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Liebe Community,

das ich diesen Schritt hier gehe und mir online Hilfe suche, hätte ich nie für möglich gehalten.
Ich leide seit 13 Jahren an Angststörrungen/Panikattacken.
In den Jahren habe ich von Therapie, über Tagesklinik, über 6 wöchige Ganztages Klinik, bis hin zu Wunderheilern alles ausprobiert.
Phasenweise erging es mir gut und dann phasenweise wieder schlechter.
Aktuell habe ich eine nahezu permanente, generalisierte Angst in mir die bei x beliebiger Gelegenheit in Form einer Panikattacke oder intensiver Atemnot ausbricht.

Ich weiß einfach nicht mehr weiter und denke, dass sich nichts mehr ändern wird hinsichtlich meiner Erkrankung.

Nun meine große Frage, gibt es hier jemanden der ähnliche Symptome hatte und es geschafft hat vollkommen gesund zu werden und ohne "sinnlose" Ängste zu leben?

Ich wäre wirklich sehr dankbar über jede vorstellbare Nachricht / Story hierzu.

vielen Dank und einen schönen Abend !

LG
Joe

20.04.2022 20:17 • 24.04.2022 #1


23 Antworten ↓


Hallo Joe, hast du schonmal geschaut ob du unter Traumatisierung leiden könntest?

20.04.2022 20:25 • #2



Wer hat es bereits "geschafft" ?

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Ich habe unterschiedliche Erfahrungen mit Angst gemacht, manchmal durchfühlen. Ganz ruhig zu lassen und beobachten und fühlen und manchmal war es ne Energie die ich mit Laufen loswurde.

20.04.2022 20:28 • x 1 #3


Hallo Pipolone, danke für deine Nachricht. Ich habe das nicht spezifisch getestet, nein. Wie kommst du darauf ? Lg

20.04.2022 20:29 • #4


@Pipoline
Mit Sport habe ich mich bislang auch sehr gut über Wasser gehalten, das lässt leider momentan nach…

20.04.2022 20:30 • #5


Weil Ängste immer auch bei Trauma dazu gehören und ja grundsätzlich unnatürlich sind. Und da du dir selbst anscheinend keine Antwort weißt und schon einiges probiert hast.. wäre ja zumindest ein Versuch mal in diese Richtung zu recherchieren

20.04.2022 20:32 • x 1 #6


Also Gefühle kommen ja immer auch zu einem Ende. Der Verlauf ist Wellenartig, geht unter Umständen mit Körperempfindungen einher. Hast du das schon gemacht?

20.04.2022 20:36 • x 1 #7


@Pipoline vielen Dank für den Hinweis ! Ich bin seit ein paar Wochen wieder in der Therapie und wir arbeiten die Situationen usw durch aber nicht gezielt nach Trauma.
Ich hatte ein Schlüssel Erlebnis vor 12 Jahren , als ich meine erste Panikattacke in einer Beratung im Job hatte. Dieses Erlebnis hat mich nie wirklich losgelassen und seitdem hat sich auch alles bei mir verändert. vielleicht sollte ich nochmal auf diesen Punkt eingehen! Danke dir !

20.04.2022 20:38 • x 2 #8


Lina60
Ich finde es prima, dass Du Dir immer wieder psychotherapeutisch und/oder in Tages- und Ganztagskliniken hast helfen lassen @Pipoline, doch weil Du keine Psychopharmaka erwähnst, weiss ich nicht, ob Du es schon auf diesem Weg versuchtest ?

Psychopharmaka können, wenn man die hilfreichen findet ( wobei zuweilen geduldiges Ausprobieren notwendig ist) eine Art Boden schaffen, also auch Ängste reduzieren oder ganz eliminieren, damit man sich besser auf das Leben einlassen kann.

Ich selbst habe seit ca. 30 Jahre immer mal wieder Antidepressive während ein paar Monaten genommen, und dadurch Linderung der Ängste erfahren dürfen. Zur Zeit bin ich grad wieder auf der Suche nach dem richtigen Mix.

21.04.2022 06:56 • x 1 #9


Hallo Lina,

vielen Dank für deine Nachricht. Ich denke über ein Notfall Medikament nach, Medikamente als festen Bestandteil meines Lebens mitaufzunehmen kommt für mich nicht in Frage.

