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Ann95a
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Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich sage gleich Bescheid, dass ich vor ca. einem halben Jahr das Medikament Sertralin abgesetzt habe. Sertralin hatte ich nur wegen sehr starker Schlafstörungen eingenommen. Nicht wegen Ängsten oder Panikattacken. Nach dem Absetzen ging es mir einige Zeit furchtbar (Herzstolpern, Stromschläge. ) danach aber total super, ich war glücklich und hatte keinerlei Beschwerden!

Nun weiß nicht mehr, was ich machen soll, mir geht es seit ca. 3-4 Wochen nicht gut, meine Beschwerden sind mittlerweile nicht mehr auszuhalten, ich weiß nicht mehr, wie ich jeden einzelnen Tag überstehen soll. Ich glaube nicht, dass Sertralin noch der Auslöser ist, ich wollte es nur erwähnen.

Ich weiß nicht, ob meine jetzigen Beschwerden nun psychischer oder körperlicher Ursache sind. Zugegeben, ich war noch nicht beim Arzt, da ich mich schäme, zusätzlich habe ich Angst, in eine Klinik zu müssen, ich habe eine kleine Tochter, bin alleinerziehend, meine Familie interessiert sich nicht sonderlich für uns, ich wüsste nicht, wohin Sie sollte, sollte ich ein paar Tage weg müssen. Ich habe eine gute Freundin, die auch schon mehrmals auf sie aufgepasst hatte, allerdings ist Sie derzeit im Urlaub.

Ich fühle mich den ganzen Tag über verwirrt, benommen, nicht wirklich wach und anwesend, sobald ich am Morgen wach werde, geht es los. Mir graut es schon vor jedem Aufstehen. 🙁
Zusätzlich verspüre ich einen starken Druck im Kopf und Angst, mir ist immer wieder so übel, dass ich mich von jetzt auf gleich übergeben muss, wirklich von einer Sekunde auf die nächste, ich habe auch kaum noch Appetit. Zusätzlich habe ich mehrmals täglich das Gefühl, als würde ich jeden Moment umfallen. Diese Gefühl kommt schlagartig. Ich muss mich sofort hinsetzen und selbst dann verschwindet das Gefühl nicht.

Was momentan besonders schlimm ist und immer heftiger wird: Die Verwirrtheit und das Gefühl, nicht anwesend zu sein, total neben mir zu stehen. Es wird teilweise so schlimm, das ich denke, verrückt zu werden, gar nicht in meinem Körper zu sein. Ähnlich wie stark betrunken sein. Auch kommen Gedanken, Ängste über etwas, was gar nicht bzw sehr wahrscheinlich nicht passiert ist, mir aber so real vorkommen, bis ich tatsächlich fest davon überzeugt bin, dass es so ist!

Anschließend kommt dann die totale Panik, ich fange an zu weinen und könnte wahnsinnig werden. Ich kann dieses Denken über alles auch nicht abstellen, eher steigere ich mich von Tag zu Tag mehr hinein. Es ist schon wie ein Zwang.

Dadurch, dass ich auch ständig diesen Schwindel und diese plötzliche Übelkeit habe, bin ich mir unsicher, ob es die Psyche ist oder ob (auch) körperlich etwas nicht stimmt.
Kennt hier jemand diese Beschwerden? Ich kann mittlerweile wirklich nicht mehr, es ist wahnsinnig belastend und beängstigend. So oft hatte ich schon mein Handy in der Hand und wollte den Notarzt rufen. Selbst jetzt, während ich diesen Text verfasse, habe ich das Gefühl, gar nicht da zu sein, auch habe ich tausende Gedanken im Kopf, die eigentlich unsinnig sind, sich für mich aber schrecklich anfühlen.

Ich bin am überlegen, heute zum Hausarzt zu gehen, aber ich habe Angst. Wie soll ich dort anfangen? Ich werde doch gleich für verrückt gehalten oder nicht ernst genommen. Zumindest ist das meine Sorge. 🫣

31.07.2026 x 2 #1


107 Antworten ↓

boomerine
Ich denke. Du wirst müssen.
Bedingt durch deine Tochter.
Bitte überwinde dich und geh.
Bevor das Jugendamt an deiner Tür steht.
Du brauchst dich nicht zu schämen
Für was schämen ?
Es kann jeder von uns in eine misslichen Lage kommen, nur wenn die Möglichkeit da ist sollten / müssen wir sie auch nutzen.
Bitte geh, lass dir helfen, denk dabei an deine Tochter.

x 2 #2


A


Beschwerden, die nicht mehr auszuhalten sind

x 3


D
Zitat von Ann95a:
Wie soll ich dort anfangen? Ich werde doch gleich für verrückt gehalten oder nicht ernst genommen.

