, kann mir ohne Probleme 38 Grad Fieber herbeihypochondrieren und das geht dann wieder runter mit der Zeit. Dann friere ich und steiger mich in die Schmerzen , sei es das Ohr , der Hals oder sonst wa. Seit 3 Jahren keine Mandeln mehr, aber die Angst des Schmerzes ist ja eingespeichert auf der Festplatte. Eine gewisse Erwartungshaltung gegenüber der Angst ist eben immer wieder da und dann entstehen die Symptome. Das sind alles so Dinge , die eben entstehen, auch je ruhiger ich mein Leben gestalte. Daher ist es so wichtig immer aktiv zu sein, viel zu unternehmen , sich abzulenken und alles sinnvoll zu leiten! Spaziergänge im Winter sind besser, als am Ofen zu sitzen und da kannste darauf warten, dass du "krank" wirst oder Symptome auftreten.

21.11.2014 11:44 • #13


Also ist es wie eine Festplatte, die Schmerzen speichert, die man im Laufe des Lebens gespürt hat und diese dann mit einer möglichen Krankheit verbindet, die man irgendwo aufgegriffen hat?
Oder kann man auch aufeinmal schmerzen / Probleme haben, die man davor noch nie in irgendeiner Art gespürt hat?

21.11.2014 11:52 • #14


Carcass
Also man bewertet sie anders. Früher wenn ich einen Kater hatte, dann hatte ich Kopfschmerzen, Herzrasen und mir war schlecht.....Jetzt ist es nen Hirntumor, Infarkt oder eben Magendarmgrippe. Die Bewertung ist es die in der Verhaltenstherapie verändert werden soll und das klappt schon . Aber die gespeicherten Daten sind wie im Internet, nie verloren und das Gehirn erinnert sich eben daran zurück, dass es mal so oder so etwas durchlebt hat. Auch positive Eigenschaften und Gerüche z.B. werden ja gespeichert. Ich dachte immer eine Festplattenlöschung durch Hypnose wäre toll, aber das ist alles nur Scharlatanerie!

21.11.2014 14:04 • #15


amelie2020
Also ich hatte so Angst vor Thrombose und man reded es sich so innerlich ein das man auch wirklich schmerzen bekommt .

21.11.2014 19:31 • #16


Carcass
Ja das ist normal, diese Schmerzen sind Phantomschmerzen oder einfach nur Muskelschmerzen durch die Verkrampung des Selbst. Hatte ich auch schon, wurde nen Gerinnungstest gemacht und dann war wieder gut. Eine Thrombose ist etwas, da sitzt man nicht mehr am Rechner und schreibt, sondern begibt sich mit Blaulicht ins KH

22.11.2014 09:18 • #17

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Ja das stimmt Thrombose ist schon noch mal ne Nummer härter. Kann man sich auch so krank denken, dass man zB wirklich ins Krankenhaus geliefert werden muss?
Gibt es auch Leute in eurer Umgebung die das gar nicht verstehen?
Kennt ihr noch Leute die Lust hätten ihren Tagesablauf zu beschreiben?
Ich suche drinnnngend noch welche :/.
Würd mich sehr freuen.. ansonsten werd ich mir doch was anderes überlegen müssen.

23.11.2014 20:13 • #18



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