Lg

21.04.2022 07:47 • x 2 #10


Grace_99
Notfallmedikamente sind Benzos und diese machen sehr schnell abhängig, wäre für mich nicht die 1. Wahl und sie beseitigen nicht die Ursachen.

Therapie und Antidepressiva sind da der bessere Weg. Antidepressiva stabilisieren und unterstützen, so dass man sie nach gewisser Zeit auch wieder ausschleichen kann.

21.04.2022 07:50 • x 2 #11


Für mich kamen und kämen Medikamente auch nie in Frage. Aber ich denke, das spürt jeder in sich selbst, was passt und was nicht angebracht ist. Mir wollte eine Therapeutin auch Medikamente schön reden. Wäre in meinem Fall völlig falsch gewesen.

21.04.2022 10:14 • x 3 #12


moo
Servus JoeX, willkommen!

Zitat von JoeX:
Aktuell habe ich eine nahezu permanente, generalisierte Angst in mir die bei x beliebiger Gelegenheit in Form einer Panikattacke oder intensiver Atemnot ausbricht.

Also definitiv generalisierte Angst (Angst vor der Angst-Spriale)?

Zitat von JoeX:
Ich hatte ein Schlüsselerlebnis vor 12 Jahren, als ich meine erste Panikattacke in einer Beratung im Job hatte. Dieses Erlebnis hat mich nie wirklich losgelassen und seitdem hat sich auch alles bei mir verändert. Vielleicht sollte ich nochmal auf diesen Punkt eingehen! Danke dir !

Darauf solltest Du m. E. unbedingt eingehen! Hast Du das übrigens im Zuge der von Dir genannten Therapien nicht getan?

Zitat von JoeX:
Ich denke über ein Notfall Medikament nach, Medikamente als festen Bestandteil meines Lebens mitaufzunehmen kommt für mich nicht in Frage.

So sehe ich persönlich das auch. Und ich bin übrigens einer, der es wohl aus Deiner Sicht geschafft hat - ohne jegliche Medikamente, allerdings mit sehr viel Eigeninitiative hinsichtlich Lebensumstellung.

21.04.2022 10:43 • x 2 #13


Hi Moo,

Danke für deinen Input.

Es ist tatsächlich die Angst vor der Angst die mich momentan beansprucht. Zeitweise war das ganze Thema wesentlich besser, nun leider wirrer akuter.

Wir haben in der Therapie ausschlaggebende Situationen genau analysiert. Am Ende ist das Ergebnis, dass ich mich selbst nicht annehme und Angst vor negativer Beurteilung und Ablehnung habe. Außerdem habe ich eine starke Barriere zu meinem inneren Kind erreichtet, die gilt es nun aufzulösen.

Ich werde das Thema ebenfalls mit Eigeninitiative , Mut und Ausdauer bewältigen - Medikamente kommen für mich nicht in Frage. Das bestärkt sich gerade sich während ich es so schriebe

Lg

21.04.2022 12:10 • x 2 #14


Wer sich so mutig auf den Weg zu sich selbst macht, wird auch fündig. Ganz bestimmt

21.04.2022 14:19 • x 2 #15


Lokalrunde
@JoeX
Erst mal einen lieben Gruß. Bei mir war es damals ähnlich gelegen, bekam es nach dem Tod meines Vaters mit Angst und Panikstörungen zu schaffen und dass ziemlich heftig. Zuerst war ich noch damit beim Hausarzt und etwas später bei einem Facharzt für psychotherapeutische Medizin, davor bei Neurologen/Psychiater wo ich Fläschchen weise Diazepam verordnet bekam und sonst aber nix passierte. In der psychotherapeutischen Medizin erkannte man schnell mein Problem.

Nachdem ich im Mai 1998 krank geschrieben wurde auch vom medizinischen Dienst kam ich im September in die Klinik Rastede was die Schwesterklinik von Bad Herrenalb war, dort wurde rund um die Uhr von in der früh 05:30 bis 21:00 therapiert, begonnen mit Meditation und Waldlauf - Gruppen u. Einzeltherapie alleine schon 5 Std. - Erog/Musik/Sport etc. und am Abend Selbsthilfegruppen. Nur der Sonntag stand zur freien Verfügung. In den ersten 14 Tagen Kontaktverbot nach Hause, kein Smartphone und kein Fernsehen/Radio u. Alk. u. Rauchverbot.