Doch, die meisten nehmen einen ernst, besonders, wenn man erwähnt, dass man glaubt, psychische Probleme zu haben.
Zu Beginn, dachte ich auch "die halten einen für bekloppt", aber das ist nicht mehr so.

x 2 #3


S
@Ann95a
Guten Morgen,
es ist völlig verständlich, dass du dich so fühlst. Das Gefühl, allein durchs Leben zu gehen und keine Unterstützung zu haben, ist sehr belastend. Langfristig kann das ein großes Problem für die mentale Gesundheit sein. Wenn du nicht weiterkommst, ist es keine Schwäche, dir Hilfe zu holen. Es gibt viele Menschen, die dir zuhören wollen. Du musst das nicht alleine durchstehen. Es ist wichtig, dass du verstehst, was mit dir passiert. Vielleicht möchtest du dich ja doch an deine Hausarztpraxis wenden?
Alles Liebe für dich! Du schaffst das! 🫶

x 2 #4


L
Ein paar Fragen vorweg, danach sag ich dir warum ich dich das frage:
Wie lange hast du Sertralin genommen?
In welcher Dosierung?
Und hast du es einfach weggelassen, oder langsam ausgeschlichen?

Ich denke dass du ein verzögertes Absetzsyndrom hast.
Das ist bekannt, wenn man ein AD, oder auch NL, oder überhaupt Psychopharmaka zu schnell reduziert, oder überhaupt von heute auf morgen wegläßt.
Ärzte sagen einem das nicht immer dass man das langsam reduzieren soll, meistens empfehlen sie die Dosis alle 14 Tage zu halbieren, und dann wegzulassen. Auch das ist für die meisten zu schnell.
Es gibt Menschen, bei denen das gut geht, bei den meisten jedoch nicht.
Vielen geht es so, dass es ihnen zuerst mal ganz schlecht geht, dann folgt eine gute Phase, und dann kommt der Rebound Effekt, bei dem es einem schlechter geht als vor der Medikamenteneinnahme.
Für mich unverständlich dass man dir bei Schlafproblemen Sertralin verschrieben hat, das ist ein anregendes AD.
Bei Schlafproblemen gibt man eher AD die beruhigen.

Oft hilft es das weggelassene Medikament in sehr kleiner Dosierung wieder einzunehmen, damit stabilisieren sich die meisten innerhalb weniger Wochen wieder.
Ich weiß nicht in welcher Form du Sertralin zuhause hast, als Kapsel oder Tabletten, und in welcher Dosierung.
Am besten wäre es wenn du die 25 mg als Tablette zuhause hättest, und die dann teilen könntest.
meist reicht wirklich eine Viertel von 25 mg, um diese Zustände wieder zu verbessern, bestenfalls gehen sie innerhalb von 1-2 Wochen weg. Auf dieser kleinen Menge dann verbleiben bis du wieder stabil bist, und dann wirklich Bröselchen-weise, ganz langsam reduzieren.

x 8 #5


A
Ich sitze gerade beim Hausarzt und bin total nervös. Ich habe das Gefühl, ich falle vom Stuhl, mir geht es gar nicht gut, auch übel ist mir plötzlich wieder. 🙁 Zusätzlich Herzrasen, meine Uhr zeigt einen Puls von 136. 🫣
Ich werde mich gleich bei Euch melden und genaueres erzählen/auf eure Antworten reagieren. 🤗

x 3 #6


Schlaflose
Zitat von luciana:
Bei Schlafproblemen gibt man eher AD die beruhigen.

