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200918.02




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Hallo liebes Expertenteam,

ich habe hier vor Monaten schon mal gepostet. Nach einer Herzmuskelentzündung habe ich eine ausgeprägte Herzangst/-neurose entwickelt. Ich mache nur wenige Fortschritte und leide jetzt schon ein ganzes Jahr daran. Seit einem Jahr gehe ich zu einer psychologischen Beratungsstelle, wo mir mit EMDR auch schon etwas geholfen werden konnte. Leider kommen die Ängste nach einigen Wochen immer wieder. Ich schaffe es einfach nicht angstfrei Sport zu machen. Während einer halben Stunde Fahrradfahren bekomme ich zwischen einer und drei Panikattacken. Ich habe mich nun entschlossen eine richtige Therapie zu beginnen und führe gerade erste Vorgespräche.

Nun frage ich mich aber, ob ich diese verdammte Angst irgendwann wieder los werde. Ich meine nicht nur so viel, dass ich angstfrei meinen Alltag, sondern so, dass ich wieder Leistungssport machen kann.

Besteht die Möglichkeit das wirklich GANZ los zu werden? Gibt es vielleicht irgendwo auch Erfahrungsberichte von Menschen, die das geschafft haben?

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  19.02.2009 10:58  
Hallo ex_sportler,

eine solche individuelle Prognose, wie Du sie Dir erhoffst, kann ich nicht abgeben. Das ist sicherlich Teil einer individuellen Therapie.

Was ich aber sagen kann, ist, dass Krankheitsängste heute gut behandelbar sind und dass Verhaltenstherapie gute Behandlungsergebnisse aufweist. Es gibt also keinen Grund, die Hoffnung aufzugeben. Ich finde es auch sinnvoll, dass Du jetzt eine andere Art von Therapie beginnen willst, weil sich der bisherige Ansatz nach einem Jahr als nicht ausreichend zeigt.


Wenn Du erkennen solltest, dass ein ambulanter Ansatz nicht ausreicht, so solltest Du auch an eine intensivere Therapie im Rahmen einer psychosomatischen Klinik denken. Hier ein paar Adressen von Kliniken, über die Patienten viel Positives berichten:

- Klinik Berus, 66802 Überherrn-Berus
- Psychosomatische Klinik Windach-Ammersee, 86949 Windach
- Psychosomatische Fachklinik, Kurbrunnenstrasse, 67098 Bad Dürkheim
- Vogelsbergklinik, 36355 Grebenhain
- Klinik Roseneck, 83209 Prien
- Psychosomatische Fachklinik Bad Pyrmont, 31812 Bad Pyrmont

Alles Gute für Dich

Bernd Remelius





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  25.02.2009 09:33  
Hallo Bernd,

vielen Dank für Deine Antwort. Gestern war ich zum zweiten Vorgespräch beim Psychologen. Zum Ende der Stunde stellte er eine Diagnose und machte einen Therapievorschlag.

Seine Diagnose ist eine chronische Angststörung, die man seiner Auffassung nach mit einer Verhaltenstherapie und Medikamenten behandeln könnte. Medikamente habe ich bisher immer abgelehnt, weil ich mich weder psychisch noch physisch von irgendeiner Pille abhängig machen möchte. Er argumentierte aber, dass mir das wohl ganz gut helfen würde, da meine Angstschwelle herabgesetzt würde und ich so langfristig bessere Erfolge hätte. Durch die schon lange bestehende Angst seien wohl die Neurotransmitter aus dem Gleichgewicht geraten, die man nur mithilfe von Tabletten wieder ins Gleichgewicht bringt.

Ehrlich gesagt weiß ich jetzt nicht so richtig, was ich davon halten soll. Ich habe schon gelesen, dass man bei einer Verhaltenstherapie auf Medikamente verzichten soll. Ich persönlich empfinde meine Angstschwelle jetzt nicht als so extrem niedrig. In diesem Jahr hatte ich erst zwei richtige Panikattacken. Der Rest der Zeit war eigentlich ganz ok. Natürlich waren hin und wieder Phasen dabei, in denen ich Angstgefühle hatte, aber ich empfand das nicht als sooo belastend.