Therapiert wurden wir nach dem 12 Schritte Programmen von Lechner und ich muss sagen das in den ersten Tagen einige die Klinik wieder verließen weil sie es nicht schafften den Alltag und die Form zu akzeptieren, es gab unter den Patienten und Therapeuten einen großen zusammen halt/zusammenrücken und man war nur nach 21:00 alleine, wenn man wollte, ansonsten gab es auch in der Nacht Kontakt. Ich war nach nicht mal einer Woche wie in meiner eigenen Familie. Gesamtzeit 10 Wochen bei mir.

Danach hatte ich weiter ambulante Therapie jede Woche einmal über 4 Jahre. Es kamen Zeiten wo ich ganz normal weiter lebte und Zeiten mit Rückfälle. Irgendwann bekam ich noch EMDR wegen posttraumatischer Belastungsstörung. Im großen und ganzen bin ich aber seit 2016 nach einem Rückfall über den Berg. Zähle ich heute alles zusammen kommen insgesamt mehr als 6 Jahre Therapie zusammen. Und es ist keine Garantie das es so bleibt, manchmal, nur manchmal kommen sie wieder, den Spruch werde ich nie vergessen und er stimmt.

Ich hatte nach Rastede eine gute Zeit und heute noch denke ich oft zurück, die haben mir da mein Leben gerettet, ich war 24 Std. unter Panik mit zittern und nicht mehr gehen können, Atemnot wie bei einer Hyperventilation und konnte meinen Urin nicht halten, und schließlich Suizid Gedanken. Da gab es dann Valium 14 Tage. In der Reha in Rastede keine Medikamente - dafür persönliche menschliche Kontakte die sehr intensiv und nah waren. An Patienten war dort alles, meist Frauen, mit den unterschiedlichsten Problemen sogar Diaphin Entzüge.

Mein Vorteil, ich konnte mich einlassen und akzeptieren und annehmen auch wenn der Kopf mir sagte nein so ein Quatsch.
Ich hoffe Du findest für Dich ebenso eine Lösung, leider findest Du so eine Klinik nach der Behandlung nur noch in Bad Herrenalb oder bei privaten Krankenkasse in Bad Zwischenahn. Alles gute Dir, Du schaffst es!

21.04.2022 15:01 • x 2 #16


moo
Servus Joe,

danke für die Rückmeldung.

Zitat von JoeX:
Es ist tatsächlich die Angst vor der Angst die mich momentan beansprucht. Zeitweise war das ganze Thema wesentlich besser, nun leider wieder akuter.

Ja, kenn ich. An guten Tagen kann man sich nicht vorstellen, dass die Angst jemals wieder kommen könnte und ein paar Tage später schaut man nur noch aus seinem Loch in eine ungewisse Zukunft.

Es ist genau diese Unwägbarkeit, die uns verunsichert. Mitzukriegen, dass sich die Weltsicht buchstäblich jede Sekunde ins wahrhaft Furchtbare verkehren kann, erzeugt (und verfestigt!) eine generelle Angst (vor der Angst).

Bei mir war eigentlich kein Trauma der Auslöser, sondern ein allmählich immer schwieriger, enger und komplexer werdender Alltag - oder zumindest wirkte dieser so auf mich.

Zuerst kam die Depression, dann die erste Panikattacke, daraus entstand eine diffuse Angst (vor Wiederholung) und daraus wiederum die generalisierte Angststörung. Rückblickend eigentlich ein Klassiker, aber wenn man den selbst erstmalig durchlebt, kann einem die Lust am Dasein durchaus entgleiten...

Parallel zu diversen Therapien stand und steht bei mir schon seit über 15 Jahren die Meditation (Shikantaza, Koan-Arbeit, Anapanasati, Vipassana) sowie die damit verbundenen Erlösungswege. Mir persönlich erscheinen diese Lehren sehr logisch, einsichtsfördernd und v. a. tragfähig.

Allerdings stellte ich im Zuge meines Heilsweges immer wieder fest, dass eigentlich vieles, was ich als meinen Lebensstil ansah, im Grunde ziemlich unheilsam und idF abzulegen oder immerhin zu hinterfragen war. Erst als ich das dann endlich(!) auch tat, wendete sich das Blatt ganz entscheidend.