Genau. Sertralin ist ja ein anregendes AD, das oft Schlafstörungen verursacht. Nicht wenige Leute nehmen abends zusätzlich noch ein sedierendes AD, weil sie vom Sertralin nicht schlafen können. Es macht Sinn, wenn man noch Ängste und Depressionen hat, Sertralin zu verschreiben, aber nicht bei reinen Schlafstörungen.

x 4 #7


kadisha
@luciana
Ich kann mich Luciana nur anschließen. Habe es leider selbst erlebt. Du kannst mir gerne schreiben wenn du jemanden zum reden brauchst 🫂

x 3 #8


S
@Ann95a
Hey, mach dir keinen Stress. Nur du bist jetzt wichtig.
Alles Liebe und vielleicht bis bald lachen

x 2 #9


A
Hallo zusammen,
ich bin endlich wieder zu Hause, da ich keinen Termin hatte, musste ich sehr lange warten. 🫣

Wie ich schon befürchtet hatte, hat man meine Beschwerden. . .zumindest was die Verwirrung und das Gefühl, neben sich zu stehen. . .nicht wirklich ernst genommen. 🙁
Ich wurde nur komisch angeschaut und direkt war die Übelkeit und der Schwindel das Hauptthema. Obwohl ich dieses Gefühl im Kopf, diese extreme Verwirrung, sehr viel schrecklicher finde.

Mir wurde Blut abgenommen, mein Bauch wurde abgetastet, ein Kreislauftest wurde gemacht und ein EKG.
Herausgekommen ist, dass ich einen zu hohen Blutdruck habe, er lag bei 160 zu 100. Alles andere war super. Keine Auffälligkeiten im EKG.
Der zu hohe Blutdruck ist für mich neu, seit Kind an habe ich einen zu niedrigen, noch nie hatte ich jemals beim Arzt einen zu hohen Blutdruck. Mein Arzt schob es erst Mal auf die Aufregung. Wenn er beim nächsten Mal wieder so hoch ist, wird er weiter schauen, meinte er. (Er weiß, dass dieser Blutdruck bei mir eigentlich völlig untypisch ist).

Er will mich am Mittwoch anrufen und mir die Blutwerte mitteilen. Verschrieben hat er mir Medikamente gegen die Übelkeit.

Was nun mit den anderen, für mich viel schlimmeren Beschwerden ist, weiß ich nicht. Er redete davon, dass ich genug schlafen und mich ausruhen soll, schob es noch darauf, dass ich wahrscheinlich zu wenig trinke oder dass mir das wechselhafte Wetter nicht bekommt. 😬Zu wenig trinken kann nicht sein, ich trinke recht viel am Tag.

Sertralin kann nach so langer Zeit keine Beschwerden mehr verursachen, meinte er. 🫣

Ich fühle mich nun noch blöder. Ich habe mich endlich zum Arzt getraut und bin genauso beunruhigt wie vorher. Klar ist es schön, dass das EKG in Ordnung war, aber dieses "benebelt" sein ist so belastend. Ich lief gerade durch die Stadt und hatte das Gefühl, alles um mich herum gar nicht wirklich wahrzunehmen. Ich habe auch jetzt wieder das Gefühl im Kopf, gar nicht anwesend zu sein, gleichzeitig fühle ich so eine Unruhe und Angst. 🙁

Irgendwie bin ich auch super vergesslich geworden, ich kann mich gar nicht mehr an heute Morgen erinnern. Alles ist weg. Irgendetwas stimmt nicht und das ist total schlimm. 🙁

Sertralin hatte ich vor 6 Monaten fast von heute auf morgen abgesetzt, was sicherlich ein Fehler war. Ich nahm 100 mg täglich. Danach, also nach dem Absetzen, ging es mir auch lange wirklich übel, bis es mir ganz plötzlich wieder richtig gut ging.

Warum man mir Sertralin gegen Schlafstörungen verschrieben hat, das weiß ich nicht, ich war davon überzeugt, dass es richtig sein wird, ich kenne mich aber auch nicht aus. Ich habe da natürlich den Ärzten vertraut. 🙈

Ich danke Euch sehr für all die lieben und hilfreichen Worte, es tut mir gerade gut! 🤗