Mich interessiert Deine persönliche Meinung zu einer medikamentösen Unterstützung und ich würde gerne wissen, ob dieses vorgehen standard ist.

Viele Grüße

Ex_Sportler



  26.02.2009 11:07  
Hallo Ex_Sportler,

ich bin kein grundsätzlicher Gegner von Medikamenten. Und die aller-meisten modernen Psychopharmaka machen auch nicht abhängig, wenn sie verantwortungsvoll und nicht alleine und nicht über viele Jahre ( wenn es nicht notwendig ist !) gegeben werden.

Bei Angststörungen können Medikamente symptomatisch helfen, in dem sie physiologische "Beruhigung" einleiten und das Grundniveau an Stressempfinden etwas normalisieren. Sie sind also eine Krücke, um Dir eine weitergehende Psychotherapie zu erleichtern.

Wenn jemand ein Medikament verschreiben kann, ist er übrigens Arzt und kein Psychologe (also event. Psychiater oder ärztlicher Psychotherapeut). Du solltest auf jeden Fall darauf achten, dass Du auch psychotherapeutisch behandelt wirst und der Therapeut eine entsprechende Approbation als Psychotherapeut hat. Bei Angststörungen zeigt die Verhaltenstherapie gute Erfolge.

Weitergehende Aussagen kann ich nicht treffen, da dies dann vom Einzelfall abhängt und immer im Dialog und im Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Therapeut abgeklärt und abgestimmt werden muss.

Eins erscheint mir aber noch wichtig: man sollte auch aus solchen Fragen keine Ideologie machen, sondern pragmatisch an die Sache herangehen - hilft es oder hilft es nicht ? und ich kann jederzeit entscheiden, ob und wie lange ich ein Medikament einnehmen will !

Ich wünsche Dir alles Gute und baldigen Erfolg.

Herzlichen Gruß

Bernd Remelius





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  26.02.2009 11:16  
Hallo Bernd,

vielen Dank für die Antwort. Ich bin derzeit bei einem zugelassenen Psychologen. Er sagte mir auch, dass ich für ein Medikament zum Psychiater müsste. Ich frage mich nur, ob mich so ein Medikament nicht auch zu sehr beeinträchtigen wird. Zumindest in den ersten Wochen muss man sich wohl daran erstmal gewöhnen. Er meinte auch, dass die Ängste zu Beginn auch schlimmer werden könnten, bis dann später die Besserung eintritt. Mein Problem ist auch, dass ich beruflich einen klaren Kopf brauche. Ich arbeite viel mit Zahlen und muss klar denken können. Auch empfinde ich mein Stresslevel nicht als sehr hoch. Aber vielleicht bin ich es einfach nur nicht mehr gewöhnt einen anderen Zustand zu haben.

Was ich nicht verstehe ist, wie diese Medis helfen, damit meine Gedanken nicht immer um meine Probleme kreisen. Oder habe ich die negativen Gedanken weiterhin, nur werde ich davon nicht mehr nervös?

Würde mich über nochmalige kurze Antwort freuen.

Vielen Dank schon im Voraus.



  26.02.2009 11:24  
Hallo,

die Wirkung von Psychopharmaka ist meist sehr spezifisch und individuell.

ich würde mich erst mal bei einem Psychiater vorstellen und mich beraten lassen. Da kannst Du alle Deine Fragen loswerden.
Dann kannst Du immer noch entscheiden.

Und wenn Du lieber zuerst Psychotherapie ohne Medikament versuchen willst, dann besprich dies mit Deinem Therapeuten und probier es aus.

Schliesse aber ein medikament nicht kategorisch aus, da gerade bei physiologisch betonten Angststörungen durchaus hilfreiche Effekte möglich sind.

Gruß

Bernd Remelius

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