Damit will ich andeuten, dass wir durchaus in der Lage sind, ohne jegliche Medikamente gesund zu werden. Wir sind ja auch ohne Medikamente krank geworden...

Für mich gilt, dass ich keine halben Sachen mehr mache (eigentlich nie machen hätte sollen, aber so leicht kommt man aus seiner Haut nichts raus) und diese Haltung ermöglichte erst eine m. E. weitaus vollumfänglichere Gesundung, als unter Psychopharmaka. Nicht nur hier im Forum gibt es zahlreiche Beispiele, denen beim Ausschleichen ihrer ADs plötzlich ihr ganzer Therapiefortschritt auf die Füße fällt und sie danach wieder auf Los stehen ohne wirklich was gelernt zu haben. Das ist die kritische Seite der AD-Medaille. Die positive Seite ist jedoch, dass manch schwere Fälle ohne ADs evtl. gar nicht behandelbar sind und da haben sie als Krücke zweifelsohne ihre Berechtigung. Allerdings braucht es hier erfahrene Mediziner und ich denke, auch a bisserl Glück. Und beides ist leider nicht so easy verfügbar.

Jeder muss sich einzuschätzen lernen, ob er es ohne schafft und dazu gehört m. E. zuvorderst, dass man die Kompetenz hat, mit schwierigen Therapiephasen klarzukommen. Für Leute wie Dich, @Pipoline und mich mag sogar die AD-Freiheit unabdingbar dazugehören, um überhaupt mit Therapie zu beginnen, weil das Teil unseres Selbstverständnisses ist. Lustig ist, dass ich erst ziemlich spät anerkannt habe, dass in meinem Fall der A lkohol viele Jahre lang die Rolle der Antidepressiva übernommen hat... Aber auch hier gilt: jeder braucht seine Zeit, um seine Einsichten zu erlangen. Wenn sie sich dann endlich sozusagen organisch einstellen, hat man ein riesiges Lastpaket höchstwahrscheinlich für immer abgelegt.

Dieser eigenverantwortliche Weg ist bisweilen ein schwieriger, gewundener aber eben deshalb ein Lebensweg - und um was geht es denn letztendlich? Diesen, unseren Weg zu finden.

Von der mentalen Seite abgesehen, gehört m. E. auch die körperliche in den Blick genommen. Das wird gerne übersehen. Mit a bisserl Sport ist da nicht viel zu erreichen. Ein ordentlicher Check-Up hinsichtlich Vitalstoffe, Hormone, Verdauungsfunktion etc. kann die notwendige, lange übersehene zweite Säule sein - insbesondere dann, wenn nach jahrelanger Psychotherapie kein dauerhafter Fortschritt zu erkennen ist.

Drück alle verfügbaren Daumen und hoffe, Du bleibst dem Forum erhalten!

PS @Pipoline - Dein Profil liest sich interessant, v. a. Dein Beruf...

21.04.2022 16:22 • x 4 #17

Sponsor-Mitgliedschaft

kritisches_Auge
Zitat von moo:
Damit will ich andeuten, dass wir durchaus in der Lage sind, ohne jegliche Medikamente gesund zu werden. Wir sind ja auch ohne Medikamente krank geworden...

Dieser Behauptung möchte ich widersprechen, zu mindestens finde ich den Wir- Modus nicht angebracht. Ob es für dich zutrifft, kann ich nicht beurteilen, aber ich glaube nicht, dass z.B. Schizophrenie und endogene Depression/ Manie durch Meditation beseitigt werden können.

21.04.2022 16:43 • x 1 #18


Grace_99
Empfinde das auch als anmaßend. Wer von seiner Erfahrung spricht, sollte in der Ich-Form bleiben.

21.04.2022 16:47 • #19


moo
Zitat von kritisches_Auge:
Dieser Behauptung möchte ich widersprechen, zumindest finde ich den Wir-Modus nicht angebracht. Ob es für dich zutrifft, kann ich nicht beurteilen, aber ich glaube nicht, dass z.B. Schizophrenie und endogene Depression/ Manie durch Meditation beseitigt werden können.

Danke für die Randnotiz . Das Wir bezog ich auf JoeX und mich - und die Meditation sowieso auf mich.

21.04.2022 16:51 • #20



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