x 2 #10


L
Ich habe befürchtet dass beim Arztbesuch nichts rauskam.
Ärzte negieren Absetzsymptome.
Das was du hast ist ganz typisch wenn man ein AD von heute auf morgen absetzt, noch dazu eine recht hohe Dosis.
Es nennt sich protrahiertes Entzugssyndrom.
Es gibt eine ellenlange Liste an Symptomen dabei, und deine gehören alle dazu.
Manche erwischt es schlimmer, andere milder. Nur wenig haben keine Symptome.
Man soll diese Medikamente wirklich sehr langsam und schrittweise absetzen.
Das Einzige was hilft, ist es wieder einzudosieren, aber wirkich nur mit einer sehr geringen Dosis. Meistens geht es einem damit nach wenigen Tagen bereits wieder besser.
Ohne Wiedereindosierung kann sich das sehr lange ziehen.
Leider helfen andere Medikamente dabei nur bedingt.
Als Beispiel: Medikament gegen Übelkeit hilft kaum, da die Übelkeit zentralnervös bedingt ist, durch das zu abrupte Weglassen.
Hast du dich nicht schlau gemacht bevor du aufgehört hast, oder hat dein Arzt dir gesagt dass du es einfach weglassen sollst? Das soll man nämlcih auf keinen Fall!
Psychopharmaka belegen Rezeptoren im Gehirn. Läßt man es plötzlich weg, fehlt in der Gehirnchemie plötzlich dieser Wirkstoff und es findet sozusagen ein Amoklauf im Gehirn statt.
Die Rezeptoren brauchen Zeit um sich wieder umzubilden.
Ich kann dir wirklich nur raten dass du versuchst eine sehr kleine Dosis wieder zu nehmen, dich zu stabilisieren, und dann sehr langsam abzusetzen.
Lies dich ein zum Thema:
"Protrahiertes Entzugssyndrom"
Du wirst dich in allem wiederfinden.

x 6 #11


S
@Ann95a
Hey, das, was du beschreibst, kenne ich als Zustand rund um einen Burnout. Eventuell passt es zu deiner persönlichen Situation. Die psychischen Ursachen für „Brain Fog” (Gehirnnebel) sind vielfältig. Hauptursachen sind jedoch chronischer Stress, der das Nervensystem überlastet, sowie Ängste und Depressionen. Diese psychischen Belastungen stören das vegetative Nervensystem und verändern den Hormonhaushalt. Das hat Konzentrationsschwäche, mentale Erschöpfung und Gedächtnisprobleme zur Folge. Diese ständige Alarmbereitschaft des Körpers führt zu einem dauerhaft erhöhten Cortisolspiegel. Dies beeinträchtigt das Gedächtnis und das Denkvermögen. Das soll dich aber nicht verunsichern. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen und Meinungen.
Alles Liebe lachen

x 3 #12


Rogue
Hallo Ann95a,

es tut mir sehr leid, dass es dir so geht, ich schicke dir ganz viele Kraft-Gedanken!

Wer (bzw. welcher Arzt) hat dir denn das Sertralin verschrieben gehabt? Das klingt ja wirklich alles etwas merkwürdig, was sowohl die Indikation als auch die Begleitung beim Absetzen angeht.
Ich könnte mir vorstellen, dass dir ein Termin beim Neurologen und beim Psychiater helfen könnte (es gibt ja auch Ärzte, die beides sind). Der Neurologe, um abzuklären, dass diesbezüglich alles in Ordnung ist und der Psychiater, um dich medikamentös neu einzustellen oder der dir, wie @luciana beschrieben hat, nochmal eine minimale Dosis Sertralin verschreiben kann, um es dann richtig auszuschleichen.
Hausärzte sind oftmals nicht die richtigen Ansprechpartner bei Problemen, wie du sie hast.

Zitat von Ann95a:
zusätzlich habe ich Angst, in eine Klinik zu müssen

Davor brauchst du keine Angst zu haben, es ist ein leider immer noch weit verbreitetes Missverständnis, dass man bei psychischen Problemen gleich in eine Klinik "muss".
Zwangseinweisungen sind sehr selten und können nur dann ausgestellt werden, wenn ganz schwere und akute Eigen- oder Fremdgefährdung besteht, das ist bei dir nicht der Fall.
Es kann natürlich sein, dass dir ein Psychiater trotzdem eine Klinik empfehlen wird, aber das ist dann meistens eine psychosomatische Klinik, keine Psychiatrie (zumindest keine geschlossene Station), und das in Absprache mit dir und auf komplett freiwilliger Basis, und das geht auch nicht von jetzt auf gleich, da gibt es (teilweise ganz heftige) Wartezeiten.

Aber bevor das passiert, wird erstmal versucht werden, ambulante Lösungen zu finden, entweder eine ambulante Therapie oder eine Tagesklinik (dort ist man ca. 8 Stunden am Tag und schläft zu Hause).


Aber um nochmal auf meine Eingangsfrage zurückzukommen:
Wie bist du denn aktuell versorgt und in der Vergangenheit psychologisch/psychiatrisch versorgt worden?
Hast du einen Psychiater oder Therapeuten, hat du jemals eine Therapie gemacht?

Falls du aktuell diesbezüglich keinerlei Versorgung hast, würde ich an deiner Stelle dort ansetzen.

Alles Gute für dich! LG

x 2 #13


sandracookie
Huhu,
welcher Arzt hat dir denn das Sertralin verschrieben? Auch der Hausarzt oder ein Facharzt (in der Regel dann Neurologe oder Psychiater)?
Wenn letzteres der Fall ist, wäre dieser Arzt dann vielleicht ein besserer Ansprechpartner bzgl. einer noch möglichen Folge vom Sertralin absetzen.
Was mir ansonsten noch einfällt, wäre das Thema Nährstoffe.
Vermutlich wird der Eisenwert bei der Blutabnahme untersucht werden und das kleine Blutbild, das wäre schon mal sinnvoll.
Im Optimalfall auch Ferritin (Eisenspeicher), weil manchmal ist der Wert im Blut noch gut, obwohl die Speicher fast leer sind.
Zusätzlich wären die Schilddrüsenwerte interessant (i.d.R. schauen die Ärzte erstmal nur nach dem TSH, obwohl T3 und T4 auch wichtig wären).
Bei meiner Unterfunktion hatte ich Brainfog und Konzentrations- und Gedächtnisprobleme.
Seit ich L-Thyroxin nehme, ist das weg - war leider auch ein langer Weg bis es ärztlich abgeklärt war.
Weitere wichtige Nährstoffe, die man abklären lassen kann, wären Vitamin D und Folsäure, diese beiden muss man aber leider definitiv selbst zahlen.
Mein Tipp wäre dir die Blutergebnisse am Mittwoch nicht nur telefonisch mitteilen zu lassen, sondern auch einen Ausdruck/Kopie beim Arzt machen zu lassen, dann hast du selbst die Werte schwarz auf weiß und kannst schauen, was wirklich schon abgeklärt wurde und wo man nochmal nachhaken kann.

x 2 #14


L
Alle eure Ansätze scheinen logisch zu sein, stehen aber zeitlich nur im Zusammenhang mit dem plötzlichen Weglassen vom Sertralin.
Ich bin mir hier bei der TE 100% sicher dass es sich um ein protrahiertes Absetzsyndrom handelt.
100 mg Sertralin sind eine hohe Dosis. und die von heute auf morgen einfach wegzulassen gleicht einem overkill im Gehirn.
Ich verstehe nicht wie man bei Schlafstörungen Sertralin verschreiben kann, und dann noch so eine hohe Dosis von diesem anregenden, aktivierenden AD.
Welcher Neurologe, Psychiater würde das machen? Und vor allem wurde das Weglassen ärztlich indiziert?
Ich kann mir das nicht vorstellen, denn es ist mittlerweile auch bei den Ärzten angekommen, dass langsam ausgeschlichen werden sollte, um genau das alle zu verhindern, davon abgesehen dass es bei Schlafstörungen vollkommen kontraindiziert ist.
Ich vermute stark dass das ein nicht wohüberlegter Einfall eines HA war, der keine wirkliche Ahnung von diesen Medikamenten hat.
Liebe TE lies dich ein in dieses Thema, du wirst viel Hilfe finden, wenn du gut informiert bist, darüber was grade mit dir passiert.
Das alte Forum ADFD hat einen Schatz an Wissen über richtiges Absetzen von Psychopharmaka und Erfahrungsberichte, und das Forum PSYAB ebenfalls. Es gibt sehr viele Erfahrungsberichte in beiden Foren, und man möchte nicht glauben, dass alle dasselbe berichten und welche Leidensgeschichten damit verbunden sind.
Alle wurden entweder falsch beraten (einfach weglassen), oder haben selbst zu schnell reduziert, oder es wurden zu schnelle Wechsel der Medikamente empfohlen (eines weglassen, dafür ein anderes nehmen). Leider funtioniert das nicht so einfach.
Das Resultat sind Langzeitentzugssyndrome.
GSD nicht bei allen, es gibt wenige Ausnahmen wo es gut geht, bei vielen aber passiert genau das, wie es der TE geht.

x 5 #15


A
Hallo zusammen! 🤗

Mein Hausarzt hatte mir damals Sertralin verschrieben, er war es auch, der mir mitteilte, dass ich es zügig absetzen kann. Es würde nicht viel passieren, meinte er.
Das fühlte sich natürlich ganz anders an, ich hatte permanent Stromschläge im Körper, vor allem im Kopf, ich hatte Herzstolpern, Herzklopfen und das Gefühl, jeden Moment zu sterben. Die Zeit war furchtbar. 🙁

Hätte ich das gewusst und auch, dass es lange später noch zu Symptomen kommen kann, hätte ich Sertralin niemals so schnell abgesetzt. 🤦

Mir geht es ehrlich gesagt immer schlechter. 🙁
Mittlerweile bin ich auch noch wahnsinnig gereizt, schlecht gelaunt und einfach nur depressiv. Ich finde alles ganz furchtbar und könnte nur noch heulen. 🙁
So kenne ich mich nicht. Alles nervt mich.

Das dumpfe Gefühl im Kopf ist nach wie vor da, es ist schrecklich, mir tut der Kopf so weh. Ich fühle mich wie betrunken, einfach nicht "hier".
Alles ist wie benebelt. Dieses Gefühl ist nach wie vor am schlimmsten. 🙈
Ich habe außerdem kaum noch ein Gedächtnis.

Ich habe gemerkt , dass dieses Gefühl im Kopf immer schlimmer und extremer wird, je mehr ich nachdenke. Wie ich schon schrieb, wird es irgendwann so schlimm, dass ich das Gefühl habe, Ohnmächtig zu werden.

Ich kann mit diesen Gedanken aber auch nicht aufhören, Sie verfolgen mich den ganzen Tag, wie ein Zwang. Werde ich am Morgen wach, geht es los. Und das über Dinge, die wie gesagt gar nicht real sind.

Ich weiß mittlerweile einfach selbst nicht mehr, was real ist und was nicht. Alles in meinem Kopf, wirklich jeder schlimme Gedanke fühlt sich wahr an. Und ich denke nur an's schlimmste. Das bereitet mir den ganzen Tag Panik. Da kann ich mir noch so oft einreden, dass es völliger Quatsch ist. Das geht in Dauerschleife.
Wie kann sich etwas so real anfühlen, obwohl es das nicht ist? Mein Kopf spielt mir streiche. 🙈
Habt Ihr das Mal gehabt?

Ich habe die Blutergebnisse erhalten, es ist alles in Ordnung, laut Arzt sind die Werte sogar sehr gut. Vitamine müsste ich testen lassen, was sicher nicht verkehrt wäre. Ferritin wurde leider nicht nachgeschaut.

Ich habe für Montag einen Termin beim Psychologen. Mit diesem kurzfristigen Termin habe ich echt viel Glück gehabt. Ansonsten hätte ich Monate warten müssen.

Ich weiß aber ehrlich gesagt nicht, wie ich es bis Montag aushalten soll. Für mich ist gerade jeder Tag quälend, ich wünsche mir gerade einfach nur, dass es endlich aufhört. Einfach Mal nicht nachdenken, keine komischen Gefühle haben, mich "da" fühlen. 🙁
Mein Magen spielt auch immer verrückter, mittlerweile kann ich fast gar nicht's mehr essen, hier und da esse ich eine Kleinigkeit, aber nur gezwungen.

x 3 #16


S
@Ann95a

Hey,
mir hat es immer sehr geholfen, belastende Gedankenschleifen durch sofortige körperliche oder mentale Aktivität bewusst zu unterbrechen. Das muss man natürlich ein bisschen trainieren. Es gehört zur kognitiven Verhaltenstherapie. Sobald das Gehirn durch eine neue, aktive Aufgabe gefordert wird, fehlen ihm die kognitiven Ressourcen, um das Gedankenkarussell aufrechtzuerhalten. Diese Kombination aus Kopf und Magen hat mich lange begleitet und sich erst fast vollständig eingestellt, als ich damit angefangen habe, nicht nur die Symptome, sondern primär die Ursachen unter die Lupe zu nehmen.

Alles Liebe!
👋

x 3 #17

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Johannesschraub
@Ann95a
Hallo Ann,
ich klemm mich hier mal dazwischen.
Mein Name ist Johannes, ich bin 61 Jahre alt und, wie du aus meinem Profil erkennen kannst, seit 35 Jahren „SSRI-erfahren“ – davon seit etwa 6 Jahren auch mit Sertralin.

Zunächst wundere ich mich sehr über die Verschreibung von Sertralin gegen reine Schlafstörungen. Sertralin gehört zur Gruppe der SSRI und wirkt primär antriebssteigernd und aktivierend. Ich könnte mir aber vorstellen, dass dein Hausarzt damals den Verdacht auf eine „versteckte“ Depression hatte. Sehr oft sind chronische Schlafstörungen nämlich das allererste, sichtbare Symptom einer beginnenden Depression oder einer tiefen inneren Erschöpfung. Ärzte verschreiben dann manchmal ein Antidepressivum wie Sertralin in der Hoffnung: „Wenn wir die zugrundeliegende, vielleicht noch unbemerkte psychische Überlastung behandeln, verschwinden auch die Schlafstörungen.“

Nun gut, es ist jetzt so passiert, warum auch immer, und du hast es abgesetzt. Jetzt kommt aber das Wichtigste: Dir passiert nichts – und schon mal gar nicht bis Montag! Du bist kerngesund und dein Kopf plays dir gerade einfach einen bösen Streich. Das ist wie ein Albtraum, der nicht zu Ende gehen will, aber mehr ist es nicht!

Was du jetzt durchmachst, ist eine Mischung aus Angstattacken und Depressionen, zusammen mit den Absetzsymptomen, und das ist biologisch vollkommen nachzuvollziehen. Du hast 100 mg Sertralin (eine hohe Dosis) vor sechs Monaten fast von heute auf morgen abgesetzt. Die „Stromschläge“ (Brain Zaps) und das Herzstolpern direkt danach waren das akute Absetzsyndrom. Diese Stromschläge kenne ich selbst sehr, sehr gut. Sie haben mir anfangs auch große Angst gemacht. Mittlerweile sind sie für mich, wenn ich sie mal bekomme, einfach nur ein Zeichen dafür, dass ich vergessen habe, meine Sertralintablette zu nehmen. Diese Stromschläge sind zwar extrem unangenehm, aber absolut ungefährlich und biologisch sehr gut erklärbar.

Dass es dir danach monatelang gut ging und es erst jetzt so richtig knallt, nennt man in der Fachmedizin ein „protrahiertes“, also zeitverzögertes Absetzsyndrom oder PAWS (Post-Acute Withdrawal Syndrome). Das ist wissenschaftlich bestens dokumentiert. Dein Gehirn hat sich über die Zeit der Einnahme an das Medikament angepasst. Durch den radikalen Entzug gerät das gesamte Nervensystem Monate später in eine extreme, zeitverzögerte Dysregulation. Das bedeutet einfach, dass der Körper oder die Psyche nicht sofort auf den Stress reagieren, sondern erst mit einer spürbaren Verspätung eine Regulationsstörung zeigen.

Auch dieses Gefühl, nicht da zu sein, wie betrunken zu wirken oder sich im falschen Körper zu fühlen, hat einen Namen: Man nennt es Depersonalisation und Derealisation. Es ist ein völlig normaler, wenn auch schrecklicher Schutzmechanismus deines Gehirns. Wenn das Nervensystem durch den Entzug unter absolutem Dauerstress steht, schaltet das Gehirn sozusagen in den „Sicherheitsmodus“ und distanziert sich von der Realität, um sich vor einer Reizüberflutung zu schützen. Das fühlt sich an wie Wahnsinn, ist in Wahrheit aber nur ein biologischer Überlastungsschutz.

Genau das Gleiche gilt für die real wirkenden Ängste und Zwangsgedanken: Dein Gehirn scannt aufgrund des körperlichen Entzugsstresses ununterbrochen nach Gefahren. Weil es im Außen keine akute Gefahr findet, „erfindet“ dein Kopf reale Szenarien oder klammert sich an unsinnige Gedanken, um die körperliche Panik irgendwie zu erklären. Das ist die Dauerschleife, in die du dich hineingesteigert fühlst.

Sogar dein Blutdruck von 160/100, der Schwindel und die Übelkeit passen dazu: Dein vegetatives Nervensystem läuft gerade im absoluten Alarmmodus (der sogenannten Kampf-oder-Flucht-Reaktion). Das treibt den Blutdruck massiv in die Höhe, sorgt für plötzlichen Schwindel und diese schlagartige Übelkeit.

Es ist ein riesiger Meilenstein, dass du am Montag den Termin beim Psychologen hast! Bitte halte dir vor Augen: Dass du so schnell einen Platz bekommen hast, grenzt an ein kleines Wunder und ist genau das richtige Auffangnetz, das du jetzt brauchst. Dein Körper ist gesund, es ist „nur“ dein Nervensystem, das gerade völlig am Rad dreht.

Wie sollst du den Termin jetzt angehen?
Mein Rat für das Gespräch mit dem Psychologen am Montag (und idealerweise bald auch mit einem Facharzt für Psychiatrie, der im Gegensatz zum Psychologen auch Medikamente verschreiben und Blutwerte anpassen darf):
Wie du das Gespräch am besten ansprichst:

Mach es dir nicht unnötig schwer. Du musst das alles nicht perfekt in Worte fassen können.
Der Zettel-Trick: Drucke genau den Text, den du hier im Forum geschrieben hast, aus oder schreibe ihn auf einen Zettel. Sag dem Arzt/Therapeuten einfach: „Mir geht es so schlecht, dass ich mich kaum konzentrieren kann. Ich habe meine Symptome aufgeschrieben, bitte lesen Sie das zuerst.“ Das nimmt dir sofort den Druck.

Das Kernproblem benennen: Sag klipp und klar: „Ich habe vor 6 Monaten 100 mg Sertralin von heute auf morgen abgesetzt. Ich brauche Hilfe, um mein völlig überreiztes Nervensystem wieder zu beruhigen.“ Ein erfahrener Arzt versteht sofort, was los ist.

Was ein erfahrener Psychiater dir wahrscheinlich empfehlen wird:

Ein fachkundiger Arzt wird deine Symptome im Gegensatz zum Hausarzt absolut ernst nehmen. Typische Schritte sind jetzt:
Das Nervensystem sanft beruhigen: Manchmal empfehlen Ärzte in so einem Fall das sogenannte „Wiedereindosieren“ – also eine minimale Dosis Sertralin (z. B. nur 5 mg oder 10 mg) zu nehmen, um den Entzugsschock im Gehirn sofort zu stoppen, und es danach über Monate ganz langsam auszuschleichen. Alternativ gibt es pflanzliche oder sanfte, nicht-abhängig machende Akutmedikamente, die den Blutdruck und die Panik senken, damit du erst mal durchatmen kannst.
Gezielte Labordiagnostik: Er wird dir raten, neuro-relevante Werte wie Ferritin (Eisenspeicher), Vitamin B6, B12, Folsäure und Vitamin D3 im Blut zu überprüfen, da ein Mangel die Absetzsymptome massiv verstärkt.

Psychotherapeutische Begleitung: Genau das, was du am Montag startest. Der Psychologe wird dir helfen, aus dieser Gedankenschleife auszusteigen und dir Techniken zeigen, wie du die Angst im Alltag bewältigst.
Halte durch, liebe Ann. Du bist eine starke Löwenmama und du bist nicht allein!

Noch Fragen? Frag mir ruhig ein Loch in den Bauch!
Ich habe damals genau dasselbe durchgemacht, als ich meinte, mir gehe es super und ich könnte mein SSRI – damals noch Citalopram – einfach absetzen. Und ja, Mist: Nach einem halben Jahr bekam ich die schlimmsten Angstattacken, die ich je hatte. Ich konnte keinen Schritt mehr nach vorne machen, ohne zu glauben, dass ich im nächsten Moment tot umfalle. Meine Lebensgefährtin hat mich dann zum Nervenarzt geschleppt. Der grinste sich nur eins, weil er das Problem natürlich genau kannte, und wir schlichen das Medikament wieder langsam ein. Nach vier bis fünf Wochen war der ganze Spuk komplett vorbei!

LG

Johannes

x 9 #18


L
Zitat von Johannesschraub:
@Ann95a Hallo Ann, ich klemm mich hier mal dazwischen. Mein Name ist Johannes, ich bin 61 Jahre alt und, wie du aus meinem Profil erkennen kannst, seit 35 Jahren „SSRI-erfahren“ – davon seit etwa 6 Jahren auch mit Sertralin. Zunächst wundere ich mich sehr über die Verschreibung von Sertralin gegen reine ...

Genau meine Worte etwas weiter vorne:)Hast du super erklärt!

x 3 #19


Greta__
Es tut mir sehr leid zu lesen wie es dir geht und ich kann sehr nachempfinden was du gerade durchmachst.

Ich hatte seinerzeit nach 8 oder 9 Jahren Escitalopram 10 mg innerhalb von 2 Wochen abgesetzt. Anfangs ging es mir super. 6 Monate später bin ich freiwillig in die Psychiatrie, weil schwere Depression mit Suizidgedanken. Als (allein erziehende) Mutter 2er Kinder war das sehr beängstigend und hat viel mit mir und meinen Kindern gemacht.

Auch wenn das kein Trost ist, aber du bist nicht allein mit dem was du gerade fühlst.

Ich sende dir viel Kraft und wenn erlaubt, eine Umarmung. 🫂

x 4 #20


A


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